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Wilhelm Börger
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1
Sondierung zur Groko im Spiegel von Wertesystemen
2
SPD zwischen Verantwortung und politischer Größe
3
Deutschland zwischen Jamaika und Groko – Ein neues Gefühl von Politik
4
Gegen eine „alternativlose“ Groko!
5
Gefühle in Deutschland – Auf dem Weg nach Jamaika
6
Der Prellstein
7
Gefühle in Deutschland – Anfang Oktober 2017
8
Gefühle in Deutschland – Mitte September 2017
9
Wertewelten und Themenschwerpunkte der Parteien in Deutschland
10
CDU und SPD im sozialen Wertegefüge

Sondierung zur Groko im Spiegel von Wertesystemen

Wenn man in diesen Wochen seit der Bundestagswahl im September 2017 der veröffentlichten Meinung glaubt, befinden wir uns politisch in einer historisch einzigartigen Situation. Die noch bis vor einem Jahr geltende Sprachregelung von der Koalitionsfähigkeit aller demokratischen Parteien untereinander scheint nicht mehr zu gelten. In dem öffentlichen Wehklagen über diese Situation bleibt der Urheber für diese Entwicklung weitgehend im Hintergrund. Es sind nicht der Niedergang der SPD und die offen zutage tretenden Flügelinteressen der Partei, die zu langwierigen Diskussionen führen, sondern es ist die AfD – die als Profiteurin ungenannt im Hintergrund bleibt -, die zu einer Abspaltung konservativer Schichten von der bürgerlichen Mitte geführt hat.  Es ist daher angebracht, das Wahlergebnis noch einmal in Erinnerung zu bringen: Die Unionsparteien verloren 8,6% Stimmenanteil gegenüber der Bundestagswahl 2013, die SPD 5,2%, zusammen also 13, 8%. Die hierdurch ermöglichten Wählerwanderungen haben mit einem Stimmenanteil von 5,9% zum Wiedereinzug der FDP in den Bundestag geführt und die AfD mit 7,9% der Wählerstimmen erstmalig in den Bundestag gebracht. Konservative und nationalistisch gesinnte Wähler im Verbund mit rechtsradikalen Kräften haben also 1:1 die Verluste der beiden Volksparteien aufgefangen. Besonders stark haben sich diese Tendenzen in Bayern ausgewirkt, wo die CSU einen Stimmenverlust von 10,5% hinnehmen musste. Hiervon haben dort vor allem die AfD (12,4%) und in wesentlich geringerem Ausmaß die FDP (10,2%). Diese Entwicklung hat bei der CSU mit Blick auf die anstehende Landtagswahl am 14. Oktober 2018 zu einer Art Torschlusspanik geführt, die zu einer Schärfung ihres Profils nach dem Muster der AfD führt und die Partei an den Rand der oft beschworenen Koalitionsfähigkeit der demokratischen Parteien führt.

Nachfolgend werde ich die Veränderungen des politischen Klimas in Deutschland durch die Darstellung der Wertewelten nach dem System der Spiral Dynamics in Verbindung mit dem AQAL-Ansatz (AQAL = alle Quadranten, alle Level) der Integralen Theorie für die genannten Protagonisten transparenter machen.

