Wertemem Orange

Orange

In der europäischen Geschichte taucht Orange mit der Renaissance auf. Durch die Erfindung des Buchdrucks werden Informationen nicht nur für eine eingeweihte Priesterkaste verfügbar, sondern es beginnt eine Buchproduktion, die den Inhalt der heiligen Texte auch der Masse der Bevölkerung zugänglich macht. Es entsteht ein Verlangen nach Informationen, die für die Stärkung der inneren Kräfte im Ego von großer Bedeutung ist und bis in die Gegenwart anhält. Eine Vielzahl technischer Möglichkeiten zur Verbreitung der Informationen und eine Spezialisierung der Inhalte haben zu einer riesigen Medienmacht geführt, die im Bezug auf die Presse auch als „Vierte Gewalt“ bezeichnet wird. Damit verbunden sind enorme Machtkonzentrationen in den Händen weniger Medienkonzerne.

Für die Entwicklung der Ich-bezogenen Kräfte ist die Abteilung „Selbsthilfe“ des Medienangebots von besonderer Bedeutung. Waren es in Blau noch die Autoritäten, die den rechten Weg zu einem gerechten Leben innerhalb des Kollektivs zeigten, sind es nun die mit klangvollen Funktionen und Titeln versehenen Experten in Ratgebersendungen und Talkshows, die man sich nun je nach Belieben kaufen kann, getreu dem Frank Sinatra Titel „I did it my way“. Das Angebot reicht von Tips zur Überwindung der Einsamkeit und wie man den Po strafft bis hin zu komplexen Themen „Wie mache ich mehr aus mir“. Zunächst ist die Erweiterung des persönlichen Freiheitsraums noch mit Schuldgefühlen belastet, die aus dem vorangegangenen Blau stammen. Das Voranschreiten zu Orange kann daher nur in Rücksicht auf die Anderen soweit erfolgen, wie es nicht deren Zorn erweckt. Das Verhältnis zu den Autoritäten ist zwiespältig – sind sie abwesend, äußert man sich abfällig über sie, sind sie anwesend, begegnet man ihnen respektvoll.

Für das Wertemem Orange sind fünf Kräfte bestimmend: Marktwirtschaft, die Bildung von Nationalstaaten, die Einführung einer relativistisch verengten wissenschaftlichen Methode, die gesellschaftliche Durchdringung der Technik und der Aufstieg des Individuums. In diesen Möglichkeiten lag das Versprechen, die in Blau nicht zu beherrschenden Schicksalsschläge wie Krankheiten, Missernten und Armut, Feuersbrünste und die Erpressung durch Feudalherren zu beheben. Sollte dieses auch nicht für alle möglich sein, so bestand doch für die Individuen eine Hoffnung auf diesen Erfolg. Die dem Orange vorangegangenen Wertememe Blau und Rot stellen die Überzeugung bereit, dass das Leben einen Sinn hat und der Wunsch für das eigene Selbst in Erfüllung gehen kann. So strebt das unterdrückte Selbst nach Freiheit und danach, die Barrikaden einzureißen und es entschuldigt sich anschließend für den dabei entstandenen Lärm. Empowerment und Anspruchsdenken werden zu wiederkehrenden Themen.

In der Eingangsphase von Orange kommt es zu ersten tastenden Versuchen, der Autorität offen Paroli zu bieten. Teenager sind von dieser Phase grundlegend beeinflusst und erproben ihre Freiheit gegenüber den Eltern. Der „Streit am Gartenzaun“ ist durch blau/Orange beeinflusst und wird vor dem Zivilgericht ausgetragen. Wenn Rückschläge auf dem Weg zu Orange erkennbar werden oder auch nur vermutet werden, kann starke Wut entstehen, die bei etwas stärkerem Einfluss von Rot in konkrete Forderungen mündet.

