Deutschland und die Ukraine in der Entwicklungsspirale – Kalenderwochen 44 und 45 (2022)

Mit diesem Beitrag setze ich die über den Monat Oktober durchgeführte tägliche Protokollierung der Veränderungen im Bezug auf Deutschland und die Ukraine im Wochenrhythmus fort. Die Situation in der Ukraine hat sich im Laufe des Oktober offensichtlich soweit zugespitzt, dass auch die Erhebung von Internetdaten immer schwieriger wird und letztlich keine vertrauenswürdigen Ergebnisse liefert. Hinzu kommt der erhebliche Zeitaufwand für die Datenbeschaffung und die Erstellung der Beiträge, die in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Ergebnissen stehen.

Ich gebe zunächst eine kurze Beschreibung der Veränderungen gegenüber den Tagesberichten. Wesentlichste Änderung ist die Umstellung der Perspektive vom Internet auf die Printmedien, die eine stabilere Quellenlage gewährleisten, jedoch den Nachteil haben, dass sie gefilterte Ergebnisse liefern – allerdings unterscheiden sie sich hierin in gewisser Weise nicht von den Algorithmen der Suchmaschinen. Der Nutzen der Ergebnisse liegt letztlich in der Herrstellung von Vergleichsmöglichkeiten in einer Zeitlinie.

Eine weiterer Unterschied ergibt sich aus dem kulturellen Umfeld, in dem die verwendeten Informationen kursieren. Durch die Beschränkung der Suche auf die deutsche Sprache und deutsche Zeitungen fällt auch die Einfärbung der Daten durch die ukrainische Kultur fort. Dieser Unterschied wird schon alleine dadurch sichtbar, dass Blau nur noch eine geringe Rolle spielt und von Orange abgelöst wird. Es scheint jedoch – wie ein Versuch ergab – nicht aussichtslos, bei anhaltendem Zustrom von ukrainischen Flüchtlingen auch Internetergebnisse in ukrainischer Sprache auf deutschen Seiten auswerten zu können. Diese Option werde ich sporadisch überprüfen.

In der nebenstehenden Grafik sind die in der Presse-Datenbank Genios erhobenen WMeme und Quadranten für die Relationen (Bundesrepublik+Berlin) und Ukraine. Die Ergebnisse für diese Relationen sind jeweils in unmittelbar benachbarten Säulen in der Unterscheidung kräftige Farbe (= Deutschland) und blassere Farbe (= Ukraine) dargestellt. Darüber hinaus gilt auch hier die selbsterklärende Farbgebung wie bisher üblich.

Die Darstellung der Quadranten weist lediglich den Unterschied auf, dass die Farben nicht selbsterklärend sind und deshalb durch die angegebene Legende erklärt werden.

Die Erläuterung zu den Grafiken erfolgt – wie bisher – durch Zitate und kurze Ergänzungen von mir. Letztere sind durch gelben Hintergrund und/oder senkrechte Schrift erkennbar.

Der große Verdienst dieses WMems (Orange für beide Länder und zusätzlich Grün für die Ukraine) liegt darin, dass es die Mutter der Moderne ist. Dem Einzelnen hat es Befreiung, Technologien und die Bereitschaft, Ideen zu erforschen, gebracht. Allerdings ist es auch die Quelle der problematischen Lebensbedingungen, die zu den Fragen führen, ob Regierungen funktionieren, wie Milliarden von Menschen mit einer vernünftigen Lebensqualität koexistieren können und wie die Erde ein Konsumniveau, wie es derzeit herrscht, verkraften kann.
In seiner Ausgangsphase, wenn das Scheinwerferlicht von einer „Ich“- zu einer „Ich und Du“-Anordnung hinüberschwenkt, beginnen Schuldgefühle, erneut aufzutauchen. Ob von der blau-grünen Stimme der „Tiefenökologie“-Bewegung oder den purpurgrünen Gesängen der „New Age“-Anhänger, das orange WMem wird von der Erneuerung der gemeinschaftlichen/kollektiven „Wir“-Gruppe niedergeschrieen.

Gegenüber der 44. Kalenderwoche haben sich keine nennenswerten Veränderungen ergeben. Es kann daher auf eine Kommentierung verzichtet werden.