Keine guten Voraussetzungen für Verhandlungserfolg: geringe Wertschätzung der Verhandlungsführer Erfolg oder Misserfolg von Verhandlungen hängt wesentlich von positiven Beziehungen zwischen den Verhandlungspartnern ab. Solche Beziehungen können auf der Grundlage von Offenheit, Höflichkeit, gegenseitiger Anerkennung der Gleichwertigkeit und Vertrauen entstehen. In der nebenstehenden Grafik ist zu sehen, dass diese Qualitäten in unterschiedlichem Maße bei den Verhandlungspartnern der Sondierungsgespräche vorhanden waren. Besonders geringe Werte für Offenheit sind bei Martin Schulz als Verhandlungsführer der SPD und bei Angela Merkel als Verhandlungsführerin der CDU zu sehen. Auch die Qualitäten Vertrauen und Anerkennung sind für Merkel und Schulz sehr ähnlich und in geringem Maß vorhanden.
Strukturell sind sich die Wertewelten der derzeitigen Regierungsparteien und deren Vorsitzenden sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich jedoch in einem wesentlichen Aspekt von der Wertewelt Deutschlands: das Verhältnis von Blau zu Grün ist umgekehrt. Hierin ist ein Hinweis auf die Entfremdung des politischen Establishments vom Volk zu sehen. Ein Blick auf die Entwicklung der Wertesysteme im Bezug auf SPD und CDU zeigt für den Zeitraum von April 2017 bis Januar 2018 keine strukturellen Veränderungen. Jedoch hat sich bei der SPD eine Verschiebung von Blau zu Orange und eine deutliche Stärkung von Rot eingestellt. Diese Veränderung steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem wachsenden Selbstbewusstsein in der SPD, das durch Mitgliederzuwächse und deren neue personale Initiativen gefördert wird. Ähnliche Tendenzen sind auch bei der CDU festzustellen. Sowohl bei CDU wie bei der SPD gehen die Zuwächse bei Orange auch zu Lasten von Gelb. Diese Schwächung der spirituellen Einflüsse auf das Gesamtsystem lässt eine nachlassende Effizienz in der Entwicklungsspirale erwarten.
Bei den Spitzenpolitikern der AfD sind strukturelle Übereinstimmungen gegeben. Das starke Gelb ist jedoch wegen des zwischenzeitlichen Parteiaustritts von Frau Petry nicht mehr aktuell.  Die Wertewelten von CSU und AfD sind sich nicht nur in der Struktur gleich, sie stimmen auch in der Ausprägung der einzelnen Wertesysteme weitgehend überein. Die größte Abweichung betrifft Orange und beträgt etwa fünf Prozentpunkte. Auffällig ist jedoch ein wesentlich stärkeres Gelb im Bezug auf die AfD. Möglicherweise ist dieses auf den großen Einfluss von Frauke Petry zurückzuführen und ist wegen des Parteiaustritts von Frau Petry nicht mehr aktuell.
Die Übernahme der europäischen Idee hat wesentlichen Einfluss auf die Werthaltungen nationaler Politiker  Ein Vergleich der Wertewelten von Angela Merkel und Martin Schulz zeigt eine kontinuierliche Übereinstimmung der Wertewelten (siehe hierzu oben). Die Abweichungen liegen im Bereich der Fehlertoleranz. Diese Übereinstimmung ist nicht sehr überraschend, da beide Politiker fest auf die Idee von Europa eingestimmt sind und in einem starken Europa den Garanten für eine erfolgreiche Politik in Deutschland sehen. Die Idee von Europa basiert auf einer Wertegemeinschaft, die sich aus wirtschaftlicher Zusammenarbeit der Mitgliedsländer entwickelt und daher ein sehr starkes Orange entwickelt hat.

 

 In der oben stehenden Übersicht sind die Quadranten nach der Integralen Theorie im Bezug auf die oben dargestellten Holone zusammengestellt. Hier zeigen sich insbesondere zwischen Angela Merkel und Martin Schulz markante Unterschiede. Während Frau Merkel ein leichtes Übergewicht in den beiden rechten Quadranten zeigt, sind hier bei Martin Schulz moderate Defizite vorhanden. Ein sehr starkes Übergewicht der rechten Quadranten zeigt sich bei Horst Seehofer. In der Überbetonung der rechten Quadranten kommt die Es-Sprache zum Ausdruck, ein Zug konservativer Weltsicht, der auf Reduktionismus, Objektivismus und Positivismus basiert und für neue Tendenzen in den Systemwissenschaften kaum Verständnis zeigt. Sie geht von einer objektiv existierenden Welt aus, in der zwischen Betrachter und betrachtetem Gegenstand eine strikte Trennung besteht, die es ermöglicht, exakte Messungen durchzuführen um so die reale Welt erfassen zu können. Hiermit verbunden ist die Annahme, dass komplexe Untersuchungsgegenstände durch Auflösung in ihre Bestandteile und deren Erfassung ein gültiges Bild ihrer Realität ergeben.

Es überrascht daher nicht, dass der CSU-Vorsitzende Seehofer als Verwaltungsbeamter und die Physikerin Angela Merkel mit dieser Weltsicht in Kontrast zu ihren Parteien treten, die überwiegend von „gesundem Menschenverstand“ beherrscht werden.

Das Quadrantenbild von Martin Schulz ist dagegen durch eine stark erhöhte Aktivität im linken unteren Quadranten (Wir = kulturelle Gepflogenheit) gekennzeichnet, wobei die übrigen Quadranten gleichmäßig mit Defiziten belastet sind. Diese Struktur weist auf das starke Engagement von Schulz in der SPD hin, die als einzige deutsche Partei auf eine lange Tradition zurückblicken kann und und einen wesentlichen Anteil an der politischen Kultur in Deutschland hat.

