Wertemem Purpur

Purpur

Abhängig von den Lebensbedingungen des Menschen differenziert sich in der Entwicklung des Menschen das Gehirn auf Grund neuer neuronaler Verbindungen in „ich, mir und mir selbst“ (Zitat Graves). Damit tritt allmählich die Abgrenzung zwischen anderen Menschen, Tieren und Pflanzen ein. Neue Verhaltensweisen stellen sich mit zunehmendem Selbstbewusstsein ein: Gefahren werden als Ausdruck der Fähigkeit zu logischer Vorausschau erkannt, Gefühle der Stärke als Qualität der größeren Gruppe stellen sich ein, soziale Beziehungen festigen sich, da ihre Vorteile erkannt werden. Während dessen nimmt das Gehirn an Komplexität zu. Ereignisse, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten eintraten, werden als kausale Zusammenhänge erkannt.

Als Artefakte dieser Entwicklungsstufe werden von Archäologen Totems, Knochentotems und steinerne Fruchtbarkeitsamulette gefunden. In unserer Zeit sind es die heiß geliebten Spielsachen, Puppen und Teddybären unserer Kindheit oder das Kommunionkleid, die auf dem Dachboden aufbewahrt werden.
Der psychisch wirksame Begriff des Beige ist Überlebenswille. Hierin drücken sich die instinkthaften Verhaltensweisen des Beige und das Warum zur Erkennung der Position in der Entwicklungsspirale aus. Überlebenswille ist deshalb das Reizwort, mit dessen Hilfe in diesem Projekt das Internet befragt wird.

Stonehenge

Stonehenge

In Purpur kommt erstmals ein Wertemem der Gruppenbildung zum Vorschein. Es ist von mystischen Geistern, heiligen Plätzen, heiligen Gegenständen und Ritualen bestimmt. Die Pflege der Bräuche und die Ehrung der Alten sorgen für den Zusammenhalt und die Sicherheit in der Lebensgemeinschaft. Der Gang des Lebens ist an den Rhythmus der Natur angepasst.

Aus dem herdenartigen Zusammenleben unter dem Einfluss von Beige entstehen nun die Familie, der Clan und die Stämme. Die Zusammengehörigkeit wird durch die Verwandtschaft und die Nachbarschaft vermittelt. In der individuellen Entwicklung des Kindes kann es in diesem Stadium zur Entwicklung psychischer Defekte kommen, die sich im späteren Leben durch kompensierende Verhaltensweisen wie Bandenbildung, Kulte und zerbrechliche Ehen zeigen.

Durch die erweiterten Möglichkeiten der Gruppenbildung entstanden kulturelle Leistungen, die wiederum zur Entwicklung neuronaler Fähigkeiten wie analytisches Denken die Fähigkeit zu verstehen und etwas im Gedächtnis zu behalten sowie für die Zukunft zu planen führten. Vom Entstehen dieser Fähigkeiten zeugen noch heute die Tierkreiszeichen, Höhlenmalereien mit Tieren und die zahlreichen Mythen von Elfen in Zauberwäldern.

Der Übergang vom beigen Wertemem zu Purpur erfolgte in Folge der überlebensnotwendigen Auseinandersetzung mit Naturphänomenen wie Flüssen, Bergen, der Sonne, dem Himmel und dem Feuer. Ihnen wurden geistige Kräfte unterstellt, die es zu besänftigen galt und mit denen in Harmonie zu leben notwendig war.

Kindertöpfchen

Kind auf seinem Töpfchen mit ganz vielen Töpfchen

In der kindlichen Entwicklung entspricht der Übergang von Beige zu Purpur dem Ende der Säuglingszeit und der zunehmenden Wahrnehmung des Körpers. Schließlich wendet sich das Kind auch den Gegenständen in seiner unmittelbaren Umgebung zu und die Schmusedecke, die Quietschente, das Töpfchen oder der Teddybär werden zu unentbehrlichen Objekten. Diese Phase schließt etwa um die Mitte des ersten Lebensjahres mit der Entdeckung ab, dass Menschen und Tiere empfindende Wesen sind.