Arthur Millers Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ als Beschreibung einer typischen Situation in Orange:

Durch Tod eines Handlungsreisenden zwingt Arthur Miller sein Publikum, sich zu fragen, was der Wert vonArbeit“ und der Sinn des Lebens sei und welche Entscheidungen der Einzelne und die Familie treffen können, um die verbleibenden Jahre zu bereichern. Diese Art von Fragen führt zu den Lebensbedingungen.

Zitat aus: Beck, Don Edward; Cowan, Christopher C.. Spiral Dynamics: Leadership, Werte und Wandel (German Edition) . J. Kamphausen Verlag. Kindle-Version.

Willy Loman ist ein älterer Handlungsreisender, der nicht mehr fähig ist, für seinen Lebensstandard aufzukommen. Er verliert seinen Verstand und versucht sich umzubringen, indem er Gas vom Wassererhitzer einatmet oder Unfälle mit seinem Auto verursacht. Er ist besessen von der Nachkriegs-Interpretation des American Dream: so viel Geld zu verdienen und so erfolgreich zu sein wie möglich….

Tod eines Handlungsreisenden beschreibt den Konflikt zwischen dem 63 Jahre alten William „Willy“ Loman und dessen 34-jährigem Sohn Biff. Willy Loman ist ein innerlich zerrissener Mensch, dessen Leben in einer Welt stattfindet, in der sich für ihn Vergangenheit und Gegenwart vermischen (in mehreren Szenen spricht er mit Personen, die nur in seiner Vorstellung anwesend sind, oder es werden Rückblicke gezeigt, manchmal vermischt sich auch beides). Biff hat seinem Vater nie verziehen, dass er einst, während einer Geschäftsreise, seine Mutter mit einer anderen Frau betrogen hat, geht deswegen nicht zur Sommerschule, bekommt seinen Abschluss nicht, kann nicht studieren und schlägt sich mit vielen verschiedenen Jobs durchs Leben.

Gegen Ende des Dramas spitzt sich der Vater-Sohn-Konflikt zu, bis Biff seinem Vater zeigt, wie sehr er ihn liebt. Er bewegt ihn dazu, Wahrheit und Realität zu akzeptieren, und verabschiedet sich für voraussichtlich lange Zeit von ihm. Willy Loman ist zum Suizid entschlossen, damit seine verarmte Familie, vor allem Biff, aufgrund eines vorgetäuschten Autounfalls seine Lebensversicherung ausgezahlt bekommt. Sein toter Bruder Ben, den er wie einen Vater bewundert und kaum gekannt hat und mit dem er sich mehrfach „unterhält“, erinnert ihn an sein Vorhaben.

Das Drama endet mit der Totenmesse für Willy: nur wenige Trauernde – seine Familie und sein erfolgreicher alter Freund Charley – kommen zur Beerdigung. Als Abschluss steht ein letzter Monolog von Linda, Willys Witwe, in dem sie die Befreiung von weiteren Rechnungen beschreibt und sich wundert, warum Willy sich das Leben genommen hat. (Zitat aus: Wikipedia)

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Deutschland und die Ukraine in der Entwicklungsspirale am 05.11.2022

An dieser Stelle werde ich – soweit es mir möglich ist – täglich die Entwicklung der Wertewelten und der Quadranten der Integralen Theorie in Deutschland und der Ukraine veröffentlichen. Zu diesem Schritt habe ich mich aufgrund der sprunghaften Entwicklungen der letzten Jahre und Monate entschlossen, da sich die Bilder der Grafiken in diesem Zeitraum drastisch verändert haben und nach zeitnahen Erklärungen verlangen. Die Verknüpfung mit der Ukraine ermöglicht darüber hinaus Rückschlüsse auf Zusammenhänge zwischen deutscher Außenpolitik und Ukrainekrieg. Die Integrale Theorie kann so wertvolle Beiträge zur Meinungsbildung leisten. Ein Sinn hierfür ergibt sich allerdings erst, wenn sich möglichst viele Menschen hierzu Gedanken machen und ihr Handeln hieran orientieren.

Die Darstellung der Quadranten erfolgt – abweichend von der bisher überwiegenden Darstellung als Quadrantenbild als Säulengrafik und in Prozenten. Diese Änderung erfolgt aus Vereinfachungsgründen um eine tägliche Erhebung vom Aufwand her möglich zu machen. Eine Angleichung an die Quadrantendarstellung erhält man, wenn die Prozentwerte jeweils in 5%-Intervalle zerlegt werden.

