Wertewelten und Themenschwerpunkte der Parteien in Deutschland

Veranlassung

Nachdem die sogenannte „heiße Phase“ des Bundestagswahlkampfs begonnen hat und die Urlaubszeit ihrem Ende zugeht erscheinen nun die Zeichen politischer Meinungsbildung unübersehbar in den Medien und im öffentlichen Raum. Damit kündigt sich auch für die Wähler der Tag der Abrechnung mit der Regierung und den Parteien an. Gleichzeitig – und darin besteht der eigentliche Sinn der Wahl – gibt der Wähler im System der repräsentativen Demokratie seine verfassungsmäßige Macht an die gewählten Abgeordneten ab, die stellvertretend die Staatsorgane als die verfassungsmässig zu ihrer Ausübung bestimmten Institutionen bilden. Durch dieses Verfahren sind die Wähler Herren und Knechte zugleich – Herren in der Gesamtheit des Volkes über seine gewählten Abgeordneten und Knechte des Staates, der die reale Macht über das Volk ausübt. Die politische Legitimität des Staates hängt somit von der Beteiligung des Volkes an den Wahlen ab. Anders jedoch die juristische Meinung, nach der für die Wahl der Volksrepräsentanten die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen reichen. Im Extremfall könnte ein Kandidat mit nur einer einzigen gültigen Stimme in den Bundestag gewählt werden, da die nicht abgegebenen und ungültigen Stimmen nicht als positiver Willensakt der Wähler angesehen werden. Es wird argumentiert, die Beweggründe zur Wahlenthaltung könnten sehr verschieden sein und in persönlichen Umständen (Krankheit, Immobilität, Unentschlossenheit u.a.) oder illegitimen Gründen (z. B. Ablehnung demokratischer Prinzipien) bestehen. Diese juristisch begründete Handhabung des Wahlrechts kommt dem Entstehen von „Protestparteien“ wie der AfD, die damit werben, dass sie ihre Mandate nicht in staatliche Macht ummünzen wollen, sondern lediglich die Ablehnung der Politik der Regierung und der anderen Parteien sichtbar machen wollen, sehr entgegen.

Die Mitwirkung bei der positiven Willensbildung der Wähler, die auch eine Voraussetzung für die Zulassung der Parteien zur Wahl ist, wird von diesen oft nur zur Wahrung des Scheins in programmatische Form gebracht. Für die Wähler entsteht hierdurch die Schwierigkeit, ernstgemeinte Politikangebote von Scheinangeboten zu unterscheiden, wobei es bereits generell eine Frage des Vertrauens ist, wie realistisch und solide die Programmaussagen der Parteien sind. Den wesentlichen Anteil am Gestaltungsprozess der Politik haben demgegenüber die bürokratischen Apparate und insbesondere zahlreich vertretene Lobbyisten. Die für das Wahlvolk daraus zu ziehende Erkenntnis kann daher nur lauten: Durch Wahlen sind keine Sachentscheidungen herbeizuführen, wie sich auch am Beispiel des zur Bundestagswahl 2005 von Professor Paul Kirchhof vorgelegten Steuerkonzepts nachvollziehen lässt. Vielmehr Bedeutung haben dagegen die mit Nachdruck auf die politische Tagesordnung gesetzten Themen der Parteien, insbesondere solche Themen, die dem Minderheitenschutz dienen, aus übergeordneten ethischen Gesichtspunkten zur Regelung anstehen und oft als Gewissensfragen bezeichnet werden. Beispiele hierfür sind alle ökologischen Fragen, Eigentumsfragen, Genderfragen, Zukunftstechnologien um einige der wichtigsten zu nennen. Dem wird oft ein Zitat von Max Weber entgegen gehalten: „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ Hierbei wird leider allzu oft dem langsamen Bohren der Vorzug gegeben. Wer dafür noch einen Beleg benötigt, sei auf den Abgasskandal verwiesen.

Auf den nachfolgenden Seiten werde ich die Wertewelten der wichtigsten Parteien darstellen und in dem dargelegten Sinn die Themenbereiche nach 17 Kriterien in tabellarischer Form darstellen. Die darin enthaltenen Grafiken werden durch kurze Kommentare ergänzt.

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CDU und SPD im sozialen Wertegefüge

Die Fixierung der öffentlichen Aufmerksamkeit auf die Spitzenkandidaten für das Amt des Bundeskanzlers ist ein neues Phänomen, das erst in der Konstellation Merkel – Schulz zur unübersehbaren Realität geworden ist. Ursache dafür ist eine CDU-Amtsinhaberin, von der oft behauptet wird, sie könne statt eines CDU-Parteibuchs ebenso gut ein SPD-Parteibuch besitzen, und die hieraus erwachsene Notlage der SPD, einen sozialdemokratisch absetzungsfähigen Gegenkandidaten zu präsentieren. Nach anfänglicher Euphorie der SPD ist über ihre Kandidatenwahl jedoch inzwischen Ernüchterung eingetreten, da die Kanzlerin offensichtlich nicht auf die öffentliche Abarbeitung des von der SPD vorgelegten Wahlprogramms eingehen will. Ohne die Überzeugungskraft eines Programms, das auch vom politischen Gegenüber reflektiert wird, steht Martin Schulz jedoch der Kanzlerin ziemlich hilflos gegenüber. Umso mehr wird er auf die Überzeugungskraft und das Engagement der Partei und ihrer Unterstützer-Milieus angewiesen sein.

In der folgenden Grafik wird dargestellt, unter welchen Wertekonstellationen CDU und SPD mit den sozialen Statusgruppen in Deutschland interagieren. Diese Übersicht gibt die Möglichkeit, Rückschlüsse auf die Ansprechbarkeit dieser Gruppen zu ziehen und eine statusgerechte Ansprache zu konzipieren.

Als deutlichstes Ergebnis ist aus der Grafik abzulesen, dass die Beziehungen der SPD zu ihrem traditionellen Milieu der Arbeiter trotz vielfältiger Veränderungen in der gesellschaftlichen Stellung der Arbeiter, die an Zahl und Ansehen geschrumpft sind und trotz aktiver Beteiligung der SPD an diesem Prozess, noch immer von der oft beschworenen Solidarität getragen wird. Das kennzeichnende und die Beziehung der Arbeiter dominierende WMem ist Grün. Es überflügelt sogar das für die Industriegesellschaften charakteristische Orange und deutet damit auf eine Verbindung zwischen SPD und Arbeiterschaft hin, die in einem geschichtlichen Mythos verwurzelt ist. In Ergänzung hierzu stellt sich auch das egomanische Rot relativ schwach dar, obwohl es viele Gründe gäbe, der Partei gegenüber eine kritische bis feindliche Haltung einzunehmen. Es zeigt sich aber hier, dass zwischen Grün und Rot eine Unvereinbarkeit besteht, die nur durch starke gelbe und türkise Einflüsse oder verstelltes Rot überwunden werden kann. Gerade diese Unterstützung ist im Vergleich zu den anderen Statusgruppen sehr gering. Ziel der SPD muss es sein, die in Grün bestehenden Potentiale für einen Übergang in die zweite Ordnung der Entwicklungsspirale zu entwickeln und hierfür speziell auf die Arbeiterschaft abgestimmte Angebote zu entwickeln.

Die traditionellen Werte der SPD, wie sie von Grün repräsentiert werden, spielen im Verhältnis der CDU zur Arbeiterschaft nur eine untergeordnete Rolle. Hier ist Orange als Leitsystem der westlichen Welt an die Stelle von Grün getreten. Dabei spielt es dennoch eine relativ große Rolle, die das mit Grün konkurierende Blau überflügelt. Jedoch kann nicht übersehen werden, dass ein erhebliches Ablehnungspotential in dem starken Rot besteht.

Das stärkste Gewicht im WMem-Spektrum hat für beide Parteien Orange im Bezug auf die Gruppe der Angestellten. Hier besteht der größte Abstand zwischen Orange und allen anderen Wertesystemen. Unter den nachrangigen WMemen spielt Blau die größte Rolle, dicht gefolgt von Rot. Grün ist hier von allen Statusgruppen das schwächste Glied innerhalb der ersten Ordnung der Entwicklungsspirale. Andererseits besteht in dieser Gruppe das stärkste Gelb und damit ein Potential für die situative Anpassung im Gesamtsystem. Ein Vergleich mit der Gruppe der Selbständigen zeigt, dass Orange die Gruppe der Angestellten als tragende Säule des Gesamtsystems ausweist. Dieses erklärt sich aus der Struktur des Industriesystems, das auch in den Führungspositionen von Angestellten geleitet wird.

Bei den Selbständigen handelt es sich überwiegend um Familienbetriebe, die von Familienangehörigen mit Unterstützung meist langjährig beschäftigter Angestellter als mittelständische oder kleine Unternehmen geführt werden. Eine Besonderheit im Verhältnis dieser Betriebe zu den beiden größten Parteien ist das starke Rot, das noch vor Blau und Grün rangiert. Als Ursachen hierfür können sowohl die als Belastungen empfundenen Regelungen der Politik gelten wie auch die aus der Not geborenen exzentrischen Problemlösungen, die von Betrieben in Unkenntnis oder in bewußter Verletzung gesetzlicher Bestimmungen angewandt werden.

Ein starkes Rot ist auch bei der Gruppe der Beamten zu sehen. Daneben ist hier das stärkste Blau zu sehen. Diese Merkmale ergeben das Bild des konservativen „Staatsdieners“, der seine Pflicht mit Groll auf Politiker erfüllt, die ihn in den letzten Jahrzehnten immer wieder mit Verweis auf leere Staatskassen gebeutelt haben und sich selbst ungeniert gut versorgt haben. Hinzu kommt die Rolle des Prügelknaben, der für viele missratene öffentliche Projekte gerade stehen muss, die Politiker zu verantworten haben.

Im Vergleich von CDU und SPD fällt auf, dass Orange bei der CDU im Bezug auf die Angestellten, die Arbeiter und die Selbständigen etwas stärker ausgeprägt ist, als bei der SPD. Im Bezug auf die Beamten ist dieser Unterschied umgekehrt, jedoch in geringerem Maße. Ein weiterer Unterschied zwischen CDU und SPD betrifft das Gelb der Selbständigen. Dieses ist bei der SPD deutlich stärker ausgeprägt, als bei der CDU. Es scheint demnach eine größere Zahl innovativer Unternehmer zu geben, die stärker auf die SPD reflektieren als auf die CDU.

 

 

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Gefühle in Deutschland – Mitte August 2017

In den Schlagzeilen der vergangenen drei Wochen erweckten Naturkatastrophen in Form von Überschwemmungen, Waldbränden, Erdrutschen und Erdbeben große Aufmerksamkeit. In Deutschland waren es Unwetter mit Gewitterstürmen und ergiebigen Regenfällen, die vielerorts Flüsse und Bäche über die Ufer treten ließen. In Südeuropa waren und sind es großflächige Waldbrände, die ganze Ortschaften zu vernichten drohen.

Einen weiteren Nachrichtenschwerpunkt bildeten und bilden die skandalösen Vorgänge in der deutschen Autoindustrie, die zum weitgehenden Verlust des Vertrauens in das Management so renomierter Hersteller wie Mercedes, VW und BMW geführt haben und die Umweltpolitik der großen Koalition als Popanz entlarft hat.

Weitere innenpolitische Themen waren verschiedene Meldungen zum Thema Flüchtlinge, die beginnende Endphase im NSU-Prozeß, der Verlust der Mehrheit für die rot-grüne Regierungskoalition im Niedersächsischen Landtag, der Lebensmittelskandal um mit Gift belastete Eier und der Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers in Mali.