Eine weitere Besonderheit betrifft das Quadrantenbild von Deutschland, das durch eine starke Überbetonung des oberen linken Quadranten (Ich = Psyche) gekennzeichnet ist. Dieses Übergewicht geht überwiegend zu Lasten der rechten Quadranten (objektive Realität). Aus dieser geistigen Struktur sind sich häufende auffällige Verhaltensweisen erklärbar, wie zum Beispiel zunehmende Übergriffe einzelner Personen auf Rettungskräfte, Polizei usw..

Insgesamt ergibt sich ein Bild, in dem die erreichten Ebenen der geistig-psychischen Entwicklung in beständigen Grenzen verlaufen, in dem jedoch in der Ebene unterschiedlicher Aspekte der Wirklichkeit gravierende Schieflagen bestehen, die bis in die obersten Hierarchieebenen reichen.

SPD zwischen Verantwortung und politischer Größe

In der Regel lese ich keine Parteiprogramme oder Ähnliches, da sie etwas von Horoskopen haben – sie sind so formuliert, dass man vieles in sie hinein interpretieren kann und meistens kommt es anders als man denkt. Diese Zugangssperre habe ich nun im Bezug auf das Verhandlungsergebnis von CDU/CSU und SPD zur Aufnahme von Verhandlungen zur Bildung einer großen Koalition überwunden, da ich in dem ablaufenden Szenario der Regierungsbildung eine Dramatik entdeckt habe, die in jedem Fall einen gewissen Unterhaltungswert hat. Doch mein Verantwortungsgefühl als überzeugter Demokrat sagt mir, dass ich es dabei nicht belassen kann und eine sachlich begründete Haltung zu dem vorgelegten Papier entwickeln sollte. So habe ich mich dann dazu überredet, zunächst einen Zugang zu den politischen Schwerpunkten der anvisierten Koalitionsvereinbarungen zu bekommen und ich habe eine Textanalyse erstellt, die ich in Form einer Tabelle mit den am häufigsten vorkommenden Wörtern des Papiers darstelle:

Wortsinn Textstellen
Offenheit 3
Vertrauen 5
Betroffenheit 8
Beteiligung 8
Anerkennung 2
Dynamik 5
Verantwortung 10
gerecht 5
Erfolg 7
gemeinsam 32
sozial 39
fortschrittlich 2
neu 37
bewährt 3
modernisieren 3
ausbauen 15
Innovation 18
Gewalt 6
Sicherheit 18
Kriminalität 3
Terror 3
Polizei 4
Wirtschaft 45
Industrie 2
Unternehmen 16
Arbeit 92
Arbeitnehmer 10
Bildung 44
Kultur 26
Technologie 4
Finanzen 34
Energie 10
Steuern 23
Investitionen 20
Europa 55
Familie 22
Kinder 34
Miete 5
Wohnungsbau 8
Verbraucher 6
Landwirtschaft 10
Verkehr 12
Umwelt 5
Ökologie 1
Natur 4
Gesundheit 6
Renten 9
ändern 7
verbieten 2
bekämpfen 8
kontrollieren 3
fördern 18
schützen 46
prüfen 9
muss 36
soll 30
kann 39
wollen 129
werden 173
wenn 5
international 12

Bevor ich auf inhaltliche Aussagen eingehe, einige allgemeine Bemerkungen vorweg: Den Vereinbarungen ist eine Präambel vorangestellt, in der zunächst die erfolgreiche deutsche Wirtschaft hervorgehoben, die auch Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit von Unionsparteien und SPD sein soll. Im folgenden Absatz wird dann das Wahlergebnis der Bundestagswahl als Signal einer Unzufriedenheit im Wahlvolk erwähnt, auf die nun reagiert werden solle. Eine politische Interpretation dieses Ergebnisses mit der Einordnung in die politische Landschaft Deutschlands, Europas und der Welt unterbleibt jedoch. Diese wäre jedoch umso dringlicher, als es angeblich dem Wählerwillen entsprechen soll, die große Koalition fortzusetzen – und das, obwohl es noch vor wenigen Wochen der Wählerwille sein sollte, eine Jamaika-Koalition zu bilden. Offensichtlich wird der Wählerwille nach der sprunghaften Befindlichkeit von Herrn Lindner (FDP), den CSU-Oberen, der Demoskopie oder den Medien interpretiert. Schon um diesen Verdacht aus der Welt zu schaffen, wäre speziell Frau Merkel als Verantwortliche für die Regierungsbildung zu raten, eine politische Richtungsbestimmung vorzunehmen, zu der sie nach dem Grundgesetz als (Noch-)Kanzlerin einer Koalitionsregierung mit dem Verhandlungspartner SPD berufen ist. Dieses sollte sie öffentlich tun, damit die Menschen in diesem Land endlich wissen können, woran sie mit ihr sind. Gerade die von ihr immer wieder vorgetragene und oft kolportierte Alternativlosigkeit von Entscheidungen gebietet es im Hinblick auf die zukünftige Zusammenarbeit in der Regierung, den Spielraum für Ressortentscheidungen zu erfahren. Einige Erfahrungen mit den Regierungspartnern der Union zum Ende der vergangenen Legislaturperiode (Glyphosat, Ehe für alle, Flüchtlings- und Energiepolitik) haben zwischen den bisherigen Koalitionspartnern zu Verstimmungen geführt, die auch unter dem Gesichtspunkt des Vertrauensverlusts eine Beendigung der Zusammenarbeit nachvollziehbar erscheinen lässt.