Die beiden Grafiken werden durch ein Tageszitat aus dem Bereich der Integralen Theorie ergänzt. Dabei wird der jeweilige Bezug zwischen Grafik und Zitat durch ein gelb hinterlegtes Stichwort markiert, um so einen Hinweis auf die Schwerpunkte der Entwicklung zu geben.

Hinweise:  Zum Lesen der Grafiken bitte mit einem Klick vergrößern!

(Bereits ein wenig Gelb kann Bewegung in die Entwicklungsspirale bringen und den rigiden Stil von Grün abschwächen.)
Samstagmittag, eine Industriehalle mitten in Neukölln. 1.000 Genossinnen und Genossen sind gekommen, um über all die politischen Veränderungen zu diskutieren, die die Welt gerade durcheinanderwirbeln. Die SPD will sich selbst wieder spüren, nicht nur „Kanzlerverein“ sein, wie es Generalsekretär Kevin Kühnert sagt. Also dürfen die Genossinnen und Genossen bei einem Debattenkonvent, einem Treffen, das ausdrücklich kein Parteitag mit bindenden Beschlüssen sein soll, über alles diskutieren, wonach ihnen der Sinn steht.

„Sicherheit und Frieden“ wird marginalisiert

Mützenich tritt in einem Panel auf, das mit „Sicherheit und Frieden“ tituliert ist. Allerdings hat ihn die Regie ins Abseits geschoben: Seine Veranstaltung ist rein digital, man muss sich zu einer Videokonferenz zuschalten, während zeitgleich am Berliner Tagungsort auf mehreren Bühnen persönlich und live diskutiert wird. Die meisten Vor-Ort-Besucherinnen dürften Mützenichs Auftritt daher verpasst haben…

Erschwerte Bedingungen also und schon seltsam: Rolf Mützenich ist nicht nur Chef der 206 Sozialdemokraten im Deutschen Bundestag, sondern auch einer der anerkanntesten Außenpolitiker der Fraktion und ein belesener und weit gereister Kenner der internationalen Ordnung. Seine Promotion schrieb er seinerzeit über Friedenspolitik. Warum holt man ihn an diesem Samstag nicht zu SPD-Chef Lars Klingbeil auf die Bühne, der prominent über die „Zeitenwende„, die Fehler der sozialdemokratischen Russland-Politik und auch sein Verständnis von Deutschland als neuer Führungsmacht in Europa sprechen darf?…

Die SPD verschenkt an diesem Samstag also eine möglicherweise richtig gute Debatte – obwohl sie weiß, dass die ja sowieso stattfindet: in der Gesellschaft, in der SPD, und übrigens auch an den Stehtischen des Debattenkonvents, wo die Genossen Nudeln und Gulasch essen und manche von ihnen sagen, die EU laufe gerade zu sehr den USA und der Nato hinterher und werde sich früher oder später auch noch in den Konflikt der USA mit China hineinziehen lassen….

Russland, Ukraine und die SPD, das ist ein schwieriges, ein emotionales Thema, wie sich auch am Ende der Mützenich-Veranstaltung wieder zeigt. Da verliest der Moderator Fragen aus dem virtuellen Zuschauerraum. Und die haben es in sich: „Rolf, was meinst du mit Diskriminierung? Es ist doch dein gutes Recht, dich für Putin einzusetzen“ – lautet die erste, obwohl Mützenich unverdächtig ist, Sympathien für den russischen Präsidenten zu haben.

Auch wenn der Vorwurf, auf einer „Terrorliste“ zu stehen, von Mützenich ziemlich drüber war, stimmt immerhin das: Die Ukraine hatte im Sommer eine Liste mit mehr als 70 Persönlichkeiten veröffentlicht, auf der auch Mützenich aufgeführt war. Der Vorwurf: Die Verbreitung von „Narrativen„, die mit russischer Propaganda übereinstimmten.
Und Genossenfrage Nummer zwei ist eher ein Imperativ: „Wann liefert ihr endlich Panzer? Frieden schaffen mit schweren Waffen. Ausrufezeichen“, liest der Moderator vor….