Kapitalist

Karikatur eines Kapitalisten

Die Eingangsphase von Orange ist wesentlich von den Einflüssen, die von Blau und Rot nachwirken, abhängig. Sind sowohl blaue wie rote Einflüsse in einem ausgewogenen Verhältnis vorhanden, vollzieht sich ein wenig spektakuläres, persönlich entschiedenes und durch Blau kontrolliertes Eintreten in Orange. Diese Konstellation ist besonders wichtig, wenn rot dominierte Jugendliche in der Entwicklungsspirale zu Orange weiter gehen. Allgemein nimmt der Eintritt in Orange eher einen feindseligen, unberechenbaren und explosiven Ausdruck an, der in Form selektiver Interpretationen und Manipulationen von Fakten und sarkastische Bemerkungen ausgelebt wird. Das Motto dieser Phase lautet: „Sag immer die Wahrheit – aber die ganze Wahrheit muss man nicht immer sagen“. In der Geschäftswelt gilt: „Wer nichts riskiert, gewinnt nichts“. Dieses Motto markiert den Beginn des Industriezeitalters und wird heute noch repräsentiert durch den cleveren Kaufmann, den kaltblütigen aber verantwortungsbewussten Projektleiter oder den Kapitalisten im Nadelstreifenanzug, der sonntags ehrerbietig seinen blauen Anteilen auf der Kirchbank huldigt.

Blau/Orange hat Konjunktur, seit die blauen Systeme des real existierenden Sozialismus und des Rassismus formal beendet sind und ihre Hinterlassenschaften zur Disposition stehen. Es bleibt jedoch zunächst noch offen, ob eine Entwicklung zu einem ausgereiften Orange möglich sein wird. Das in Orange charakteristische Streben nach Autonomie und das hohe Risiko des Scheiterns führen zu Entlastungsstrategien, die sich auf die zurückgebliebenen Kräfte des Blau stützen. So kann die Schuld am Scheitern sehr leicht auf andere geschoben werden. Manager statten ihre Mitarbeiter mit unwichtigen Befugnissen aus und bedienen sich selbst in einem System gegenseitiger Vorteilsgewährung innerhalb der Führungsetage des Unternehmens ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Situation desselben. Diese ungesunde Ausprägung des blau/Orange Wertemems bezieht auch die Führer von Gewerkschaften ein, die in den Aufsichtsräten über die Gewährung von Zuwendungen mit entscheiden.

Die Grundlage der neu aktivierten Ich-Entwicklung ist ein Elitedenken, welches die in Blau zu sehende Zufriedenheit zielgerichteter Gemeinschaften in den Schatten stellen muss, um sich selbst zu rechtfertigen. Hieraus resultieren zwischenmenschliche Distanz, kritisches und anspruchsvolles Verhalten und die Selbstbeweihräucherung durch Jasager. Die Aufmerksamkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen ist allein vom Eigeninteresse gelenkt, so dass sich Menschen in blau/Orange schnell gelangweilt fühlen und sich schnell ablenken lassen. Entsprechende Verhaltensweisen finden sich bei Eltern, die ihren Kindern eine „Audienz“ gewähren.

Projektfindung

Struktur einer Projektidee

Eine sehr hilfreiche Funktion hat blau/Orange dort, wo es seinem Ursprung entsprechend um die Initiierung und Entwicklung von Ideen und Neugründungen geht. Hier gilt: „Freude beschert die Jagd, nicht der Fang“. Als förderlich kommen dabei Motivationsseminare, „Hilf dir selbst“-Literatur oder enthusiastische Vertriebskonferenzen in Betracht. Damit aus Ideen erfolgreiche Projekte werden, bedarf es jedoch der Hilfe aus anderen Bereichen der Entwicklungsspirale.

Anhaltend angestrengtes, erfolgsorientiertes Verhalten kann zu Stress-Erkrankungen führen. Die Denk- und Lebensweise in blau/Orange ist daher in hohem Maße ungesund wie sich in Japan und den asiatischen Tigerstaaten an der Selbstmordrate nachweisen lässt. Allerdings sind diese Zusammenhänge nicht auf Asien beschränkt – auch in Deutschland zeigen sich seit dem Jahr 2008 erneut solche Tendenzen.

