Wertesysteme und Problemfelder in den Staedten des Saarlands

Übersichtskarte Saarland

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Übersichtskarte des Saarlands

Das kleinste Flächenland Deutschlands unterscheidet sich nicht nur in diesem Merkmal von anderen Bundesländern, es gehört auch erst auf Grund einer Volksabstimmung seit 1957 der Bundesrepublik Deutschland an und beendete damit seine Zugehörigkeit zum französischen Staat. Auch nach Einwohnerzahl ist es ein sehr kleines Land und rangiert vor Bremen auf dem vorletzten Platz der Bundesländer. Nahezu ein Fünftel der 995 Tsd. Einwohner wohnen in der Landeshauptstadt Saarbrücken, die auch die einzige Großstadt des Landes ist.

Die wirtschaftliche Grundlage des Saarlandes bildeten der Steinkohlebergbau und die Stahlindustrie. Das letzte Bergwerk wurde 2012 geschlossen, die Stahlindustrie ist noch mit zwei Hüttenwerken im Land vertreten. Stärker als das ebenfalls im Übergang von der Montanindustrie zu neuen Industrien befindliche Ruhrgebiet hat der Niedergang der traditionellen Wirtschaftsgrundlage zu erheblichen Konsequenzen für die Landespolitik geführt. Hierin sind neben bundesweiten Trends die Gründe für die wechselnden Mehrheitsverhältnisse in der Landespolitik des Saarlands zu suchen.

Interessanter als parteipolitische Konstellationen sind gerade in Zeiten des Strukturwandels die Werthaltungen der Menschen, die für eine Neuausrichtung der Politik gewonnen werden müssen und soweit wie Möglichkeit an der Neuformulierung politischer Ziele beteiligt werden müssen. Eine Strukturierung dieses Prozesses kann mit Hilfe der Spiral Dynamics vorgenommen werden. Einen kleinen Beitrag auf diesem Weg möchte ich mit der folgenden Untersuchung auf der Basis des Wertesystems der Spiral Dynamics leisten.

Bezugsobjekte für die Darstellungen sind die Städte, wobei die Großstadt Saarbrücken gesondert betrachtet wird, während die kleinen Städte in ihrer Summe betrachtet werden. Damit soll nicht unterstellt werden, dass sich die kleinen Städte nicht unterscheiden, diese Einschränkung ist der Methode geschuldet, die eine ausreichend große Bevölkerungszahl erfordert, damit verwertbare Ergebnisse zustande kommen.

Die Struktur innerhalb der Entwicklungsspirale ist der anderer Großstädte in Deutschland ähnlich. Ein relativ starkes Orange als Heimat des westlichen Industriesystems mit demokratisch-politischer Rahmensetzung wird von etwa gleich starkem Blau und Grün flankiert. Daneben sind in geringem Maße auch Rot und Gelb vorhanden. In Orange werden nach den Möglichkeiten von moderner Wissenschaft und Technik materielle Güter und gesellschaftlich-kulturelle Strukturen geschaffen, die eine Entwicklung der Person ermöglichen und damit eine Basis für kollektive Entwicklungen im Wertesystem Grün schaffen. Dem Orange vorangehend ist das Wertesystem Blau jenes, das in streng verfasster gesellschaftlicher Ordnung die moralischen Grundlagen für die Befreiung des Individuums aus seiner Unmündigkeit gelegt hat und so ermöglicht hat, zum Geist der Moderne durchzubrechen. Die heutige Situation ist dadurch gekennzeichnet, dass der erfolgreiche Mensch sich zunehmend von der Funktion seines Instrumentariums gefangen nehmen lässt und den Abstand für einen Blick auf seinen Standort innerhalb der Evolution nicht mehr findet. Wie weit dieser Verlust des Überblicks fortgeschritten ist kann an dem Anteil abgelesen werden, den das Wertesystem Grün an der Gesamtspirale hat.

Im Bezug auf Saarbrücken kann festgestellt werden, dass sowohl die traditionellen Strukturen des Blau noch wirksam sind wie auch neue soziale Formen im Entstehen sind. Beide Wertesysteme treten in einen Wettbewerb um die Verteilung des in Orange angesammelten Reichtums.  Solange dieser für beide reicht und vor allem von den orange geprägten Eigentümern zur Verteilung bereit gestellt wird, ist ein Fortschritt in der Entwicklungsspirale wahrscheinlich. Andernfalls kommt es zu Stagnation und Verfall bzw. Regression in alte Wertesysteme wie z. B. Rot. In Kenntnis dieser Zusammenhänge besteht für Saarbrücken eine Krisensituation, die sich deutlich abzeichnet, wenn man die Abweichungen der Wertesysteme zu den Werten für Deutschland darstellt, wie ich sie oben rechts abgebildet habe. Dort sind ein im Vergleich zu Deutschland schwaches Orange und Blau zu sehen und ein relativ starkes Rot, das wahrscheinlich aus Regressionen von Blau resultiert. Daneben sind auch die am Anfang der menschlichen Evolution begründeten Wertesysteme Beige und Purpur erhöht. Hierin sind ebenfalls Hinweise auf krisenhafte Situationen gegeben, die bezüglich Beige in existentiellen Ängsten und Notlagen wie schweren Krankheiten, absoluter Armut oder psychischer Verzweiflung vorhanden sein können und bezüglich Purpur auf die Suche nach Rettung durch magisch-animistisches Denken oder Beschwörung hindeuten. Diese Situation ist offensichtlich einer größeren Zahl von Menschen bekannt, die über systemisches Denken, wie es in Gelb zum Ausdruck kommt, verfügen. Das gegenüber dem Vergleichswert erhöhte Grün ist Voraussetzung für die Entstehung gelber Potentiale und kann für den Fortbestand der gelben Energien hilfreich sein.  Um einen nachhaltigen Einfluss auf das Gesamtsystem ausüben zu können ist jedoch ein Übergang zu Türkis notwendig.

