Oligarchen der Demokratie – Ein notwendiger Blick auf die Demokratie

Wenn die Welt in Wehen liegt

Lange habe ich mit der Wahl der Überschrift für diesen Beitrag gehadert. Zunächst kam mir die anstehende Wahl in Deutschland so prägend für die öffentliche Berichterstattung und Diskussion vor, dass sie im Vordergrund stehen sollte. Dann verlagerte sich jedoch mit der Inauguration des neuen US-Präsidenten die Aufmerksamkeit auf die möglichen Folgen, die dieser Wechsel für Deutschland und Europa haben könnte und sicher haben wird. Unter den vielen Meinungsäußerungen und Berichten zum Politikwechsel in Amerika hat mich schließlich ein von der ZEIT dokumentiertes Gespräch mit dem 82 jährigen amerikanischen Gelehrten Richard Sennett von der historischen Tragweite der aktuellen Vorgänge in den USA überzeugt. Er nannte sie „just horror !“ (einfach nur Horror). Weiterlesen

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Deutschland vor einer politischen Neuorientierung?

Drei Wochen vor den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen, bzw. einen Monat vor der Landtagswahl in Brandenburg veröffentlichte die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) das in Grafik 1 abgebildete Ergebnis. Abweichend von der Originalfassung der Daten wurde von mir eine Zurechnung der Ergebnisse, die unter 5% liegen, zu „sonstigen“ im Bezug auf Sachsen vorgenommen. Hierdurch erscheint die FDP dort nicht als eigenständiges Ergebnis.

Aus den ablesbaren Parteienkonstellationen ergeben sich sehr schwierige Bedingungen für die Regierungsbildungen – wenn diese Umfragen Wirklichkeit werden. Mit diesem Beitrag möchte ich über die in den Medien verbreiteten und oft verwirrenden Meldungen hinaus gehen und die in meinem Beitrag vom 07.August begonnene Darstellung von Fakten zu der Situation in Deutschland – insbesondere den „neuen“ Bundesländern – mit ganzheitlichen Aspekten fortsetzen. Dabei ging es zunächst um offizielle statistische Daten einer Fachbehörde der Bundesregierung. In diesem Beitrag geht es um die psycho-soziale Situation in den ehemaligen Ländern der früheren DDR, soweit sie mit den Mitteln dieses Projekts ermittelt und dargestellt werden kann. Eine kurze – aktualisierte – Darstellung der Methodik werde ich am Anfang des Beitrags geben.
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Deutschland nach der Europawahl 2024 – Eine ganzheitliche Betrachtung

Selten hat ein Wahlergebnis soviel Erregung verursacht, wie die Wahl zum Europäischen Parlament in der Zeit vom 6. bis 9. Juni 2024. In Deutschland und in Frankreich ist sie in den Rang einer Schicksalswahl erhoben worden. Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen zu drei deutschen Landtagen im September 2024 (Sachsen und Thüringen am 01.09. und Brandenburg am 22.09.) und der vom französischen Präsidenten in spontaner Reaktion auf das Wahlergebnis angesetzten Parlamentswahl am 30.06.2024 und deren Ergebnissen werden in diesen Ländern die möglichen Verschiebungen im politischen Gefüge besonders intensiv diskutiert. In diese Diskussionen wirken die Ereignisse im Vorfeld der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl mit den schwachen Auftritten des zur Wiederwahl angetretenen Präsidenten Joe Biden und dem – einem tödlichen Attentat knapp entgangenen – Kandidaten der Republikaner hinein. Hier werden in gedrängter Form die Abhängigkeiten zwischen den USA und Europa sichtbar. Dabei spielt Donald Trump als Kandidat der Republikaner die große Unbekannte für die europäische und insbesondere die deutsche Politik. Im Vordergrund stehen die zukünftige Haltung der USA zum Krieg in der Ukraine und zur NATO, die nach den wiederholten Ankündigungen Trumps einer Priorität von „America First“ im Bezug auf die NATO für Deutschland zu enormen Belastungen des Staatshaushalts führen können.

