US-Wahlen – Update November 2020

Das Phänomen Trump

Trumps Weg in die Politik war kein spontaner Einfall der sich aus einer bestimmten Situation aufgedrängt hätte, es war bereits der 7. Anlauf, der dann aber direkt zum „Durchregieren“ führte. Die ihn tragende Erzählung schien die des Jokers zu sein, eines Clowns, der die Lacher immer auf seine Seite zu ziehen versucht. Dabei nimmt er viele verschiedene Charaktere an – von harmlos bis menschenfeindlich.

Die aktuelle Situation Trumps lässt jedoch an ein Ende des Jokers denken. Am Ende seiner Amtszeit wird klar, dass er aufgrund seines Charakters und seines Werdeganges gar keine andere Chance hatte, als die Joker-Erzählung mit ihren vielen Möglichkeiten der Ausgestaltung zu nutzen. Seine Inkompetenz im Umgang mit demokratischen Institutionen brauchte er gar nicht zu verstecken, er deklarierte sie einfach zu verkrusteten Strukturen des Establishments um und zog hiergegen zu Felde.

Die Zuschauer dieser Show sind nun als Mitwirkende auf die Bühne zurückgekehrt und haben neuen Zugang zur Wirklichkeit gefunden – undzwar zu einer gespaltenen Wirklichkeit, die so real ist, wie sie selbst. Ohne die erfolgte Spaltung wäre eine Rückkehr in die Realität garnicht möglich gewesen! Der Joker selbst muss nun erkennen, dass er den Kontakt zu seinem Publikum – das in der Spaltung in einer neuen Wirklichkeit angekommen ist – verloren hat und wird auf die weiter tragende Erzählung vom König und Killer – die Weissagung des Vaters – zurückgeworfen.

Das Narrativ des Donald Trump ist die Geschichte des Kaisers Rudolf II. der von 1576 bis 1612 von Prag aus das Heilige Römische Reich regierte und für seine Kunstsammlung ein Bild von Tintoretto malen ließ. Er wurde für seine Untätigkeit in den politischen Aufgaben bekannt und gab ein schwaches Bild für einen Herrscher ab. Nach und nach wurde ihm die Macht von den Reichsfürsten entrissen. Er war jedoch in einem speziellen Sinn ein großer Förderer von Kunst und Wissenschaft. Etwa um das Jahr 1577 verkaufte ihm Tintoretto ein Bild mit dem Titel „Die Entstehung der Milchstraße“ (engl.) , das er nach dem Tod des mit ihm befreundeten Arztes Rangone zurückbekommen hatte und nun für den Kaiser überarbeiten wollte. Dr. Rangone bewcgte sich als crfolgreicher Scharlatan zwischen Wissenschaft und Magie, Bereiche, die damals noch kaum unterschicden wurden. Unter anderem versprach er seinen Patienten eine Verlängerung des Lebens auf 120 Jahre, womit ein erster Schritt zur Unsterblichkeit getan sei. Selbstverständlich war dieses Ergebnis nur mit Hilfe einer teuren Arznei zu erzielen, die bei ihm gekauft werden konnte. So wurde der Arzt steinreich und konnte sich teure Bilder bei Tintoretto kaufen. An dieser Stelle sei bemerkt, dass Trump seinen Trump-Tower auf wundersame Weise 10 Geschosse höher machte als er ist, um für eine größere Anzahl der oberen Geschosse höhere Verkaufspreise zu erzielen – soetwas ist kein Einzelfall, man denke an die Affäre Jürgen Schneider!

Zwei nach Herkunft und Rang so verschiedene Persönlichkeiten wie der venezianische Scharlatan und der Habsburger Kaiser hatten einiges gemeinsam: Sie strebten, unter Einsatz von Alchemie, Astrologie und Kunst, nach Unsterblichkcit. Um dem Kaiser zu gefallen, musste das von Tintoretto zu liefernde Bild deshalb vor allem rätselhaft sein, einen verborgenen Sinn enthalten, der dem profanen Betrachter entging und sich allein dcm Eingeweihten erschloss. Dieser Geschmack war am Prager Hof besonders ausgeprägt, da der Kaiser das gewöhnliche Leben verachtete und nur das Außerordentliche und Wunderbare liebte. Am kaiserlichen Hof in Prag wirkten der Däne Tycho Brahe, der in Prag eine Sternwarte einrichtete, aber auch unter seinem Namen Zaubertränke verkaufte; sein Nachfolger als Hofastronom war Johannes Kepler, der die Theorie des atronomischen Fernrohrs ausarbeitete und zu der Erkenntnis gelangte, der Kosmos ähnele nicht einem göttlichen Lebewesen, sondern die himmlische Maschine gleiche einem Uhrwerk (manche Quellen schreiben diese Erkenntnis auch Isaac Newton zu). Gleichzeitig erstellte er aber Horoskope und warnte davor, die Astrologie zu verwerfen. Bei Rudolf II. lief er damit offene Türen ein, denn dieser traf keine Entscheidung, ohne sich vorher mit seinen Astrologen zu beraten. Sein Glaube an die Astrologie ging soweit, dass er sein Geburtshoroskop, das nach der Auslegung des legendären Astrologen Nostradamus sehr negativ ausfiel, durch Manipulation seines Geburtstages so verschieben ließ, dass er – wie vermeintlich der römische Kaiser Augustus – nicht im Sternzeichen Krebs sondern im Sternzeichen des Steinbocks geboren zu sein schien.