Das Denken im voll entwickelten Purpur ist durch die Aktivität der rechten Hirnhälfte bestimmt. Hieraus ergibt sich die Fähigkeit zu einer erhöhten Intuition, starke Gefühlsbindungen an Orte und Gegenstände und ein mystifizierender Sinn für Ursachen und Wirkungen. Kurz und abstrakt gesagt: Das Denken ist animistisch, schamanisch und mystisch. Wir begegnen diesem Denken heute noch z. B. bei Rutengängern, Jägern und Kräutersammlern. Auch hypersensible Menschen mit einem erhöhten Einfühlungsvermögen in die Gefühle anderer Menschen sind in diesem Wertemem zu Hause und sie sind hier zur Herstellung einer harmonischen Ordnung hoch geachtet.

Im Purpur geprägten Denken spielt die Zeit eine eher untergeordnete und zirkulär verlaufende Rolle. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden oft nicht unterschieden. Wichtiger sind Orte und Umstände des Geschehens. Wer jemals als rational denkender Westler in vorindustriellen Zusammenhängen gearbeitet hat, wird begreifen was es bedeutet, wenn gesunde soziale Beziehungen mehr Gewicht haben, als die Terminplanung für die industrielle Produktion.

Purpur hat das kollektive Gedächtnis hervorgebracht, das in Fabeln, Sagen und Legenden von Generation zu Generation weiter gegeben wird und von modernen Autoren wie J.R.R. Tolkien, George Frazer, Joseph Campbell und den Disney-Welten wieder belebt wird. Auch die Religionen tragen mit der Pflege ihrer Mythen zum Einfluss purpurner Spuren in der Evolution bei (z. B. die Sintflut, kirchliche Feiertage, in heidnischen Kulturen Mond- und Sonnenzyklen).

"Die Sintflut"

„Die Sintflut“ von Gustave Doré

Das Menschenbild in Purpur ist exklusiv, wer nicht die Merkmale der Gruppe als Zugehörigkeitszeichen aufweist gilt als andersartig, Kuriosität, Unperson oder bedrohlicher fremder Teufel wie man heute noch im New Yorker Chinatown sagt. Aus dieser Sicht ergeben sich Vorteile für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Gruppe, aber auch Nachteile durch die damit verbundene Isolierung, die ein Lernen von anderen Gruppen ausschließt. Extreme Erscheinungen in Purpur sind ethnische Säuberungen, Kriege zwischen Clans oder innerhalb des Stammes, wie sie uns noch täglich in den Nachrichten begegnen.

Die Konfrontationen blauer und orangener Wertememe mit Purpur haben zum Aussterben vieler Naturvölker geführt. Was von ihnen noch geblieben ist, befriedigt das schlechte Gewissen der siegreichen Zivilisation des Westens.

Es wäre jedoch leichtsinnig zu glauben, die Dominanz von Orange in den Industriestaaten habe den Einfluss von Purpur aus der Evolution hinausgedrängt. Der Aufstieg Adolf Hitlers zur Kultfigur des Dritten Reiches beweißt, dass es auch in aufgeklärten Gesellschaften möglich ist, das in tiefere Bewusstseinsschichten zurückgedrängte Purpur neu zu beleben, wenn die äußeren Umstände hierfür günstig sind.

Das tragende Prinzip in Purpur ist das gegenseitige aufeinander Angewiesensein: „Einer für alle, alle für einen“. Dieses Motto galt sowohl für die drei Musketiere im Roman von Alexandre Dumas wie es auch heute noch für Ehrenmorde archaischer Bräuche gilt. Unter der Bezeichnung „Ubuntu“ ist es im afrikanischen Sozialismus / Humanismus als Ausdruck des Gemeinsinns geläufig. In extremer Form kann dieses Prinzip bis zur Selbstaufopferung als Kamikaze, zur Tötung als Selbstmordattentäter oder zum selbstlosen Einsatz der Mutter zum Schutz ihres Kindes führen, wie es in den Ruinen von Pompeji zu erkennen ist oder wie es im Salomonischen Urteil der christlichen Bibel beschrieben wird. Purpur begegnet uns im modernen Leben am Arbeitsplatz, wenn Entlohnungs- und Vergünstigungsprogramme dadurch erschwert werden, dass der Begünstigte durch die Auszeichnung von der Gruppe isoliert wird oder wenn in den Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern gleiche Lohnerhöhungen für alle verhandelt werden, statt individuelle Leistungsanreize zu fördern. Es schwingt mit in den Rhythmen des Rap und Country-Western und in den Ritualen und Zeremonien der Kirchen. Die „Glücksschuhe“ der Profifußballer, die Namen für Schiffe und Flugzeuge die Puppe, die zum Puppendoktor muss oder der „Bello“ und die „Mieze“ mit denen Frauchen spricht sind weitere Beispiele für die animistischen Relikte in der Jetztzeit. Die Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen. Worauf es jedoch vor allem ankommt, sind die tiefen Beziehungen, die Purpur in das Verhältnis zwischen Eltern und Kinder bringt. Wenn Kinder diese Phase überspringen, steht die sich darauf weiterentwickelnde Spirale auf wackeligem Boden, denn der wichtigste Beitrag von Purpur zur Evolution ist die Fähigkeit zur Liebe.