In der nebenstehenden Tabelle sind eine Reihe von Schlüsselbegriffen aufgeführt, die nach den Themen Grundhaltung, Werteordnung, Intentionen, Politikfelder, Interventionstiefe und Verbindlichkeit ausgewählt wurden. Die Schlüsselbegriffe, die auf bestimmte Werteordnungen hindeuten sind in der Tabelle farbig hinterlegt und geben mit diesen Farben die Beziehung zu den entsprechenden Wertememen der Spiral Dynamics an. Von den insgesamt 8 Wertesystemen der Spiral Dynamics sind Rot, Blau, Orange und Grün direkt angesprochen. Hierbei ist Grün als charakteristische Werteordnung für die Sozialdemokratie sehr stark vertreten, gefolgt von Blau, das für die Wahrung von Tradition, Recht und Ordnung steht, Orange als System für wirtschaftlichen Erfolg, Innovation, Demokratie und persönliche Entfaltung sowie Rot als geistige Heimat für extrovertierte Persönlichkeiten, die auch vor unkonventionellen Mitteln bis hin zur Gewaltanwendung nicht zurückschrecken. Die Beziehungen zwischen diesen Wertesystemen ergeben ein Gesamtbild, das so nicht funktionieren kann, da die regelnden Kompetenzen aus Blau gegenüber den Ressourcen verbrauchenden Aktivitäten in Grün bei geringer Dynamik in Orange zu gering sind. Hinzu kommen möglicherweise Störungen des sozialen Friedens aus dem relativ stark ausgeprägten Rot. Dieses Bild kommt hinsichtlich des schwachen Orange dadurch zustande, dass die für Orange maßgebenden Strukturen der Wirtschaft außerhalb des unmittelbaren Einflussbereichs der Politik liegen und nur indirekt über Steuern Einfluss nehmen. Hierin offenbart sich eine Schwachstelle des Volkswirtschaftlichen Gesamtsystems, das ohne staatliche (politische) Intervention in wirtschaftliche Zusammenhänge nicht funktionieren kann. Hierzu bieten sich in dem geschilderten Bild jedoch mit dem zu schwachen Blau keine Alternativen.

  • Im Ergebnis ist die starke Betonung von Grün als Entgegenkommen an die SPD zu werten, die bereits jetzt absehbar eine Nagelprobe in der Regierungskoalition nicht bestehen könnte. In diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die Hinweise zur Verbindlichkeit der Aussagen hilfreich. In der Sprache von Juristen und Verwaltungsbeamten – und diese sind höchstwahrscheinlich die Urheber dieser Formulierungen – geben in Gesetzen und Vorschriften verwendete Begriffe wie muss, soll und kann Auskunft über die Reichweite der entsprechenden Aussage. In der Tabelle sind diese Begriffe noch um die Begriffe „wollen“ und „wenn“ ergänzt. Die drei erstgenannten Begriffe bedeuten hierbei
  • Muss“ bezeichnet die wichtigsten Ziele im Projekt. Werden sie nicht erreicht, gilt das Projekt als gescheitert.
  • Soll“ bezeichnet Ziele, die bei Nichterreichung das Projekt nicht zum scheitern bringen, aber die Zufriedenheit mit dem Projektergebnis beeinträchtigen.
  • Kann“ bezeichnet Wunsch-Ziele deren Erreichung den Erfolg eines der Vertragspartner unterstreichen. Oft wird daran nur gearbeitet, wenn die Erreichung nicht aufwändig ist und wenig Kosten verursacht. Die Durchsetzung ist von günstigen Umständen im Laufe der Zeit abhängig (Beispiel: Ehe für alle, s.o.).