Darüber hinaus gab es ein Bündel von Nachrichten, die es alle verdient hätten, hier in die Zusammenhänge mit anderen Nachrichten gebracht zu werden, weil sie erst so die hinter den Einzelmeldungen stehenden treibenden Kräfte sichtbar werden lassen. Da dieses jedoch den Rahmen dieses Projekts sprengen und auch mich überfordern würde, wird hier lediglich Material angeboten, das individuell interpretiert werden kann. Einen solchen Versuch auf globaler Ebene hat der britisch-indische Intellektuelle Pankaj Mishra gerade mit seinem BuchDas Zeitalter des Zorns: Eine Geschichte der Gegenwart“ vorgelegt.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Die im jeweiligen Gefühlswert aufgetretenen Spitzen sind zusätzlich zur farbigen Hinterlegung in blauer Schriftfarbe gekennzeichnet. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
 25. Juli Vertrauen, Kraft, Gesamt,
NSU-Prozess: Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe als Mittäterin überführt, In den USA inhaftierter VW-Manager will sich im Abgasskandal schuldig bekennen, Türkische Minister in Brüssel, Rettungseinsätze von EU und privaten Helfern im Mittelmeer, Israel entfernt umstrittene Metalldetektoren am Tempelberg, BGH erklärt pauschale SMS-TAN-Gebühren bei Überweisungen für unzulässig, Griechenland kehrt an Kapitalmarkt zurück, Waldbrände in mehreren Regionen Südeuropas, Hochwasser in Niedersachsen und Thüringen
 26. Juli Kraft, Vertrauen, Mut, Gesamt
EuGH bestätigt Asylregeln in der EU, EuGH stoppt Fluggastdaten-Abkommen mit Kanada, EU-Kommission droht Polen bei möglicher Justizreform rechtliche Schritte an, Bundesregierung kritisiert verschärfte US-Sanktionen gegen Russland, VW-Aufsichtsrat berät über Kartellvorwürfe, Bundeswehrpiloten nach Hubschrauberabsturz in Mali vermisst, Statistisches Bundesamt: Trend zur Kinderlosigkeit gestoppt, Salafisten-Prediger Sven Lau zu fünfeinhalbjähriger Haft verurteilt, Schwere Überschwemmungen in Mitteldeutschland
 27. Juli Mut, Allgemein, Glück
Zulassungsverbot für Porsche Cayenne wegen Abgas-Manipulation, Manipulierte Software bei Audi, Bundesarbeitsgericht fällt Urteil zur Überwachung von Computern am Arbeitsplatz, Ermittlungen nach Hubschrauberabsturz in Mali, Ost-Beauftragte distanziert sich von Rechtsextremismus-Studie, BVerfG-Entscheidung: Abschiebung von Gefährdern verfassungskonform, Schulz zu Besuch in Rom, Hochwasser in Niedersachsen
 28. Juli  Glück, Gesamt Verwaltungsgericht Stuttgart empfiehlt Fahrverbot für Dieselfahrzeuge, Ein Toter und Verletzte bei Messerattacke in Hamburg, USA für Verschärfung der Russland-Sanktionen, Nordkorea testet erneut Rakete, Keine weiteren Unruhen nach Freitagsgebete am Tempelberg, Pakistans Premier Sharif tritt zurück, Vier Journalisten bleiben nach ersten „Cumhuriyet“ Prozess in Untersuchungshaft, Bewährungsstrafe für Telekom-Hacker, Verletzte bei Zugunglück in Barcelona, Hochwasserlage in Niedersachsen entspannt sich weiter
 29. Juli Aktivität, Freude
Neue Erkenntnisse nach Messer-Angriff in Hamburg, Neues Gesetz zur Ausreisepflicht in Kraft getreten, Nach Diesel-Problemen Diskussion um Zukunft der Autoindustrie, Präsident Trump wechselt Stabschef aus, Internationale Kritik nach nordkoreanischen Raketentest, EU-Verfahren gegen Polen, Ausschreitungen in London nach Demonstration gegen Polizeigewalt, Hochwasserlage in Niedersachsen bleibt stabil
 30. Juli Hoffnung, Vertrauen, Glück, Mut, Kraft, Gesamt
Proteste bei Wahlen in Venezuela, Bundesverteidigungsministerin zu Gedenkgottesdienst in Mali, Trump erhöht Druck auf China, Australische Behörden vereiteln möglichen Anschlag, Tote bei Autobombe in Mogadischu, Militärparade in St. Petersburg, Militärparade in China, Tote bei Schießerei vor Diskothek in Konstanz, Museumsschiff ‚Peking‘ in Deutschland eingetroffen, Seilbahndefekt in Köln, DFB-Aus bei Frauen-Fußball-EM, Vettel gewinnt GP von Ungarn, Weitere Entspannung in Hochwassergebieten, Zahlreiche Verletzte bei Taifun in Taiwan
31. Juli Vertrauen, Zufriedenheit, Glück, Mut, Aktivität, Allgemein, Gesamt, Hoffnung
Kraftfahrtbundesamt soll Abgas-Berichte geschönt haben, Immer mehr Deutsche pendeln zur Arbeit, Bundesanwaltschaft ermittelt nach Messerattacke in Hamburg, Strafmaßnahmen der russischen Regierung gegen US-Diplomaten, Wahl in Venezuela von Gewalt überschattet, Abzug von Tornados aus Incirlik, Abreise der Fußball-Frauen nach Niederlage im EM-Viertelfinale, Gedenkfeier für Weltkriegsopfer in Flandern
 1. August Freude, Kraft, Hoffnung, Zufriedenheit, Mut,
Neuer Massenprozess in der Türkei gegen mutmaßliche Putschisten, Nach Scaramuccis Abgang soll Kelly im Weißen Haus für Ordnung sorgen, USA verhängen Sanktionen gegen Venezuelas Präsident Maduro, Frankreich verbessert Lebensbedingungen für Calais-Flüchtlinge, Test zu Gesichtserkennung per Videokamera in Berlin gestartet, Plädoyer im NSU-Prozess, Juli-Arbeitslosigkeit trotz Sommerflaute auf Rekordtief, SPD stellt ihre Wahlkampagne vor, Opel-Übernahme durch französischen PSA-Konzern perfekt, Millionen belastete Eier zurückgerufen, Deutschland baut neues Krankenhaus nach Erdbeben im italienischen Amatrice, Los Angeles wird voraussichtlich Olympische Spiele 2028 ausrichten
 2. August Zufriedenheit, Offenheit, Glück, Hoffnung
Berliner Diesel-Gipfel berät Konsequenzen aus der Abgasaffäre, Scharfe Kritik am Gipfel-Ergebnis von Opposition und Umweltschützern, Verbraucherzentrale Bundesverband enttäuscht vom Diesel-Treffen, Erdüberlastungstag 2017, Deutsche Sozialausgaben steigen erneut, Italien beschließt Anti-Schlepper-Einsatz in libyschen Gewässern, NGO-Schiff in Italien beschlagnahmt, Anschlag auf NATO-Konvoi in Afghanistan, Insektizid-belastete Eier in weiteren Bundesländern aufgetaucht, Prinz Philip absolviert letzten offiziellen Auftritt
3. August Glück, Kraft, Hoffnung, Freude
Opposition und Umweltverbände kritisieren Ergebnis des Dieselgipfels, Besitzer von älteren Dieselautos sollen Prämien bei Neukauf erhalten, Skandal um belastete Eier weitet sich aus, Trauerfeier für in Mali abgestürzte Hubschrauberpiloten, Wahlbetrugsvorwürfe gegen Venezuelas Präsidenten Maduro, Brasiliens Präsident Temer bleibt trotz Korruptionsvorwürfen im Amt, Leichtathletik-WM: Doping-Verdacht gegen Läufer aus afrikanischen Ländern, Rekordtransfer von Fußballstar Neymar steht kurz vor Abschluss
 4. August Vertrauen, Offenheit, Allgemein, Niedersächsischer Ministerpräsident Weil spricht sich für Neuwahlen aus, Die Grünen fordern neue Klagerechte nach Dieselaffäre, Audi-Chef Stadler soll Aufklärung der Dieselaffäre behindert haben, Eierskandal betrifft nunmehr fast alle Bundesländer, EU verhängt neue Sanktionen gegen Russland, Grand Jury ermittelt nach möglichen Russland-Kontakten während der US-Wahl, Verfassungsgebende Versammlung in Venezuela nimmt ihre Arbeit auf, Wiederwahl von Ruandas Präsident Kagame bei Präsidentschaftswahl nahezu sicher, Fußballer Neymar bei Paris Saint-Germain offiziell vorgestellt
5. August Vertrauen, Freude, Kraft, Hoffnung, Allgemein
Belgiens Behörden im Fipronil-Skandal schon seit Juni informiert, Bundespolitische Reaktionen auf niedersächsische Regierungskrise, Rückführung Asylsuchender nach Griechenland, Ruandas Präsident Kagame wiedergewählt, Krise in Venezuela, Zweite Amtszeit für Irans Präsidenten Rouhani, USA treten aus Klimaabkommen aus, CSD in Hamburg
6. August Allgemein, Kraft, Hoffnung, Gesamt
Vorwürfe gegen niedersächsischen Ministerpräsidenten Weil, UN-Sicherheitsrat verschärft Sanktionen gegen Nordkorea, Gipfel der südost-asiatischen Staatengruppe ASEAN, Gedenken der Opfer des Atomwaffenabwurfs in Hiroshima, Putschversuch in Venezuela, Prozess gegen deutsche Journalistin und Übersetzerin, Waldbrände in Italien, Niederländerinnen holen den EM-Titel im Frauenfußball
7.  August Glück, Hoffnung, Gesamt Neuwahlen in Niedersachsen im Oktober, Zunahme bei Minijobbern im Rentenalter, Ermittlungsverfahren im Fipronil-Skandal auch gegen deutsche Landwirte, UN-Chefanklägerin Del Ponte tritt als Sonderermittlerin zurück, Lybische Küstenwache bringt Tausende Flüchtlinge zurück in Krisenregion, Hunderte Migranten überwinden Grenzposten in spanischer Exclave Ceuta, Venezolanischer Staatschef Maduro kündigt hartes Vorgehen gegen Rebellen an, ASEAN-Gipfel bringt keine Entspannung zwischen Nord- und Südkorea, Schwere Schäden nach Unwettern in Österreich
8. August  Freude, Vertrauen, Zufriedenheit, Hoffnung, Gesamt
Konya-Besuch mit NATO-Unterstützung, Regierungskrise in Niedersachsen, Kaufanreize der Autobauer für alte Dieselfahrzeuge, Anstieg bei Leiharbeit, Enges Rennen bei Präsidentenwahl in Kenia, UN warnen vor Völkermord in Zentralafrikanischer Republik, Italien leidet unter Wetterextremen
9. August Vertrauen, Glück, Hoffnung, Allgemein, Zufriedenheit, Mut, Freude
Spannungen zwischen USA und Nordkorea, Nagasaki gedenkt Atombombenangriff vor 72 Jahren, Abgestürzter Hubschrauber in Mali verlor offenbar Rotorblätter, Festnahme nach Angriff auf Soldaten in Paris, Belgien wirft Niederlanden im Fipronil-Skandal Verzögerung vor, Durchsuchungen beim früheren Wahlkampfmanager Trumps wegen US-Russland-Affäre, Wahlergebnis in Kenia wird von Opposition angezweifelt, Tote bei Erdbeben in China, Duden erscheint mit vielen aktuellen Begriffen in Neuauflage
10. August Zufriedenheit, Offenheit, Aktivität Niedersachsens Landtag stellt Weichen für Neuwahl, Konflikt zwischen den USA und Nordkorea, Erneut zahlreiche Journalisten wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgenommen, Bericht zur Sicherheitslage in Afghanistan, Außenminister Gabriel zu Besuch im Südsudan, Festnahmen im Skandal um belastete Eier
13. August Vertrauen, Zufriedenheit, Hoffnung, Gesamt
FBI ermittelt nach Neonazi-Marsch in Charlottesville, US-Präsident Trump will Untersuchung chinesischer Handelspraktiken, Sommerinterview mit Kanzlerkandidat Schulz, Immer mehr Seenotretter stoppen Hilfseinsätze im Mittelmeer, EU-Flüchtlingskommissar sieht Bearbeitung von Asylanträgen bereits in Libyen kritisch, Zahlreiche Gedenkveranstaltungen zum Mauerbau vor 56 Jahren, Sperrung der Rheintalbrücke zwischen Rastatt und Karlsruhe, Proteste gegen Urwaldabholzung in Polen
14. August Zufriedenheit, Offenheit, Gesamt Trump kritisiert Ausschreitungen Rechtsextremer in Charlottesville, Peking kündigt Ausweitung der Importverbote aus Korea an, Heiße Phase des Bundestagswahlkampfs beginnt, Verbraucherorganisation „Foodwatch“ fordert Konsequenzen aus Fipronil-Skandal, Diskussion über Seenotrettung im Mittelmeer, Pakistan feiert 70. Jahrestag seiner Unabhängigkeit, 18 Tote bei Anschlag in Burkina Faso, Hunderte Tote nach Erdrutsch in Sierra Leone, Waldbrand nahe Athen außer Kontrolle, Nach Havarie eines Containerschiffs ist die Hafenzufahrt von Antwerpen blockiert, Rheintalbahn: Strecke bei Rastatt mindestens zwei Wochen gesperrt

Die oben stehende Grafik zeigt die tagesaktuellen Verläufe der Gefühlswerte, die als Basis für die in der Tabelle vorgenommenen Kennzeichnungen dienen. Die gewichtigsten Gefühle bilden das Vertrauen, die Zufriedenheit und das Glück. In diesen Kurvenverläufen sind auch die größten Ausschläge zu sehen. Am unteren Rand der Grafik verlaufen die Kurven für Offenheit und Aktivität. Offenheit kann als Maßstab für die Bereitschaft gesehen werden, etwas Neues auszuprobieren. Hinter dem Wert „Aktivität“ verbirgt sich der Quotient aus Wachheit und Müdigkeit. Er verläuft etwa auf gleichem Niveau wie die Offenheit und beide Werte zusammen lassen nicht viel Initiative aus der Mitte der Gesellschaft erwarten.

Nachfolgend werde ich versuchen, die oben dargestellten Trendergebnisse in modellhafte Vorstellungen umzusetzen. Dabei handelt es sich um meine ganz persönliche Sicht, die weniger nach Zustimmung heischt als vielmehr anregen soll, eigene Erklärungen zu finden.

In dem oben dargestellten Trendverlauf von Ende Juli bis Mitte August (rechte Hälfte der Grafik) fallen zunächst zwei Linien auf, die stark abwärts gerichtet sind. Es handelt sich um die Entwicklungslinien von Vertrauen und Mut, die etwa parallel verlaufen. Mit deutlich steigender Tendenz verlaufen die Trends von Freude und Glück. In schwächerem Maße ist diese Tendenz auch bei der Linie für Offenheit zu sehen. Alle anderen Linien verlaufen nahezu waagerecht und zeigen geringe Veränderungstendenz. Diese relative Ruhe im Gefühlshaushalt der Menschen in Deutschland hat vermutlich mit der Urlaubszeit zu tun. Hieraus kann der stark negative Trend für Vertrauen erklärt werden: Im Urlaub besteht nur eine geringe Abhängigkeit von anderen Menschen, vom zwangsläufigen Vertrauen in die Kollegen befreit, kann ich endlich für einige Wochen der Steuermann meines Lebens sein. In dieser Situation wird mir auch kein Mut zu riskanten Entscheidungen abverlangt, um im Beruf erfolgreich zu sein. Wenn mir die Freizeitgestaltung im Urlaub nicht mehr gefällt, braucht es keinen Mut, neue Entschlüsse zu fassen und etwas anderes zu unternehmen oder etwas Neues auszuprobieren. Hierzu ist allerdings ein gewisses Maß an Offenheit erforderlich. Dass es sich beim Urlaub um eine freudige Abwechslung vom Berufsalltag handelt und die Werte für Glück und Freude ansteigen läßt ist naheliegend.

Soweit das scheinbar unpolitische Szenario. Nur scheinbar, weil der Urlaub kein Geschenk des Himmels ist, sondern gegen den Widerstand der Unternehmer erkämpft wurde und auch heute immer wieder verteidigt werden muss. Der erholsame Urlaub kann ein Mittel sein, neue Perspektiven für das berufliche und private Leben zu gewinnen, seinen geistigen Horizont zu erweitern. Das kann sehr politisch sein.

Die Wahrscheinlichkeit des Szenarios wird auch durch den Vergleich des vorangegangenen Beobachtungszeitraums mit dem aktuellen Ergebnis gestützt. Die im Abwärtstrend befindliche Freude wurde in einen Aufwärtstrend verwandelt, der Abwärtstrend der Kraft wurde abgeschwächt und der Abwärtstrend der Hoffnung ging in ein Gleichmaß über. Insgesamt blieben trotz dieser Entwicklungen der Gesamttrend und der Trend für das Allgemeinbefinden nahezu unverändert. 

Auf die langfristigen Trendverläufe haben die aktuellen Trends nur eine geringe Wirkung, die mit Ausnahme der Trends für Vertrauen und Zufriedenheit zum Gleichmaß strebt.

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Sonne, Urlaub, Kaktus

Eine der verbreitetsten Wirkungen der Sonne, ob im Winter oder im Sommer, ist die Verlockung, die Wohnung zu verlassen und sich den Einflüssen des Wetters unmittelbar auszusetzen. Der Mensch scheint eine besonders enge Beziehung zum Zentralgestirn zu haben, die sich auch in der Sprache zur Geltung bringt, wenn wir etwa vom Sonnenanbeter sprechen. Anthropologen werden als rationale Gründe dafür anführen, dass der Mensch zur Bildung des lebenswichtigen Vitamins D viel Licht auf der Haut benötige und das in der Sonnenstrahlung enthaltene UV-Licht die Keime an der Oberfläche des Körpers reduziere. Weit verbreitet ist auch das Motiv der frischen Luft, in die der Mensch hinaus gelockt werde, doch davon kann wohl nur noch in selteneren Fällen die Rede sein. Da zieht wohl eher das Argument, dass Sonnenschein allgemein gutes Wetter signalisiert, geringe Neigung zu lästigem Regen, milde Temperatur und die Chance, eine kosmetisch erwünschte Hautbräune zu erhalten.

Das alles schließt sich in dem einen Gedanken zusammen: Eigentlich sollte ich mal wieder Urlaub machen. So ähnlich geht es mir in diesem Moment, wo ich mich schreibend in die Vergangenheit schöner, abwechslungsreicher und interessanter Urlaube zurückversetze. Dabei habe ich mir immerhin den Vorzug verschafft, dass ich dabei auf der Terrasse sitze und vom Lärm der Stadt gut abgeschirmt bin und mich meinen Tagträumen hingeben kann.

Meine Einstellung zu Urlaub hat sich erst sehr spät ergeben, denn meine Eltern – fernab von den Ferienangeboten der KdF (Kraft durch Freude) durch das Dritte Reich gekommen – kannten keinen Urlaub, und so geht es auch heute noch vielen Menschen auf dem Lande. Erst mit meiner Freundin, die im Urlaub zu meiner Verlobten wurde, verbrachten wir gemeinsam mit einem Studienfreund und seiner Freundin den ersten Urlaub. Die beiden hatten sich eine Reiterpension im Allgäu, nahe Oberstaufen, ausgesucht, da sie geübte Reiterin war und er das Reiten lernen wollte. Für uns bestand immerhin die Möglichkeit, auch einen diesbezüglichen Versuch zu starten.

Die Reiterpension war in einer Wassermühle und lag sehr idyllisch, genau nach unserem Geschmack. Das gesamte Ambiente entsprach den Erwartungen an einen ländlichen Wohn- und Lebensstil. Auf dem Hof trottete der Esel zwischen den Hühnern und die Pferde wieherten im Stall.

Mein Studienfreund begann schon in den ersten Tagen mit seinem Reitunterricht an der Longe. Die Übungen begannen ohne Sattel und Zaumzeug und er hielt sich wirklich gut, er fiel nur selten vom Pferd herab. Schon in der ersten Woche konnte er den ersten Ausritt mit seiner Freundin unternehmen. Das machte mir Mut und ich startete ebenfalls den Versuch, das Reiten zu lernen. Leider musste ich schnell feststellen, dass die anatomischen Voraussetzungen bei meinem Freund günstiger waren, denn meine Beine waren weit davon entfernt, dem Pferd auf diesem Weg irgend eine Art Gewalt anzutun. Meine Füße reichten gerade mal bis zum Scheitel der Bauchwölbung und gaben weder mir Halt, noch dem Pferd das Gefühl, gelenkt zu werden. Der Unterricht begann mit dem Trab und heftigen Stößen auf mein Gesäß, die ich durch „Ehestandsbewegungen„, wie mein Reitlehrer es nannte, abfangen sollte. Doch ich war voll darauf konzentriert, mich überhaupt auf dem Pferd zu halten. Dennoch fiel ich einige mal hinunter, verletzte mich jedoch nicht ernstlich. Es wurden noch Versuche mit Zaumzeug und Galopp unternommen, jedoch half alles nichts, ich bin nicht zum Reiter geboren. Fotoaufnahmen, die es von diesem Reitabenteuer gibt, zeigen mich mit nach hinten überstrecktem Kopf und geschlossenen Augen. Diese Seite im Album wird – wenn ich dabei bin – regelmäßig Gästen unterschlagen.

Auch ohne Reiten hatten wir einen schönen Urlaub im Allgäu, mit Wanderungen, Ausflügen ins Kleinwalsertal, zum Nebelhorn, zur Breitachklamm, zur Olympiabaustelle in München und Gesellschaftsspielen bei denen der Esel zuschaute.

Und dann war da noch dieser Urlaub in Kärnten, am Keutschacher See. Es war mein erster Urlaub in Österreich und ich war neugierig, ob und wie sich denn die Gepflogenheiten der einstmals von den Nazis „heim ins Reich“ geholten Alpenrepublik von denen der alten Bundesrepublik unterscheiden.

Wir waren mit unserem VW-Käfer zwischen 16 und 17 Uhr über die Grenze gefahren, als wir in eine Polizeikontrolle gerieten. Zwei wie Dorfsheriffs wirkende Polizisten winkten uns auf der Landstraße mit ihrer Kelle an den Straßenrand und kontrollierten die Papiere. Während diese durch einen der Beamten betrachtet wurden, ging der andere um das Auto herum und kam dann ebenfalls an das geöffnete Autofenster und erklärte, er könne uns nicht weiter fahren lassen, da die Reifen nicht mehr das notwendige Reifenprofil hätten. Das traf mich unvorbereitet, denn nach deutscher Ordnung reichte ein mm Profiltiefe aus, und die hatten unsere Reifen noch. Nun klärte man uns darüber auf, dass in Österreich zwei mm Profiltiefe als Mindestmaß gelte und deshalb müssten wir unverzüglich neue Reifen aufziehen lassen. Mitlerweile war es kurz vor 17 Uhr und wir waren ziemlich ratlos, was jetzt zu tun sei. Doch nun erwiesen sich die beiden Polizisten als das, was ihr Image in Werbekampagnen aufpoliert: Sie gaben uns den Tip, im nächsten Dorf gebe es eine Werkstatt, die sicher noch auf hätte und wir brauchten nur hinter ihnen herfahren. So erreichten wir dann auch die Werkstatt unter „Polizeischutz“ und rissen ein beträchtliches Loch in unsere Urlaubskasse.

