Neue Wege in den USA – Mit Vielfalt gegen rechten Populismus II

Ein Fazit und Folgen

In der schlaglichtartigen Darstellung, was Stadt unter konkreten politisch-postmodernen Bedingungen am Beispiel der USA bedeutet und welche technisch-wissenschaftliche Zugriffe auf sie zu verzeichnen sind, werden Bedeutungsverschiebungen sichtbar, die sowohl urbanistisch orientierte Praktiker, wie auch Theoretiker aus den Bereichen Architektur und Stadtplanung einigermaßen ratlos erscheinen lassen. Bereits Anfang der 1990er Jahren äußerten die an der europäischen Stadtkultur interessierten Fachkreise Befürchtungen, die um den Globus kreisenden Billionen von Petrodollars könnten als Investments die europäischen Innenstädte zerstören und damit tiefgreifende gesellschaftliche und politische Veränderungen herbeiführen. Im Rückblick lässt sich feststellen, dass die damals aufgezeigten Horrorszenarien nicht eingetreten sind, aber dennoch tiefgreifende Veränderungen stattgefunden haben, die durch neue Strukturen in den Kapitalflüssen eine räumliche Entlastung Europas bewirkt haben, die mit erheblichen sozialen und politischen Einschnitten erkauft wurde. Entscheidenden Anteil hieran haben die ideologischen Aufweichungen der kommunistischen Länder und insbesondere China. Die Erschließung des riesigen asiatischen Marktes mit Indien und China nötigte den westlichen Staaten weitgehende Ignoranz gegenüber Menschenrechtsverletzungen in diesen Ländern ab und macht die Regierungen des Westens gegenüber den Bewohnern ihrer Länder hierdurch, wie auch gegenüber ihren neuen Partnerregierungen in Asien  auf Grund eigener Menschenrechtsverletzungen unglaubwürdig.

Angesichts vieler Zynismen gibt es in Europa und europäisch geprägten Ländern eine wachsende Sehnsucht nach Harmonie und Ordnung mit ethischen Ansprüchen. Damit verbunden ist die Suche nach einer Heimat als Erfüllungsraum und sicherer Ort. Was liegt näher, als diesen Ort in der Stadt zu sehen, in der sich Kindheit und Jugend abgespielt haben, oder doch in einer Stadt zu suchen, die derjenigen dieser Lebensabschnitte ähnelt? Die individuellen Perspektiven, wie sie von Jain herausgestellt wurden machen solche Zugänge zur Stadt in einer erweiterten Sicht möglich. Voraussetzung hierfür ist jedoch die Möglichkeit, Städte in ihren vielfältigen Strukturen zu erfassen und mit ihnen zu interagieren. Die Herausbildung hermetischer Bereiche in den Städten wie z. B. überwachte Einkaufszentren, Gated Communities und die Suburbanisierung verhindern die Aneignung der öffentlichen Räume. Darüber hinaus wirkt die vertikale Ausdehnung in Form von Hochhäusern der Begehung der sozialen Landschaft entgegen. Die derzeitigen Tendenzen in der Entwicklung der Städte laufen deshalb auf die Konfrontation mit den Sehnsüchten der Menschen zu.

Die Zukunft der Städte wird sozial und demokratisch konzipiert sein, oder es wird nur noch amorphe Landschaftsgebilde geben, die dem Zukunftsbild der „schönen neuen Welt“ entspricht.

Über Fidelio

Ich bin 68 Jahre alt, verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Meine berufliche Tätigkeit als Stadtplaner habe ich vor fünf Jahren beendet und ich widme mich seitdem intensiver um dieses Internetprojekt, Kommentare und Beiträge, die sich auf die hier veröffentlichten Themen beziehen sind mir willkommen!
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