New York – Eine Stadt wie ein Universum?

Aus Neu-Amsterdam wird New York

Versuche, das Wesen einer Stadt in einem Satz zu erfassen, können nur einen unvollkommenen Eindruck wiedergeben, der mehr über die Gegenwart und den Betrachter aussagt, als über die Stadt ansich. Ich wage diesen Versuch und setze den Satz an den Anfang: New York ist ein Versuch zu der Frage, ob alle Völker an einem Ort leben können. In diesem Sinn hat das Schicksal New York’s als Beispiel modernen Lebens Bedeutung für die ganze Welt.

Am Beginn des 21. Jh. lebten in New York City Menschen aus etwa 200 Nationen, ein Drittel davon europäischer Abstammung, ein weiteres Drittel sind sogenannte Hispanics, die ihre kulturelle Herkunft mit Spanien verbinden und ein Viertel sind Afroamerikaner. Soweit, so stimmig! Doch im ersten Reflex auf den Satz melden sich Zweifel – ist es wirklich als Versuch zu bezeichnen, wenn Menschen aus existenzieller Not in einem letzten Kraftakt den Weg über den Atlantik wählen und nichts als die Hoffnung mitbringen, hier ein neues Leben beginnen zu können? So kennen wir die vielen Einwanderergeschichten aus den englischen Kolonien, zusätzlich aufgeladen mit religiösen Motiven.

Der Name des Wiederentdeckers des nach ihm benannten Flusses lässt einen englischen Ursprung der ersten Siedlung an der Mündung des Hudson Rivers vermuten. Doch Kapitän Henry Hudson war im Auftrag der niederländischen Ost-Indien-Company unterwegs und die von Hudson abgegebenen Berichte an seine Auftraggeber über den freundlichen Empfang durch die ansässigen Indianer und reiche Bestände von Biber, Otter, Bisam und Nerz lockten calvinistische holländische Pelzhändler an, die sich hier schnellen Reichtum versprachen. Nach und nach entwickelte sich auf der Insel Manhattan eine Siedlung, die den Namen Nieuw Amsterdam (Neu Amsterdam) erhielt. Hieraus entstand eine Niederlassung der niederländischen Ost-Indien-Company, mit deren Hilfe 1626 den Indianern für einen sehr geringen Kaufpreis 14 Tsd. Morgen Land auf der Insel Manhattan abgekauft wurde. In den bis dahin vergangenen 17 Jahren hatten die Siedler – im Gegensatz zu englischen Koloniegründungen – nicht einmal ein einfaches Kirchengebäude errichtet, wodurch die ausschließliche wirtschaftliche Motivation unterstrichen wird.

Gemälde Neu-Amsterdam

Neu-Amsterdam; Stadtansicht von 1664; Gemälde v. Johannes Vingboons; © gemeinfrei

Gleichzeitig mit dem Landerwerb von den Indianern wurden 11 Sklaven aus Angola in die Kolonie geholt. Insgesamt blieb der große Erfolg der Niederlassung jedoch aus. Zu dem mangelnden Interesse der holländischen Händler an einem Engagement in Nieuw Amsterdam kamen 1643 noch Konflikte mit den Indianern hinzu. Der von der Ost-Indien-Company eingesetzte Direktor hatte ohne Erfolg versucht, von den Indianern Steuern einzutreiben. Schließlich versuchte er seine Ansprüche durch Krieg durchzusetzen. Dieser dauerte ein Jahr und in seinem Verlauf kam es zu Greueltaten an Frauen, Kindern und Männern in zwei Indianerdörfern, bei denen 80 Indianer getötet wurden, deren Köpfe als Trophäen im Siegeszug zum Fort Amsterdam getragen wurden.

Zu dieser Zeit befand sich die Kolonie im Niedergang. Die Zahl der Einwanderer war rückläufig, der Alkoholkonsum war hoch und die Moral der Bewohner war schlecht. Diese Situation sollte der Pfarrerssohn und Exsoldat Peter Stuyvesand zum Guten wenden. Er war ein cholerisch veranlagter und puritanisch erzogener Mann mit eisernem Willen, der sein rechtes Bein durch eine Kanonenkugel verloren hatte.

Seine ersten Maßnahmen waren das Verbot öffentlicher Messerkämpfe, sonntags Alkohol zu trinken und zu fraternisieren. Für den Broadway wurden Verkehrsregeln erlassen und Verstöße gegen die Vorschriften wurden hart bestraft. In der Folge trat tatsächlich eine Trendwende ein, die Bevölkerung wuchs und die Stadt entwickelte sich zu einem funktionierenden Gemeinwesen. Allerdings trug zu dieser Entwicklung der Sklavenhandel erheblich bei, so dass dieser zur wirtschaftlichen Grundlage der Stadt wurde.

Denkmal Peter Stuyvesant

Denkmal für Peter Stuyvesant, Standort unbekannt, © gemeinfrei

In der engen kleinen Stadt lebten 1653 etwa 3000 Einwohner in ca. 300 Reihenhäusern. Sie verfügte über Schiffsanlegestellen, Kanäle, Windmühlen und Schulen. Eine über 700 m lange Mauer vom East River bis zum Hudson River sollte Indianer abwehren. In der Stadt lebten Menschen, die sich in 18 verschiedenen Sprachen verständigen mussten. Der Erfolg der Stadt drohte zu einem Problem zu werden, doch Stuyvesant war auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung gezwungen, jeden Arbeitswilligen in die Stadt hinein zu lassen. Im Jahr 1654 war es dann soweit, dass die Niederländer in ihrer Stadt eine Minderheit waren und Stuyvesant befürchtete, dass die Stadt unregierbar werden könnte. Hinzu kam die Lage der Kolonie im Verhältnis zu ihrem Umland, das aus britischen Kolonien bestand und in den Augen der Briten einen Fremdkörper in „ihrem“ Küstenabschnitt darstellte.

Am 27. August 1664 liefen vier schwer bewaffnete englische Kriegsschiffe in den Hafen an der Hudsonmündung ein. Stuyvesant bereitete sich auf eine Verteidigungsschlacht vor, doch dazu kam es nicht. Ihm wurde eine Petition von 93 einflussreichen Händlern der Stadt übergeben, die verlangten, Stuyvesant solle die Stadt aufgeben, da sie nicht zu halten sei. So geschah es und Stuyvesant zog sich auf eine Obstplantage im Norden der Stadt zurück. Dieser Stadtteil wurde später zu Greenwich Village.

Der britische Gouverneur bot jedem Holländer, der die neuen Herren nicht akzeptieren wollte, freie Überfahrt nach Holland an. Von diesem Angebot machte niemand Gebrauch.

Am 29. August 1664 wurde Nieuw Amsterdam offiziell in New York umbenannt. Vermutlich erfolgte die Benennung zu Ehren des Herzogs von York.

Über Fidelio

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