„Vielen Dank für deine Arbeit. Finde ich solide“

Einige Stunden später in Berlin steuert der Debattenkonvent auf seinen Höhepunkt zu: Der Kanzler gibt sich die Ehre….
Olaf„, wie ihn alle hier stolz nennen, bringt eineinhalb Stunden Zeit mit und stellt sich auf der Bühne für ein „Frag mich alles„-Format zur Verfügung: Es geht um das Tempolimit, um Berufsausbildungen, die Fallpauschalen in Krankenhäusern, um die Letzte Generation. Und selbst ein Juso aus dem linken SPD-Verband Friedrichshain-Kreuzberg hat so etwas wie Lob für den Oberrealo Scholz im Gepäck: „Vielen Dank für deine Arbeit. Finde ich solide.“
Auch die Außenpolitik spielt eine Rolle, natürlich. Scholz nennt die aktuelle Situation im Krieg in der Ukraine „ganz besonders brenzlig“, weil Putin dort seine Ziele nicht erreiche. Er warnt den russischen Präsidenten erneut, Nuklearwaffen einzusetzen, das „wäre eine Grenze, die nicht überschritten werden darf“….

Erst ganz am Schluss kommt sie dann doch, eine Zuschauerfrage nach Friedensinitiativen für die Ukraine. Am Ende eines jeden Krieges stehe immer die Diplomatie, antwortet Scholz vage: „Jetzt ist es an dem russischen Präsidenten, einen Zug zu machen, wegzugehen von seiner Idee, einen Diktatfrieden gegen die Ukraine militärisch durchzusetzen.“ Es wäre doch ein „guter Schritt“, sagt der Kanzler, wenn „Putin seine Truppen aus der Ukraine abziehen würde“. Dafür gibt es donnernden Applaus.

Zitat aus ZEIT-online v. 05.11.2022: SPD-Debattenkonvent – Die Debatten, die sie vermeiden.

Die Schwarze Witwe ist der erste fliegende Prototyp einer neuen Klasse von Flugobjekten, sogenannten Micro Air Vehicles (MAVs), die gerade in verschiedenen Instituten und Firmen der Vereinigten Staaten entwickelt werden. Behalten die Rüstungsforscher recht, werden die winzigen Fluggeräte den Krieg revolutionieren. (starke Betonung der Wissenschaft = rechten Quadranten und die Magie von Purpur)

Das Ziel der neuen Kriegsführung ist der durchsichtige Feind. Die Planer im Pentagon wollen transparente Schlachtfelder schaffen. Nach ihrer Überzeugung ist im Krieg von morgen nicht mehr überlegen, wer die größte Kanone, sondern wer das intelligenteste Fernrohr hat. Informationen werden gleichbedeutend sein mit militärischer Überlegenheit. Wissen für Waffen, die dann absolut treffsicher töten können. Der Sender, den der kleine Erkundungsflieger aus dem Pentagon-Szenario auf dem Lastwagen hinterläßt, wird Sekunden später eine Lenkwaffe ins Ziel führen.

Schon über der irakischen Wüste waren vereinzelt unbemannte Flugkörper, sogenannte UAVs, im Einsatz. Ihre Nachfolger, die MAVs, sollen zehnmal kleiner sein und leistungsfähiger dazu. Sie Könnten, hoffen die Strategen, einmal zur militärischen Antithese der Materialschlachten werden. Klein, intelligent und vor allem neugierig. Die letzten toten Winkel der Schlachtfelder sollen sie ausspionieren – und Mensch und Maschine gezielter angreifen können, als es je zuvor möglich war. „Was wir sehen, können wir auch zerstören“, meint Militärstratege Kuehl. „Der Krieg wandelt sich, er wird nicht mehr geschoßzentriert sein, sondern informationszentriert.“

Professor Kuehl und seine Kollegen erwarten, daß am absehbaren Ende der technologischen Entwicklung das virtuelle Schlachtfeld stehen wird. Die Krieger von morgen sollen im Heimatland vor Bildschirmen sitzen und ferngesteuerte Waffen in den Kampf schicken (Anm.: die heutige Realität). Die Mouse wird zum Abzug, der Double click zum Treffer. Nach getaner Arbeit geht der Soldat jeden Abend nach Hause.