Bereits im Wahlergebnis zur Europawahl haben die in Deutschland begonnenen Diskussionen um die politischen Zeichen am westlichen Horizont eine Spaltung des Landes in einen östlichen Bereich, der identisch mit der ehemaligen DDR ist und einen westlichen Bereich, der identisch mit der alten Bundesrepublik ist, sichtbar gemacht. Weiterlesen

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Universalismus in einer globalisierten Welt

Die vergangenen Wochen wurden geprägt durch sehr unterhaltsame, aber auch durch nachdenklich stimmende Meldungen in den Medien. In die erste Kategorie passt die tagelange Suche nach einem vierbeinigen Phantom im brandenburgischen Speckgürtel von Berlin. Zunächst als Löwin identifiziert, dann als Wildschwein in den Wäldern verschwunden, sorgte es für die Aktivierung des Jagdtriebes eines breiten Spektrums ordnungsliebender Experten. Dieses Ereignis sorgte zugleich für eine vorübergehende Entspannung der durch Klimakrisen rund um den Erdball  anhaltend in ohnmächtige Anteilnahme versetzten Öffentlichkeit. Auf der politischen Bühne war in dieser Zeit der Parlamentsferien noch Platz für die ausgiebige Abarbeitung des Themas AfD. Ausgelöst durch jüngste Wahlerfolge – real wie auch virtuell in Umfragen – sorgte das Sommerinterview mit dem CDU-Vorsitzenden Merz für Aufregung, die wahrscheinlich nicht im Sommerloch steckenbleiben wird, sondern einen bleibenden Eindruck bezüglich der Haltung der CDU zu den Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit der AfD und der Eignung von Merz als Kanzlerkandidat hinterlassen wird.

Sommerlöcher macht ihre Hervorhebung ansonsten belangloser Ereignisse und ihre schwache Wahrnehmung aus. Dennoch steht die Welt in dieser Zeit nicht still. Neben Belanglosigkeiten schaffen es auch Themen wahrgenommen zu werden, die zwar wichtig sind, jedoch nicht in das von Regierungen gepflegte Themenspektrum passen.  Hierzu gehören z. B. die Finanzierung des Elterngeldes und die Lage der Wirtschaft oder die Sicherung des Industriestandorts Deutschland. Dabei werden auch Kapazitäten für die Einordnung tagesaktueller Ereignisse in globalere und langfristigere Ereignisse frei. Hieran soll dieser Beitrag anknüpfen und Langzeitentwicklungen unter Gesichtspunkten ganzheitlicher Betrachtungen aufzeigen, die sich an Themen orientieren, die aktuell in den Medien diskutiert werden.

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Bedeutet der Krieg in der Ukraine eine Zeitenwende?

Am 20. September 2001 war in der Wochenzeitung DIE ZEIT zu lesen, was der Schriftsteller Stefan Zweig an einem schönen Sommertag auf einer Bank sitzend im Kurpark zu Baden bei Wien empfand, als plötzlich die Kurkapelle mitten im Takt verstummte. „Auch die Menge, die als eine einzige flutende helle Masse zwischen den Bäumen promenierte, schien sich zu verändern, auch sie stockte plötzlich in ihrem Auf und Ab. Es mußte sich etwas ereignet haben„, schrieb er später in seiner Autobiografie.

Es war der 28. Juni 1914 als die Nachricht von der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgerpaares in Sarajewo bekannt wurde und damit der Anlass für den bereits erwarteten Krieg geschehen war. Weiter heißt es in dem Artikel: „ Das Entsetzen über die Mordtat verband sich mit der dunklen Ahnung, an der Schwelle einer Zeitenwende zu stehen, die das Ende aller Sicherheiten bedeuten würde. Nichts wird mehr sein wie zuvor: Das war auch die Empfindung, als am Dienstag vergangener Woche die ersten Meldungen über die Terrorangriffe auf das World Trade Center und das Pentagon verbreitet wurden und man die Bilder des Infernos auf allen Fernsehkanälen verfolgen konnte.