Gated Community

Graffity in Los Angeles als öffentlicher Protest gegen Gated Communities

In blau/Orange ist die eigene Identität noch nicht so weit ausgeprägt, dass man die Meinung anderer vollkommen negiert, jedoch steht dieses Bewusstsein in Konkurrenz zu dem starken Bedürfnis, die Masse zu führen. Es ist die Denkweise von Menschen, die sich dem Lebensstil vornehmer Vororte mit bewachten Wohnkomplexen nähern. Dieses kann als Folge der aus anderen Bereichen der Entwicklungsspirale entstehenden Rebellion gegen dieses Wertemem verstanden werden. Doch ficht das blau/Orange nicht an, denn es hat gelernt, dass man sein Handeln rechtfertigen muss, dass es aber sehr leicht sein kann, eine gute Entschuldigung für sein Handeln zu finden, sobald sich die Zehn Gebote in Anregungen verwandeln.

Der Rest von Opposition zu den blauen Autoritäten verliert sich auf dem Höhepunkt von Orange schließlich ganz. Das moderne Leben baut auf der Gewissheit auf, dass der Einsatz Kraft sparender Maschinen geistiges Potential für bessere Dinge freisetzt. Es gipfelt in dem Verlangen, der Natur ihre letzten Geheimnisse zu entreißen und zur Verbesserung des Lebens auf der Erde einzusetzen. So vielfältig sich die Natur darstellt, so vielgestaltig sind die Ergebnisse der menschlichen Bemühungen, dieses Ziel zu erreichen. Je weiter dieser Prozess fortschreitet, desto mehr Entdeckungen und Entwicklungen geschehen gleichzeitig. Es findet so eine Verschiebung vom linearen Zeitempfinden hin zu einem polychronischen Zeitempfinden statt. Wichtige Ereignisse können nun gleichzeitig stattfinden. Hierdurch wird es auch möglich, „mehrere Eisen gleichzeitig im Feuer“ zu haben. An den Börsen der Finanzwelt hat diese Möglichkeit wesentliche Bedeutung gewonnen.

Mit den Autoritäten ist nun auch der Glaube an die Dogmen verschwunden. Die wissenschaftliche Methode und ihre ständige Überprüfung an den realen Ergebnissen haben zum Denken in Möglichkeiten geführt. Die Bilanz heißt Erfolg, der am Individuum gemessen wird und in dem Sparkassen-Werbespruch „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ die zugehörigen Statussymbole aufzeigt. Einen Platz für Schuldgefühle kann es da nicht geben. Sympathie kann es selten, Empathie jedoch gar nicht geben. Aus einer anderen Perspektive betrachtet erscheinen Menschen in Orange materialistisch und erwerbssüchtig – Spieler, für die der zweite Platz der erste unter den Verlierern ist. Global betrachtet ist der Höhepunkt von Orange in den USA mit ihrem ungehemmten Privatkonsum, der privaten und staatlichen Überschuldung, den abenteuerlichen Anlagestrategien der Banken und dem enormen Außenhandelsdefizit überschritten.

Orange taucht in Personen oder Gruppen auf, die jede sich bietende Gelegenheit nutzen, sich ein bequemes Leben zu machen. Fehlschläge werden schnell zur Feinjustierung der Strategie benutzt, Ereignisse und Personen, die hilfreich sein können werden beeinflusst, Analysetechniken für optimierte Lösungen werden in großem Umfang eingesetzt und komplexe Entscheidungen werden aufeinander abgestimmt. Dieser Pragmatismus findet sich in allen Lebensbereichen: Materialismus wird dem Spiritualismus vorgezogen, Prinzipien sind für andere gut, schnelle Siege sind langfristigen Garantien vorzuziehen. Es zählt was funktioniert. Außer Wachstum und Expansion ist wenig heilig, ethische Vorstellungen werden auf der Jagd nach schnellem Wohlstand leicht übersehen.