Neben der Astrologie wurde am kaiserlichen Hof intensiv Alchemie betrieben. Der Kaiser selbst soll nächtelang in seinem Laboratorium vor dem Glaskolben gesessen haben, wo über dem Feuer geheimnisvolle Säfte brodelten und dabei die Staatsgeschäfte vernachlässigte. Ziele der Versuche waren die Herstellung von Gold aus der Urmaterie und die Erlangung ewigen Lebens. Die „Urmaterie“, musste hierzu mit einer nicht näher bestimmbaren „Jungfrauenmilch“, die auch als „Saft des Mondes“ bezeichnet wurde, getränkt werden um den „erdigen“ Anteil der Urmaterie – die „Kröte“ – mit dem „flüchtigen Element“ – dem „Adler“ – zu vermählen. Allgemein gesprochen ging es um die Herstellung der „Harmonia Mundi“ – der Harmonisierung des Mikrokosmos Mensch mit dem göttlichen Makrokosmos. Astrologie und Alchemie wurden auf diesem Weg zu Geburtshelfern der modernen Wissenschaften und wirken in ihren Leitideen bei Wissenschaftlern und suchenden Menschen fort.

Als Bildmotiv bot sich eine Szene aus der griechischen Mythologie an, die das Götterhafte mit dem kosmisch Rätselhaften, wie der Milchstraße, verband. Hierzu bot sich die aus römischen Quellen stammende Legende von der Entstehung der Milchstraße an: Der Göttervater liebte immer wieder sterbliche Frauen und zeugte Herkules mit der sterblichen Alkmene. Er fühlte sich so sehr mit seinem Sohn verbunden, dass er nach einem Weg suchte, diesem ebenfalls göttliche Unsterblichkeit zu schenken. Heimlich legte er seiner schlafenden Gattin Juno das Neugeborene an die Brust, damit es mit ihrer Milch Unsterblichkeit trinkt. Dabei schreckte Juno auf und es spritzten einige Tropfen der Milch an das Firmament, die sich zu Sternen verwandelten. Diese Erzählung setzte Tintoretto in sein Bild für den Kaiser um. Eine Darstellung der Herkules-Lcgcnde bot sich für Kaiser Rudolf auch deshalb an, weil der antike Held zur Habsburger Familientradition gehörte. Bereits Rudolfs Vorfahr Maximilian der I. ließ sich Anfang des 16. Jahrhunderts als „Herkules Germanicus“ feiern. Dieser Halbgott, der den Löwen von Nemea erwürgt hatte, die vielköpfige Hydra vernichtete und die Augiasställe ausgemistet hatte, erfüllte alle Wünsche weltlicher Herrscher als ideales Vorbild.

Tintoretto: Die Entstehung der Milchstraße

Nach der oben beschriebenen Rahmenhandlung liegt es nahe, in Tintorettos Bild Hinweise auf diese Zusammenhänge zu finden. Dem „eingeweihten“ Betrachter erschließen sich eine Vielzahl Beziehungen der Lebensgeschichte des Kaisers zu der mythologischen Erzählung und den okkulten Wissenschaften Astrologie und Alchemie:

Im Hinblick auf die zugrunde liegende Mythologie sind zwei Putten mit Amors Pfeil und Bogen, sowie einer Fackel als Symbol der lodernden Leidenschaft Jupiters für Alkmene dargestellt. Weitere zwei Putten tragen die Ketten der Ehe, die zwischen Juno und Jupiter besteht, sowie das Netz der Täuschung, die das Leitthema der Szene ist. Die Identifizierung der Göttin Juno gelingt über die Hinweise auf die Ehe und die mütterliche Fürsorge sowie über die Anwesenheit der Pfauen, die in vielen Darstellungen der Juno zu finden sind. Jupiter wird durch die Anwesenheit des Adlers als dessen Werkzeug ausgewiesen. Das es sich bei dem Säugling um Herkules handeln muss, erschließt sich dagegen erst über die Legende, da die seine Attribute Löwenfell und Keule – mit denen sich der Kaiser selbst gern abbilden ließ – auf dem Bild nicht zu sehen sind.