Das Lincoln Laboratory ist alles andere als eine Bastelwerkstatt. Ein nagelneues Gebäude – überall Glas, Edelholz, teures Mobiliar. Bei diesem Ableger des legendären Massachusetts Institute of Technology (MIT) wird nicht gespart. Hierher fließen nicht nur Gelder der Darpa, sondern Dollar direkt aus dem Verteidigungshaushalt.

„Ich kann Ihnen aber ein offiziell genehmigtes Bild unseres Flugzeugs zeigen“, sagt William Davis, ein 53jähriger Ingenieur, der seit über 20 Jahren Waffen entwickelt: Eine Hand hält einen auf Kolibriformat geschrumpften blaugrauen Flieger. Nur genau 7,4 Zentimeter mißt er von einer Flügelspitze zur anderen. Wo der Laie das Cockpit vermutet, steckt ein Kameraauge im Rumpf, hinter den Flügeln ist der Propeller montiert. Deutlich zu sehen sind auch Höhen- und Seitenruder, keinen halben Zentimeter breit. „Entwurf des kleinstmöglichen MAV„, heißt es in der Bildunterschrift.

Maximal drei Gramm soll das würfelgroße Gerät inklusive Sendeeinheit wiegen.

An ganz anderen Vorbildern orientiert sich Davis’ Kollege Robert Michelson vom Georgia Technology Research Institute. Sein Flugobjekt soll wendig genug sein, um Häuser im Inneren ausspionieren zu können.
….
Auch Bruno Augenstein hat ausgefallene Ideen für mögliche Missionen von Minifliegern: „Wenn die Dinger einmal klein genug sind, dann könnten sie wie Fliegen durch Türspalte oder Klimaanlagen in Gebäude eindringen und dort herumspionieren – oder gar Computer mit einer chemischen Substanz lahmlegen.“ Das klingt ziemlich utopisch, und doch ist Augenstein ernst zu nehmen. Er ist Militärexperte bei der kalifornischen Denkfabrik Rand Corporation und gilt als einer der geistigen Väter der Miniflieger.

Die Militärplaner wollen Miniflieger zunächst in unübersichtlichen Kampfzonen einsetzen – einer Schwachstelle der amerikanischen Armee. „Auf Kriege wie im Irak sind wir bestens vorbereitet. Was wir nicht so gut können, sind Sachen wie in Somalia„, sagt Martin Libicki, Professor an der National Defense University und, per Videoübertragung, Gastdozent an der Bundeswehrhochschule in München. Auch die schärfsten Satellitenaugen lieferten den Amerikanern 1993 nicht die nötigen Informationen, um die somalische Hauptstadt Mogadischu kontrollieren zu können. „Städte sind die Kriegsschauplätze von morgen„, prophezeit Libicki, dessen Weltbild wenig Platz für Zweifel läßt: „Nur Idioten wie Saddam Hussein werden noch so blöd sein, eine geschlossene Armee gegen uns in Marsch zu setzen.“

Die Darpa zeigt sich höchst beeindruckt von der Fähigkeit der fliegenden Miniaufklärer, sich auch in „urbanen Schluchten“ und im Inneren von Gebäuden zu bewegen. Das müssen nicht nur die „urbanen Schluchten“ von Mogadischu, das können auch die Straßenzüge der Ghettos von Los Angeles und New York sein.

Für die Militärführer mag es schwer sein, gerade in den allerkleinsten Fliegern die Boten einer Zeitenwende zu sehen. Doch im Weltbild ihrer Hausstrategen sind MAVs die Waffen der Zukunft, während Panzerschlachten wie im Irak der Vergangenheit angehören. „Es könnte das letzte Mal in der Geschichte gewesen sein, daß geschlossene Verbände in dieser Größenordnung aufgestellt wurden“, ahnt Kuehl und prognostiziert damit das Ende einer militärischen Grundkonstante: Das abgrenzbare Schlachtfeld hat ausgedient. Kriege werden dezentral, sie zersplittern zu einzelnen ferngesteuerten Operationen gegen strategisch wichtige Ziele. Die könnten überall sein. Deshalb dürfte ein engmaschiges Aufklärungsnetz über Ländern und Regionen geknüpft werden. Die Miniflieger dringen dabei als letzte Vorposten in die feinsten Strukturen vor. Wenn die MAVs erst massenhaft fürs Militär fliegen, dann werden sie bald auch billig genug für Zivilisten sein – wie zuvor andere Rüstungstechnologien. Sie könnten, hoffen Forscher, über Feldern kreisen, um dort kranke Pflanzen aufzuspüren, und das Ungeziefer gezielt erledigen.

