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Der Fall Lucona – von der Aufklärung zur Gegenaufklärung

Der »Fall Lucona« wurde nach einem Frachter benannt, der 1977 im Indischen Ozean versenkt wurde – ein Versicherungsbetrug mit sechsfacher Todesfolge. Zehn Jahre recherchierte der Wiener Autor Hans Pretterebner, brachte das Verbrechen ans Licht und die Verantwortlichen hinter Gitter. Die Ergebnisse legte Pretterebner in zwei umfangreichen selbstverlegten Büchern vor. Er wurde bedroht und über fünfzig Mal verklagt. Gleichwohl hielt seine Beweisführung stand. Den Kapitän der »Lucona« holte er als Zeugen aus Costa Rica….
Außergewöhnlich dabei: Hohe österreichische Staatspolitiker und Justizangehörige deckten die Täter. Der Alptraum des Verschwörungstheoretikers hatte sich bewahrheitet, im klammheimlichen Missbrauch staatlicher Macht, der mehr als »eine österreichische Klamotte« war, wie Der Spiegel 1997 die Verurteilung des zweiten Haupttäters kommentierte. »Die Verführung lauert vor allem dort, wo sich die zweite und die dritte Gewalt, die Exekutive und die Justiz, zu nahe kommen.«“ (Zitat Publik-Forum)
Dieser Fall verdeutlicht, wie schwierig es ist, Verschwörungen aufzudecken, wenn Staat und Gerichte aktiv darin mitwirken. Das deutsche Gegenstück hierzu – zumindest soweit es den Staat betrifft – zeichnet sich im Fall des Nationalsozialistischen Untergrunds ab.

Philosoph und Staatsmann Francis Bacon

Francis Bacon, Philosoph und Staatsmann

Das Interesse an der Aufklärung ist in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr einem Interesse an Gegenaufklärung gewichen. Der Philosoph Peter Sloterdijk formuliert es in seiner „Kritik der zynischen Vernunft“ so: „Wir wollen wissen, was es mit dem Wissenwollen auf sich hat. Zuviel »Wissen« gibt es, von dem man aus den verschiedensten Gründen wünschen dürfte, wir hätten es nicht gefunden und keine »Aufklärung« darüber gewonnen.“ Unter den »Erkenntnissen«, die von einer wissenschaftlichen Priesterschaft im Geiste eines Francis Bacon gewonnen wurden, sind allzu viele angsterregende. Bacons Slogan „Wissen ist Macht“ sicherte ihr Regierungs- und Investorengelder. „Heute begegnet uns das einstige Unheimliche, die undurchschaute Macht in der Form von Erkenntnissen, von Transparenz, von durchschaubaren Zusammenhängen. Wenn ursprünglich Aufklärung – in jedem Wortsinn – der Angstminderung durch Mehrung von Wissen diente, so ist heute ein Punkt erreicht, wo Aufklärung in das einmündet, was zu verhindern sie angetreten war, Angstmehrung. Das Unheimliche, das abgewendet werden sollte, kommt aus dem Schutzmittel wieder zum Vorschein.“ (Zitat Sloterdijk)
Sloterdijk zeigt, dass die Sorge um Gewissheit und die damit einhergehende Erwartung, dass alles Täuschung ist, auf der psychologischen Ebene dem gestörten Verhältnis des Ich zur Welt entspringt – als gehe es darum, einen geradezu weltvernichtenden Zweifel zu überwinden (Der Terroranschlag vom 11. September 2001 hat für die USA das „als ob“ zur Gewissheit werden lassen, und bildet nun die Rechtfertigung für eine Ausnahmeethik, die nicht mehr nach Menschenrechten fragt). Ziel der Aufklärung sei es deshalb, die Methoden soweit zu verfeinern, dass nur noch nackte Wahrheiten und nackte Tatsachen vorliegen und nur noch diese zu gelten hätten. Dabei wird unterstellt, das Täuschungen durchschaubar sind, weil sie selbstgemacht sind. Wer Agenten- oder Polit-Thriller aus der Filmfabrik Hollywood mag, wird es besser wissen. Bereits das Beispiel des Falles „Lucona“ macht deutlich, dass auf Regierungsebene ausgeheckte Täuschungen eine lange Lebensdauer haben können.

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