Vielfältige Beziehungen zu Astrologie und Alchemie ergeben sich im Bezug zur Astrologie vor allem durch den Krebs in den Fängen des Adlers, durch die Symbole verschiedener antiker Sternbilder zu denen Herkules, der Pfeil und der Adler sowie die Milchstraße als Bildthema gehören.

Zahlreicher sind die Hinweise auf die Alchemie, zu denen der Adler, die Pfeile der Putten – als Symbol des wissenden Alchemisten – und vor allem die Milchstraße stellvertretend für den Makrokosmos gehören.

In der Auflistung der Symbolik wird deutlich, dass es zwischen den drei Symbolfeldern einige Überschneidungen gibt, die auf die Rolle der antiken Götter als von Willkür bestimmte Urheber menschlichen Schicksals zurückzuführen ist.

Die für Donald Trump passende Rolle in der Erzählung ist die des Kaisers, der sich mehr und mehr von seinen Pflichten zurückzieht um seiner Passion nachzugehen. Für den Kaiser sind es die obskuren Versuche, gottähnliche Fähigkeiten zu erlangen. Schließlich wird diese Möglichkeit in der Legende von der Erhebung des sterblichen Säuglings Hektor in den Stand der Unsterblichkeit in dieser Geschichte Trumps aus der Sphäre der Kunst in die Wirklichkeit übertragen. Donald Trump sieht sich in einer ähnlichen Position, jedoch ähnelt diese eher der Scharlatanerie des Dr. Rangone als der eingeweihter Alchemisten, wenn er Desinfektionsmittel zur Injektion gegen COVID 19 empfiehlt oder der etablierten Wissenschaft jeden Erkenntnisvorsprung abspricht.

Trumps Weigerung, die medizinische Notlage der USA in der Pandämie einzugestehen und seine Abwahl zu akzeptieren und sich konstruktiv an der Übergabe des Amtes an seinen Nachfolger zu beteiligen zeigt auch am Ende seiner Präsidentschaft die von Anfang an eingeschärfte Realitätsverweigerung an. Auch in seiner Flucht in sein Golfspiel ist eine Parallele zu dem Wesenszug des Kaisers Rudolf II. zu sehen, der sich, statt zu regieren, in sein Labor zurückzieht und so den drängenden Problemen des Reiches ausweicht.

Wie sieht es aber mit der zweiten Rolle aus, die er auf Empfehlung seines Vaters und entsprechend seiner Ausbildung auf der Militärschule und später durch seinen Ziehvater Cohn spielen sollte. Es besteht kein Zweifel daran, dass Trump zumindest auch den Instinkt eines Killers besitzt. Vor einem Millionenpublikum hat er diese Rolle in seiner Fernsehshow „The Apprentice“ (you are fired) gespielt und auch als Präsident hat er durch zahlreiche Entlassungen seines Personals gezeigt, wer der Herr im Weißen Haus ist. Sein Vokabular im Umgang mit Staatsführern und auf dem internationalen politischen Parkett entspricht ebenfalls dieser Rolle. Zahlreiche Psychiater – darunter auch namhafte Größen ihres Fachs – sahen sich mehrmals veranlasst, öffentlich vor Trump zu warnen, selbst auf die Gefahr hin, ihrem guten Ruf wegen einer Ferndiagnose zu schaden.

Entsprechungen in der Persönlichkeit von Rudolf II. lassen sich in dessen Biografie leicht finden – was allerdings zu seiner Zeit unter Herrschern generell nicht schwer war. In seinem Fall jedoch lag eindeutig eine schwere Beeinträchtigung seiner geistig-psychischen Gesundheit vor, die sich u. a. darin äußerte, dass er ein extremes Misstrauen gegenüber seiner engsten Umgebung hegte. Er fürchtete sich vor Hexen und Vergiftungen und hatte generell ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. In dieser Hinsicht lassen sich auch Anknüpfungspunkte bei Donald Trump nennen, die ihm den Ruf des Sexismus einbrachten. Rudolf misshandelte seine Untergebenen, hegte Selbstmordpläne und versuchte seinen Leiden durch übermäßigen Alkoholgenuss zu entgehen. In den letzten sechs Jahren seiner Regentschaft war er vollständig unfähig, seine Aufgaben wahrzunehmen und war nur noch nominell Inhaber des Kaiserstuhls.