Es war Ende September und die Stimmung war vom einsetzenden Herbstwetter mit Nebel am Morgen und kühlen Temperaturen am Tag und etwas später auch Nachtfrösten geprägt. In der Privatpension, die unser Urlaubsquartier war, genossen wir die volle Aufmerksamkeit der hier wohnenden Vermieter, die uns abends in ihre Wohnstube einluden. Tagsüber unternahmen wir Ausflüge in die Umgebung, erkundeten Villach, Velden und Klagenfurt. In einer dieser Städte probierten wir unsere ersten gerösteten Maronen, jedoch ohne damit in Begeisterung zu fallen. Auf diesen Ausflugstouren fiel uns bald auf, dass die Ortsschilder in vielen Orten zweisprachig, nämlich deutsch und slowenisch, sind. Auf Nachfrage bei unseren Wirtsleuten erfuhren wir schließlich, dass es eine slowenische Minderheit in Kärnten gibt, die diese Beschilderung durchgesetzt hat. Warum hatten wir von diesem Streit noch nie etwas gehört? Diese Erfahrung förderte die Überzeugung, dass an dem Spruch „Reisen bildet“ doch ein Funken Wahrheit haftet.

Wir machten von Kärnten aus zwei Tagestouren nach Slowenien, durch die imposanten Karawanken zur slowenischen Hauptstadt Ljubljana – zu deutsch Laibach – und zum italienischen Tarvisio. Tarvisio war in jener Zeit wegen seines Marktes auch für viele Kärntner ein beliebtes Ziel.

Die Rückreise über den Großglockener verlief entgegen unseren Befürchtungen, hier einen verschneiten Pass bewältigen zu müssen, ohne Probleme.

Als jung verheiratetes Paar fanden die ersten Urlaube auf Gran Canaria und in Bulgarien am Goldstrand statt. Von Gran Canaria hat sich mir der heiße Sand, der uns auf dem Weg zum Strand durch den starken Wind auf die Haut geblasen wurde, besonders eingeprägt. Davon abgesehen haben wir hier jedoch eine entspannte Zeit verbracht. Das gleiche kann ich auch vom Urlaub am Schwarzen Meer sagen, der noch zu Ostblockzeiten stattfand. Die An- und Abreise fand mit einem ziemlich alten Flugzeugmodell statt, das wenig Vertrauen erweckte. Doch bekanntlich muss der äußere Eindruck nichts über die Gesamtqualität aussagen (Wer würde sonst noch im Bioladen einkaufen?) und diese alte Weisheit bewies sich hier aufs neue. Jedoch will ich nicht verschweigen, dass jedes Durchsacken des Flugzeugs in der Luft mit gemischten Gefühlen wahrgenommen wurde. Eine bleibende Erinnerung an die heiße Sonne am Goldstrand hat nebenbei auch der heftige Sonnenbrand hinterlassen, den ich mir hier eingefangen hatte. Wir hatten irgendwo gelesen, dass man in Bulgarien den dort hergestellten Joghurt sehr wirkungsvoll zur Behandlung des Sonnenbrands anwende. Da Sonnenbaden am Strand für die nächsten Tage ausschied, nutzten wir die Gelegenheit, mit dem Bus nach Varna zu fahren und dort den bulgarischen Joghurt zu kaufen und eventuell einige Souvenirs zu kaufen. Anders als in Deutschland war der Bus bis auf den letzten Platz besetzt. Die Fahrgäste setzten sich überwiegend aus Urlaubern zusammen, die deutsch mit ostdeutschen Akzenten und russisch sprachen. Die Taktfrequenz der Buslinie war entsprechend benutzerfreundlich und der Preis gering. Bei dieser Gelegenheit stellte sich die Frage, ob wir den im real existierenden Sozialismus jener Zeit verbreiteten Mangel an Westdevisen für den Währungsumtausch in bulgarische Lewa auf dem Schwarzmarkt nutzen sollten. Die Schwarzmarkthändler standen zahlreich bereit, für einen um ein Mehrfaches günstigeren Kurs DM in Lewa zu wechseln. Die Angst vor Betrug und Polizei siegte und nicht zu leugnen war eine Regung unserer Gewissen, so dass wir zum offiziellen Kurs wechselten.

Der Service im Hotel und am Strand war gut, jedoch gab es einige kurzzeitige Stromausfälle, die wir von zu Hause nicht gewohnt waren und so zu einem besonderen Erlebnis wurden. In kultureller Hinsicht wurde viel Folklore geboten, die einen großen Anteil an den Urlaubsdias aus Bulgarien in unserer Bildersammlung ausmacht.

Mit der Geburt unserer Tochter kam die Zeit der urlaubslosen Jahre. Die Freude über den Nachwuchs und die Anteilnahme an seiner Entwicklung entschädigte für den Verzicht auf die Reise in die Ferne. Stattdessen wurde die nähere Umgebung neu entdeckt. Erst als das zweite Kind seine Notdurft kontrollieren konnte zog es uns wieder in die Ferne.

Die nun folgenden Urlaube fanden wieder mit dem Auto statt, die Unterbringungsart am Urlaubsort war nicht mehr das Hotel, sondern zunächst die Ferienwohnung und später auch das Zelt auf dem Campingplatz. Reiseziele waren die Niederlande, Dänemark, Spanien und Frankreich. Für die jeweiligen Autos bedeutete die Fahrt oft eine Belastungsprobe, da sie sonst kaum gefordert wurden und so kam es einige Male vor, dass wir am Urlaubsort eine Werkstatt aufsuchen mussten. Mit einer besonders tückischen Betriebsstörung hatten wir im holländischen Petten, wo wir ein Sommerhaus bewohnten, zu kämpfen. Wenn wir mit dem Auto losfahren wollten, sprang es oftmals nicht an. Es reichte dann aus, wenn das Auto von Hand geschüttelt und gerüttelt wurde, bis es sich wieder normal starten ließ. Eine Ursache hierfür konnte zunächst nicht gefunden werden, bis sich schließlich durch einen Kabelbrand die Ursache bemerkbar machte, die dann recht schnell in einer nahe gelegenen Werkstatt behoben wurde.

Die schönsten Strandurlaube haben wir in Dänemark verbracht. Unser Strand lag auf einem schmalen Landstreifen (Nehrung Holmsland Klit) in Årgab (Hvide Sande) zwischen Ringkøbing Fjord und der Nordsee. Hier fühlten sich die Kinder wegen der hohen Dünen, in denen sie herumlaufen konnten und aufgrund der offenen Grundstücke, die viel Bewegungsfreiheit um die Ferienhäuser herum gewährten, besonders wohl. Der letzte Urlaub in Dänemark fand allerdings an der Ostsee auf der Insel Sjælland statt. Der Sommer war verregnet, unsere Tochter fetzte sich ständig mit ihrer Schulfreundin und der etwa vier Jahre alte Sohn meiner Schwester testete ständig seine Grenzen aus. Hier wurde deshalb der sprechende Bauch erfunden, der zu einer Autoritätseinrichtung für Anes – so heißt er – wurde und Erfolg hatte. Der sprechende Bauch entstand aus meinen stümperhaften Anstrengungen als Bauchredner. Diese Rolle hat mein Neffe nicht vergessen und er erinnert mich scherzend nach 20 Jahren noch daran. Ein Trauma hat er offensichtlich davon nicht erlitten.

Die schwerste Autopanne erwischte uns auf dem Weg zur Costa Brava. Wir hatten die deutsch-französische Grenze in Mulhouse passiert und befanden uns auf der Autobahn kurz vor Besançon als Helga – meine Frau -, die gerade Dienst am Lenkrad hatte, mich fragte, was denn der Qualm zu bedeuten hätte, der aus dem Auspuff unseres Passat-Diesel quoll. Mir schwante schlimmes. Ich hatte vor der Fahrt die Werkstatt unseres Vertrauens gebeten, den schon hoch betagten Wagen auf seine Tauglichkeit für eine längere Fahrt zu prüfen. Vor einiger Zeit waren die Zylinderkopfdichtungen erneuert worden und die Werkstatt konnte nichts feststellen, was Grund zur Besorgnis gegeben hätte und nun das! Meine kurze knappe Antwort an meine Frau lautete: „Rechts heranfahren, Motor ausschalten.“ Nachdem ich ihr meinen Verdacht erläutert hatte, machte ich mich auf den Weg zur nächsten Notrufsäule. Mit einem Sprachgemisch aus wenigen Brocken Französisch und Englisch gelang es mir, meinem Gesprächspartner die Lage zu schildern. Nach einer kurzen Wartezeit erschien ein Abschleppwagen, der unseren Passat an den Haken seiner Seilwinde nahm und ihn auf die Ladefläche zog, wo er mit den Vorderrädern in der Luft himmelwärts zeigte – meine Frau und die Kinder im Innern des Autos blickten zwangsläufig in die selbe Richtung und waren ihrer Handlungsfähigkeit weitestgehend beraubt. Im Fahrerhaus war nur für zwei Personen Platz. Für den im Schlepptau mitfahrenden Kern der Familie war es wie Achterbahnfahren. Über schmale kurvenreiche Straßen mit vielen Steigungen und Abfahrten fuhren wir zu einer kleinen Ansammlung von Häusern, von denen eines die Werkstatt war. Der Werkstattinhaber bestätigte meinen Verdacht eines „Kolbenfressers“ und bedeutete mir, er könne in seiner Werkstatt nichts an dem Motor reparieren. Am nächsten Morgen werde er uns samt Auto weiter nach Besançon zu der dortigen VW-Werkstatt bringen. Einstweilen könnten wir im Dorf übernachten. Nun lernten wir auch das kleine Dorf selbst kennen und zogen in den Dorfgasthof ein, wo wir gemeinsam in einem Zimmer mit einem riesigen Bett, in dem mühelos drei Personen schlafen konnten, und einem Einzelbett übernachteten. Morgens ging es dann in der beschriebenen Weise weiter nach Besançon. Dort wurde der Motor in der VW-Werkstatt auseinander genommen, währenddessen wir uns nach einem Zimmer umsahen. Nachmittags fragten wir in der Werkstatt nach dem Ergebnis der Inspektion des Motors. Man erklärte uns, an dem sei nichts mehr zu retten und es empfehle sich, einen Austauschmotor einzubauen, den man uns für 18 Tsd. Franc einschließlich Arbeitslohn für den Einbau anbot. Der Preis entsprach etwa 6.000 DM und überschritt die Grenze dessen, was man vernünftiger Weise noch in das Auto investieren sollte. Wir beschlossen deshalb nach einer Lösung zu suchen, die kostengünstiger war. Dafür mussten wir einige Telefongespräche führen. Handys existierten noch nicht und deshalb suchten wir einen Ort, wo wir uns einerseits mit Franzosen einigermaßen gut verständlich machen konnten und evtl. Unterstützung erhalten konnten, andererseits auch ungestört telefonieren konnten. Hierzu bot sich das Tourismusbüro an, wo man uns denn auch sehr freundlich und hilfsbereit aufnahm. Zuvor hatten wir in der Mittagszeit noch versucht, uns an einem Bankautomaten mit Franc zu versorgen. Die Bedienung des Automaten führte ins finanztechnische Nirwana, indem ich meine Scheckkarte an den Automaten verlor. Da die Bank Mittagspause hatte, war die Karte erst einmal außer Reichweite. Nach der Mittagspause erhielt ich sie allerdings auf sehr unbürokratische Weise zurück.

Die nun zu führenden Telefonate betrafen zunächst die Anmeldung eines Schadensfalls bei der Versicherung, bei der wir einen Auslandsschutzbrief erworben hatten. Eine verständnisvolle Hilfestellung gab es hier nicht, die Dame am anderen Ende der Leitung versuchte, mich davon zu überzeugen, dass es doch für beide Seiten das Günstigste sei, das Auto in Frankreich zu verschrotten und baldigst in die deutsche Heimat zurückzukehren. Nach einigem Hin und Her gelang es, eine Kostenübernahme für den Aufenthalt in Besançon und den Rücktransport des Autos in eine deutsche Werkstatt zu erhalten. Unser Rettungsplan sah nun so aus, dass wir den Motor wieder notdürftig einbauen lassen und am nächsten Tag von Freiburg aus abholen lassen und dort in einer VW-Werkstatt einen Austauschmotor einbauen lassen wollten. Während ich mit dem kaputten Auto nach Freiburg und von dort mit dem wieder fahrtüchtigen Auto nach Besançon zurück fahren würde, könnte meine Frau mit den Kindern in Besançon zurückbleiben und mit den Kindern die Stadt erkunden. Es war schnell eine Werkstatt in Freiburg mit günstigen Konditionen gefunden, die sich bereit erklärte, einen Abschleppdienst zu organisieren und den Motor innerhalb eines Tages einzubauen, so dass der Wagen am nächsten Morgen abgeholt werden konnte und ich gegen Abend damit zurückfahren konnte. Die französische Werkstatt spielte mit und baute die Einzelteile notdürftig zusammen und um 7 Uhr am nächsten Tag erschien vor dem Werkstatttor tatsächlich ein Abschleppwagen der Fa. Hertz mit dem das Auto und ich nach Freiburg starteten. Auch der weitere Ablauf entsprach unserem Plan und wie ich bei meiner Rückkehr erfuhr, hatten sich Frau und Kinder gut die Zeit vertrieben, Hauptattraktion war der Tierpark auf der Zitadelle gewesen.

Nun stand die Frage im Raum, wann wir unsere Fahrt nach Spanien fortsetzen sollten. Da meine Frau und ich sich beim Fahren abwechseln entschieden wir uns, die Nacht über zu fahren und so kamen wir dann im Morgengrauen nach einer anstrengenden Überquerung der Pyrenäen an unserem Urlaubsort an. Der Werkstatt unseres Vertrauens haben wir übrigens das Vertrauen entzogen, indem wir dort weder getankt noch Werkstattdienste in Anspruch genommen haben. Ob diese „Sanktion“ wirklich gerechtfertigt war, weiß ich nicht, aber es half dabei, das „Urlaubstrauma“ zu bewältigen.

Auf dem Rückweg von einem der Spanien-Urlaube wollten wir Bekannte in Frankreich besuchen. Sie hatten einen aufgegebenen Bauernhof in der Nähe von Cahors gekauft und hatten damit begonnen, die Gemäuer wieder bewohnbar zu machen. Für den Anfang hatten sie in einem der Nachbardörfer eine Wohnung gemietet. Wir kannten nur den Namen des Dorfes und nahmen an, „den Deutschen“ würde man sicher in dem Dorf kennen und uns den Weg zu ihm hin beschreiben. Es zeigte sich jedoch, dass der Ort sehr ausgedehnt war und sich über mehrere Ortsteile erstreckte, und es gab auch mehr Deutsche in der Gegend als wir dachten. Auf der Suche nach einem Menschen, den wir ansprechen konnten, trafen wir auf eine Frau, die ihr Fahrrad schob. Es stellte sich bald heraus, dass sie gut Deutsch verstand und auch sprach. Untere Verwunderung darüber löste sich schnell auf als wir erfuhren, dass sie Elsässerin war. Sie beschrieb uns den Weg zu einer Familie aus Berlin, die hier ein Ferienhaus besaß und uns freundlich bewirtete. Es war sehr heiß an diesem Tag und wir kamen in dem Haus mit seinen schätzungsweise 60 bis 70 cm starken Natursteinwänden in eine angenehme Kühle, die wir erst einmal samt dem kühlen Wasser, mit dem wir bewirtet wurden, genossen. Unsere Bekannten kannte man hier allerdings nicht. Auch der Besuch bei einem in der Nachbarschaft wohnenden alten Bauern, der erst nach heftigem Klopfen an die Tür öffnete ergab keine weiteren Erkenntnisse. Enttäuscht von unserer vergeblichen Suche traten wir die Weiterfahrt in Richtung Heimat an.

Unseren im Jahr darauf stattfindenden Urlaub mit dem Zelt in Südfrankreich verknüpften wir dann nach gründlicherer Vorbereitung mit dem Besuch bei den Bekannten, die inzwischen einige provisorisch hergerichtete Räume bewohnten. Eine Spülmöglichkeit und eine Toilette gab es noch nicht, so dass der erste Eindruck von den Geschirrbergen vor der Haustür bestimmt war, die auf die Reinigung warteten. Das mehrere Hektar große Naturgrundstück bot zunächst Platz für die Erledigung der Nordurft.

Unsere folgenden Frankreichurlaube, zu denen wir mit Anhänger und Zelt ausschwärmten wurden in der Regel mit einem Abstecher zu unseren Bekannten verbunden. So erhielten wir ein gutes Bild von der Entwicklung des Wiederaufbauprojekts. Nach einigen Jahren konnten wir auch innerhalb des Hauses übernachten und hatten einen Komfort, wie er traditionell der bäuerlichen Kultur entspricht. Inzwischen hat sich das Projekt unseres Freundes soweit entwickelt, dass wir dort Urlaub machen. Es gibt dort einen Pool, Gemüse und Fleisch aus dem eigenen Garten und aus dem eigenen Stall und man lernt interessante Menschen kennen, die hier als WWoofer an der Erhaltung und dem Ausbau des Projekts mitarbeiten.

Die Urlaube mit Zelt brachten neben der gesteigerten Bedeutung des Wetters auch die Erfahrung mit sich, dass kleine Räder einem höheren Pannenrisiko unterliegen als große Räder. Unser Zeltanhänger war ziemlich klein und hatte auch kleine Räder, die nur etwas größer als Schubkarren-Räder waren. Es verging kaum eine Urlaubsfahrt, auf der nicht ein Radwechsel an dem Anhänger erforderlich war. Um den ausführen zu können, musste der Anhänger vollkommen geleert werden, damit der Anhänger mit Muskelkraft angehoben und auf die Seite gelegt werden konnte, da der Wagenheber nicht einsetzbar war.