Diese drei Zielarten umfassen insgesamt 105 Nennungen, von denen lediglich 36 in der Kategorie „muss“ angesiedelt sind. Die daneben bestehenden Absichtserklärungen in der Form “ wir wollen“ und „wir werden“ sind dagegen wesentlich zahlreicher. Sie betragen zusammen 302 Nennungen und sind wenig konkret. Darüber hinaus bestehen viele Verweise auf überstaatliche und nachrangige Zuständigkeiten, die ebenfalls die Erreichbarkeit einzelner Ziele infrage stellen. Diese Bedingungen sind jedoch nur in 5 Fällen durch eine Bedingung in der Form „wenn“ erkennbar gemacht.

Begriffe wie fortschrittlich, modern, neu, Innovation, bewährt und ausbauen bezeichnen die Intention, mit der eine bestimmte politische Maßnahme durchgeführt werden soll. In dieser Hinsicht dominieren die vielsagenden Begriffe „neu“ und „Innovation“ mit 37 bzw. 18 Nennungen vor „ausbauen“ des Bestehenden mit 15 Nennungen und weit dahinter liegen die anderen Begriffe. Die Botschaft lautet hier: Was bereits besteht ist nur im Ausnahmefall für die Zukunft tauglich. Was die Zukunft bringt wissen wir jedoch nicht. Die verbirgt sich hinter Begriffen wie „Industrie 4.0“ oder „Digitalisierung„. Dort, wo es dann konkret wird, tauchen alte Hüte wie z. B. „Meister-BAföG“ auf.

Die Intervention durch den Staat berührt grundsätzlich die Ideologie des „selbstregulierenden Marktes“ und ist in der Wahl der Instrumente berücksichtigt. Entsprechend schwach sind Ordnungsbegriffe wie verbieten, bekämpfen, kontrollieren und prüfen vertreten. Sie kommen zusammen 22 mal vor. Nimmt man noch „ändern“ hinzu, so sind es 29 Nennungen. Dagegen sind die stützenden Begriffe „fördern“ und „schützen„, die in der Regel keine strukturellen Veränderungen nach sich ziehen, mit zusammen 64 mal genannt. Es hat sich jedoch im Rahmen der Agenda 2010 gezeigt, dass z. B. auch „fördern“ bedeuten kann, dass sich dieses in sozialer Hinsicht keineswegs förderlich auf die damit „beglückten“ Menschen auswirken muss. Es ist also auch hier auf die Umsetzung und die Situation im Einzelfall zu schauen.

Begriffe, aus denen Grundhaltungen zur demokratischen Kultur und zum Verhandlungspartner abzuleiten sind kommen nur in geringer Zahl vor. Das hängt mit den eingangs angesprochenen Defiziten zusammen. Die für Koalitionsverhandlungen erforderliche Offenheit wird nur dreimal erwähnt und hierbei nur einmal mit Bezug auf den vorhandenen Wert einer demokratischen Gesellschaft und nicht einmal mit Bezug auf die Regierungsbildung. Vertrauen und Anerkennung werden lediglich fünf bzw. zwei mal erwähnt und keinesweg mit Bezug auf die Verhandlungen selbst. Dieses sind aber die Voraussetzungen, um überhaupt Verhandlungen auf Augenhöhe führen zu können.

Aus dem beschriebenen Defiziten ist bereits an dieser Stelle der Eindruck entstanden, dass die Gespräche zwischen den Unionsparteien und der SPD nicht unter gleichberechtigten Partnern geführt wurden und es drängt sich der Verdacht auf, dass die ermahnenden Worte des Bundespräsidenten an die SPD ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Daran schließt sich die Frage an, ob diese Ermahnungen eine Art Dankesgeschenk des Bundespräsidenten an Frau Merkel dafür sind, dass sie ihm die Wahl zum Bundespräsidenten ermöglicht hat.

Abschließend noch ein kurzer Blick auf die Bedeutung einzelner Politikfelder. Nach wie vor ist Arbeit das Leitmotiv politischen Handelns, wie es im Zuge der Agenda 2010 uni sono von allen Regierenden bis hinauf zum Bundespräsidenten verkündet wurde. Gerade in diesem Politikfeld sind jedoch neue Ideen gefragt, wie sie z. Zt. von der IG Metall in die Diskussion gebracht werden. Mit Abstand folgt das Thema Europa mit vielen Unwägbarkeiten und vielen unbestimmten Zielsetzungen. Weitere Schwerpunkte sind wirtschaftliche Themen und das Politikfeld Kinder und Familie. Am Ende stehen Ökologie, Umwelt– und Naturschutz. Darüber hinaus sprechen die Zahlen der Tabelle für sich selbst.