Gutgemeinte Wünsche. Realistisch könnten aber auch ein paar andere Szenarien sein: Medien setzen Miniflieger auf Prominente an. Staaten spionieren ihre Bürger aus oder Privatleute einander. Ebenfalls im Internet träumen Eltern schon von einem fliegenden Sicherheitssystem für den Nachwuchs: „Weniger Drogenmißbrauch, weniger Schwangerschaften von Teenagern, weniger vermißte Kinder.“ Vielleicht schaffen die intelligenten Miniflieger nicht nur das transparente Schlachtfeld, sondern auch die gläserne Gesellschaft.

Zitat aus: Archiv der Wochenzeitung DIE ZEIT 1998-45; „Eine Handvoll Krieg

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Deutschland und die Ukraine in der Entwicklungsspirale am 04.11.2022

An dieser Stelle werde ich – soweit es mir möglich ist – täglich die Entwicklung der Wertewelten und der Quadranten der Integralen Theorie in Deutschland und der Ukraine veröffentlichen. Zu diesem Schritt habe ich mich aufgrund der sprunghaften Entwicklungen der letzten Jahre und Monate entschlossen, da sich die Bilder der Grafiken in diesem Zeitraum drastisch verändert haben und nach zeitnahen Erklärungen verlangen. Die Verknüpfung mit der Ukraine ermöglicht darüber hinaus Rückschlüsse auf Zusammenhänge zwischen deutscher Außenpolitik und Ukrainekrieg. Die Integrale Theorie kann so wertvolle Beiträge zur Meinungsbildung leisten. Ein Sinn hierfür ergibt sich allerdings erst, wenn sich möglichst viele Menschen hierzu Gedanken machen und ihr Handeln hieran orientieren.

Die Darstellung der Quadranten erfolgt – abweichend von der bisher überwiegenden Darstellung als Quadrantenbild als Säulengrafik und in Prozenten. Diese Änderung erfolgt aus Vereinfachungsgründen um eine tägliche Erhebung vom Aufwand her möglich zu machen. Eine Angleichung an die Quadrantendarstellung erhält man, wenn die Prozentwerte jeweils in 5%-Intervalle zerlegt werden.

Die beiden Grafiken werden durch ein Tageszitat aus dem Bereich der Integralen Theorie ergänzt. Dabei wird der jeweilige Bezug zwischen Grafik und Zitat durch ein gelb hinterlegtes Stichwort markiert, um so einen Hinweis auf die Schwerpunkte der Entwicklung zu geben.

Hinweise:  Zum Lesen der Grafiken bitte mit einem Klick vergrößern!

Mein Leben konzentriert sich aufs Überleben (Auftauchendes Beige). Energie wird dafür verwandt, am Leben zu bleiben und die Bedürfnisse meines physischen Daseins zu befriedigen, so dass ich nicht hungrig oder durstig bin. Ich muss mich vermehren, daher reagiere ich auf sexuellen Drang, sobald er sich bemerkbar macht. Ich weiß nicht, was Sie mit Zukunft, Pläneschmieden, Sparen für schlechte Tage oder Selbst meinen. Mein Körper sagt mir, was ich zu tun habe, und ich werde durch das angetrieben, was meine Sinne meinem Gehirn mitteilen, nicht so sehr durch ein Bewusstsein.“

Beige ist tatsächlich ein automatischer Lebenszustand. Er wird von den gebieterischen physiologischen Bedürfnissen, welche die Lebensbedingungen beherrschen, gesteuert und setzt die ganz grundlegende Überlebensausstattung, mit der wir geboren werden, in Gang. Ist nur dieses WMem aktiv, ist man deutlich ein menschliches Wesen, aber kaum als Persönlichkeit wahrnehmbar.

Zitat aus: Beck, Don Edward; Cowan, Christopher C.. Spiral Dynamics: Leadership, Werte und Wandel (German Edition) . J. Kamphausen Verlag. Kindle-Version.

