New York – Eine Stadt wie ein Universum?

Von der britischen Kolonie zur Unabhängigkeit

Mit der kampflosen Übernahme des niederländischen Handelspostens entstand ein zusammenhängender Küstenstreifen aus britischen Kolonien an der Atlantikseite des Kontinents. Damit wurde New York Bestandteil des britischen Imperiums und es erschlossen sich neue Handelsmöglichkeiten, die dem Hafen ein kontinuierliches Wachstum garantierten. Wurden am Ende der niederländischen Herrschaft lediglich 35 Schiffe jährlich be- und entladen, so waren es unter britischer Herrschaft schon einige Jahrzehnte später über 700 Schiffe jährlich. Diese Entwicklung kam auch dadurch zustande, dass die Rolle der Niederlande als führende Handelsmacht durch Großbritannien abgelöst wurde. Es entstand ein Dreieckshandel, bei dem vor allem Holz und Getreide von New York nach Großbritannien exportiert wurden, Fertigprodukte von Großbritannien nach Afrika verschifft und von dort Sklaven für die Westindischen Inseln nach New York gebracht wurden. Im Jahre 1740 hatte der Hafen von New York den Rang des drittgrößten Hafen im British Empire hinter Philadelphia und London erreicht.

Mit der Einbindung New Yorks in das britische Imperium wurde es auch in die innenpolitischen Konflikte Großbritanniens hineingezogen. In den Jahren nach der Glorious Revolution 1688 / 1689 kam es auch in New York zu einem bewaffneten Aufstand ärmerer Bevölkerungsgruppen gegen die reichere Oberschicht aus Pelzhändlern, Kaufleuten, Rechtsanwälten und Offizieren. Der Anführer der Aufständischen war der aus Deutschland in die niederländische Kolonie eingewanderte Jakob Leisler, der durch Heirat bald zu einem Vermögen gekommen war und nun in diesem Konflikt besiegt wurde und mit seinem Schwiegersohn zusammen zum Tode verurteilt wurde.

Portrait Lord Cornbury?

Anonymes Portrait einer nicht identifizierten Dame, allgemein als Lord Cornbury bezeichnet; © gemeinfrei

Ein weiterer Konflikt entstand durch die Entscheidung der Königin Anne, ihren Cousin Edward Hyde, den 3. Earl of Clarendon und späteren Viscount Cornbury zum Gouverneur von New York zu machen. Hyde entpuppte sich als korrupt und war während seiner Amtszeit extrem unbeliebt. Er pflegte einen aufwändigen Lebensstil, der ihn nach Ende seiner Amtszeit in das Schuldgefängnis von New York brachte. Seine politischen Gegner kolportierten, er sei nachts, aber auch zu offiziellen Anlässen in Frauenkleidern unterwegs gewesen. Belege hierfür gibt es nicht, wohl aber für die gegen ihn geführte Kampagne, wie das abgebildete Portrait beweist.

Auch der in Europa zwischen den stärksten Mächten geführte Siebenjährige Krieg hatte seine Entsprechung an der amerikanischen Atlantikküste, wo die Kolonialmächte Frankreich und England um die Vorherrschaft und die noch nicht erschlossenen Territorien kämpften. Auf beiden Seiten wurden Indianerstämme in die Kampfhandlungen hineingezogen. Auf der Seite Englands nahm New York die Rolle eines zentralen Stützpunkts ein, von wo aus England seine Truppen gegen die französischen Kolonialtruppen führte. Im Jahr 1758 waren etwa 25.000 britische Soldaten und 14.000 Marinesoldaten in Nordamerika stationiert – überwiegend in New York. Das machte die New Yorker Geschäftswelt zufrieden. Die Versorgung der Truppen brachte insbesondere

Siebenjähriger Krieg in Amerika

Übersichtskarte zum Siebenjährigen Krieg in den amerikanischen Kolonien (Ausschnitt); © GNU

den Huren, Händlern und Gastwirten Geld in die Taschen und es verbreitete sich die Lebensweisheit: „Wenn der Krieg das eigentliche Geschäft ist, dann ist das eigentliche Problem daran der Frieden„. Dieses Problem trat dann 1763 ein, als die britische Flotte davon segelte und die einsetzende Depression der Stadt harte Zeiten brachten.