Gefühle oder „alternative Fakten“?

Grafik 1: Vernunft und Gefühl

Der Persönlichkeit Trumps kam für die Übernahme des Präsidentenamtes entgegen, dass seit den 1990er Jahren im Zuge von Neoliberalismus und gleichzeitig stark zunehmender Globalisierung rationales Denken durch hemmungslose Äußerung und Veranschlagung von Emotionen ersetzt wird. In Grafik 1 sind diese Entwicklungen für den amerikanischen Raum (site:.com), in den Grafiken 2 und 3 für den deutschen Sprachraum nach Abfragedaten von Google bzw. nach den Daten der Genios-Datenbank (Grafik 2) dargestellt.

Grafik 2: Vernunft und Gefühl (Genios)
Grafik 3: Vernunft und Gefühl (Google)

Die Entwicklungen sind in den Sprachräumen sehr unterschiedlich verlaufen. Während im allgemeinen Bewusstsein im amerikanisch orientierten Raum das Bewusstsein der Vernunft über die gesamte Zeitspanne den sprachlichen Ausdruck von Gefühlen übertraf, war deren Verhältnis im deutschen Sprachraum umgekehrt. Die Abweichungstendenzen finden sich in etwa gleichem Maß im Internet und in Druckmedien, so dass die überragende Dominanz von Gefühlen im Denken und Handeln für den deutschen Sprachraum als gesichert angesehen werden kann. Ob die Stagnation der roten Kurve in eine Abwärtstendenz übergeht kann dagegen noch nicht hinreichend sicher beurteilt werden. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass eine Korrelation zwischen roter und blauer Kurve nicht besteht. Dagegen kann dies von der Situation im amerikanischen Raum mit einiger Berechtigung gesagt werden.

Grafik 4:Gefühle-Glück in Amerika

In Grafik 4 ist die Entwicklung des Verhältnisses von Vernunft und Gefühlen für den amerikanischen Raum gedruckter Medien als Google-Books Engram dargestellt. Es zeigt sich auch hier das gegenüber dem deutschen Sprachraum umgekehrte Verhältnis von Vernunft zu Gefühlen. Der Vergleich in deutscher und englischer Sprache wird durch die Aufspaltung des Begriffs „Gefühl“ im Englischen in „feeling“ und „emotion“ etwas erschwert. Es kann jedoch festgestellt werden, dass „feeling“ im Verhältnis zu „reason“ die deutlich größere Rolle spielt.

Geht man einen Schritt weiter, um festzustellen, welches Gefühl für den Lauf der Entwicklung in Amerika maßgebend ist, gehe ich davon aus, dass hier das amerikanische Versprechen, „dass dies ein Land ist, in dem du alles schaffst, wenn du es nur versuchst!“ (Zitat: Barack Obama). Für die Verwendung in der Datenerhebung konzentriere ich seinen Gehalt in dem deutschen Begriff „Glück“, wie er in der Redewendung „sein Glück machen“ verwendet wird. In die englische Sprache übertragen zerfällt er ebenfalls und wird zu „happiness“ und „luck“.

Grafik 5: Gefühl – Glück in Amerika

In Grafik 5 werden die Verhältnisse der drei Begriffe zueinander auf der Basis von Google Books dargestellt. Es bestätigt sich hier die vermutete enge Beziehung zwischen „emotion“ und „happiness“ . Dagegen korreliert „feeling“ nur etwa bis zum Beginn des 3. Jahrtausends  mit den beiden Wörtern emotion und happiness.

Diese Zusammenhänge lassen eine Erklärung des Unterschieds zwischen amerikanischem und deutschem Lebensgefühl wahrscheinlich erscheinen. Auf eine Formel gebracht kann gesagt werden, das Streben nach Glück ist in Amerika in den Dienst der Vernunft gestellt und damit zum Staatsziel geworden.

Grafik 6: Gefühl und Glück in Deutschland

In Grafik 6 ist die Gegenprobe für die Beziehung zwischen Gefühlen und Glück im deutschen Sprachraum dargestellt. Hier ist seit den 1990er Jahren die „Verselbständigung“ des Glücksverständnisses zu sehen, das damit manipulierbar geworden ist und zu Gefühlsverwirrungen führen kann, da die psychische Integration in den Gefühlshaushalt erschwert ist. Dieser Prozess hat in den 1990er Jahren begonnen und nimmt bis in die Gegenwart zu. Während die in den USA von der „Black Lives Matter“- und der „Me too“-Bewegung ausgehenden Proteste auf rational nachvollziehbare Zustände in den USA reagieren, sind die in Deutschland laufenden Proteste sehr diffus und rational nicht nachzuvollziehen, vor allem haben sie keine andere Zielrichtung, als die Menschen zu verunsichern und das politische Klima für die Erringung von Macht zu bereiten – unterschiedliche Gruppierungen ohne positive Gegenentwürfe zu den Gegenständen ihrer Kritik gehen spontane Bündnisse ein.