Sehr abwechslungsreiche Urlaube erlebten wir als Familie in Portugal an der Algarve. Unsere Tochter war mit ihrem Mann, einem alten Wohnmobil und Surfbrettern dorthin aufgebrochen, um sich eine Existenz im Surfparadies aufzubauen. Sie wollte ihre Dienste als mobile Physiotherapeutin an den Surfstränden anbieten. Trotz guter Publicity mit Promotion-Artikeln in Zeitschriften und guten Kontakten zu Surfschulen und Hotels ließ sich in drei Jahren kein tragfähiges Einkommen erzielen. In dieser Zeit verbrachten wir einen gemeinsamen Urlaub an den Surfstränden, den unsere Tochter organisiert hatte. Nicht nur das, sie zeigte uns auch die schönsten Orte, die schönsten Strände und führte uns in ihren Bekanntenkreis ein. Wie in Südfrankreich bestand auch hier eine relativ große Community, die sich ein entspannteres Leben als es in Deutschland möglich ist, aufbauen wollte. Durch den unkomplizierten Umgang im Surfermilieu und die Vermittlung unserer Tochter entstand ein sorgloserer Aufenthalt als es sonst im Urlaub der Fall war und der Erholungseffekt war entsprechend lang anhaltend.

Rückblickend wird mir deutlich, dass der Urlaub in unserer Lebensgestaltung einen Platz eingenommen hat, der weit über den reinen Erholungswert im Sinne eines „Tapetenwechsels“ hinausgeht. Im Urlaub lassen sich Anregungen für einen anderen Lebensentwurf und Freundschaften für gemeinsame Projekte finden. Bereits die Abwechslung der Urlaubsmodelle von der Pauschalreise mit Flug zur Anreise mit eigenem Fahrzeug, der Wechsel von der Unterbringung im Hotel zur Ferienwohnung und zum Zelt bringt Erfahrungen in verschiedenen Milieus mit sich, die bis zur vorübergehenden Integration in die Lebenswelt anderer Menschen gesteigert werden kann. Diese Möglichkeiten spielen vermutlich eine Rolle für die wachsende Beliebtheit des Haustausches. Der vom Urlaub ausgehende innovative Impuls hat auch dazu geführt, dass der Urlaub heute als unverzichtbarer Bestandteil des Berufslebens angesehen wird und die Einrede der Arbeitgeber in die individuelle Urlaubsplanung als unzulässige Einmischung in die persönlichen Rechte angesehen wird. Urlaub ist damit nicht nur eine Flucht vor dem tristen Alltag sondern wird für viele auch ein vorübergehender Ausstieg aus dem getakteten Industriesystem, in dem der Mensch immer mehr zur anonymen Masse wird, obwohl ihm suggeriert wird, dass sein Konsum ganz individuell gestaltet wird oder doch zumindest die Möglichkeit bietet.

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Gefühle in Deutschland im Juli 2017

Der Juli stand im Zeichen des G20-Gipfels in Hamburg, der einerseits keine politischen Durchbrüche zu ökologischen, sozialen und friedenstiftenden Absprachen gebracht hat und deshalb in der Öffentlichkeit allgemein heftig kritisiert wurde und andererseits zu heftigen und umfangreichen Protestbekundungen geführt hat, bei denen es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten kam. Diese Begleiterscheinungen nahmen in der von den Medien betriebenen Nachbereitung breiten Raum ein, ohne jedoch bis zu den Grundfragen demokratisch legitimer Gewalt und dem Gewaltmonopol des Staates vorzudringen. Ein weiterer Schwerpunkt der von den Medien veröffentlichten Berichte und Meinungen war die gegen den anhaltenden Widerstand konservativ-christlicher Politiker in den Reihen von CDU/CSU durchgesetzte „Ehe für alle„, die den Abschied von der großen Koalition mit einem Schlussakkord begleitete.  Außen- und gleichzeitig innenpolitisch spielte die politische Entwicklung in der Türkei weiterhin eine große Rolle. Die Bundesregierung verwehrte dem türkischen Staatspräsidenten, auf dem G20-Gipfel zu den in Deutschland lebenden Türken auf einer Kundgebung zu sprechen, die Türkei verwehrte es erneut deutschen Bundestagsabgeordneten, in der Türkei stationierte Bundeswehrsoldaten zu besuchen und schließlich inhaftierte sie sechs Menschenrechtsaktivisten – darunter auch ein Deutscher -, die sich zu einer Tagung in der Türkei aufhielten unter der Beschuldigung, eine terroristische Vereinigung unterstützt zu haben. Daraufhin bestellte die Bundesregierung den türkischen Botschafter ein. Darüber hinaus gab es ein Bündel von Nachrichten, die es alle verdient hätten, hier in die Zusammenhänge mit anderen Nachrichten gebracht zu werden, weil sie erst so die hinter den Einzelmeldungen stehenden treibenden Kräfte sichtbar werden lassen. Da dieses jedoch den Rahmen dieses Projekts sprengen und auch mich überfordern würde, werden hier mögliche Auswirkungen dieser Nachrichten auf den Gefühlshaushalt der Menschen dargestellt.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz zukommt.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
 27. Juni Vertrauen, Zufriedenheit, Glück Merkel für Gewissensentscheidung bei Abgeordneten zum Thema „Ehe für alle„, Schulz zieht Bilanz nach vier Jahren SPD-Regierungsarbeit in Großer Koalition, NSU-Untersuchungsausschuss legt Abschlussbericht vor, Armin Laschet ist neuer Ministerpräsident von NRW, Niederlande mitschuldig an Srebrenica-Massaker, Milliardenstrafe für Google, Neue Welle von Cyberattacken in Europa, Hochhaus in Wupptertal wegen Sicherheitsmängel geräumt
 30. Juni Vertrauen, Zufriedenheit
Bundestag beschließt „Ehe für alle„, Bundestag billigt Gesetz gegen Hasskommentare, Arbeitslosenzahl auf dem niedrigsten Stand seit 1991, Wende der US-Energiepolitik, Erster Strafprozess gegen Fukushima-Manager, Neue Erkenntnisse zum Anschlag auf deutsche Botschaft in Kabul, Unwetter über Deutschland
 01. Juli Zufriedenheit, Kraft, Offenheit, Glück, Mut
Europäischer Staatsakt für Helmut Kohl in Straßburg, Beisetzung Kohls im Dom zu Speyer, Asylentscheidungen für Afghanen ausgesetzt, Außenminister Kurz zum Parteichef der ÖVP gewählt, Proteste und Feiern in Hongkong, Bund hat Anteile an belgische Atomkraftwerken, Auftakt der Tour de France, Mieterbund kritisiert Wohnungspolitik der Bundesregierung
 05. Juli Zufriedenheit, Glück
Merkel trifft chinesischen Präsidenten Xi in Berlin, G20-Alternativgipfel übt Kritik an G20-Politik, Anti-Terror-Einheiten stehen für G20-Sicherheit bereit, SPD will Plattformen für internationale Zusammenarbeit reformieren, Erdogan kritisiert Auftrittsverbot während G20-Gipfel, USA kündigen neue Sanktionen im Nordkorea-Konflikt an, Regierungsanhänger stürmen Parlament von Venezuela, Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich laut Regierungsbericht weiter
 07. Juli Glück, Aktivität, Zufriedenheit
G20-Gespräche mit Schwerpunkt Klima und Handel, Zahlreiche Verletzte nach G20-Demos, Positionspapier zur Nachrüstung von Dieselfahrzeugen verabschiedet, Gesetz zur Öffnung der Ehe passiert Bundesrat, Schlag gegen internationale Kinderpornografie-Plattform, Altstadt von Hebron wird Weltkulturerbe
 09. Juli Vertrauen, Zufriedenheit, Aktivität
Konsequenzen nach Gewalt beim G-20-Gipfel, Politische Bilanz des G20-Gipfels, Hunderttausende bei Oppositionskundgebung in der Türkei, Waffenruhe im Südwesten Syriens, Irakische Stadt Mossul zurückerobert, Marsch der Muslime gegen Terrorismus, Unesco-Weltkulturerbe-Titel für Ausgrabungsstätte in der Schwäbischen Alb, Christopher-Street-Day in Köln
10. Juli Glück Erinnerung an Putschversuch in der Türkei, Streit um Besuchsrecht deutscher Abgeordneter in der Türkei, Beschwerden von Soldaten bei der Bundeswehr haben zugenommen, De Maizière fordert Fußfesseln für mögliche Gewalttäter, Deutsche Opfer nach Messerattentat in Ägypten, Kardinal Meisner im Kölner Dom beigesetzt, Schwere Waldbrände in Süditalien
 11. Juli Glück, Zufriedenheit
BVerfG erklärt Tarifeinheitsgesetz weitgehend für rechtens, Gabriel attackiert Merkel wegen G20-Gipfel, Diskussion über entzogene Journalisten-Akkreditierungen beim G20-Gipfel, Hamburger Polizei richtet Sonderkommission zu G20-Krawallen ein, Gericht lehnt Zschäpe-Gutachter als befangen ab, Sohn Trumps in Affäre um Russland-Kontakte weiter unter Druck, Waldbrände in Italien
 12. Juli Zufriedenheit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz entschuldigt sich für G20-Krawalle, China errichtet Militärstützpunkt im ostafrikanischen Dschibuti, Westbalkan-Gipfel, Deutsches Schulsystem steht offenbar vor erheblichen Engpässen, Bundesregierung will Übernahmen sicherheitsrelevanter Unternehmen strenger prüfen, Polizei nimmt Tatverdächtige im Berliner Goldmünzen-Fall fest, Gigantischer Eisberg löst sich aus antarktischem Schelfeis
13. Juli Aktivität, Mut; Zufriedenheit
Deutsch-französischer Ministerrat tagt in Paris, Britische Regierung stellt Gesetzentwurf für Brexit vor, Gipfelteilnehmer beschließen engere Partnerschaft von Ukraine und EU, EU-Kommission leitet Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn ein, Bundespräsident Steinmeier besucht Afghanistan, Bundesregierung genehmigt weitere Rüstungsexporte in arabische Staaten, Daimler gerät im Dieselskandal unter Druck, Hauptangeklagter im Nemzow-Prozess zu 20 Jahren Haft verurteilt, Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo verstorben
 14. Juli  Vertrauen, Zufriedenheit Franzosen feiern Nationalfeiertag, Ein Jahr nach dem Anschlag von Nizza, Türkei verweigert Bundestagsabgeordneten Besuch auf NATO-Basis Konya, U-Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses prüft mögliche Behördenfehler im Fall Amri, Tote nach Schüssen auf Polizei in Jerusalem, Messerangriff auf Urlauber in Ägypten, Hunderte Flüchtlinge erreichen Italien, Steinmeier trifft Österreichs Bundespräsidenten Van der Bellen in Wien, Sorge um Witwe von Liu Xiaobo
16. Juli Glück, Offenheit
Ein Jahr nach Putschversuch in der Türkei, Merkel im ARD-Sommerinterview, Schulz stellt Ziele seiner Politik vor, Protest gegen Justizreform in Polen, Gedenken an Massenfestnahmen von Juden in Frankreich 1942, Nach Sperrung Zugang zum Tempelberg wieder geöffnet, Massenpanik im Senegal nach Fußballspiel
18. Juli Kraft, Zufriedenheit
Sechs Menschenrechtsaktivisten in türkischer Untersuchungshaft, Merkel hält Inhaftierung von Aktivisten für ungerechtfertigt, Beginn der Plädoyers im NSU-Prozess, Abschlussbericht im Missbrauchsskandal um Domspatzen veröffentlicht, Daimler weitet Rückruf von Dieselfahrzeugen aus, „Trumpcare“ scheitert bereits vor Abstimmung im US-Senat, Neue US-Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Verheerende Waldbrände auf dem Balkan
19.  Juli Zufriedenheit Auswärtiges Amt bestellt türkischen Botschafter ein, EU-Kommission fordert Stopp der polnischen Justizreform, Plädoyers im NSU-Prozess vertagt, Soldaten der Kaserne in Pfullendorf scheitern mit Klage gegen Entlassung, Generalstabschef tritt nach Auseinandersetzung mit Macron zurück, Bundesverkehrsministerium begrüßt Rückrufaktion von Daimler, Mindestlohn in der Pflegebranche vor deutlicher Erhöhung, Prinz William und Kate besuchen Deutschland
20. Juli Vertrauen, Aktivität, Mut
Gabriel kündigt Neuausrichtung der Türkei-Politik an, Reaktionen aus der Türkei, Keine weiteren Beitragsentlastungen für Familien, Polnisches Parlament verabschiedet umstrittene Justizreform, Kaum Fortschritte bei Brexit-Verhandlungen, Britisches Prinzenpaar zu Besuch in Heidelberg, US-Präsident Trump stoppt Waffenlieferungen an syrische Rebellen, Cholera im Jemen breitet sich weiter aus, Polizei präzisiert Angaben zu Krawallen auf Schorndorfer Volksfest, Hamburger Zoll stellt Rekordmenge an Kokain sicher
22. Juli Zufriedenheit Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis, Nahost-Konflikt spitzt sich zu, Sarah Huckabee Sanders wird neue Sprecherin der US-Regierung, US-Präsident Trump weiht neues Kriegsschiff ein, Polens Senat billigt umstrittene Justizreform, Warschau erinnert an die Deportation polnischer Juden, Neue Waffenruhe im Osten Syriens, 16-Jährige mutmaßliche IS-Kämpferin aus Sachsen im Irak identifiziert, Norwegen erinnert an die Opfer von Oslo und Utöya, München gedenkt der Opfer des Amoklaufs, Berlin feiert den Christopher Street Day

Nachfolgend werde ich versuchen, die Trendergebnisse in modellhafte Vorstellungen umzusetzen. Dabei handelt es sich um meine ganz persönliche Sicht, die weniger nach Zustimmung heischt als vielmehr anregen soll, eigene Erklärungen zu finden.

Wie bereits in den vorausgegangenen Zyklen zu sehen war, finden die stärksten Bewegungen in den Gefühlsbereichen Vertrauen, Glück, Zufriedenheit und Kraft statt, wobei Vertrauen sich als sensibelster Gefühlswert zeigt. Vertrauen ist die Währung der Politik und so verwundert es nicht, dass sensible Politiker wie der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert in einem Interview kürzlich feststellte, dass das Vertrauen in allen Bereichen immer mehr verloren gehe. Wie man diese Feststellung bewerten soll, hängt entscheidend von der Situation ab, auf die sich das Vertrauen jeweils bezieht. Soweit es sich um politische Sachverhalte handelt, kann eine grobe Unterscheidung in außenpolitische und innenpolitische Sachverhalte weiterhelfen. Tendenziell ist das Interesse der Öffentlichkeit an innenpolitischen Fragen und insbesondere solchen, die wirtschaftliche Auswirkungen auf die Menschen im Lande haben größer, als solche, die nicht unmittelbar das eigene Leben betreffen. Hieraus erklärt sich unter anderem die teilweise sehr heftige Reaktion in den Gemeinden auf die Aufnahme von Flüchtlingen, die zu einer Wende in der Haltung der Bundesregierung zur Aufnahme von Flüchtlingen geführt hat. In diesem Problemfeld ist es neben dem der Rückkehr potentieller Terroristen aus den islamistischen Kriegsgebieten zu einem Heranrücken außenpolitischer Probleme an den Privatbereich der Einwohner gekommen. Damit wurde eine unsichtbare Grenze überschritten, die zwischen dem Legitimitätsbereich von Vertrauen in die gewählten Politiker und dem engeren Lebensbereich der Bewohner besteht und der nicht durch Vertrauen reguliert ist, sondern der intensiven Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen unterliegt. Die politische Ignoranz des Staates gegenüber diesen Empfindlichkeiten legt ein erhebliches Maß an demokratischen Defiziten bloß, die selbst zu einem Konfliktfeld zwischen Staat und Bürger geworden sind und das Vertrauensverhältnis zwischen den gesellschaftlichen Kräften der Demokratie grundlegend instabil werden lassen.  Besonderes Augenmerk verdienen deshalb auch die häufiger werdenden Ausschläge der Offenheits- und Aktivitätslinie, die handlungsorientierte Bedeutung und Aussagekraft für Veränderungsbereitschaft haben. Diese Ausschläge stehen mit großer Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit den Überraschungen, die in den letzten Landtagswahlen zutage getreten sind.