In Orange wird kurzfristig gehandelt, langfristige Planung widerspricht dem Zeitempfinden, das dem Ablauf der persönlichen Lebensuhr gleichgeschaltet ist. Planung ist daher eher strategische Planung zugunsten kurzfristiger spektakulärer Projekte. Man will schließlich auch der Konkurrenz um eine Nasenlänge voraus sein. Das Leben in Orange besteht aus einer Reihe von Kurzfassungen, markanten Sprüchen und schnellem Zupacken. Trotz der Beteuerung von Individualität und persönlicher Freiheit bleibt es jedoch Imitation. Das Äußere ist oft mehr als das Wesen. Der Mensch am Steuer des S-Klasse Mercedes wird zum selbsternannten V.I.P. und Höflichkeit wird von Konkurrenz verdrängt. Diese Fassade ermöglicht es Menschen, die unter dem dominierenden Einfluss des roten Wertemems stehen, Orange mit Waren zweifelhafter Herkunft zu versorgen.

Obwohl die Babys von Eltern in Orange der Mittelpunkt ihres Universums sind, übernehmen diese Kinder nur selten die Werthaltung ihrer Eltern. Umgekehrt können in einem Kind aus einem verarmten Elternhaus, in dem das Kind Belohnung für Fleiß, eigenständiges Handeln und Selbstvertrauen lernt, orange Fähigkeiten geweckt werden. Auf der ganzen Welt finden sich heute die Statussymbole von Orange in den wohlhabenden Vororten der Megastädte in Form von Fertighäusern mit Mini-Pool und Mikro-Vorgarten sowie Zweitwagen für den Einkauf auf der „grünen Wiese“. Mobilität ist Teil des Image, wie das Streben mehr zu haben als der Nachbar, zum Spiel in Orange gehört. Auch dort, wo es gilt Verantwortung zu tragen, ist Orange auf Grund seiner Überzeugung, größere Fähigkeiten zu besitzen als andere, immer vorne dabei. Wenn es dann auch schief geht, ficht das Orange nicht an. Das Selbstbild des orange geprägten Menschen ist unerschütterlich. Dabei stützt er sich auf eigene Entdeckungen und Beobachtungen und im Zweifelsfall werden gegenteilige Informationen durch Anzweifeln der Quelle neutralisiert. Wer sich auf einen Disput mit Orange einlässt muss ihn mit vollem Einsatz führen, damit er als Gegenpart akzeptiert wird und eine Chance in dem Kräftespiel bekommt.

Michael Schumacher

Michael Schumacher, 2011

Für Menschen in Orange ist das Leben eine Reihe von Manövern mit Spionage, Beziehungen und Verbündeten. Konkurrenten werden beobachtet, ausgetrickst und abgehängt. Die Gefahr für Orange besteht darin, dass es in diesem Spiel seine Kräfte überschätzt, zu viele Eisen gleichzeitig im Feuer hat und mit den angewandten Tricks auffliegt. Als Rettungsstrategie greift Orange dann auf Einschüchterung und Schuldzuweisungen zurück, wobei die eigene Weste weiß gewaschen wird. Wem würden hierzu nicht auch eine Reihe von Politikern einfallen? Für sie ergibt sich nach einer solchen verlorenen Schlacht nicht zwangsläufig die Konsequenz, aus dem Spiel auszusteigen, sondern sie analysieren ihre Niederlage und stürzen sich als bessere Kandidaten wieder ins Schlachtgetümmel. Magengeschwüre, Scheidungen und Herzinfarkte gehören schließlich zu den Schattenseiten einer solchen Existenz.

Zwischenmenschliche Beziehungen gründen auf oberflächlicher Zuneigung, wobei die Nützlichkeit im Vordergrund steht. Empathie gilt unter diesem Vorzeichen als schädlich und wird verachtet, da nur gleichwertige Partner, die auf eigenen Füßen stehen, akzeptiert werden. Menschen, die unproduktiv werden, müssen aus orangener Sicht wie veraltete Maschinen ausrangiert werden. Da die Basis zwischenmenschlicher Beziehungen sehr dünn ist, wird Vertrauen als gefährlich angesehen. Hierbei werden die eigene Unberechenbarkeit und ihre Motive auf andere projiziert. Überhaupt haben solche Menschen Schwierigkeiten, den Blick von sich selbst abzuwenden und tiefere Gefühle der Zuneigung zu anderen Menschen zu entwickeln.

