US-Wahlen – Update November 2020

Integrale Auswirkungen der Wahl

Grafik 8: Wertewelten der Republikaner und Demokraten

Einen Überblick über die Verhältnisse der beiden großen Parteien der USA zueinander, im Quadrantensystem betrachtet, verschafft Grafik 8. Die Quadranten sind farbig unterschieden: oberer linker Quadrant (Ich) = Orange; unterer linker Quadrant (Wir) = Grün; rechte Quadranten (Es) = Blau. Die Parteien sind durch ihre Strichstärken unterschieden: dicke Linie = Demokraten; dünne Linie = Republikaner.

In dieser Darstellung wird deutlich, dass es ab Mitte der 1980er Jahre nur sporadische Gleichklänge zwischen den Parteien gab. Die gegensätzlichsten Resonanzen sind Mitte der 1990er Jahre und 2019 zu sehen. Unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton (1993–2001) kam es zu einem länger anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Das Ende des Kalten Krieges und die „New Economy“, welche in den USA ihren Ausgangspunkt hatte, begünstigten eine wirtschaftliche Erholung. Die Verwahrlosung der Städte wurde aufgehalten – kriminalitätsbelastete Stadtteile in den Metropolen wie New York, Miami und Los Angeles stabilisierten sich. Daraus resultierten für die Demokraten Höchstwerte im oberen linken Quadranten (Ich) und ähnlich große Anteile im unteren linken Quadranten (Wir) zulasten der rechten Quadranten. In diesen Quadranten sind für die Republikaner starke Einbrüche zugunsten der rechten Quadranten zu sehen. Eine mögliche Erklärung für diese Gegensätze kann – wie häufig in der politischen Auseinandersetzung praktiziert – in der unterschiedlichen Zurechnung der Erfolge zu suchen sein. Von der Opposition werden häufig zyklische Abläufe oder abseits des politischen Einflusses liegende Faktoren zur Erklärung erfolgreicher Politik der Regierungspartei herangezogen, die durch objektive (Es) Kriterien belegt werden – jedoch oft nicht nachvollziehbar oder unverständlich sind. In ihrer weitest vorangetriebenen Erscheinungsform handelt es sich dann um „alternative Fakten“.

Eine weitere Zuspitzung im Verhältnis der beiden großen Parteien ist im Wahljahr 2009 zu sehen, als es Barack Obama gelingt das Wir-Gefühl der Demokraten auf einen Höchststand zu bringen, von dem eine lange Abwärtstendenz auf den Tiefststand für die Demokraten führt. Gleichzeitig hat sich das Wir-Gefühl der Republikaner schubweise auf einen Höchststand angehoben. Die Situation im Jahr 2019 ähnelt jener von 1994, jedoch mit Vertauschung der Rollen und dem entscheidenden Unterschied, dass es an einer vergleichbar erfolgreichen Politik des Präsidenten der Republikaner fehlt. Der Wert für die Demokraten im oberen linken Quadranten bleibt deshalb nur geringfügig hinter dem der Republikaner zurück.

Grafik 9: rechte und linke Quadranten der am. Parteien

Einen Gesamteindruck von den beiden großen Parteien der USA vermittelt Grafik 9. Hier sind für die zurückliegenden 40 Jahre die Trends in der Entwicklung der Quadranten abzulesen. Das Quadrantensystem ist dabei auf die Betrachtung der linken und rechten Hälfte beschränkt. Es zeigen sich dabei strukturelle Unterschiede zwischen den beiden Parteien, die seit 1994 für die Republikaner eine kontinuierliche Zunahme der linken Quadranten zeigen und eine entsprechende Abnahme der rechten Quadranten. Bis 1994 ist eine stufenweise Abnahme zu sehen, die bis 2019 ausgeglichen ist. Die Entwicklungslinie der Quadranten verläuft für die Demokraten in regelmäßigen Wechselschüben und erreicht damit langfristig eine Zunahme der rechten Quadranten und eine entsprechende Abnahme der linken Quadranten. Hinter diesen Entwicklungen stehen unterschiedliche Reaktionen auf die Verhältnisse der Lebenssituation, die im Milieu der Republikaner sich kontinuierlich verschiebt und erst im Generationenabstand für den einzelnen Menschen spürbar wird, wie es z. B in der ländlichen Bevölkerung traditionell gegeben ist und sich bisher nur langsam geändert hat. Im demokratischen Milieu sind dagegen kurzfristigere Anpassungen an Veränderungen abzulesen, wie sie vor allem in Verdichtungsräumen typisch sind.

An dieser Stelle setzen Manipulationsversuche an, Wahlen zu beeinflussen, indem durch geschicktes Zuschneiden der Wahlbezirke eine Mischung aus ländlicher Lebensweise und städtischer Lebensweise herbeizuführen.