Die Situation wird übersichtlicher, wenn die Entwicklungslinien als Trendverläufe dargestellt werden:In den oben dargestellten Trendverläufen für Juni und Juli sind deutliche Unterschiede zu sehen. Etwa gleichbleibende Tendenzen gibt es hinsichtlich Aktivität, Hoffnung und Zufriedenheit. Bei allen anderen Gefühlswerten ist eine Veränderung der Trendrichtung zu sehen. Das unspezifische Allgemeinbefinden ist von einer Stagnation in einen leichten positiven Trend übergeangen. Der leicht negative Trend für Mut ist in einen schwach positiven Trend übergegangen und der insgesamt im Defizit verlaufende leicht negative Trend der Offenheit ist in einen schwach positiven Trend übergegangen. Für alle anderen Trends gibt es eine deutliche Trendumkehr von positiver Richtung in negative Richtung (Vertrauen, Kraft, Glück, Freude). Die Relationen untereinander haben sich dabei jedoch nur leicht verschoben. Nach wie vor ist das Vertrauen mit Abstand das stärkste Gefühl. Hierin kommt einerseits die für die Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft unverzichtbare Grundhaltung zum Ausdruck, andererseits aber auch die Arbeitsteiligkeit und Ohnmacht des Einzelnen, die in dem Wertesystem Orange gebündelt sind und hier einen enormen Anteil der vorhandenen psychischen Energie in Anspruch nehmen. Die Gefühle von Kraft und Glück verhalten sich gleichsinnig zum Vertrauen und zeigen an, dass sie der Gegenpol zu Vertrauen auf individueller Ebene sind. In einem Satz ausgedrückt kann man sagen: „Meine Kraft und mein Glück geben mir Vertrauen in den Sinn des Lebens, der über mein Selbst hinausreicht und dem ich zustrebe„. Umgekehrt kann man sagen: „Mein Vertrauen in den Sinn des Lebens, der über mein Selbst hinausreicht, gibt mir Kraft und Glück„. Hierin zeigt sich die allgemein vertretene Grundauffassung, die einen Solipsismus, der nur das eigene Ich als Realität anerkennt, ablehnt. Als stabiler Trend zeigt sich die abnehmende Zufriedenheit, die gleichsinnig mit der Hoffnung abnimmt. Diese Gefühle können als Ausdruck einer Besorgtheit gesehen werden, die den Realitäten und den damit verbundenen Problemen entspricht und die dunkle Seite des persönlichen Glücks zum Ausdruck bringt. Es kann davon ausgegangen werden, dass große Teile der deutschen Gesellschaft ihren Wohlstand in dem Bewusstsein genießen, dass es dem Rest der Welt überwiegend schlechter bis zu lebensbedrohlich schlecht geht. Die große Hilfsbereitschaft der Deutschen zur Versorgung der Flüchtlinge während der Zeit offener Grenzen auf der „Balkanroute“ diente neben der tätigen Barmherzigkeit auch der Beruhigung der schlechten Gewissen und dem Eingeständnis einer unausgesprochenen Mitschuld des reichen Westens an den Krisen der armen Welt.Im längerfristigen Trend zeigt sich das Vertrauen mit zunehmender Tendenz als dominierender Gefühlswert und die Zufriedenheit als abwärts gerichteter Gegentrend, der zur Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts der Gefühle erforderlich ist und Glück, Freude und Hoffnung als Dauerzustand möglich macht. Grundbedingung hierfür ist eine konservative Beharrungstendenz, die Veränderungen nur sehr zögerlich zuläßt und das Aktivitätsniveau niedrig hält. Das gesamte Szenario ergibt einen stabilen Gefühlshaushalt auf mittlerem Niveau, der öffentliche Freudenfeste oder Protestveranstaltungen und Trauerkundgebungen unwahrscheinlich macht. Hieraus ist erklärbar, dass die schweigende Mehrheit erst – wie im Fall der Demonstration gegen rechte Gewalt im November 1992 in Berlin – unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten mit 350000 Menschen auf die Straße ging und schließlich ist auch so erklärbar, warum eine Minderheit von Jugendlichen aus Nordafrika an Silvester 2015 auf der Kölner Domplatte sexistische Straftaten verüben konnte. Wären die „anständigen“ Bürger auf den Straßen gewesen und hätten sich mit den Jugendlichen gemischt, hätten sich wohl kaum solche Szenen wie in dieser Nacht abgespielt. 

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Die blau-rote Seite

Farben vermitteln Gefühlswerte, Beziehungen und Kontraste, Dramen und Spannungen, die Natur von Materie und ihrer Prozesse und Umwandlungen. Sie können auf Temperament, Gattung, Neigung und Hierarchie verweisen. Farben definieren, differenzieren und durchmischen. Farben zeigen uns Klima und Jahreszeiten an und wann die Vegetation reif und essbar ist. Sie signalisieren Gelegenheiten zur Paarung und die Anwesenheit einer Beute oder eines Raubtiers. Schutzfarben ermöglichen es manchen Tieren , unsichtbar zu werden, und anderen, deren leuchtende Farben vor Giften warnen, sich vor Angriffen zu schützen. Bestimmte Blumen ziehen ganz bestimmte Insekten und Vögel zur Bestäubung an.

Die meisten Säugetiere sind Farbenblind, auch manche Menschen, doch farbenblindes Sehen ermöglicht auch ein intensiveres Wahrnehmen unterschiedlicher Strukturen und von Tarnungen, da durch den Ausfall dieser Wahrnehmungsfunktion andere Sinnesempfindungen geschärft werden. Manche Menschen leben mit einem Phänomen, das eine besondere Begabung darstellen kann und unter dem Begriff Synästhesie in der Psychologie untersucht wird, wie der Fall einer Musikerin, die gleichzeitig zu den Tönen auch Farben sieht und Geschmacksempfindungen hat und hierdurch eine wesentlich intensivere Beziehung zur Musik erfährt. Andererseits wurden während des zweiten Weltkriegs von der britischen Royal Air Force farbenblinde Piloten eingesetzt, weil sie getarnte Militärlager und Fahrzeuge aufspüren konnten. Das führt zu der Frage, was Farben im physiologischen Sinne sind.

Temperamentenkreis nach Goethe und Schiller

J. W. v. Goethe und F. Schiller entwickelten gemeinsam diese Temperamentenrose nach Goethes Farbenlehre. Die vier Kategorien menschlichen Temperaments entsprechen jeweils einem bestimmten Viertelkreis. Quelle: Wikimedia Commons

Hierzu ist zunächst festzustellen, dass die letzten Geheimnisse der Farbe nicht gelöst sind und ständig neue Forschungsergebnisse zu den Wirkungen und dem Zustandekommen dieser Wirkungen von Farbe veröffentlicht werden. Allgemein gesprochen ist Farbe eine neurale Resonanz, eine biochemische Reaktion und ein psychologisches Phänomen und hat auch mit den Komplexitäten von Kultur und Sprache zu tun. Als Gestaltungsmittel des Menschen ist sie bis in die steinzeitlichen Höhlen zurückzuverfolgen und ist bis heute in unterschiedlichen Maßen und abhängig vom Zeitgeist ein wichtiges Element der Architektur.

Künstler gestalten und schaffen Farben ästhetisch und bescheren uns so die Pigmente sinnlich wahrgenommener Realität wie auch die Töne unsichtbarer Dimensionen. Hierbei spielen die Grundfarben Blau und Rot eine hervorgehobene Rolle, die sich in der Häufigkeit ihrer Verwendung als Einzelfarben, aber häufiger noch als Farbenpaar zeigt.

Javanische Tanzmaske; Quelle: Wikimedia Commons

Wenn Farbe Musik für die Augen wäre, dann wäre Rot der Klang von Trompeten. Die von Rot ausgestrahlte Energie erhöht den Muskeltonus, den Blutdruck und die Atemgeschwindigkeit. Auf manche Tiere wirkt Rot sexuell erregend. Da sich diese Effekte auch bei blinden Menschen und Tieren bemerkbar machen, ist Rot nicht nur ein reines Augenerlebnis, sondern ebenso ein Energiebad.

Symbolisch gesehen, ist Rot die Farbe des Lebens. Genau genommen bezieht sich seine Bedeutung auf die menschliche Erfahrung mit Blut und Feuer. Im primitiven Denken war Rot Leben: Verließ das Blut den Körper, nahm es das Leben mit sich. Gleichzeitig war der rote Fluss des Blutes ein Gefahrensignal. Die Glut des Feuers war für uns eine große Annehmlichkeit und ein Schutz , außer Kontrolle jedoch drohte sie mit Vernichtung. Rot zieht uns an, vermittelt Vitalität, Wärme, Erregung, Leidenschaft, warnt aber auch vor Gefahr, macht aufmerksam, sagt „Stopp!“ In China wie auch im steinzeitlichen Europa vergrub man mit den Knochen der Toten rotes Pigment zur Erneuerung des Lebens.

Die Farbe Rot steht dem modernen Menschen für Libido, Lebensenergie, Aggression und Wut. Es zeigt sich in der Kleidermode, im Nachtleben der Städte und auf den Schlachtfeldern des Krieges. Rot wird allgemein als stürmische Energie emfunden, sodass sogar rotes Haar in Zusammenhang mit hitzigem Naturell, Reizbarkeit und cholerischem Temperament gebracht wurde. Nach dem homöopathischen Prinzip, dass Ähnliches gegen Ähnliches wirkt, wurde über Eingängen ein rotes Band angebracht oder war ein roter Punkt auf der Stirn ein Schutz gegen Teufel.

Brahmanisches Viertel im indischen Jodhpur; Quelle: Wikimedia Commons

Goethe schrieb „…eine blaue Fläche scheint vor uns zurückzuweichen…“, und er war der Meinung, dass Blau „…uns mitzieht“. Es zieht uns auch hinein in die wilde blaue Ferne, in die tiefe, blaue See. Dieses Blau, das in der Natur – abgesehen von Meer und Himmel – die seltenste Farbe ist, hat etwas Überirdisches. Deshalb haben wir Menschen unsere Götter blau gefärbt, so die vorchristlichen Götter Kneph, Jupiter, Krishna, Vishnu und Odin, aber auch die göttliche Maria der Christen: „Blau ist die Farbe von Marias himmlischem Mantel; sie ist die Erde, die vom blauen Himmelszelt bedeckt ist“ (C. G. Jung). Blau ist mit Ewigkeit verknüpft, dem Jenseits, überirdischer Schönheit, religiöser Transzendenz, dem Spirituellen und Mentalen als Gegensatz zum Emotionalen und Körperlichen und mit Loslösung vom Irdischen.

Blau erzeugt ein Gefühl von Kälte. Es ist die Farbe des Mondlichts, verlangsamt den Herzschlag, senkt den Blutdruck und verzögert das Wachstum von Pflanzen. Weitere Wirkungen, Erscheinungsformen oder Beziehungen sind blaue Flecken, Melancholie, Isolation und der Blues. Pablo Picassos Werke der blauen Periode zeigen arme Arbeiter, Bettler, Cafehaus-Besucher in Zuständen von Lethargie und Verzweiflung.

Psychologisch betrachtet, kann Blau als ein Mittelweg zwischen schwarzer Verzweiflung und dem Weiß von Hoffnung und Klarheit gesehen werden und verweist auf einen Zustand der Reflexion und des Abstands.

Aus dem Hildegardis-Codex; Quelle: Wikimedia Commons

Die Verwendung der Farbkombination Rot mit Blau findet sich in vielen alten Kulturen und besonders häufig in der modernen Malerei. Hierin, wie auch in der Wahl der Motive, kommt neben den Körper und Geist einbeziehenden Bildschöpfungen, die seit den ersten Hochkulturen stattfindende Entwicklung einer „ewigen Philosophie“ (Philosophia perennis) und der hiermit zum Ausdruck drängenden Seele wachsendes Gewicht zu. Im Widerspruch zum vorherrschenden Realismus in der europäischen Kunst ist über die vergangenen 900 Jahre hinweg die Tradition einer sporadisch auftauchenden mystischen und symbolischen Malerei nachweisbar. Ein frühes Beispiel dieser visionären Kunst findet sich in den Werken der Äbtissin Hildegard von Bingen wie auch in den Werken des Mönchs und Malers Fra Angelico, der seine Bilder den Glaubensbrüdern zur Kontemplation widmete. Aus ihnen spricht eine tiefe Hingabe an das Jenseitige, die sich vorwiegend der Ausdruckskraft der Farbe bedient.

Die zarten, zerbrechlichen Blüten des Spirituellen, wie sie in den frühen Ikonen des Christentums mit ihren vereinfachten, über goldenen Lichtgefilden schwebenden Formen waren göttliche Sinnbilder der Fleischwerdung der Welt. Als die christliche Kirche dann den figürlichen, naturalistischen Stil der weltlichen Kunst übernahm, trat an die Stelle der symbolhaften Ikonen ein fundamentalistischer Realismus, der seine wichtigste Aufgabe in der wörtlichen Auslegung und Wiedergabe spiritueller Ereignisse wie der Auferstehung sah. Dieser Art der Darstellung von Fakten haftet jedoch nichts Transzendentales an.

Fra Angelico: Kreuzabnahme; Quelle: Wikimedia Commons

Mit der Anfang des 20. Jahrhunderts von Malern wie Kandinsky, Mondrian, Malewitsch, Klee und Brancusi vertretenen abstrakten Kunst wurde in der Malerei die Schwelle zum Transzendentalen überschritten. Diese Wegbereiter der neuen Kunstrichtung waren der Überzeugung, dass eine neue Spiritualität in der Kunst ein direktes und unmittelbares Benennen des Geistes sein müsse, nicht über die mythischen Bilder des religiösen Menschen oder durch gegenständliche Darstellung, sondern durch unmittelbare Intuition und kontemplative Erkenntnis. Sie spürten, dass sie über den individuellen Geist und Verstand hinaus vorgedrungen waren und dass sie mit ihrer Kunst einen echten und kraftvollen Zugang zum Geist selbst entdeckt hatten. Wahre Kunst, sagt Kandinsky, setzt die Bildung von Seele und Geist voraus: „Der Künstler muß nicht nur sein Auge üben, sondern auch seine Seele, damit sie die Farben nach deren eigenem Maß abwägen kann und so zu einer entscheidenden Kraft im künstlerischen Schaffen wird.“ Das Ziel der neuen Kunst formuliert Piet Mondrian indem er erklärt: „Alle Kunst ist mehr oder weniger unmittelbar ein ästhetischer Ausdruck des Universellen. Dieses Mehr oder Weniger beinhaltet Abstufungen [der Entwicklung und Evolution] … Eine starke Erhöhung des Subjektiven vollzieht sich im Menschen – mit anderen Worten, ein Wachsen und eine Erweiterung des Bewußtseins. Das Subjektive hört erst auf zu existieren, wenn es zum Sprung vom individuellen zum universellen Sein kommt, der fast auf eine Art Mutation hinausläuft.“ Und er schließt: „Die neue Kultur wird die Kultur des reifen Individuums sein; wenn es erst herangereift ist, wird sich das Individuum dem Universellen öffnen und mehr und mehr danach streben, sich mit ihm zu vereinigen“ – eine Schlussfolgerung, zu der Mystiker in aller Welt gekommen sind.

Auf den folgenden Seiten ist eine Bilderauswahl zusammengestellt, die dem Kriterium der Farbkombination Blau-Rot folgt. Es soll dem Betrachter damit ein Angebot gemacht werden, die harmonisierende Wirkung der Farbkombination Blau und Rot in der Betrachtung der Bilder zu erfahren und so einen besonderen Zugang zur abstrakten Kunst zu gewinnen. Die Texte sind stark verlinkt, so dass auf diesem Weg weitere Bilder zu erschließen sind und vertiefende Informationen aus der Wikipedia leicht zugänglich sind.

Die Auswahl der dargestellten Bilder ist durch das Urheberrecht beschränkt und somit kann die Auswahl nicht repräsentativ sein und schon gar keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Als Quellen dienten Texte von Ken Wilber aus dem Buch Sacred Mirrors – Die visionäre Kunst des Alex Grey, erschienen bei Zweitausendeins, 1996; die Künstlerbiographien aus dem Werk „Malerei der Welt“, erschienen im Verlag Taschen, Köln 2005 und „Das Buch der Symbole“, erschienen im Verlag Taschen, Köln 2011 sowie einige Wikipedia-Artikel. Die Bilder wurden aus der Sammlung von Wikimedia Commons entnommen und unterliegen den dort angegebenen Urheberrechten.

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Bundestagswahl 2017 – Wahlkampf im Spiegel der Wertesysteme

Bis zur Bundestagswahl am 24. September 2017 werde ich an dieser Stelle im wöchentlichen Rhythmus die Wertewelten der amtierenden Bundeskanzlerin und ihres Herausforderers darstellen. Im Unterschied zu Vergleichen programmatischer Aussagen, die sich im Nachhinein oft als Wahlversprechen entpuppen, die nach der Wahl nicht gehalten werden können oder bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt umgesetzt werden, sind hier Resonanzen der Öffentlichkeit auf Politiker in Aktion zu sehen. Diese Informationen können wertvolle Ergänzung zu programmatischen Aussagen sein und darüber hinaus auch Anhaltspunkte zu dem zukünftigen Verhalten der Kandidaten an der Macht innerhalb tagespolitischer Entscheidungssituationen und Krisen liefern.

KW Wertememe WMem-Gruppen Kurzkommentar
27 Wertewelten WMemgruppen Merkel und Schulz 27. KWEs zeigt sich hier ein scharfer Kontrast zu den beiden Bewerbern. Während die amtierende Bundeskanzlerin in ein überbordend starkes System oranger Werte einbezogen ist, zeigt sich für den SPD-Kandidaten Schulz ein sehr starkes Blau, das eine Wertsetzung darstellt, die einen Wertewandel für die deutsche Gesellschaft bedeutet. Die dahinter stehenden Grundhaltungen können als „weiter so Deutschland“ für Merkel und „es gibt nur den Weg der Wahrheit“ für Schulz charakterisiert werden. Der Rückgriff auf Blau bedeutet eine Reorganisation der Gesellschaft, die auf  Ordnungsstrukturen baut und eine konservative Grundströmung hat. Es deutet sich hierin eine innerparteiliche Abkehr von Kerninhalten sozialdemokratischer Politik an, wie sie durch Grün repräsentiert werden. Entsprechend schwach ist – auch im Vergleich zu Angela Merkel – Grün ausgeprägt. Zu der Rückbesinnung der SPD-Welt gehört neben dem Rückzug auf Blau auch eine Stärkung von Rot, das von starken Einzelpersonen getragen wird und kreative Potentiale freisetzt.

Für den Vergleich der beiden Wertewelten ist ein weiterer Unterschied wesentlich: Offensichtlich ist es der SPD – vielleicht auf Grund ihrer langen Geschichte als „sozialistische Partei“ – möglich, Potentiale im Wertesystem Gelb zu aktivieren und damit wertvolle Unterstützung auf spiritueller Ebene zu erhalten.

Für beide Kandidaten gilt, dass sie in geringem Umfang auch magisch-animistische Potentiale im WMem Purpur aktivieren können. Diese Fähigkeit ist vor allem für die Motivation von Wahlhelfern vor Ort nützlich.