Der Krieg ist sowieso eine Zeit für Briefe. Er verschlägt Menschen an verschiedene Orte, und sie versuchen auf jede nur erdenkliche Weise einander zu erreichen. Menschen senden sich Worte, die womöglich die letzten sind, das macht sie so unglaublich wertvoll. Menschen senden sich wichtige Worte, oft wirken sie wie ein Zauber (starkes Purpur). Briefe wie dieser oder eine normale SMS, schriftliche oder mündliche Nachrichten, kürzere oder längere Telefonate sind, glaub mir, wie eine im richtigen Moment ausgestreckte Hand, die den anderen aus einer Depression, aus der Erstarrung reißen und einen Weg aus bleierner Verwirrung und Hilflosigkeit bahnen kann. …

Die Leute kamen von allen Enden der Stadt geströmt, sie sind über die Trümmer gestiegen, haben sich durch die Frontlinie geschlängelt oder geschlagen und dann lange schutzlos und verletzlich an der Kreuzung gestanden, wo ständig geschossen wurde. Ich habe gesehen, wie viele von ihnen bei dem Versuch, eine Verbindung herzustellen, das Telefon über den Kopf hielten, und es schien mir, als würden sie sich Gott zuwenden. Von oben hat sie allerdings nicht nur Gott gesehen. Die russländischen Flugzeuge, gesteuert von russländischen Fliegern, haben über ihnen russländische Bomben abgeworfen.
Längst nicht alle, die an diese Kreuzung kamen, konnten den gewünschten Kontakt herstellen, längst nicht alle haben es anschließend in ihren Luftschutzkeller zurückgeschafft … Ich bin auch an dieser Kreuzung gewesen. Einmal haben eine Rakete und ich uns wie durch ein Wunder um dreißig Sekunden verfehlt. Wer weiß, vielleicht war das an dem Tag, als Du mir den Brief geschrieben hast. (Aus einem Brief der ukrainischen Schriftstellerin und Dichterin Oksana Stomina an ihre deutsche Kollegin Ulrike Almut Sandig)

Unter Deutschen
Unsere Gastautorin wurde in Kiew geboren und lebt in Berlin. Sie leidet unter der Diskrepanz der ukrainischen und der deutschen Perspektive auf den Krieg.
Von Jelena Jeremejewa

Auf die atomaren Drohgebärden Russlands reagieren manche Ukrainer mit wildesten Orgienplänen – man wolle sich auf einem der Hügel im Kiewer Zentrum versammeln, um endlich alle noch nicht realisierten sexuellen Fantasien auszuleben. Und sie teilen Tipps, von wo aus man die beste Aussicht auf den atomaren Pilz genießen könnte.

Ich habe in all dem Unglück das Glück, zwei Zuhause zu haben. Im ersten herrscht Krieg, im zweiten lebe ich mein Doppelleben. Tagsüber gehe ich meinem Alltag nach, grüße freundlich, bringe und hole Kinder, kaufe ein, koche und räume abends die Küche auf. Ich kann nicht mehr auf die Frage antworten, wie es mir geht. So murmele ich etwas vor mich hin, in der Hoffnung, dass nicht nachgefragt wird. Denn ich ertrage diese traurigen, mitleidigen Gesichter nicht und bin dankbar für jede noch so scheinbare Normalität, in der ich ungestört verdrängen kann. Manchmal wache ich nachts auf und aktualisiere 20-mal meinen Twitter-Feed, in der Sorge, vernichtet worden zu sein und es verschlafen zu haben. Nicht physisch, aber seelisch. Für mich hat am 24. Februar 2022 mein persönlicher Dritter Weltkrieg begonnen und es ist kein Ende in Sicht. Für die Menschen hier ist es nur „ein Krieg„. Für mich ist er „der Krieg“ und diese ständige Diskrepanz überfordert mich. Im zweiten Zuhause zu leben bedeutet, unter Menschen zu leben, die das Glück oder das Pech haben, nur dieses eine Zuhause zu haben und damit nur diese eine Außenperspektive. Und die nicht über die ukrainischen Orgienpläne lachen können. …

Zitiert aus zwei Briefen im Projekt „10 nach 8“ der Wochenzeitung Die ZEIT

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