Aus meiner Überzeugung handelt die SPD keinesfalls verantwortungslos, wenn sie unter den dargelegten Bedingungen einer Koalition mit den Unionsparteien aus dem Wege geht. Voraussetzung ist jedoch, dass sie die daraus erwachsende Verpflichtung erkennt, nachvollziehbare und durchgreifende Vorschläge für neue Politikangebote zu machen, die in ein besseres Verhandlungspapier einmünden können und möglichen Koalitionspartnern zur Diskussion gestellt werden. Dabei könnte es sich bei realistischer Betrachtung der politischen Gesamtsituation gleichzeitig um ein Wahlprogramm zu wahrscheinlich bald anberaumten Neuwahlen handeln. Hierin liegt für die SPD aus meiner Sicht die einzige Chance, neue politische Größe und darüber hinaus neue Hoffnung und Sinngebung für die politische Landschaft Deutschlands und Europas zu gewinnen.

Deutschland zwischen Jamaika und Groko – Ein neues Gefühl von Politik

Beherrschende Themen der Hauptnachrichtensendungen der Tagesschau waren in den vergangenen Wochen das Scheitern der Sondierungsgespräche für eine und Jamaika-Koalition und die Reaktionen der Parteien hierauf. In diesem Zusammenhang rückte die SPD in den Mittelpunkt der innenpolitischen Diskussionen, da sie nun als Garant für die Bildung einer stabilen Regierung hofiert oder drangsaliert wird – je nach Standort des Betrachters. Weitere innenpolitische Schwerpunkte betrafen die in Bonn statfindende Weltklimakonferenz und die Haltung der komissarischen Bundesregierung zur Zulassung des Unkraut-Bekämpfungsmittels Glyphosat. Wirtschaftspolitische Themen waren die aktuelle Steuerschätzung, die Neuordnung des Kurzstrecken-Luftverkehrs und der geplante Abbau von Arbeitsplätzen. Daneben spielten als außenpolitische Themen der Besuch des Papstes in Myanmar, der Brexit, der Koreakonflikt neben den bereits zur Regel gewordenen Meldungen über Natur-, Umwelt- und sonstigen Katastrophen, ebenso wie zur Trump-Politik eine hervorgehobene Rolle. Insgesamt boten die Nachrichten in den vergangenen 5 Wochen eine selten gesehene Vielfalt.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.In der Grafik sind Vertrauen, Glück, Kraft und Zufriedenheit die dominierenden Gefühlszustände. Spitzenwerte werden vor allen anderen von der Kurve für Vertrauen und Zufriedenheit erreicht.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
Mittwoch, 08. November 2017    Behördenregister sollen Geschlechtseintrag für Intersexuelle anbieten, Wirtschaftsweise heben Konjunkturprognose deutlich an, Fast jeder fünfte Einwohner Deutschlands von Armut bedroht, Berliner Innenausschuss: Verdacht auf versuchte Unterwanderung der Berliner Polizei durch kriminelle Clans, EU-Kommission beschließt strengere CO2-Grenzwerte für Autos, NATO-Minister wollen Bündnisverteidigung stärken, Louvre Abu Dhabi eröffnet
Donnerstag, 09. November 2017  Vertrauen, Hoffnung, allgemein, gesamt, Glück, Mut, Offenheit, Aktivität , Freude, Kraft
Steuerschätzer prognostizieren Mehreinnahmen für Bund und Länder, Finanzminister planen Gesetz für mehr Transparenz bei Steuersparmodellen, Opel stellt Sanierungsplan vor, keine Einigung zum Einsatz von Glyphosat, Trump findet bei Staatsbesuch in China lobende Worte, IS verliert letzte Bastion, UN warnen vor Hungerskatastrophe im Jemen, Gedenkveranstaltungen erinnern an Pogromnacht, Krankenpfleger Niels H. für 106 Morde verantwortlich, Urteil gegen Schweizer Spion
Freitag, 10. November 2017   Zufriedenheit, Vertrauen, Freude, Glück, Offenheit, Hoffnung, Kraft, allgemein, gesamt, Mut, Aktivität Erster Weltkrieg: Deutschland und Frankreich richten gemeinsame Erinnerungsstätte ein, Sondierungsgespräche ohne Durchbruch bei Streitfragen, Bundesgeschäftsführer der Linken tritt zurück, Trump bestärkt „Amerika First“ Politik auf APEC-Gipfel, China stellt Öffnung seines Finanzmarktes in Aussicht, EU setzt Großbritannien Frist für weitere Brexit-Verhandlungen, Neu-Delhi kämpft mit dichtem Smog, Audrey Azoulay mit großer Mehrheit zur UNESCO-Chefin gewählt, Schauspieler John Hillerman im Alter von 84- Jahren gestorben, Polizei schließt Internet-Portal nach bundesweiter Razzia gegen Raubkopien