Grafik 7: Glück – Gefühl 2020 (Genios)

Aus den Kurvenverläufen in Grafik 6 ergibt sich die Frage, wie der Abbruch der Steigung in der Glückskurve zu bewerten ist. Insbesondere stellt sich die Frage nach dem Einfluss der Corona-Pandemie. Um diese Fragen zu klären wird in Grafik 7 das Jahr 2020 mit den Mitteln der Genios-Datenbank unter die „Lupe“ genommen. Zunächst wird die Dominanz der Glücksgefühle gegenüber der Summe aller Gefühle bestätigt. In den hier zugrunde liegenden Daten der Printmedien zeigt sich im Unterschied zu dem in Grafik 6 zu sehenden Bild auf der Grundlage des Internets eine gute Korrelation zwischen Glück und Gefühlen. Die staatlichen Eingriffe in das Leben der Bevölkerung im Verlauf des shutdown vom März 2020 und dem erneuten (Teil)-Shutdown ab Anfang November 2020 werden gut durch die Kurvenverläufe abgebildet. Zur Zeit ist die Gefühlslage wieder auf dem tiefsten Stand des ersten Shutdowns angekommen, eine Prognose für den längerfristigen Trend – im Sinne der Stagnation des roten Kurvenverlaufs in Abbildung 6 – lässt sich in dieser Grafik nicht ablesen. Wie die Welt nach dem Ende der Pandemie aussehen wird, ist eine offene Frage.

Das Wahlergebnis der Präsidentschaftswahl in den USA hat erneut die Schwächen des Wahlsystems in den USA offenbart. Das macht sich auch darin bemerkbar, dass eine zuverlässige Prognose des Wahlergebnisses nicht mehr möglich ist. In der folgenden Tabelle ist der Prognoseverlauf dargestellt.

DatumJoe BidenUnentschiedenDonald Trump
13. Juni 2020232102204
12. Juli 202027856204
13. August 202027891169
13. Oktober 202029085163
Prognosen über den Wahlausgang während des Wahlkampfs

(Quelle: Merkur.de)

Neben der Unsicherheit durch manipulative Zuschnitte von Wahlbezirken spielen hierbei hohe Anteile der Unentschiedenen eine entscheidende Rolle. Letztere können auf zwei Ursachen zurückgeführt werden: Die von dem Erscheinungsbild der Republikanischen Partei – die sich von Trump politisch abhängig gemacht hat, indem sie ihm die politische und administrative Initiative vollständig überließ – enttäuschten Stammwähler der Republikaner wechselten zum Teil zu dem ausgeglichenen und „mit ruhiger Hand“ agierenden Joe Biden über. Auf der anderen Seite wählten entgegen der gängigen Logik auch Farbige Bürger den unter Rassismusvorwürfen stehenden Donald Trump, in der Hoffnung, ihre eigene Position als „Angekommene“ gegenüber potentiellen Einwanderern sichern zu können oder sogar verbessern zu können. Andererseits haben vermutlich viele junge Wähler das personelle Angebot in Person des wenig eloquenten Joe Biden, der sich zwar an Trump gemessen deutlich abhebt, jedoch dabei das Establishment der amerikanischen Politik repräsentiert, nicht akzeptiert. Ihr Favorit war der als linker ausgewiesene Bernie Sanders, der sowohl den gegen das Politestablishment gerichtete Haltung Trumps wie auch eine sozial-ökologische Alternative zu den überholten Rezepten der Krisenbewältigung angeboten hatte.

Über Fidelio

Ich bin 69 Jahre alt, verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Meine berufliche Tätigkeit als Stadtplaner habe ich vor fünf Jahren beendet und ich widme mich seitdem intensiver um dieses Internetprojekt, Kommentare und Beiträge, die sich auf die hier veröffentlichten Themen beziehen sind mir willkommen!
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2 Antworten zu US-Wahlen – Update November 2020

  1. Darmansyah sagt:

    thanks share info. can this repost for sharing?

  2. mauliyani sagt:

    Die ihn tragende Erzählung schien die des Jokers zu sein, eines Clowns, der die Lacher immer auf seine Seite zu ziehen versucht.

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