Was als Reaktionen auf die beiden Ereignisse folgte, waren im ersten Fall der erste Weltkrieg und der daraus folgende zweite Weltkrieg sowie im zweiten Fall der „Krieg gegen den Terror“, der von den USA ausgerufen wurde und neben einer Vielzahl begrenzter militärischer Attacken auch zu Kriegen in Afghanistan und im Irak führte und bis heute anhält. In beiden Fällen handelt es sich – mit dem notwendigen zeitlichen Abstand betrachtet – um historische Zäsuren. Vor diesem Hintergrund ist auch die Verwendung des Begriffs „Zeitenwende“ im Bezug auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beurteilen. Die Frage lautet hier: Welche Aussagekraft hat der Begriff „Zeitenwende“ in der gegenwärtigen Situation?

Zunächst suggeriert seine Verwendung ein hohes rhetorisches Gewicht, indem er das Thema in eine Reihe mit den epochalen Ereignissen der beiden Weltkriege und des internationalen Terrorismus stellt, doch stellen sich hinsichtlich seiner faktischen Angemessenheit sofort Zweifel ein, da er ein im Werden begriffenes Ereignis bezeichnet, zu dem ein abgewogenes Urteil der Geschichte als Zweig der Wissenschaft (noch) nicht möglich ist. Es ist daher zu klären, worauf sich das verwendete Schlagwort substantiell beziehen soll. Dazu kann das folgende Zitat aus der Rede des Bundeskanzlers vor dem Deutschen Bundestag am 27. Februar 2022 dienen:

„Der 24. Februar 2022 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents. Mit dem Überfall auf die Ukraine hat der russische Präsident Putin kaltblütig einen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen. Aus einem einzigen Grund: Die Freiheit der Ukrainerinnen und Ukrainer stellt sein eigenes Unterdrückungsregime infrage. Das ist menschenverachtend. Das ist völkerrechtswidrig. Das ist durch nichts und niemanden zu rechtfertigen.“

Aus der Rede des Bundeskanzlers Olaf Scholz am 27. Februar 2022 in einer Sondersitzung des Deutschen Bundestags zum Ukraine-Krieg

Anders, als von verschiedenen politischen Beobachtern kommentiert, geht hieraus eindeutig hervor, dass es beabsichtigt ist, mit der Verwendung des Begriffs ein geschichtliches Urteil über das Verhalten des russischen Präsidenten zu fällen um hierdurch eine Schärfe in der Ablehnung des kriegerischen Verhaltens auszudrücken. Gestützt wird die moralische Verurteilung durch das Völkerrecht und die Absage an den menschenverachtenden Materialismus des russischen Regimes. Durch die Bezugnahme auf den europäischen Kontinent wird damit eine programmatische Aussage verbunden, die eine grundlegende Neubewertung der europäischen Politik – und insbesondere die der Bundesrepublik – behauptet, soweit bereits Reaktionen der EU-Staaten erfolgt sind, bzw. für die Zukunft angekündigt, soweit die weitere Entwicklung der russischen Politik dieses rechtfertigt.

Durch die Lieferung von Waffen – nach der aktuellen Beschlusslage auch schwerer Waffen – und die Bereitstellung von Geldern für den Kauf von Waffen hat Deutschland einen angemessenen Beitrag zur Selbstverteidigung der Ukraine geleistet. Damit hat Deutschland in diesem Krieg eine moralische Verpflichtung zur Verbesserung der Selbstverteidigung der Menschen in der Ukraine eingelöst, die im Deutschen Bundestag breite Unterstützung – über die Regierungsfraktionen hinaus – gefunden hat. Eine weiter gehende militärische Unterstützung durch Nato-Staaten ist – wenn auch von der ukrainischen Regierung und amerikanischen Militärs gefordert –  ohne die Gefahr eines ganz Europa überziehenden Krieges – nicht möglich.

Andererseits besteht die Gefahr, dass Russland seine militärische Präsenz weiter an die Grenze zu den NATO-Staaten verlagert, indem es die Ukraine als Ganzes erobert und die ehemalige Sowjetrepublik Moldau ebenfalls unter seine Herrschaft bringt. Zur Abwendung einer solchen Entwicklung bestehen sowohl diplomatische wie auch militärische Optionen. Die schlechteste Lösung wäre hierbei das Beharren auf waffentechnischen Festlegungen, die so unpräzise sind wie die aktuelle Klassifizierung „schwere Waffen“, die sich als politische Nebelkerzen eignen, jedoch nicht den militärischen Notwendigkeiten folgen, um die „normative Kraft des Faktischen“ soweit wie möglich auszuschließen.