In einer weiteren Grafik sind die WMeme als Gruppen der Ich-bezogenen und der Wir-bezogenen WMeme dargestellt.  Hier ist ebenfalls eine deutliche Polarisation zwischen den konkurrierenden Parteien zu sehen. Während im Bezug auf die Kanzlerin vor allem Ich-bezogene Wertesysteme aktiv sind, zeigen sich für den SPD-Kandidaten in gleichem Umfang Wir-bezogene WMeme. Hierbei ist zu beachten, dass sowohl Blau wie auch Grün Wir-bezogene Wertesysteme sind.

Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass es sich hier um eine Momentaufnahme handelt, die durch die folgenden Wochenergebnisse revidiert werden kann.

28 In der 28. KW ergibt sich für die Kandidatin und ihren Herausforderer ein wesentlich ähnlicheres Bild, als in der Woche zuvor. Es ist nicht auszuschließen, dass der große Unterschied bezüglich Orange auf Fehlern bei der Datenbasis beruhte. Die in Orange zum Ausdruck kommende Zuversicht auf Erfolg ist auf beiden Seiten gleich stark ausgeprägt. Die bereits in der Vorwoche festgestellte Tendenz zu Grün bei der Kanzlerin und zu Blau bei dem SPD-Kandidaten wird hier bestätigt. Die diesbezügliche Feststellung, dass sich hierin ein Rückgriff auf traditionelle Ordnungsstrukturen andeutet, worin eine konservative Grundhaltung zum Ausdruck kommt, kann hier nur wiederholt werden. Auf der anderen Seite bedeutet das bezüglich der Kanzlerin im Verhältnis zu Blau starke Grün keineswegs einen Rollentausch mit dem SPD-Kandidaten. Einen erheblichen Anteil an diesem Grün werden die Bemühungen haben, die programmatische Lücke zur bayrischen Schwesterpartei zu kitten und die innerparteilichen Strömungen im bürgerlichen Lager zusammenzuhalten, um ein Abdriften zur AfD zu verhindern.  Zu der Rückbesinnung der SPD-Welt gehört neben dem Rückzug auf Blau auch eine Stärkung von Rot, das von starken Einzelpersonen getragen wird und kreative Potentiale freisetzt.

Für den Vergleich der beiden Wertewelten ist ein weiterer Unterschied wesentlich: Offensichtlich ist es der SPD – vielleicht auf Grund ihrer langen Geschichte als „sozialistische Partei“ – möglich, Potentiale in den Wertesystemen Gelb und – wie sich nun zeigt – auch in Türkis zu aktivieren und damit wertvolle Unterstützung auf spiritueller Ebene zu erhalten.

Für beide Kandidaten gilt, dass sie in geringem Umfang auch magisch-animistische Potentiale im WMem Purpur aktivieren können – in der vergangenen Woche bei der Kanzlerin stärker als bei Schulz. Diese Fähigkeit ist vor allem für die Motivation von Wahlhelfern vor Ort nützlich.

In der nebenstehenden Grafik sind die WMeme als Gruppen der Ich-bezogenen und der Wir-bezogenen WMeme dargestellt.  Hier ist nun nahezu ein Gleichstand zwischen den Kandidaten zu sehen. Der starke Überhang der Ich-bezogenen Wertesysteme zeigt deutlich, dass der Wahlkampf über Personen und kaum über Inhalte geführt wird. Hierin ändern auch die Beteuerungen von Martin Schulz nichts, er wolle Punkt für Punkt am Wahlprogramm der SPD belegen, dass sie die bessere Alternative zur CDU sei.

Abschließend ist auch in dieser Ausgabe darauf hinzuweisen, dass es sich hier um eine Momentaufnahme handelt, die durch die folgenden Wochenergebnisse revidiert werden kann.

29 Die Datenerhebung wurde bezüglich der zeitlichen Eingrenzung und der Zuverlässigkeit der Quellen weiter verbessert. Gegenüber der Vorwoche zeigt sich ein größerer Anteil von Blau und Grün gegenüber Orange. Das Kräfteverhältnis zwischen Blau und Grün hat sich im Bezug auf die Kanzlerin angeglichen, im Bezug auf den SPD-Kandidaten hat sich das Übergewicht von Blau verringert und nahezu ein Gleichgewicht hergestellt.
30 Gegenüber der Vorwoche zeigt sich eine Ausdifferenzierung der von den Wahlkämpfern aktivierten Wertewelten. Während das global dominierende Orange bei in der Wertewelt der Kanzlerin nahezu unverändert blieb, hat es sich bei dem Herausforderer Schulz deutlich verstärkt. Diese Veränderungen wirkten sich beim SPD-Kandidaten vor allem auf eine Schwächung des WMems Blau aus, die zu einer Verlagerung der Gewichtung von Blau zu Grün führte, so dass nun auch im Verhältnis Blau zu Grün ein Gleichklang mit der CDU-Kandidatin besteht. Jedoch ist die Gewichtung von Blau und Grün bei der Kanzlerin deutlich höher als bei ihrem Herausforderer. 

Insgesamt zeigt sich in der Zusammenfassung der WMeme nach deren individueller und kollektiver Ausrichtung nach wie vor ein starkes Übergewicht der individuellen Kräfte, wobei Orange das bestimmende Wertesystem ist. Auch hier tritt die wesentlich stärkere Ausrichtung der CDU-affinen Wertewelt auf kollektive Werte gegenüber der traditionell bei der SPD verorteten grünen Klientel hervor. In diesem Zusammenhang weise ich nochmals auf die besondere Parteienkonstellation der C-Parteien hin, die bereits parteiintern starke grüne Anteile generiert, die nur scheinbar dem Relativismus von Grün geschuldet sind und hier nicht eleminiert werden können.

31 Die aktuelle Situation der Wertewelten zeigt einen weitgehenden Gleichstand der von den Kandidaten aktivierten Wertememe an. Dieses gilt in besonderem Maße für Orange und mit Nuancen auch für die schwächeren Wertesysteme. Dabei zeigt sich in der Wertewelt des Martin Schulz erneut der Hang zu Blau zu Lasten von Grün. Dabei dürfte die traditionellen Unterstützer-Strukturen wie Gewerkschaften, Sozialverbände und Wohlfahrtsorganisationen eine Rolle spielen. Bezüglich der Kanzlerin zeigen sich nun auch bei Türkis Ansätze einer Beeinflussung aus der zweiten Ordnung des WMem-Systems.

In der Zusammenfassung der WMeme nach individuell und sozial ausgerichteten Wertesystemen zeigt sich nun ein totaler Gleichstand der Kandidaten in ihrem geistigen Umfeld. Darin deutet sich an, dass eine Abkehr von der bisher in der großen Koalition betriebenen Politik kaum zu erwarten ist.

32 In der vergangenen Woche hat wieder eine stärkere Differenzierung der Wertewelten von Kanzlerin und Herausforderer stattgefunden. Die Ursache hierfür ist die Kanzlerin, die ein wesentlich schwächeres Orange auf ihrer Seite hat und ein wesentlich stärkeres Blau als Martin Schulz. Die Wertewelt von ihm stellt sich nun stabil dar, wobei das starke Orange den von ihm ausgestrahlten Zweckoptimismus hinsichtlich des Wahlausgangs widerspiegelt und das schwache Grün eine schwache Einbindung der SPD in seinen Wahlkampf vermuten lässt. Für die Bundeskanzlerin ist eine Sonderstellung im Wahlkampf entstanden, die sich durch den Supergau der Autoindustrie und die internationale Großwetterlage als Stolpersteine in den Weg gelegt haben und nur eine verminderte Aufmerksamkeit für andere Themenfelder ermöglichte. 

In der nebenstehenden Übersicht zeigt sich auch in der Zusammenfassung der individuell und kollektiv orientierten Wertesysteme ein wesentlich stärkeres Gewicht individueller Werte in der Welt von Martin Schulz gegenüber der Kanzlerin.

33 Gegenüber der Vorwoche ist das Wertebild für den SPD-Kandidaten unverändert geblieben. Ihm gegenüber hat sich jedoch die Situation der Kanzlerin deutlich verändert. Sie hat in Orange kräftig zugelegt und hat in diesem Wertemem den Herausforderer geringfügig überholt. Die damit zusammenhängende Verlagerung  in der Entwicklungsspirale geht vor allem zu Lasten von Blau, das nun deutlich schwächer ist als bei Martin Schulz. Das ebenfalls geschrumpfte Grün liegt nun auf gleichem Niveau mit dem von Martin Schulz. Alle anderen Wertesysteme spielen keine Rolle.

Ein Blick auf den Zeitverlauf zeigt, dass die Einbindung des SPD-Kandidaten in die Entwicklungsspirale seit drei Wochen konstant ist, wogegen bei Angela Merkel deutliche Schwankungen zu sehen sind, die wahrscheinlich ihrer Doppelrolle als Kanzlerin und Parteikämpferin geschuldet sind.

Ein abschließender Blick auf die Zusammenfassung der Wertesysteme nach ihrer individuellen bzw. kollektiven Ausrichtung zeigt, dass hier nur sehr geringe Unterschiede der Kandidaten bestehen. Damit hat sich gegenüber der Vorwoche ebenfalls eine Verschiebung ergeben, die vor allem die Kanzlerin betrifft.

34 In der vergangenen Woche hat sich die Angleichung der Wertewelten von Angela Merkel und Martin Schulz fortgesetzt, so dass nun eine nahezu vollständige Übereinstimmung der Wertesysteme erreicht ist. Soweit es die Grundhaltungen der beiden Kandidaten betrifft ist zumindest ihre Resonanz in der Öffentlichkeit nahezu gleich. Das schließt jedoch keine unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen in einzelnen Themenbereichen aus.

Wenn man den Weg des SPD-Kandidaten vom exponierten EU-Politiker zum Kanzlerkandidaten verfolgt, kann eine große Anpassungsfähigkeit festgestellt werden. Diese zeichnet sowohl Schulz, wie auch die Kanzlerin aus, die „auf zwei Hochzeiten tanzen“ muss.

Auch in der Zusammenfassung der WMeme nach dem Kriterium Ich – Wir zeigt sich eine nahezu 100 %-ige Übereinstimmung.

35 Auch in der 35. Kalenderwoche hat sich im Vergleich der Wertewelten beider Kandidaten nur wenig verändert. Daran konnte auch die sogenannte „heiße Phase“ des Wahlkampfs nichts ändern. Ein kleiner Unterschied besteht in dem geringfügig stärker gewordenen Anteil von Blau, der sich gegenüber der Bundeskanzlerin abhebt.

Die nahezu 100%-ige Übereinstimmung der Bilder für die Kandidaten zeigt sich auch bei dem nebenstehend erstmals abgebildeten VierQuadranten-Modell nach der Integralen Theorie. Geht man von einer Idealverteilung in diesem Modell aus, so müssten auf jeden Quadranten 25% Anteile entfallen. Im Bild der Kanzlerkandidaten trifft dieses für die rechte Seite des Quadrantensystems – in dem die individuellen und kollektiven Repräsentationen der „objektiven“ Wiklichkeit zu finden sind – nahezu ideal zu. Wegen der eingeschränkten Möglichkeiten der Erhebungsmethode ist eine Differenzierung der rechten Seite in Quadranten nicht möglich und für die hier interessierenden Zwecke auch nicht erforderlich. In der Grafik werden diese Quadranten zur Wahrung des bildlichen Eindrucks in einer 50%-Verteilung dargestellt.

Es bestätigt sich in dieser Grafik der tendenziell in der bisher dargestellten Gruppierung der WMeme gewonnene Eindruck, dass es eine weitgehende Zuspitzung auf die Personen Merkel und Schulz gibt, die sich auch in entsprechenden Werthaltungen wiederfindet. Leitend ist hierbei das Wertemem Orange, dass – wie auch hier im Quadranten-Modell nachzuvollziehen ist – im Bild für Deutschland allgemein schwächer zum Tragen kommt.

Auf der Ebene von Deutschland als Ganzem überwiegt dagegen die rechte Seite des Quadrantensystems in dem auch die WMeme Rot und Grün eine größere Rolle spielen.

Die hier sehr bewusst sehr pauschal dargestellte Situation des Wahlkampfes stimmt mit dem Tenor der Kommentare zum „Kandidatenduell“ überein, das von vier bedeutenden Fernsehanstalten gleichzeitig übertragen wurde.

36 und 37

 

 

 

 

 

In den Wertewelten der Kanzlerkandidaten hat sich in der 36. und 37. Kalenderwoche praktisch nichts gegenüber der 35. KW verändert. Eine weitere Beobachtung bis zum Wahltermin kann nur noch Langeweile produzieren und deshalb schließe ich diesen Beitrag mit den beiden nebenstehenden Grafiken ab.

Ein Resümee dieser Wahlkampfbeobachtung bestätigt, dass im Wahlkampf nicht nur die Sachprogramme auf eingängige Signale geprägt werden, die den Horoskopen in den Presseerzeugnissen der Yellow-Press nicht unähnlich sind, sondern auch die Sprachsignale mit werthaltigen Aussagen dem Mainstream angepaßt werden, so dass sie auf ihn zurückgespiegelt werden. Dieser Vorgang bewirkt zwangsläufig eine nahezu 100%-ige Übereinstimmung der Kandidaten. Beim Kandidaten der SPD ist dies sehr gut nachzuvollziehen. Als exponierter Europapolitiker stand er zu Beginn seiner bundespolitischen Laufbahn ganz unter dem Einfluss des blauen Wertesystems – Europa stellte für ihn eine idealisierte Idee dar, der Martin Schulz zu dienen gelobt hatte. Im Verlauf weniger Wochen erfolgte ein Austausch der blauen Anteile seiner Wertewelt gegen Orange. In diesen Verhältnissen stellt sich allerdings die Frage, ob ein solcher Wandel glaubwürdig vermittelt werden kann. Die Umfrageergebnisse für Martin Schulz lassen vermuten, dass seine schlechten Wahlaussichten auch im Wandel vom Europapolitiker zum Bundespolitiker zu suchen sind – zumal Europa als politische Idee von weiten Teilen der Deutschen eher kritisch gesehen wird.

 

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G20, die Stadt und die Gewalt

Wie kaum ein Ereignis hat der in Hamburg abgehaltene G20-Gipfel das Wesen der Stadt ansich aufscheinen lassen. Aus dieser Sicht ist es richtig, Veranstaltungen wie diese in den Metropolen der Welt durchzuführen. Hier sind die Brennpunkte der herrschenden Politik von der Hochkultur für die Geldeliten bis zu den Straßenkämpfen der Straßengangs, den Jugendprotesten in den Armenvierteln und dem zivilen Ungehorsam im Widerstand gegen die kapitalistische Verwertung der letzten sozialen Räume in den Städten. Alles was Stadt als Symbol für die Zivilisation nach westlichem Vorbild ausmacht, ist in Hamburg für zwei Tage zusammengekommen. Da sind die sozialen und rassischen Konflikte der USA mit ihren no go areas, die Straßenkinder in südamerikanischen Städten, die Wohnungsvertriebenen in Istanbul, das Millionenheer der Wanderarbeiter in den neuen Metropolen Chinas, die Müllkippenbewohner Afrikas um nur wenige Brennpunkte zu nennen. Auch in deutschen Großstädten werden diese Folgen kapitalistischer Wirtschaftsweisen sichtbar – wenn auch hier länger von der Substanz besserer Zeiten (eines gebremsten Kapitalismus) gezehrt wird.

Wen sollte es wundern, dass sich die Konflikte aus allen Teilen der Welt wie in einem Brennglas in einem kleinen Raum wie Hamburg spiegeln, der dazu noch in Ghettos für die Darsteller ihrer Anliegen zerteilt wurde. Es besteht kein Grund, die Veranstaltung als „überschattet von gewaltsamen Ausschreitungen“ zu charakterisieren. Diese Veranstaltung hat vielmehr der Öffentlichkeit der Welt vor Augen geführt, welche Gegensätze zwischen den Gewährsträgern der Schattenbanken und den um ihre Städte betrogenen Menschen bestehen. Den durch die Folgen des Gipfeltreffens Geschädigten steht eine angemessene Entschädigung nach dem Verursacherprinzip zu – Frau Merkel, übernehmen Sie!

Doch es geht nicht nur um die materiellen Schäden. Der politische Schaden an der Demokratie ist tiefgreifender und nur durch verstärkten Widerstand gegen die Beschneidung der Bürgerrechte zu beheben.