Kriege kosten viel Geld und die Briten erwarteten nun von ihren amerikanischen Kolonien finantielle Unterstützung, die sie durch Steuern eintrieben. Im Jahre 1765 schrieb eine New Yorker Zeitung, wenn die Interessen zwischen dem Mutterland und seinen Kolonien nicht mehr übereinstimmen sollten, müsse die Verbindung gelöst werden. In diesem Jahr hatte England das sogenannte Stempelgesetz verabschiedet, das die Grundlage für Steuern auf 43 verschiedene geschäftliche Aktivitäten bildete – von Alkohollizenzen bis zu Verträgen. Nahezu jeder war von dem Gesetz betroffen. Wenn z. B. ein Seemann neue Spielkarten kaufte, musste er hierauf eine besondere Steuer entrichten.

Das Gesetz trat am 1. November 1765 in Kraft. An diesem Tag versammelte sich eine wütende Menschenmenge am New Yorker Bürgerhaus und machte ihren Zorn an einer Puppe des Gouverneurs deutlich, die gehängt und verbrannt wurde. Eine weitere Eakalation des Konflikts wurde durch die Rücknahme des Stempelgesetzes vermieden, damit nicht genug, wurde als Dank der Stadt eine riesige Bronzestatue von König George III. errichtet. Allerdings hielt die Dankbarkeit der Kolonien nicht lange an, da eine Reihe unerträglicher Gesetze die Situation zwischen Mutterland und Kolonien erneut auf die Probe stellten.

Am 23. April 1775 erreichte ein Bote aus Boston New York. Er berichtete von Scharmützeln zwischen amerikanischen Milizen und britischen Truppen in Lexington und Concord, bei denen auch Blut geflossen sei. Dieses war die Nachricht vom Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, der am 19. April 1775 stattfand. In diesem Krieg kam New York eine strategisch wichtige Rolle zu, da es zu den mittleren Kolonien gehört und zwischen Neuengland und den Südlichen Kolonien lag.

Als erste Kriegshandlungen übernahmen New Yorker Patrioten die Kontrolle über die Zollbehörde und das Rathaus. Die militärischen Kräfte der Stadt konnten jedoch auf Dauer der herannahenden britischen Marine keinen Widerstand bieten. Innerhalb der nächsten 9 Monate verließen etwa 80% der Bevölkerung die Stadt.

Gilbert Stuart: George Washington

George Washington, Gemälde von Gilbert Stuart; © gemeinfrei

Im Frühjahr 1776 kamen unter dem Kommando von George Washington unerfahrene amerikanische Truppen nach Manhattan, da der Angriff der Briten hier erwartet wurde. Am 29. Juni liefen 100 britische Kriegsschiffe in den Hafen ein, weitere 500 Schiffe folgten in den nächsten Wochen. Damit stand den Briten eine Streitmacht mit 32.000 Soldaten und 10.000 Seeleuten zur Verfügung. Es vergingen 6 Wochen, bis die britischen Truppen Stellungen auf Staten Island bezogen hatten. Am 26. August 1776 griffen die Briten mit 20.000 Soldaten die amerikanischen Verteidiger an, die sich in den Brooklyn Heights eingegraben hatten. Der Kampf war von Anfang an aussichtslos, bereits in den ersten zwei Tagen hatten Washingtons Truppen etwa 2.000 Tote – oder 1/4 seiner Truppen – zu beklagen. In dieser ausweglosen Situation beschloss Washington, seine Truppen zu evakuieren. In der verregneten und nebligen Nacht des 29. August setzten seine Soldaten in beschlagnahmten Privatbooten über den East River nach Manhattan über. Innerhalb von 7 Stunden wurden so 10 bis 12 Tsd. Soldaten gerettet. Der weitere Rückzug aus Manhattan erfolgte unter Begleitung durch Rückzugsgefechte, die zu Washingtons Strategie gehörten, den Krieg am Laufen zu halten, um den Hauptteil der Armee zu schützen und den Gegner hierdurch auszuzehren. Im November 1776 war dann die Übergabe der Stadt an die Briten unvermeidlich.

Das Blatt wendete sich, als 1778 Frankreich für die amerikanische Sache in den Krieg eintrat und niederländische Geschäftsleute den Krieg mit 5 Mio. Gulden unterstützten. Am 25. November 1783 konnte Washingtons Armee in New York einmarschieren und die Briten ergaben sich im alten Fort, wo Peter Stuyvesant 119 Jahre zuvor die niederländische Kolonie an die Briten übergeben hatte.

Über Fidelio

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