Zu den Schattenseiten von Orange gehört, dass es am Gewissen fehlt. Menschen in diesem Wertemem können in einer subtilen Weise skrupellos sein und anderen Leid zufügen, wobei sie ihrem Handeln noch eine positive Begründung beifügen. Es kommt jedoch nie zur rücksichtslosen Gewaltanwendung wie sie in Rot charakteristisch ist. Emotionen werden in Orange aus pragmatischen Gründen kontrolliert geäußert, da offen geäußerte Gefühle andere abstoßen könnten.

Die Stärken von Orange liegen in der Gründung riskanter Unternehmungen wie sie heute an den Börsen der Welt geläufig sind. Das Streben nach Verbesserungen und Neuem führt häufig zu sozialem Wandel und wirtschaftlichem Fortschritt. Das Motto für die eigenen Unternehmungen lautet: „Fakten, nichts als Fakten“. Auf den Rat anderer kann dabei gerne verzichtet werden. So entsteht die Selbsttäuschung vollkommener Autonomie.

Zu Orange gehört die tiefe Überzeugung, dass jeder selbst für sich verantwortlich ist. Der Beste wird Erfolg haben und hat dadurch die Berechtigung, andere für seine Zwecke zu benutzen. Er wird dabei unausweichlich den Gewinn bis zum ärmsten Glied in der Gesellschaft nach unten weitergeben, so dass Armut nur relativ erscheint. Aus dieser Theorie wird es verständlich, dass in Orange eine Abneigung gegen Sozialprogramme besteht und Arbeitsprogramme statt Anspruchsberechtigungen propagiert werden.

Der große Verdienst dieses Wertemems liegt darin, dass es die Mutter der Moderne ist. Dem Einzelnen hat es Befreiung, Technologien und die Bereitschaft, Ideen zu erforschen, gebracht. Allerdings ist es auch die Quelle der problematischen Lebensbedingungen die zu den Fragen führen, ob Regierungen funktionieren, wie Milliarden von Menschen mit einer vernünftigen Lebensqualität koexistieren können und wie die Erde ein Konsumniveau, wie es derzeit herrscht, verkraften kann.“ (Zitat aus Beck/Cowan: „Spiral Dynamics“)

Einsamkeit

„Wanderer über dem Nebelmeer“, Caspar David Friedrich

In der Ausgangsphase von Orange machen sich plötzliche schmerzhafte Gefühle von Einsamkeit bemerkbar, die den beginnenden Einfluss des sozial orientierten Grün anzeigen. Aus der reinen „Ich“-Perspektive wird nun eine „Ich und Du“ Perspektive. Nun werden die Bedürfnisse anderer Menschen echt gefühlt und das führt zu Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der eigenen Person: Man sorgt sich um die Zufriedenheit der anderen. Vereinzelt kommt es projektbezogen nun auch zur Bildung von Teams. In der Geschäftswelt ermöglicht Orange/grün sehr erfolgreiche Zusammenarbeit in komplizierten Situationen. Es ist die Mentalität geschickter Leute, die es auch in nahezu ausweglosen Situationen schaffen, etwas zu besorgen und die denen ein gutes Gefühl geben, die es ihnen gegeben haben. In diesem Wertemem kommt es zu dem scheinbar paradoxen Phänomen des Stockholm-Syndroms, wo die Opfer eines Verbrechens möglicherweise kein Interesse daran haben, gegen die Täter auszusagen.

Innerhalb der Phase Orange/grün verfeinert sich die Fähigkeit in den Gemütsregungen anderer Menschen zu lesen und diese entsprechend der kühl berechnenden Fähigkeiten in Orange mit Blick auf die Verwertbarkeit der eigenen Ziele zu nutzen. Man mag die Nähe andere Menschen zwar noch immer nicht, doch setzen sich die aus Grün einstrahlenden neuen Möglichkeiten durch. Eine typische Situation liegt für diese Phase in Olympischen Dörfern vor, wo Mannschaftskameraden um Medaillen konkurrieren, während sie einander gleichzeitig für den Sieg der ganzen Mannschaft anfeuern.