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Gefühle der Deutschen im Juni 2017

Der Juni stand im Zeichen schwerer Katastrophen, die durch Wettereinflüsse und/oder menschliche Einflüsse verursacht oder mitverursacht wurden. Zu den stimmungsdämpfenden Einflüssen kamen der Tod des Altkanzlers Kohl und eines von Nord-Korea freigegebenen amerikanischen Studenten hinzu. Emotionale Höhepunkte bildeten ein neuer  Terroranschlag in London und der Brand eines Wohnhochhauses in London mit vielen Toten. Innenpolitisch war das Geschehen von den Koalitionsverhandlungen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sowie den Wahlvorbereitungen von Grünen, SPD und CDU bestimmt. Besondere Beachtung fanden dabei programmatische Aussagen, die Spekulationen über mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl ermöglichen würden. In diesem Zusammenhang standen auch die Absetzbemühungen der SPD, sich aus den Fängen der CDU als derzeitigem Partner in der großen Koalition zu befreien. Hierzu bot sich das in den C-Parteien heftig umstrittene Thema der „Ehe für alle“ an, das als unerledigtes Wahlversprechen der SPD seit der letzten Bundestagswahl zur Verwirklichung ansteht, an. Außenpolitisch standen die Parlamentswahl in Frankreich im Mittelpunkt, die dem politischen Senkrechtstarter Macron nun auch eine solide parlamentarische Basis bescherte, jedoch wegen der massenhaften Wahlenthaltungen ein erhebliches Demokratiedefizit im politischen System Frankreichs offenbarte. Mit der Isolierung des arabischen Kleinstaats Katar durch seine arabischen Nachbarn ist ein neuer Blickwinkel im vorderen Orient entstanden, der die Beurteilung der ohnehin schon komplizierten Interessenverflechtungen in dieser Weltregion noch schwieriger macht. Neben diesen Schwerpunkten gab es die schon zur Routine gewordenen Trump-News, die zu verschiedenen politischen Reaktionen in Europa führten.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz zukommt.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
 03. Juni Zufriedenheit Rock am Ring geht weiter, Verfassungsschutz: Herrmann für Beobachtung mutmaßlich islamistischer Kinder, Große Teile des Personals im BAMF nicht ausreichend qualifiziert, Anschläge in Kabul, Rechter CDU-Flügel attackiert Merkels Klimakurs, Proteste in Marokko, Parlamentswahlen in Malta, Tag der Organspende
 04. Juni Freude Nach dem Anschlag: Lage in London, Nach dem Anschlag: Bestürzung und Trauer in aller Welt, Papst betet bei Pfingstmesse für die Angehörigen, Gedenken an die Opfer auch bei Pfingstfeiern in Deutschland, Premierminister Muscat in Malta wiedergewählt, Massenpanik bei Public Viewing in Turin
 06. Juni Hoffnung Schweigeminute nach Anschlag in London, Vorfall vor Notre-Dame in Paris, Offensive auf syrische Stadt Rakka gestartet, Katar nach Boykott der Nachbarstaaten unter Druck, US-Whistleblowerin festgenommen, USA kritisiert Menschenrechtsrat der UN, Warnung vor Vermüllung der Weltmeere bei Ozean-Konferenz, Demonstrationen in Moskau wegen umstrittenen Wohnprojekts, Mieterbund kritisiert Wohnungspolitik der Bundesregierung
 07. Juni Vertrauen, Zufriedenheit BVerfG kippt Brennelementesteuer, Anschläge auf Mausoleum und Parlament in Teheran, Gabriel trifft saudi-arabischen Außenminister, Kabinett billigt Bundeswehr-Abzug aus Incirlik, Chef der Amnesty International Türkei festgenommen, SPD legt neues Renten-Konzept vor, Fiskus entgingen fast 32 Millionen Euro durch Cum-Ex-Deals, EU-Kommission plant gemeinsamen Verteidigungsfond, Vor der Parlamentswahl in Großbritannien, Neuer FBI-Chef ernannt, Studie zu Todesopfer an innerdeutscher Grenze
 11. Juni Zufriedenheit Parlamentswahl in Frankreich, May unter Druck, Reisefreiheit in der Ukraine, Linkspartei verabschiedet Wahlprogramm, Brand in Flüchtlingsunterkunft in Bremen, Easyjet-Zwischenlandung in Köln, Digitaler Wandel ist Themenschwerpunkt auf Ideen-Expo
 13. Juni Kraft, Glück May setzt Regierungsbildung fort, EU-Kommission geht rechtlich gegen Polen sowie Tschechien und Ungarn vor, Ungarn will NGOs stärker kontrollieren, Ausbau der Breitbandnetze ist Hauptthema beim Digitalgipfel, Studie zu Fake News, Jamaika-Koalition in Kiel steht, Schießerei nach Polizeieinsatz in Unterföhring, Ermittlungen gegen Ronaldo wegen Steuerhinterziehung
 16. Juni Kraft, Glück Altkanzler Helmut Kohl gestorben, Reaktionen auf Kohls Tod, Euro-Gruppe einigt sich auf neue Hilfstranche für Griechenland, Grüne beraten über Wahlprogramm, CDU und FDP stellen NRW-Koalitionsvertrag vor, Proteste nach Hochhausbrand in London
 17. Mai Vertrauen, Freude Grünen-Parteitag diskutiert Wahlprogramm, Trump ändert Kuba-Reisebestimmungen für US-Bürger, Nach der Brandkatastrophe von London, Wahlstart in französischen Überseegebieten, Anschlag in Jerusalem, Demonstration von Muslimen gegen Gewalt, Merkel besucht den Papst, Trauer um Altkanzler Kohl, Gedenken an DDR-Volksaufstand von 1953, Kieler Woche eröffnet
 18. Juni  Zufriedenheit Parlamentswahlen in Frankreich, Verheerende Waldbrände in Portugal, Irakische Armee startet Sturm auf Altstadt von Mossul, Incirlik-Abzug soll bis Oktober abgeschlossen sein, Grünen verabschieden Wahlprogramm, Kritik an Überwachung von Messenger-Diensten, Civil G20-Gipfel in Hamburg begonnen, Niedersachsens Innenminister Pistorius lehnt generellen Abschiebestopp ab, Merkel trägt sich in Kondolenzbuch für Altkanzler Kohl ein, Britische Regierung bekräftigt Brexit-Pläne
20. Juni Vertrauen, Kraft, Mut Von Nordkorea entlassener US-Student Warmbier gestorben, Tag der Deutschen Industrie: Wirtschaft fordert mehr Investitionen, Weltflüchtlingstag: Aufrufe zu internationaler Hilfe, EGMR verurteilt russisches Anti-Homo-Gesetz, Katar fordert Saudi-Arabien zur Rücknahme der Sanktionen auf, Lage nach Waldbränden in Portugal, Ermittlungen gegen Fußballtrainer Mourinho wegen Steuerhinterziehung
23. Juni Vertrauen, Kraft, Zufriedenheit Macron und Merkel demonstrieren Einigkeit nach EU-Gipfel, Oberverwaltungsgericht untersagt G20-Protestcamp in Hamburg, Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung vorgelegt, Dobrindt stellt Plan für Schienengüterverkehr vor, Koalition einigt sich auf Gesetz gegen Hetze im Internet, UN-Geberkonferenz: Uganda braucht mehr Hilfen für Flüchtlingspolitik, Arabische Staaten erhöhen Druck auf Katar, Defekter Kühlschrank soll Hochhausbrand in London ausgelöst haben, Schwere Gewitter mit Starkregen richten weitere Schäden im Norden Deutschlands an
25.  Juni Vertrauen, Glück SPD verabschiedet Wahlprogramm, CDU berät über Leitsätze in der Steuerpolitik, 50.000 Menschen protestieren gegen belgische AKW, Parlamentswahlen in Albanien, Türkische Behördern verhindern Gay-Pride-Marsch in Istanbul, Feiern zum Ende des Ramadan begonnen, Mindestens 148 Tote bei Brand von Tanklastwagen in Pakistan, Zahl brandgefährdeter Hochhäuser in Großbritannien steigt auf 60, Suche nach Überlebenden nach Erdrutsch in China geht weiter, Waldbrände im Donana Nationalpark in Spanien

Wie bereits in den vorausgegangenen Zyklen zu sehen war, finden die stärksten Bewegungen in den Gefühlsbereichen Vertrauen, Glück, Zufriedenheit und Kraft statt, wobei Vertrauen sich als sensibelster Gefühlswert zeigt. Vertrauen ist die Währung der Politik und so verwundert es nicht, dass sensible Politiker wie der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert in einem Interview kürzlich feststellte, dass das vertrauen in allen bereichen immer mehr verloren gehe. Besonderes Augenmerk verdienen die seltenen Ausschläge im Verlauf der Offenheits- und Aktivitätslinie, die handlungsorientierte Bedeutung und Aussagekraft für Veränderungsbereitschaft haben. Diese Ausschläge stehen mit großer Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit dem kurz zuvor erzielten Ergebnis der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, das Veränderungen in der Zusammensetzung einer zukünftigen Landesregierung unumgänglich macht.

Die Situation wird übersichtlicher, wenn die Entwicklungslinien als Trendverläufe dargestellt werden:

Im Kurzzeit-Trend über den Juni sind die „Prüfwerte“ für die innere Stimmigkeit des Gesamtprofils (Gesamt, Allgemeinbefinden) geradlinige Konstanten, für die keine Vergleichswerte vorliegen. Solange die Verläufe dieser Gefühlswerte stabil sind, kann hypothetisch davon ausgegangen werden, dass die Ungleichgewichte innerhalb der Gesellschaft emotional zum Ausgleich gebracht werden können. Diese Aussage steht allerdings unter der Einschränkung, dass sie nur für die Warnehmung gilt, soweit sie sich im Internet niederschlägt. Insbesondere schließt sie nicht aus, dass bestimmte Personengruppen oder Milieus hiervon nicht erfasst werden.

Von den vier stärksten Gefühlen verlaufen Vertrauen, Kraft und Glück mit positiver Tendenz. Dagegen nimmt die Zufriedenheit deutlich ab. Hiermit korrespondieren die ebenfalls abnehmenden Tendenzen von Mut und Hoffnung. Die bereits auf sehr niedrigem Niveau verlaufende Offenheit nimmt tendentiell weiter ab. Hierin könnte sich eine Abwehrhaltung zeigen, die eine Panzerung gegen weitere negative Einflüsse auf den Gefühlshaushalt bedeuten würde. Psychologisch ausgedrückt könnte es sich um regressive Tendenzen handeln, die hier den Hintergrund bilden.

In der Gegenüberstellung der Kurzzeit-Trends vom Mai und dem aktuellen Trend bis zum Ende Juni ist als wesentlichste Veränderung eine Trendumkehr für das Vertrauen zu sehen. Hierin bestätigt sich der in den Tageswerten zu sehende Trend zu kurzzeitigen Reaktionen, die den Charakter der „politischen Währung“ unterstreichen. Eine deutliche Trendänderung gibt es daneben nur noch im Bezug auf die Zufriedenheit, die sich mit deutlich stärker abnehmender Tendenz zeigt. Die Häufung von negativen Nachrichten mit vielen Toten hat auch zu einer Umkehr des Trends zur Freude (Richtung Trauer) bewirkt, der nun in abnehmender Richtung verläuft. Darüber hinaus setzen sich die Trends der übrigen Gefühlswerte (Mut, Offenheit, Aktivität, Glück, Hoffnung) nahezu unverändert fort. Zu beachten ist hierbei, dass der bisher leicht abnehmend gerichtete Gesamttrend nun in den waagerechten Verlauf zurückgekehrt ist.

Ein Blick auf den langfristigen Trend zeigt, dass die dominierenden Gefühlswerte Vertrauen und Zufriedenheit in gegensätzliche Richtungen zeigen. Hierin drückt sich ein wachsendes Bewusstsein von Ohnmacht aus, die daraus entsteht, dass die gesellschaftliche und politische Ordnung auf Repräsentanz und Arbeitsteilung aufgebaut ist, die dem Individuum nur noch in kleinen Aktionsmustern Verwirklichungs– und Einflussmöglichkeiten lässt und gleichzeitig die Ansprüche, die das Individuum an das Leben und damit auch an die Gesellschaft hat, nicht befriedigen kann. Auf eine vereinfachende Formel gebracht bedeutet dies, die Gleichung persönliche Freiheit gegen die persönliche Vorstellung von einer friedlichen Welt und persönlichem Glück geht für immer mehr Menschen nicht mehr auf. Damit einher gibt es eine wachsende Bereitschaft zu Veränderungen, die sich in wachsender Offenheit ausdrückt.

 

 

 

 

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Düsseldorf in der Entwicklungsspirale der Evolution

Stadtwappen von Düsseldorf; Quelle: Wikipedia, gemeinfrei

Das Wappen der Stadt Düsseldorf deutet auf die seit dem Mittelalter gewachsene Bedeutung als Stadt hin und drückt in seiner Symbolik die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Rheinschifffahrt und durch den bergischen Löwen von den früheren bergischen Herzögen aus.

In der Wikipedia wird die offizielle Beschreibung des Wappens wie folgt wiedergegeben:

„In Silber (Weiß) ein blau gekrönter, – gezungter und – bewehrter zwiegeschwänzter steigender roter Löwe, einen gesenkten blauen Anker in den Pranken.“ Das Wappen zeigt den bergischen Löwen und als Sinnbild der Lage am Rhein den Anker. Es ist seit dem 18. Jahrhundert in Gebrauch und geht zurück auf ein Siegel des Schöffenkollegs von 1555. Das Wappen wurde durch königliche Kabinettsorder am 22. Dezember 1817 erstmals genehmigt. Otto Hupp hat es 1938 neu gezeichnet.“

Das Wappen enthält keinen Hinweis auf den Namen der Stadt, der auf den hier in den Rhein mündenden kleinen Fluss Düssel zurückgeht.

Über die funktionale Bedeutung hinaus zeigt das Wappen in seinen Symbolen auch tiefere allegorische, mythische und psychologische Bedeutungen an, die hier kurz umrissen werden. Unter den Raubtieren zeichnen sich Großkatzen wie der Löwe auf Grund ihres Geschicks für die Pirsch und den überfallartigen Angriff auf ihr Opfer durch rasches und gezieltes Töten aus. Sie erlegen ihre Beute mit einem einzigen Sprung und einem Biss ins Genick oder bei großen Tieren durch die mächtige Kraft ihrer Muskeln. Ihr Prestige verdanken sie nicht ihrer Schnelligkeit, sondern ihrer Stärke, geschmeidigen Eleganz, wollüstigen Sinnlichkeit und ihrem prachtvollen Fell. Mit der beschützenden Anmut und noblen Autorität, die sie ausstrahlen, inspirieren sie Kriegergesellschaften und schamanische Zauberei, aber auch eindrucksvollste Bilder majestätischer Göttlichkeit.

Löwen sind die geselligsten der Großkatzen. Sie ziehen in Rudeln über die Savannen und erinnern in ihrem wesen an majestätische Würdenträger. Ihr lohfarbenes Fell und die üppige Mähne der Männchen, die Art, wie die Männchen ihr Territorium und ihr Rudel bewachen, und die Fähigkeiten der Weibchen als Jägerinnen und Mütter assoziieren die Löwen mit Gold, solarer Pracht, heroischem Überleben und dem sonnengleichen Edelmut sowie der Leidenschaft von Erlösern und Herrschern. Schon vor 32000 Jahren zeichneten Höhlenmaler Gruppen von Löwen an die Wände der Chauvet-Höhle in Südfrankreich.

Im alten Ägypten galten die an den Wüstenrändern lebenden Löwen als Wächter am östlichen Horizont (Sonnenaufgang) und am westlichen Horizont (Sonnenuntergang) und repräsentierten die schöpferischen Energien von Zerfall und Werden. Die Kriegsgöttin Sekhmet, als Löwin oder löwenköpfig dargestellt, ist das aufmerksame, manchmal zornige „Auge“ des Sonnengottes Ra, die heißen Wüstenwinde sind ihr Atem, und ihr Leib strahlt vor feuriger Glut. Der Grüne Löwe der Alchemie , der die Sonne verschlingt, evoziert, wie verborgene merkurische Energien der instinkthaften Psyche die glühende Hitze des Intellekts überwältigen können und damit den Geist heftigen Ängsten von Dunkelheit und Niedergang unterwerfen.

Löwen werden manchmal mit mythischen Kreaturen wie dem Einhorn gepaart. Diese Darstellungen rufen den Eindruck dynamischer Spannungen der Natur und der Mischung ihrer beseelten, geistigen und körperlichen Energien hervor.

In Traumbildern wie dem von einer Großkatze, die sich im Haus oder im Garten herumtreibt, warnt uns die Psyche, dass wir mit der Libido einer Großkatze identifiziert werden und etwas Abstand gewinnen sollten. Solchen Antrieben dadurch zu begegnen, dass wir Großkatzen töten oder einsperren, heißt, eine der außergewöhnlichsten Verkörperungen kreativer Aggressivität und unabhängigen Instinkts brutal zu unterdrücken. Die Lösung scheint darin zu liegen, sich im Gleichgewicht innerhalb klarer Grenzen zu bewegen. (Kursiver Text nach: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011)

Das neben dem Löwen verwendete Hauptmotiv des Ankers stellt eine Beziehung zur Schifffahrt her, die jedoch erst spät mit der Industrialisierung Düsseldorfs im 19. Jahrhundert zu einem bedeutsamen Wachstumsfaktor wurde. Sein Ursprung geht jedoch bis auf die Stadterhebung im 13. Jahrhundert zurück und hat deshalb eine andere Bedeutung als moderne Verwendungen des Ankermotivs, die religiöse Treue im Glauben symbolisieren. Bis zum Beginn der Industrialisierung leitete die Stadt ihr Selbstverständnis von den verschiedenen Residenzen des Adels, die sich hier befanden, ab. Der Wandel von der Residenzstadt zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte in Deutschland und die damit verbundenen Spannungen drücken sich in dem Wappen der Stadt aus, obwohl dieses nach den heraldischen Regeln nicht beabsichtigt sein konnte.

Die Farben Rot und Blau stehen für Leben und religiöse Transzendenz. Rot bezieht sich auf die Erfahrungen des Menschen mit Blut und Feuer. Verlässt das Blut den Körper, gerät er bei Blutverlusten über einen Liter in akute Lebensgefahr. Die Glut des Feuers signalisierte in den frühen Kulturen Annehmlichkeit und Schutz, geriet sie außer Kontrolle, bedeutete – und bedeutet sie bis heute – Gefahr und Vernichtung. Nicht ohne Grund ist Rot auch für moderne Menschen eine Warnfarbe. Andererseits stellt sie Lebenskraft und Libido, sexuelle Leidenschaft oder Aggression und Wut dar. Vor allem sexuelle Anklänge sind in der Sprache reichlich zu finden – vom Rotlichtviertel bis zum scharlachroten Buchstaben. Bei den antiken Römern und seit dem 17. Jahrhundert ist Rot die Farbe des Krieges und der Revolution.