Samstag, 11. November 2017   Zufriedenheit, Freude, Glück, OffenheitVertrauen, Kraft, Hoffnung, allgemein, gesamt, Mut, Aktivität
Schärfere Auflagen für Betreiber von Kohlekraftwerken, Großdemonstration von Befürwortern der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen, Polnische Nationalisten marschieren am Nationalfeiertag, Trump und Putin sehen keine Aussicht auf militärische Lösung für Syrien, Spannungen im Libanon nach Rücktritt von Ministerpräsident Hariri, Internationale Bemühungen um Stabilisierung des Libanons, Saudi-arabische Koalition bombadiert Ministerium im Jemen, Konstanz feiert historische Papstwahl vor 600 Jahren, Beginn der Karnevalssaison
Sonntag, 12. November 2017 Hoffnung, allgemein, Glück, Aktivität, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Freude, gesamt, Mut  Sondierungsgespräche gehen in die Schlussrunde, Weltklimakonferenz in Bonn, Weitere Massengräber im Nordirak entdeckt, Spaniens Ministerpräsident Rajoy zu Besuch in Barcelona, Stichwahl bei Präsidentenwahl in Slowenien, Britische Premierministerin May verliert vermehrt Zustimmung ihrer Partei, Großbritannien gedenkt der Opfer des Ersten Weltkrieges, Wirtschaftsweisen raten Lockerung des Arbeitszeitgesetzes, Reform zur Auszahlung von Arbeitslosengeld, Start der Jahrestagung der Evangelischen Kirche
Montag, 13. November 2017  Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Mut, Glück, Aktivität Über 400 Tote bei schwerem Erdbeben zwischen Iran und Irak, EU-Staaten gründen Verteidigungsunion, EU verhängt Sanktionen gegen Venezuela, Putin empfängt Erdogan zu Gesprächen über Syrien, EU-Wirtschaft fordert von May mehr Tempo bei Brexit-Gesprächen, Gipfeltreffen des ASEAN-Staatenbundes auf den Philippinen, Unionsfraktionschef Kauder äußert sich optimistisch über Sondierungsgespräche für ein schwarz-gelb-grünes Regierungsbündnis, Apotheker wegen gestreckter Krebspräparate in Essen vor Gericht, Lufthansa kündigt 1000 neue innerdeutsche Flüge pro Monat an, ADAC muss 90 Millionen Steuern nachzahlen, Zwei Jahre nach den Pariser Terroranschlägen erinnert Frankreich an die 130 Ermordeten
Dienstag, 14. November 2017 Vertrauen, Kraft, Hoffnung, allgemein, gesamt, Glück, Mut, Zufriedenheit, Freude, Offenheit, Aktivität Mehr als 430 Tote nach Erdbeben im Iran, Weitere umstrittene Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien genehmigt, Rente steigt um voraussichtlich drei Prozent, Fortsetzung der Sondierungsgespräche, Steinmeier ruft beim Besuch in Sachsen zum Kampf gegen Rechtsextremismus auf, BVerfG: Wohnkostenübernahme für Hartz-IV-Empfänger nur im angemessenen Rahmen, Britisches Unterhaus berät über Brexit, Mitglieder verlassen Macron-Partei, Offenbar viele Tote nach Luftangriff auf Markt in Nordsyrien
Mittwoch, 15. November 2017  Vertrauen, Kraft, allgemein, Glück, Offenheit, Zufriedenheit, Hoffnung, Freude, Mut, Aktivität Merkel redet vor Weltklimagipfel, Sondierungsgespräche zu Klimaschutz und Flüchtlingspolitik, Erste Nebenklage-Plädoyers im NSU-Prozess, Mehr Geburten in Deutschland, Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, Armee übernimmt Kontrolle in Simbabwe, Russland verschärft Auflagen für ausländische Medien, Großbritannien wirft Russland Cyberattacken vor, Europaparlament beschließt Überprüfung von Polens Rechtsstaatlichkeit, Australier stimmen für Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen, Überschwemmungen nahe Athen