Normative Kraft des Faktischen bedeutet, dass durch die tatsächliche Entwicklung ein Zustand geschaffen wird, den die Rechtsordnung anerkennt, z.B. unvordenkliche Verjährung, Durchsetzung einer durch Revolution an die Macht gelangten Regierung.

Es ist eine auf den Rechtsgelehrten Georg Jellinek (1851-1911) zurückgehende Wendung, die den Geltungsgrund des Rechts – in Abkehr von naturrechtlichen Traditionen (Naturrecht) – nicht in der gleichbleibenden Natur des Menschen oder in der Vernunft, sondern in den tatsächlichen Gewohnheiten des geschichtlich-sozialen Lebens sieht. In der modernen Industriegesellschaft ist das Gewohnheitsrecht, das die n.K.d.F. verkörpert, durch staatlich gesetztes Recht fast vollständig verdrängt worden. Allerdings beeinflusst die soziale Wirklichkeit insoweit den Rechtsetzungsprozess, als sich auch das Recht an ihr u. den sie prägenden Wertvorstellungen stets von neuem bewähren muss.

Quelle: Rechtslexikon.net

Wegen der genannten Gefahren ist jenen Kritikern beizupflichten, die eine Fixierung der Hilfeleistungen auf den militärischen Sieg der Ukraine – als dem zwar im Recht befindlichen, jedoch von vorn herein militärisch schwächeren Staat – ablehnen. Dabei ist auch bei einer begrenzten Erobereung von Gebieten innerhalb der Ukraine zu berücksichtigen, dass in diesem Fall ebenfalls von der „normativen Kraft des Faktischen“ (siehe Kasten) auszugehen ist, da sie sich in Verhandlungen zur Herbeiführung eines Waffenstillstandes und zur Lösung des Konfliktes zur Geltung bringen wird. Entgegen der herrschenden Berichterstattung über den Konflikt in den Massenmedien, die weit überwiegend den militärischen Entwicklungen folgt, mit der zwangsläufigen Konsequenz einer Parteinahme für die Ukraine, ist eine vom Ende her gedachte Lösungsstrategie erforderlich, die den Weg zurück an den Verhandlungstisch ermöglicht.

Eine solche Lösungsstrategie hat die Klärung des Konfliktgegenstandes zur Voraussetzung, die schwerlich aus dem Verlauf des Krieges selbst erfolgen kann. Bisher wurde auf beiden Seiten – aus unterschiedlichen Ursachen – eine Desinformation der Bevölkerung betrieben, wie sie für die moderne Kriegführung typisch ist. Auf russischer Seite ist es die befohlene Vermeidung des Wortes Krieg in der Berichterstattung, um den Mythos vom geschundenen Volk aufrecht zu erhalten, auf ukrainischer Seite das unmögliche Eingehen auf die russische Bedrohung, da die Kriegsziele Russlands nicht klar benannt werden können. Grundsätzlich gilt jedoch die Erfahrung: „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“. Eine der fatalsten Lügen ist die Erweckung des Anscheins, als könnte der moderne Krieg ohne Tötung und Verletzung von Zivilisten durchgeführt werden bzw. ausschließlich unter militärischen Kräften erfolgen. Mit dieser Erzählung verselbständigen sich Gewalt und Krieg als dauerhafte Mittel zur Austragung von politischem Streit. Das zur Verfügung stehende Arsenal an Waffen verspricht die technischen Möglichkeiten zur Einhaltung dieses Versprechens. Nachfolgend eine kurze Übersicht auf der Basis von Wikipedia-Artikeln über einige wesentliche Merkmale moderner Kriegsführung, ohne hier auf die militärische Situation in der Ukraine eingehen zu können:

Psychologische Kriegsführung. Als Methoden der psychologischen Kriegsführung zählt alles, was die Moral der gegnerischen Kräfte stört, vermindert oder zerstört oder deren Wahrnehmung verfälscht. Als häufige – und auch im Ukrainekrieg zu sehende – Methoden sind zu nennen Propaganda, Missbrauch an der Zivilbevölkerung, brutale Abschreckungsbeispiele, Manöver an der Grenze zum potentiellen Gegner, Überfälle im Hinterland zur Verunsicherung gegnerischer Truppen, Aufrufe durch verschiedene Medien (Lautsprecher, Flugblätter, Rundfunk).
Konventionelle Kriegführung. Es handelt sich um den klassischen Einsatz militärischer Großverbände, die verschiedenen Waffengattungen (Panzer, Artillerie, Infanterie) und Teilstreitkräften (Heer, Luftwaffe, Marine) angehören. Bis zur Erfindung des Giftgases als Massenvernichtungswaffe waren alle Kriege konventionell. Nach dem Einsatz der ersten Atombomben gegen Japan am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es notwendig, zwischen konventioneller und atomarer oder nuklearer Kriegsführung zu unterscheiden.
Militärroboter sind unbemannte militärische Systeme oder Robotic Combat Systems, autonome, semi-autonome oder ferngelenkte Systeme, entwickelt für den militärischen Einsatz. Dazu gehören unter anderem Beobachtung, Aufklärung, Spionage, Minenräumung, Wachaufgaben und Zielbekämpfung. Lethal Autonomous Robot (LAR) oder Lethal Autonomous Weapon System (LAWS) sind Bezeichnungen für ausdrücklich offensive Systeme.
Luftkrieg. Es handelt sich um eine Form der Kriegsführung, bei der militärische Operationen hauptsächlich durch Luftstreitkräfte und Luftkriegsmittel anderer Teilstreitkräfte ausgeführt werden. Die Bombardierung unverteidigter Städte, Gebäude und Wohnstätten verstößt gegen das Kriegsvölkerrecht. Eine neue und sich entwickelnde Form des Luftkriegs ist der Einsatz ferngesteuerter Kampfdrohnen, die als Mittel chirurgischer Kriegführung eingesetzt werden. Sie zählen ebenfalls zu den Militärrobotern.
Asymmetrische Kriegführung (unkonventionelle Kriegführung). Diese Art des Krieges trifft auf den gegenwärtigen Ukrainekrieg zu. Es handelt sich um Kriege, die zwischen Parteien geführt werden, die waffentechnisch, organisatorisch und strategisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind. Hierunter fallen auch Guerilla– und Partisanenkriege sowie Terrorismus. Typische Kriegsmittel sind auf der schwächeren Seite unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen, Sprengfallen, Hinterhalte oder Feuerüberfälle, Panzersperren, seltener Handstreiche, die durch Selbstmordattentäter und Autobomben ausgeübt werden.
Chirurgische Kriegführung. Der Begriff Chirurgische Kriegführung ist ein militärischer Euphemismus, der eine gedankliche Verbindung zu einem lebenserhaltenden chirurgischen Eingriff der Medizin herstellt, um die obligatorisch zerstörende Wirkung des Krieges zu verschleiern. Er bezeichnet eine Kriegführung, bei der ausschließlich militärische Ziele angegriffen werden sollen, um Kollateralschäden vorzubeugen. Dieser Begriff gehört zum Arsenal der Kriegspropaganda.
Massenvernichtungswaffen. Zu dieser Kategorie von Waffen gehören chemische, biologische, radiologische und nukleare Waffen (CBRN-Waffen). Der Einsatz solcher Waffen ist durch internationale Konventionen verboten bzw. begrenzt. Dennoch bleiben sie als Gefahren aus geheimen Laboren weiter bestehen. Auf dem vorhandenen Arsenal an strategischen Nuklearwaffen der Atommächte basiert das Konzept der Atomaren Abschreckung (Gleichgewicht des Schreckens). Ihr Einsatz im herkömmlichen Gefecht des Militärs ist nicht vorgesehen, da ihre Zerstörungswirkung beide Seiten vernichten würde. Dagegen handelt es sich bei taktischen Nuklearwaffen um Waffen mit deutlich geringerer Vernichtungswirkung, die als Granaten und Raketen mit kurzer Reichweite verschossen werden können, als Bomben aus der Luft abgeworfen werden können oder als Minen an bestimmten Orten platziert und ferngezündet werden können. Darüber hinaus sind spezielle taktische Nuklearwaffen für den Seekrieg entwickelt worden.
Cyberkrieg ist zum einen die kriegerische Auseinandersetzung im und um den virtuellen Raum, dem Cyberspace, mit Mitteln vorwiegend aus dem Bereich der Informationstechnik. Cyberkrieg bezeichnet zum anderen die hochtechnisierten Formen des Krieges im Informationszeitalter, die auf einer weitgehenden Computerisierung, Elektronisierung und Vernetzung fast aller militärischen und zivilen Bereiche und Belange basieren. Da der Angreifer häufig nicht eindeutig zu identifizieren ist, existiert hier eine Grauzone mit der Cyberkriminalität, die meistens auf die Erpressung von Geldzahlungen ausgerichtet ist.
Wirtschaftskrieg wird meistens in Verbindung mit oder zur Vorbereitung von militärischen Kriegen geführt, wobei neben ökonomischen oft auch juristische, politische und/oder geheimdienstliche Instrumente Verwendung finden.