Grafik 10: Präsidentschaftskandidaten im Wandel des Wahlkampfs

In Grafik 10 sind die Veränderungen in den Wertewelten von Biden und Trump seit März 2020 dargestellt. Waren die Wertewelten der beiden Kandidaten im März 2020 noch ähnlich strukturiert, so hat bis zum Ende des Wahlkampfs eine Verschiebung der Gewichte bei Trump von dominierendem Orange zu dominierendem Blau stattgefunden. In der Wertewelt von Biden hat dagegen die Zuversicht auf einen Wahlsieg stark zugenommen, während die Erfolgsaussichten in Trumps Welt bereits vor der Wahl nur noch bedingt positiv geäußert wurden – nämlich unter dem Einfluss von Blau, das zur Herstellung von Gerechtigkeit in Position gebracht und zur Aufklärung eines großen Wahlbetrugs angerufen wurde. Nicht zuletzt die zeitliche Abfolge dieser Diebstahl-Legende ließ Zweifel an der Siegesgewissheit Trumps aufkommen und stellte ein Zeichen von Schwäche dar, die alles andere als typisch für Trump ist. Anders herum gesehen, stellt es ein Indiz dafür dar, dass Trump sein Amt dazu benutzt, sich den Staat zur persönlichen Beute zu machen, wie es bereits zu Anfang seiner Unternehmer-Laufbahn sichtbar wurde (siehe oben).

Aus dem schnellen Wechsel der Weltsicht in der Welt des Donald Trump wird deutlich, wie eng die mentalen Beziehungen zwischen seinen Anhängern und seiner Person sind. Solche Prozesse sind typisch für Führer-Persönlichkeiten, die keine abweichenden Meinungen zulassen und deshalb der Wirklichkeit entrückt sind.

Grafik 11: US Präsidenten nach der Wahl 2020

Nach der Wahl wurde jedoch auch deutlich, wie schnell sich das Blatt wenden kann, wenn die Führerfigur ins Straucheln gerät und den fatalen Fehler begeht, sich von seiner Anhängerschaft abzuwenden und vorwiegend auf dem Golfplatz zu sehen ist. In Grafik 11 ist das Ergebnis zu sehen: Der Held ist auf Normalmaß zurückgefallen. Seine Wertewelt, die von seinen Anhängern gestaltet wird, unterscheidet sich nur unwesentlich von der seines Herausforderers. Seine Aussichten auf richterliches Gehör werden auch von der Mehrzahl seiner Abhänger schlecht beurteilt. Daran hat auch Trumps „Aufruf zu den Waffen“ seiner paramilitärischen Truppen nichts geändert.

Die in den Grafiken 4 und 5 dargestellten Zusammenhänge zwischen Vernunft, Gefühl und Glück können mit der Auffassung des deutschen Kulturphilosophen Peter Sloterdijk erklärt werden, dass es eine exklusive amerikanische Auslegung der Menschenrechte gibt, von der die Bürger des Landes profitieren. Demnach ist die Werteordnung der Gesellschaft darauf ausgerichtet, die Kümmernisse des Alltags dem Streben nach Glück unterzuordnen. Das schließt das Recht auf Beseitigung der Ursachen von Störungen mit allen Mitteln ein. Dem ist hinzuzufügen, dass unter „allen Mitteln“ auch der Einsatz von Waffen gemeint ist, der das Recht auf Waffenbesitz voraussetzt. „Wer in den USA lebt, kann unter Beifall der kulturellen Umgebung stets von dem Recht auf konsequentes Wegdenken und Wegräumen der Hochgefühlsstörungen Gebrauch machen. Dies führt zu einem Habitus der erzwungenen kollektiven emotionalen Bilanzfälschung, weil niemand bei der Saldierung von Hoch und Tief ins Minus geraten will.“ (Peter Sloterdijk: „Im Weltinnenraum des Kapitals: Für eine philosophische Theorie der Globalisierung“, suhrkamp taschenbuch) Hierin liegen in der aktuellen Situation der USA die Gründe für die Ängste, die der „knappe“ Wahlausgang und die Reaktionen der Verlierer erzeugt haben.

An der Gesamtkonstellation der agierenden Personen hat sich im Bild der Wertewelten durch den Auftritt von Kamala Harris entscheidendes geändert. In der Übersicht in Grafik 11 hebt sich ihr Profil von allen anderen Personen und auch von dem der USA ab. Es zeichnet sich durch ein starkes Türkis aus, das für die Fähigkeit zu holistischen Ansätzen spricht und die Zusammenführung spiritueller Potentiale ermöglicht. Aufbauend auf das Konzept der „Church unvisible“ (engl.) (unsichtbare Kirche) kann hiervon eine regulierende Wirkung auf die Gesamtentwicklung der Entwicklungsspirale ausgehen, ohne formal in Erscheinung treten zu müssen und auf der materiellen Seite angreifbar zu sein. Sie wirkt nach dem Prinzip der „Stadt auf dem Berge“ und des „Lichts auf dem Scheffel“, d. h. allein durch ihre Ausstrahlung, ihre spirituelle Autorität. Ihre konkrete Funktion ist es, die ständige und möglichst hohe, differenzierte Bewußtheit über die allgemeinen Bedingungen und Notwendigkeiten unserer menschlichen Existenz, unserer gesamtnatürlichen Verantwortung und unseres weiteren Aufstiegs zur Freiheit, Wahrheit, Schönheit einzuüben und aufrechtzuerhalten. Eine neue Politik, die sich an diesen Zielen orientiert, muss die Gründungsmythen – zu denen insbesondere „Die Stadt auf dem Berg“ gehört – der USA in den Blick nehmen und modernisieren. Eine Neubelebung wirtschaftlich-sozialer Metaphern wie „New Deal“ greifen unter der Bedrohung des Klimawandels und der Pandemie zu kurz und werden vor allem den Anforderungen an die Bildung eines globalen Bewusstseins nicht gerecht.