Die vorstehend für Saarbrücken beschriebene Situation gilt in den Grundzügen auch für die summarisch erfassten Mittel- und Kleinstädte des Saarlands. Wie in der nachfolgenden Grafik zu sehen ist, fällt der Einfluss von Rot und Gelb schwächer aus und der Einfluss von Blau ist sogar gegenüber dem Vergleichswert leicht erhöht. Diese Unterschiede sind zum erheblichen Teil auf die Größen- und Funktionsunterschiede zwischen der Landeshauptstadt und den wesentlich kleineren Städten zurückzuführen.

Weitere Unterschiede bestehen in der Ausprägung von Orange, die in den kleineren Städten schwächer ist und zur Stärkung von Blau und Grün führt. Das insgesamt im Vergleich schwach wirkende Orange kann nicht ohne weiteres als Hinweis auf eine Krisensituation genommen werden, da nicht prizipiell ausgeschlossen ist, dass auch in Grün produktive Gewinne im sozialen Zusammenhang erarbeitet werden. Dem liegt die für Systeme grundlegende Erkenntnis zu Grunde, dass das Niedrigere die Möglichkeiten des Höheren setzt und das Höhere die Wahrscheinlichkeiten des Niedrigeren definiert. Mit dem Niedrigeren ist hierbei das innerhalb der Evolution zeitlich Vorhergehende gemeint, auf dessen Boden die nächste Stufe der Entwicklung erst möglich wird. Mit dem Auftauchen der nächsten Stufe treten neue Fähigkeiten auf, die daran interessiert sind, den Nährboden, auf dem sie gewachsen sind, zu erhalten. So gesehen liegt also in einem relativ schwachen Orange und einem relativ starken Grün kein Widerspruch, sondern die Chance, zu neuen Qualitäten in die zweite Ordnung der Entwicklungsspirale fortzuschreiten. Aus dem bereits relativ starken Gelb ist abzuleiten, dass dieser Vorgang bereits in Ansätzen stattgefunden hat oder noch stattfindet.

Legende zu den Problembereichen

In den beiden oben stehenden Grafiken sind die in Saarbrücken und den kleineren Städten des Saarlandes festgestellten Problemfelder dargestellt. Informationen über die Ermittlung und den Aussagewert der zu Grunde liegenden Daten habe ich in einem früheren Beitrag gegeben und ich bitte zur Vermeidung von Wiederholungen dort nachzulesen.

Ohne Mühe fallen in der Gegenüberstellung der Grafiken einige gravierende Unterschiede auf. Das Hauptproblem in Saarbrücken ist offensichtlich eine Angst, die alle anderen Probleme überflügelt. Diese Angst kann viele Ursachen haben, jedoch kann vermutet werden, da sich dieses Gewicht der Angst nicht bei den kleineren Städten findet, dass es sich um etwas handelt, das für Großstädte eher zutrifft, als für kleine Städte. Hierbei u. a. an die nahezu täglich medial gegenwärtige Angst vor Terroranschlägen zu denken dürfte nicht abwegig sein. Darüber hinaus zeigen sich einige stärkere Abweichungen bei den kleineren Städten bei der Wahrnehmung von Kriminalität, bei der Empfindung von Kranksein, der Wahrnehmung von Gewalt und der Drogenproblematik.

In den folgenden Übersichten werden die Problemfelder im Vergleich zu den für Gesamtdeutschland ermittelten Werten dargestellt. Die Skalen geben Vielfache der Referenzwerte für Deutschland an.

Hier zeigen sich zunächst zwischen Saarbrücken und den kleineren Städten keine prinzipiellen Unterschiede, wohl aber die bereits oben angesprochenen Schwerpunkte und darüber hinaus einige Problemfelder, die spezifisch für das Saarland erscheinen. Dazu gehören vor allem die Wahrnehmung von Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Armut, Familie (Scheidung), Wohnung (Miete), Freizeit (langweilig), Umwelt (Verschmutzung), Rassismus und Drogen. Dagegen gibt es auch einige Problemfelder, die weniger gravierend wahrgenommen werden, vor allem das Empfinden von Krankheit. In diesen Problemfeldern spiegeln sich die mit dem eingangs erwähnten wirtschaftlichen Strukturwandel verbundenen Folgen wider, die zu prekären persönlichen und familiären Verhältnissen führen.

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