Die Auflistung lässt erkennen, dass die Waffen, und damit die Möglichkeiten zur Kriegführung, im Lauf der letzten 150 Jahre ständig dem technischen Fortschritt angepasst wurden und ein enormes Vernichtungspotential darstellen, dass sich auch an den enormen Rüstungsausgaben der Staaten ablesen lässt. Es ist ebenso erkennbar, dass die Möglichkeiten von Angreifern gegenüber Verteidigern weit überwiegen. Wie unter diesen Bedingungen die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts gewährleistet werden soll wird damit immer fraglicher, so dass Zweifel daran bestehen, ob die Waffenproduktion und Bereithaltung dieser Waffen in ihrer Summe nicht von vornherein menschenrechtswidrig sind. So wie der einzelne Mensch das Recht hat, über seinen Tod selbst zu bestimmen, muss er auch das Recht haben, im Kampf um sein Leben oder in Ergebung in sein Schicksal zu überleben oder auch zu sterben. Letzteres wird ihm jedoch durch die anonymisierte Kriegführung genommen.

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Demokratie braucht Vielfalt – Vielfalt ist Freiheit

Zur aktuellen politischen Situation

Seit dem Ende der Ampel-Koalition aus SPD-Grünen-FDP hat sich in der öffentlichen Diskussion unterschwellig eine Grundhaltung verbreitet, die suggeriert, die Demokratie sei nun in Gefahr. Diese Haltung basiert auf Meinungsumfragen, die ein Anwachsen der AfD und den spontanen Erfolg der vermeintlich russlandfreundlichen Absplitterung der LINKEN mit der unprogrammatischen Bezeichnung BSW (Bündnis Sarah Wagenknecht) erwarten ließen. Die Erfolge des BSW bei den Landtagswahlen in drei der fünf neuen Bundesländer belegen diesen Trend. Inzwischen stützt sich diese vermeintliche Gefahr auf die Ergebnisse von Meinungsumfragen zur AfD und die Reaktionen der CDU hierauf, die erstmalig eine informelle Zusammenarbeit mit ihr erkennen ließ und damit eine Protestwelle gegen eine – wie auch immer geartete – Zusammenarbeit „demokratischer“ Parteien mit der AfD als Bedrohung der politischen Ordnung auslöste.