Gefühlsäußerungen und Selbstdarstellungen wirken in der Ausgangsphase von Orange oft gekünstelt obwohl man wirklich nett sein möchte. Doch Authentizität ist mehr als nett zu sein, und darum besteht eine Vertrauenskluft zwischen dem Selbst und den Anderen, die in Orange gar nicht empfunden worden wäre und die nun durch soziale Forschungsinstrumente überbrückt werden muss. In der Politik entsteht in dieser Phase das Social Engineering um ganze Sozialschichten gemäß den Plänen der besten und klügsten Leute entstehen zu lassen. Die grünen Aspekte sorgen dabei für die Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer Menschen. Allerdings gelingt es nur selten, die erweckten Hoffnungen der Menschen zu erfüllen und es entsteht oft ein Eindruck der Irreführung, wie am Beispiel der „Hartz-Reformen“ in Deutschland zu belegen ist.

In der Schule trifft man Orange/grün in Person des Lehrers, der in jedem Kind eine Spezialbegabung sieht und diese entwickeln will, auf dem Sportplatz ist es der hervorragende Trainer und in Unternehmen der wohlmeinende Mentor. Es bleibt jedoch immer eine gewisse Distanz in diesen Beziehungen bestehen. Die beteiligte Warmherzigkeit ist an Bedingungen geknüpft, da sich Menschen immer noch verletzlich fühlen und möglicherweise verschanzen, wenn andere zu viel über sie wissen wollen.

Typische Strategien in Orange/grün sind der selektive Umgang mit der Wahrheit um alle bei Laune und verträglich zu halten, sich als armes, missverstandenes Opfer hinzustellen oder wütende Enttäuschung zu zeigen, wenn Sozialprogramme nicht zum Ziel führen. Die dabei entstehende Frustration kann allerdings tatsächlich überwältigend sein.

Mit dem grünen Wertemem wird die letzte Phase der kollektiven Entfaltung innerhalb der ersten Ordnung in der Evolution erreicht. Es ist der Gipfel der Primatennatur des Menschen. Im Vordergrund stehen Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühle, die Erforschung der eigenen Gefühle im Zusammenwirken mit den Gefühlen anderer. Entscheidungen werden im Konsens der Gemeinschaft gefällt, materielle Güter werden mit anderen geteilt, Gier und Dogmen werden abgebaut. Die Harmonie der Gruppe wird durch neu erweckte Formen der Spiritualität hergestellt.

In Grün besteht im Universum eine beständige Ordnung, die es jedem der dafür offen ist, die Teilhabe daran ermöglicht. Der Sinn des Lebens wird unter der Prämisse gesehen, dass alle gleich und wichtig sind. Alle Menschen streben nach Liebe und Entfaltung des Lebens in der Gemeinschaft. Es entstehen Synergieeffekte, die das innere und äußere Wachstum aller Mitglieder der Gesellschaft fördern.

Grün ist die Weiterentwicklung des ebenfalls kollektiv ausgerichteten Blau. Jedoch wird der in Blau herrschende Absolutheitsanspruch abgelehnt. Die in Grün herrschenden Regeln sind sehr viel elastischer und weniger scharf. Sie werden nur von denjenigen als streng empfunden, die sich nicht an die Kommunikationsregeln anpassen können und zuviel persönliche Unabhängigkeit einfordern.

2 Comments

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  • Hallo,
    vielen Dank für diese wertvolle Übersicht, die unserem Netzwerk viel weiterhilft.
    Mir sind zwei Fehler aufgefallen, bei „Innerhalb der Phase Orange/blau verfeinert sich…“ und „In der Schule trifft man Orange/blau…“ müsste es wohl Orange/Grün heißen.
    Herzliche Grüße
    Manuel Fritsch
    Gründer, Move Meta, Bewegung für SelbstLiebe

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