Im WMem-Profil von Kamala Harris ist eine gravierende Neuerung zu sehen, die in Folge des nahezu vollständigen Verschwindens sozial-ökologischer Werthaltungen (WMem Grün) auf ganzer Linie entstanden ist: Während hieran in den anderen Profilen Orange partizipiert, erfolgt bei Kamala Harris eine Stärkung von Blau, bis auf das Niveau von Orange. Darin drückt sich eine Konzentration auf die politischen Entscheidungen aus, die in der gegenwärtigen Unordnung getan werden müssen und die Kenntnisse des anzuwendenden Instrumentariums erfordern. Erst wenn Krisengewinnler und Verschwörungstheoretiker auf den Boden der Vernunft gesetzt worden sind, kann ein politischer Neuanfang erfolgen.

Voraussetzung für eine neue amerikanische Politik im Bewusstsein einer globalen Verantwortung als Führungsmacht ist die Bereitschaft, tiefgreifende Veränderungen kurzfristig einzuleiten. Dafür müssen die Menschen mitgenommen werden.

Grafik 12: Veränderungspotential auf deutschsprachige Internetseiten mit der Domainendung .com
Grafik 13: Veränderungspotentiale der Spitzenpolitiker

Abschließend zeigen die Grafiken 12 und 13 wie die Grundeinstellungen der deutschsprachigen Internetnutzer auf Internetseiten mit der Domainendung .com (Grafik 12) und der englischsprachigen Internetnutzer (Grafik 13) im Bezug auf die drei Spitzenpolitiker sind. Hierzu werden drei Grade der Offenheit unterschieden, die von uneingeschränkter Offenheit über gehemmte Offenheit bis zur Ablehnung von Veränderung reichen. Veränderungsprozesse in einer Situation großer Offenheit können relativ harmonisch ablaufen, während bei Vorliegen von Blockaden zunächst Hemmnisse beseitigt werden müssen. In geschlossenen Situationen ist Veränderung – je nach Situation – , wenn überhaupt, nur mit drastischen Maßnahmen möglich.

Der Personenvergleich in Grafik 12 ergibt deutliche Unterschiede. Der frühere Vizepräsident Joe Biden ist aufgrund seines Alters und seiner langen Politikerlaufbahn im öffentlichen Urteil relativ unbeweglich. Seine Offenheit übersteigt nur schwach die beiden anderen Grade, die gleich stark erscheinen. Die größte Offenheit ist in der Welt der Kamala Harris vorhanden. Damit korrespondiert die geringste Negation der Offenheit bei gleichgroßem Anteil an Blockaden wie im Bezug zu Joe Biden. In Verbindung mit ihrem WMem-Profil bringt sie damit gute Voraussetzungen mit, Politik zu gestalten und die Menschen dabei mitzunehmen.

Der scheidende Präsident weist in seinem Veränderungsprofil sehr weitgehende Ähnlichkeit mit der Gesamtsituation der USA auf. Große Offenheit ist mit moderaten Blockaden und mit Biden vergleichbarer Negation von Offenheit verbunden. Dieser Befund spricht dafür, dass Donald Trump auf der intuitiven Ebene sehr gut das Lebensgefühl der Amerikaner reflektiert. Seine Probleme liegen eher im Bereich konkreter und konzeptioneller Politik.

Der Vergleich der beiden großen Parteien untereinander und mit dem Gesamtprofil der USA zeigt weitgehende Übereinstimmung. Es ist durch große Offenheit bei moderaten Blockaden und relativ geringen Beharrungskräften gekennzeichnet und bietet somit gute Voraussetzungen für gestaltende Politik.

Über Fidelio

Ich bin 69 Jahre alt, verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Meine berufliche Tätigkeit als Stadtplaner habe ich vor fünf Jahren beendet und ich widme mich seitdem intensiver um dieses Internetprojekt, Kommentare und Beiträge, die sich auf die hier veröffentlichten Themen beziehen sind mir willkommen!
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2 Antworten zu US-Wahlen – Update November 2020

  1. Darmansyah sagt:

    thanks share info. can this repost for sharing?

  2. mauliyani sagt:

    Die ihn tragende Erzählung schien die des Jokers zu sein, eines Clowns, der die Lacher immer auf seine Seite zu ziehen versucht.

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