In der Alchemie war das Röten (rubedo) das letzte Stadium des langen Prozesses der Goldgewinnung. Psychologisch entspricht dieses der Integration der Persönlichkeit. „Damit war nicht weniger gemeint, als die geistige Erkenntnis in heißblütige Realität zu verwandeln, die im Alltagsleben voll und ganz ausgelebt wurde.“

Die Farbe Blau dient im Düsseldorfer Wappen zur Hervorhebung von Krone, Zunge und Krallen des Löwen sowie für die Darstellung des Ankers. Durch die Blaufärbung der Krone wird ihre solare Symbolik zum Verschwinden gebracht und ihr Aspekt als Bürde königlicher Macht hervorgehoben, wie in Shakespeares Heinrich IV gesagt wird oder als Dornenkrone bei der Kreuzigung Christi. Dennoch ist die Krönung bis heute ein erstrebenswertes Ziel – nicht nur in den Phantasien der Kinder und bei den Anwäterinnen auf einen Titel als Schönheitskönigin. In Shakespeares Heinrich IV. lamentiert der König: „Unbehaglich ruht der Kopf, der die Krone trägt“.(Kursiver Text nach: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011) In der Verbindung von Krone und Anker ist der seit dem Mittelalter zunehmende Streit zwichen transzendenter Macht des Papstes und weltlicher Autorität, sowie zwischen Handelsmacht der Stadt und territorialer Macht des Adels angedeutet. Die Zunge symbolisiert die schicksalhafte Macht der Sprache, die Schaffen und Zerstören kann und ein wirkungsvolles Mittel in diesen Auseinandersetzungen darstellt. Krallen dienten – wie auch Nägel – bereits in frühen Kulturen als Schmuck und Talisman. Sie verkörpern eine kraftvolle Effektivität beim Zupacken und Zerreißen von Fleisch, beim Zerfetzen, Durchstechen und Manipulieren. Bereits im alten Ägypten wurden sie von Frauen als modisches Statement eingesetzt, über das Gefährlichkeit und Sexualität in einer Art verlockender Maskerade ausgedrückt werden konnten. Lange Nägel, die auf eine Regression oder eine mythische Kontamination mit unbewussten Energien verweisen, wurden mit dem arbeitsscheuen Aristokraten, der verführerischen Femme fatale, dem „toten“ Vampir und mit Hexen sowie Zauberern assoziiert. 

Blau zieht uns in die wilde, blaue Ferne, in die tiefe blaue See hinein. Es ist über Meer und Himmel hinaus die seltenste Farbe in der Natur und hat daher etwas Überirdisches. Homer hatte kein Wort für blau und bezeichnete das Meer als dunkel. In den meisten Sprachen der Welt wird für „blau“ und „grün“ das gleiche Wort verwendet. Goethe meinte, „….eine blaue Fläche  scheint vor uns (W. B.: Irdischen) zurückzuweichen …“, und er war der Meinung, dass Blau „…uns mitzieht“. Die von den Menschen geschaffenen Götterbilder zeigen deshalb in den großen Religionen des Orients viel Blau. Im Christentum wird die Jungfrau Maria mit dem blauen himmlischen Mantel dargestellt; sie ist die Erde, die vom blauen Himmelszelt bedeckt ist.

Blau ist mit Ewigkeit verknüpft, dem Jenseits, überirdischer Schönheit, religiöser Transzendenz, dem Spirituellen und Mentalen als Gegensatz zum Emotionalen und Körperlichen und mit Loslösung vom Irdischen. Psychologisch betrachtet, kann Blau als ein Mittelweg zwischen schwarzer Verzweiflung und dem Weiß von Hoffnung und Klarheit gesehen werden und verweist auf einen Zustand der Reflexion und des Abstands.

Wenn dieses himmlische Blau in der Alltagssprache vorkommt, wird seine Symbolik weniger eindeutig, verweist jedoch oft auf das Besondere, Höchste, am meisten Geschätzte – das blaue Band für einen ersten Preis, Blue Chips, ein Blaublütiger (Adliger), eine Bezeichnung, die übrigens darauf zurückzuführen ist, dass die Adern der früher traditionell besonders hellhäutigen Aristokraten unter der weißen Haut bläulich schimmerten. (Kursiver Text nach: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011)

Als Stadtfarben der Flagge sind Rot und Weiß festgelegt. Für Rot wird auf die entsprechenden Erläuterungen zum Wappen verwiesen.

Weiß spielt zwischen Gegensätzen. Es ist weiß glühende Hitze und eisige Kälte oder ein Verschmelzen von Feuer und Eis. Auf Weiß wird alles oder nichts projiziert. Der Psychologe Rudolf Arnheim stellte fest, dass Weiß „ein Symbol der Integration ist, ohne jedoch dem Auge die Vielfalt der vitalen Kräfte darzubieten, die es einbezieht, entsprechend ist es vollkommen und leer wie ein Kreis“. In seinem Gedicht „Adonais“ spricht Shelley vom „weißen Glanz der Ewigkeit“. Für Melvilles  Kapitän Ahab vermittelt der weiße Wal Moby Dick die Unbestimmtheit und Weite des Universums und menschliche Ängste vor Vernichtung. Weiß evoziert makellose, monotone Landschaften – den endlosen, welligen Sand arabischer Wüsten oder die kristallinen Gletscher und vereisten Böden der Arktis. Das polare Whiteout löscht sogar Schatten aus, eliminiert den Horizont und trügt unsere Wahrnehmungen von Größenordnung und Tiefe. Doch Weiß ist auch Frische und Anfang, die Farben in sich bergen. Das kürzeste Weiß der frühen Morgendämmerung weicht Rosa- und Safrantönen. Ein unberührtes Schneefeld absorbiert die Töne des über ihm schwebenden Himmels und des wechselnden Sonnenlichts. Weiß suggeriert Nebel, Dampf und Äther und die vorgestellte Leere und Stille, die dem ersten Klang, den ersten Farben einer sich herausbildenden Welt unmittelbar vorausging. Taufanwärter und Initiierte der antiken Mysterien kleideten sich in die weißen Gewänder von Wiedergeburt, Einfachheit und Erneuerung.

Für die Alchemie hatte Weiß eine Bedeutung als grundlegender Aspekt des Opus Magnum. Für die Alchemisten hatte Weiß einen polaren Charakter.  Einerseits bedeutete es kindhafte Naivität, Unwissenheit, Unreife und Mangel an Erfahrung, andererseits repräsentierte es die Asche oder das Salz bitteren Leids und hart gewonnener Weisheit, die sich auch im weißen Haar des alten Menschen zeigte. Dieser Entwicklungsprozess von der unerfahrenen Jugend zum weisen Greisentum kam in der zweiten Weiße oder albedo zum Ausdruck, die als Zustand der Erhellung oder als Erwachen der unbekannten Persönlichkeit im Bewusstsein begriffen wurde. Für manche Alchemisten war mit der albedo das Ziel erreicht, für andere war das Opus Magnum nur dann vollendet, wenn sich die Morgendämmerung in das rubinrote Leuchten des Sonnenaufgangs verwandelte. (Kursiver Text nach: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011)

Für die erläuterten Symbole finden sich wahrscheinlich in Düsseldorf vielfache Bezüge, die sich intuitiv erschließen und hier – auch aus mangelndem Einblick in die Düsseldorfer Kultur  – nicht aufgeführt werden können.

Düsseldorf ist mit 612.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Nordrhein-Westfalen. Auf der Suche nach charakteristischen Wesenszügen des Düsseldorfers landete ich via Google bei der „rheinischen Frohnatur“ und ihrer Geselligkeit, die mir als gelegentlichem Besucher der Düsseldorfer Altstadt als „längster Theke der Welt“ plausibel erschien. Ein Vergleich der Suchergebnisse für die „rheinische Frohnatur“ zwischen Köln und Düsseldorf ergab ein eindeutiges Ergebnis: Düsseldorf first, um mit Donald Trump zu sprechen. Weitere Eigenheiten sind der Straßenkarneval, der schon immer etwas frivoler war, als der kölnische (in Düsseldorf gibt es keinen Bischof), die Düsseldorfer Kunstakademie, die einen Joseph Beuys bekannt machte – und nicht nur ihn, die große japanische Kolonie, die einmal im Jahr die Stadt in eine Märchenkulisse verwandelt, die Königsallee, die traditionell als Synonym für die Konsumwelt gilt und vieles mehr. Charakteristisch für Düsseldorf erscheint es mir, dass keine der dort ansässigen Institutionen und von dort ausgehende Aktivitäten es geschafft haben, der Stadt einen Stempel aufzudrücken. Das mag schlecht für das Stadtmarketing sein – der Stadt schadet es nicht. Und so hat man das wohl auch bei den Verantwortlichen für die Außendarstellung der Stadt gesehen, die bewußt auf einen Slogan für ihre Stadt verzichteten. Die geografische Lage in Nachbarschaft zum Ruhrgebiet und am Rhein in Verbindung mit der verkehrlichen Erreichbarkeit geben der Stadt eine hohe Zentralität, die durch ihre Funktion als Landeshauptstadt noch unterstützt wird.

Nachfolgend möchte ich dieses Bild der Stadt für die Ansprüche an Düsseldorf als Sehnsuchtsort weiter vervollständigen und hierzu die Methoden der Spiral Dynamics und der Integralen Theorie verwenden.

Wertesysteme von Düsseldorf

In einem ersten Schritt werde ich kurz die in der nebenstehenden Grafik abgebildeten Wertesysteme im Bezug auf Düsseldorf  beschreiben. Es ergibt sich ein sehr ausgeglichenes Bild mit einem starken Orange und den flankierenden Wertesystemen Blau und Grün, die im Verhältnis zueinander gleich stark sind. Der Rückstand bei Orange im Vergleich zu der wesentlich größeren Landeshauptstadt München beträgt etwa 3%-Punkte. Der wesentlichste Unterschied zu München liegt in einem wesentlich höheren Anteil von Blau. Dagegen zeigt sich in München ein etwas stärkeres Grün. Im Vergleich zu Köln unterscheidet sich Düsseldorf ebenfalls deutlich. Die größten Unterschiede bestehen in einem um etwa 8%-Punkte stärkeren Orange, einem um 3%-Punkte schwächeren Blau sowie deutlich schwächer ausgebildeten Anteilen von Gelb und Türkis.

Düsseldorf hat sich zum „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ und einer weltoffenen Stadt entwickelt. Zahlreiche Firmenzentralen der für das Ruhrgebiet wichtigen Wirtschaftszweige sind hier beheimatet, darüber hinaus die Europa-Zentralen einiger japanischer Konzerne, die Düsseldorf zu einer der größten „Kolonien“ japanischer Einwohner gemacht haben. Das Spektrum der Wertesysteme zeigt keinerlei Spannung und daher kaum Dynamik an – wie es von einer Bürokratie zu erwarten ist, die wie eine geölte Maschine funktioniert. Eine Folge hiervon ist die im Vergleich zu Köln schwache Entwicklung spiritueller Energien in der zweiten Ordnung der Entwicklungsspirale, die für neue Impulse in den übrigen Wertesystemen sorgen könnten. Das Kräftegleichgewicht zwischen Blau und Grün ist für diese Blockade verantwortlich. Deshalb könnten unbequeme egozentrische Initiativen aus dem roten Wertesystem Bewegung in die Stadt bringen.

Wertesysteme von Düsseldorf in Differenz zu Deutschland

Ein Vergleich mit dem Bild der WMeme von Deutschland zeigt für Düsseldorf einen erheblichen Vorsprung von Orange, ein relativ starkes Zurückbleiben von Blau und Grün und starkes Gelb sowie geringfügig stärkeres Rot. Bei der Bewertung dieses Vergleichs ist zu berücksichtigen, dass in den Werten für Deutschland alle ländlichen und kleinstädtischen Räume enthalten sind, die tendenziell höhere Werte bei den in der Evolution früher anzusetzenden WMemen ergeben. Daran gemessen ist der Anteil von Orange als sehr hoch zu bewerten, obwohl er gegenüber dem Jahr 2010 um etwa 5% geringer geworden ist und zu einer Stärkung von Grün  geführt hat, die jedoch ein nachholendes Wachstum von Blau zur Folge hatte. Immerhin haben diese Kräfteverlagerungen jedoch dazu ausgereicht, einen deutlichen Übergang von Grün zu Gelb zu bewirken, der für eine dauerhafte Entwicklung jedoch nach Türkis fortgesetzt werden muss.

Problemfelder; Legende: 1=Kriminalität; 2=Anerkennung; 3=Angst; 4=arbeitslos; 5=Armut; 6=teuer; 7=billig; 8=Scheidung; 9=Miete; 10=langweilig; 11=krank; 12=gesund; 13=Gewalt; 14=beweglich; 15=unbeweglich; 16=Offenheit; 17=Nachhilfe; 18=Umweltschutz; 19=Rassismus; 20=Drogen

In einem weiteren Schritt werden die Gewichte von 20 Problemfeldern und Einzelwerten dargestellt, die eine genauere Struktur des Lebens in Düsseldorf darstellen. Die Begriffe wurden so gewählt, dass sie eine möglichst eindeutige Konnotation  haben bzw. auf komplexere Problemfelder hinweisen, z. B. „teuer“ für Preisentwicklung, Nachhilfe für Schulprobleme, Mobilität für Arbeitspendler, Erreichbarkeit von Versorgungsstrukturen für Alte und Behinderte usw.. In den Problemfeldern Preise, Krankheit und Mobilität bestehen Ambivalenzen, die eine Konnotation schwierig machen. Deshalb wurden diese Problemfelder durch ihre Gegenpole abgebildet. Mit Abstand das bedeutendste Problemfeld stellen die Preise, abgebildet durch die Begriffe „teuer“ und „billig“, dar. Das Pendel schlägt hier sehr stark zur Seite von „billig“ aus. Eine mögliche Erklärung hierfür kann die mit diesem Begriff operierende Werbung sein, so dass dieser Wert eher ein Maß für die auf die Stadt bezogene Produktwerbung im Internet ist, wogegen „teuer“ eher für die Verbraucherseite stehen wird. Es folgt das Problemfeld Gesundheit, das durch die Begriffe „krank“ und „gesund“ abgebildet wird. Hier überwiegt „gesund“. Da Gesundheit gewöhnlich naturgegeben ist und im sprachlichen Umgang nicht besonders erwähnt wird, ist auch hier ein werbender Hintergrund, der nicht auf professionelle Werbung beschränkt ist, sondern auch in Empfehlungen von Anwendern „gesunder“ Produkte, z. B. in Internetforen, vorkommt, zu vermuten. Demgegenüber ist der Begrigff „krank“ deutlich schwächer ausgeprägt, so dass hier im Ergebnis ein enormes Interesse an dem Geschäft mit der Gesundheit abzulesen ist, ohne jedoch eine günstige Wirkung davon feststellen zu können – denn der Gegenpol „krank“ für sich gesehen stellt ebenfalls eines der größten Problemfelder dar. Es folgen die Problemfelder Angst, Miete, Gewalt, langweilig und Anerkennung. Am Ende der Skala befindet sich Mobilität, ausgedrückt durch „beweglich“ und „unbeweglich“. Hierbei spielt die Unbeweglichkeit eine sehr geringe Rolle. Dieses Ergebnis  entspricht der Verkehrsinfrastruktur einer Großstadt wie Düsseldorf und ist lediglich als Vergleichswert für andere Städte interessant.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass es sich bei den Zahlenwerten um „gefühlte“ Intensitäten der Problemfelder handelt, die nicht an offiziellen Statistiken gemessen werden können. Sie geben nur in den Feldern Anhaltspunkte für das Vorliegen echter Probleme, wo eine eindeutige Konnotation gegeben ist, wie bei den Kriterien Kriminalität, Angst, Arbeitslosigkeit, Armut, Scheidung, Gewalt, Offenheit, Nachhilfe, Umweltschutz, Rassismus und Drogen. Ihre Bedeutung erhalten sie vor allem in Gegenüberstellungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zu Vergleichsräumen. In der folgenden Grafik erfolgt ein Vergleich mit den Werten für Gesamtdeutschland.

Problemfelder, relativ zu Deutschland; Legende: 1=Kriminalität; 2=Anerkennung; 3=Angst; 4=arbeitslos; 5=Armut; 6=teuer; 7=billig; 8=Scheidung; 9=Miete; 10=langweilig; 11=krank; 12=gesund; 13=Gewalt; 14=beweglich; 15=unbeweglich; 16=Offenheit; 17=Nachhilfe; 18=Umweltschutz; 19=Rassismus; 20=Drogen

In der Grafik sind die Differenzen zu den entsprechenden Werten für Deutschland in Prozentpunkten dargestellt. Dadurch ergibt sich ein Düsseldorf-spezifisches Bild, das durch eine erhöhte Angst vor Kriminalität, Sorge um Arbeitsplätze, hohe Scheidungsraten, Defizite in der Freizeitgestaltung, sehr gute Mobilität, große Offenheit und Thematisierung von Rassismus auf der einen Seite und geringe Angst auf der anderen Seite gekennzeichnet ist. Es ist zu vermuten, dass diese Ergebnisse zumindest in den Feldern Arbeitslosigkeit, Mobilität und Rassismus von räumlich nicht eingrenzbaren politischen Debatten auf landespolitischer Ebene beeinflusst sind. Insoweit kann eine räumliche Verbindung zu Düsseldorf nur in Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten erfolgen.

Die für das Sicherheitsgefühl bedeutsamen Problemfelder Kriminalität, Angst und Gewalt machen ca. 15,9% aller untersuchten Problemfelder aus. Daraus lässt sich ableiten, dass unmittelbare Bedrohungen durch die persönliche Umwelt einen großen Anteil am Lebensgefühl haben. Im Vergleich zu Gesamtdeutschland sind dieses jedoch noch niedrige Werte. Für Deutschland machen die empfundenen Bedrohungen der Sicherheit etwa 31% aller untersuchten Problemfelder aus.

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