Die Zeichen von Purpur begegnen uns überall: Nationalfahnen führen Soldaten zum Kriegseinsatz und begleiten sie auf dem Weg zur letzten Ruhestätte, Demokratie ist zum Symbol europäisch geprägter Kultur geworden, Kunstwerke zeigen eine zweidimensionale Welt, Darstellungen von Menschen betonen die Fruchtbarkeit durch übergroße Geschlechtsmerkmale, die Freiheitsglocke, die englische Krone und die Stadt Jerusalem religiöse, Medaillen, Eheringe und Glücksbringer haben starke purpurne Aspekte.

In Purpur werden Zeichen zu praktischen Informationen, die den Vorteil der exklusiven Gruppenzugehörigkeit in das tägliche Leben übertragen. So markierte das „fahrende Volk“ unauffällig die Häuser derjenigen, bei denen ein Almosen wahrscheinlich war mit Zinken, andere Gruppen wie Sinti und Roma, Landstreicher und Hausierer hatten ebenfalls ihre Zeichen, die nur von Angehörigen ihrer Gruppe entziffert werden konnten. Auch die durch neue soziale Bewegungen ab den 1970er Jahren verbreiteten Aufkleber weisen darauf hin, dass Purpur aktiv war. Der besonders an den Schulen zu beobachtende Markenfetischismus, die Schals der Fangemeinden und die Schnürsenkelfarben der rechtsextremistischen Jugend sind greifbare Anzeichen der Zugehörigkeit zu einer purpurnen Struktur.

Die unter dem dominierenden Einfluss von Purpur stehenden Lebensweisen sind in ihrer ungestörten Praxis allgemein sehr organisch und haben nur geringe Auswirkungen auf die Umwelt. Sobald jedoch aus Orange dominierten Strukturen entscheidender Einfluss auf diese Lebensweisen ausgeübt wird (z. B. moderne Medizin, Arbeitsteilung und Einsatz von Maschinen, Geldwirtschaft) kann die purpurne Lebensweise sehr zerstörerisch wirken. Das über Generationen hinweg vermittelte purpurne Wissen geht dann sehr schnell verloren und mit ihm die Verantwortung für die Umwelt in der die Gruppe lebt.

Der Übergang von Purpur zu Rot bedeutet in der Entwicklungsspirale die Entfaltung des Individuums das davon träumt, etwas zu unternehmen. Der intensive Kontakt mit der Umwelt lässt eigene Erklärungen für Zusammenhänge aufkommen, die im Widerspruch zu den Erklärungen der Anführer stehen und diese als Aberglauben entlarven. Die Konkurrenz um die besten Lebensräume nimmt unter den benachbarten Gruppen zu und bietet die Gelegenheit für starke Persönlichkeiten (wie z. B. Shaka Zulu), die Führung und die Macht zu

Zulu Häuptling

Shaka Zulu

übernehmen. Von ihr werden die Grenzen der Mythen und Tabus nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ nach und nach weiter hinaus geschoben. Auf diese Weise wird die Macht der Geister geringer. Hinzu kommt die Erfahrung, dass die Anrufung der Geister nicht immer zum Erfolg führt. Daher werden die Götter in der Übergangsphase zu Rot mit Persönlichkeitsdefekten bedacht, die einerseits deren Versagen erklären und andererseits dem Selbst mehr Macht zuführen, da die Götter nun für Schmeicheleien und Manipulationen zugänglich sind. Doch ist sich der nun mächtige Krieger noch sehr wohl bewusst, dass er ohne die unterstützende Gruppe schwach ist.

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