Diese Diskussionen spitzten sich immer weiter zu auf die unausgesprochene Annahme, Demokratie sei nur – und ausschließlich – durch die im Bundestag koalitionserprobten Parteien definiert. Damit wird von der Haltung der politischen Meinungsmacher in diesen Parteien eine Entwicklung verdrängt, die seit dem Anschluss der fünf neuen Bundesländer an die alte Bundesrepublik virulent wurde und im Jahr 1992 zu der Schlagzeile in der Zeitung DIE WELT führte: „Staat als Beute der Parteien“ und in der ZEIT war aus einem Gespräch mit dem Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker folgendes  zu lesen: „Nach meiner Überzeugung ist unser Parteienstaat von beiden zugleich geprägt, nämlich machtversessen auf den Wahlsieg und machtvergessen bei der Wahrnehmung der inhaltlichen und konzeptionellen politischen Führungsaufgabe.“ Was der damalige Bundespräsident hier über den Parteienstaat sagte, bezieht sich nicht auf bestimmte Parteien, sondern auf das politische System als Ganzes und muss im Zusammenhang mit den fünf Verfassungsorganen des Grundgesetzes verstanden werden, zu denen weder Parteien noch die Presse zählen.

Dennoch stehen regelmäßig auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl – von der Europawahl ganz zu schweigen – eine Vielzahl kleiner und kleinster Parteien, die es immer wieder oder als Neugründungen versuchen, die 5%-Hürde zu überwinden. Sie geben dem deutschen Regierungssystem letztlich den Anschein, durch faire und demokratische Wahlen in das Amt gekommen zu sein. Tatsächlich wird aber von jeder vorherigen oder neuen Koalition aus maximal vier der als koalitionsfähig erachteten Parteien (CDU/CSU, SPD, GRÜNE, LINKE, FDP) weiter an den dicken Brettern gebohrt, die von der Vorgängerregierung hinterlassen wurden und trotzdem immer dicker werden.

Durch das Scheitern der Ampel-Koalition aus drei Parteien ist nun der Eindruck entstanden, die Weltbilder der Parteien seien doch sosehr verschieden, dass Kompromisse nicht mehr gelingen könnten. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch mehr um die Interessen der Parteien mit Blick auf die sich nähernden Wahltermine, als um die staatstragende Verantwortung.

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Harris oder Trump ? (II) – Aktuelle Prognosen und Einblicke in integrale Welten

In diesem letzten Beitrag der Reihe zur anstehenden Präsidentschaftswahl in den USA weise ich auf die Prognose eines amerikanischen Historikers mit einer hohen Trefferquote hin und beleuchte die Internetpräferenzen der Internetnutzer von 7 Swing States, die von der New York Times benannt wurden.

Der Schwerpunkt des Beitrags liegt auf der Beleuchtung der virtuellen Welten, in denen sich die Kandidatin bzw. der Kandidat bewegen. Es handelt sich dabei um eine Aktualisierung, der in der Beitragsreihe „Biden oder Trump – Ein integraler Chancenvergleich“ begonnenen Darstellungen. Weiterlesen

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Harris oder Trump? – Eine ganzheitliche Betrachtung des Präsidentschaftswahlkampfs in den USA 2024 (I)

Mit diesem Beitrag setze ich die Beobachtung des Wahlkampfes in den USA fort. Durch die Benennung von Kamala Harris als Kandidatin für die Demokraten ist eine neue Situation entstanden. Dieser Schritt ist in Deutschland überwiegend positiv aufgenommen worden und hat einen schwachen Lichtschein in der dunklen politischen Zukunftserwartung Europas erzeugt. Zwei Unterschiede der Kandidaten stehen dabei im Vordergrund: Das wesentlich geringere Alter der demokratischen Kandidatin gegenüber dem Republikaner Trump und die Tatsache, dass dem sexistischen Trump nun eine diffamierte Frau gegenübersteht, die eine glaubhafte Gegenwehr organisieren kann.

Schon diese augenfälligen Unterschiede haben zu einer Verunsicherung im republikanischen Lager geführt, da damit wesentliche Fixpunkte ihrer Wahlkampfstrategie entfallen sind. Dieses hat mit dazu beigetragen, dass Harris im ersten Fernsehduell der Kandidaten gut aussah. In der im Auftrag des Senders CNN unmittelbar an die TV-Übertragung des Duells durchgeführten Umfrage sahen 63 Prozent der Befragten Kamala Harris als Gewinnerin des Duells. Vor dem Duell waren dieselben Befragten der Umfrage zufolge noch unentschlossen und hatten die Chancen auf einen Sieg bei jeweils 50 Prozent für beide Kandidaten gesehen. Weiterlesen

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