Donnerstag, 16. November 2017 Zufriedenheit, Kraft, Freude, Offenheit, Vertrauen, Hoffnung, gesamt, Glück, Mut, Aktivität Siemens will in kommenden Jahren weltweit 6900 Stellen abbauen, Jamaika-Sondierungen: Gespräche gehen heute in die Schlussrunde, Große Koalition in Niedersachsen steht, Weltklimakonferenz: Allianz mehrerer Länder einigt sich auf Kohleausstieg, Ex-Top-Manager Thomas Middelhoff vorzeitig aus Haft entlassen, Gutachter gehen im Fall des verbrannten Asylbewerbers Oury Jalloh nicht von Selbsttötung aus, Libanesischer Ministerpräsident Hariri besucht Frankreich, Griechenland ordnet nach starken Unwetter Staatstrauer an, FIFA-Prozess: Anklage gegen drei ehemalige Fußball-Funktionäre in New York, Rekordsumme für Da-Vinci-Gemälde bei Versteigerung in New York erzielt
Freitag, 17. November 2017 Vertrauen, Freude, Glück, Mut, Aktivität, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, gesamt, Offenheit Parteien setzen Jamaika-Sondierungsgespräche fort, EU-Staaten einigen sich auf Katalog sozialer Rechte, Siemens: Belegschaft protestiert gegen Kürzungspläne, Volkswagen will Milliarden in Elektromobilität investieren, Sparkassenpräsident Fahrenschon legt nach Steueraffäre Amt nieder, Bundesverwaltungsgericht rechtfertigt Entlassung eines Polizisten wegen rechtsextremer Tätowierung, Simbabwe: Druck auf Mugabe wächst, Drei Regierungskritiker sterben bei Auseinandersetzungen in kenianischer Hauptstadt Nairobi, Umweltkatastrophe nach Leck in umstrittener Keystone-Ölpipeline
Samstag, 18. November 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, gesamt, Glück, Mut, allgemein, Freude, Aktivität Jamaika-Sondierungen erzielen einige Fortschritte, Weltklimakonferenz geht mit Einigungen zu Ende, Diplomatische Spannungen mit Saudi-Arabien, „La République en Marche“ wählt neuen Vorsitzenden, AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist gestorben
Sonntag, 19. November 2017 Vertrauen, Aktivität, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Glück, Mut Jamaika-Sondierungen sind noch nicht vorbei, Außenminister Gabriel im Rohingya-Flüchtlingslager in Bangladesch, Chef der Sinn-Fein-Partei Gerry Adams tritt zurück, Ex-Staatschef Piñera gilt als Favorit bei Wahl in Chile, Mögliche Signale von verschollenem argentinischen U-Boot, Simbabwes Präsident Mugabe steht offenbar vor Rücktritt
Montag, 20. November 2017 Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Glück, Mut, Vertrauen, Zufriedenheit, Aktivität Jamaika-Sondierungen gescheitert, Chronologie des Abbruchs der Sondierung, Historisch einmalige Situation: Minderheitsregierung oder Neuwahlen, Reaktionen von SPD, AfD und Linkspartei, Deutschland wird nicht neuer Standort für EU-Arzneimittelagentur und europäische Bankenaufsicht, Libyscher Autor Hisham Matar mit Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet
Dienstag, 21. November 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, allgemein, Freude, gesamt, Glück, Offenheit, Aktivität, Hoffnung, Allgemeinbef., Kraft Schlagabtausch im Bundestag nach gescheiterten Sondierungen, Bundestag debattiert über Bundeswehreinsätze, Sechs mutmaßliche IS-Mitglieder unter Verdacht von Anschlagsplanung festgenommen, Simbabwes Präsident Mugabe erklärt seinen Rücktritt, Russischer Präsident Putin empfängt syrischen Machthaber Assad, NRW-Verfassungsgericht kippt Sperrklausel bei Wahl von Stadträten und Kreistagen, PISA-Studie: Deutsche Schüler können gut im Team arbeiten
Mittwoch, 22. November 2017 Zufriedenheit, Hoffnung, allgemein, Mut, Aktivität, Vertrauen, Freude, gesamt, Glück, Offenheit UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilt ehemaligen General Mladic zu lebenslanger Haft, SPD-Diskussion nach Jamaika-Aus, Grünes Licht für Senkung des Rentenbeitrags, Durchsuchung von CDU-Geschäftsstellen wegen Ermittlungen gegen Bundestagsabgeodneten, Kein Haftbefehl gegen festgenommene Syrer, Bundesregierung will Kinder deutscher IS-Anhänger aus Irak zurückführen, Libanesischer Ministerpräsident Hariri tritt vorerst nicht zurück, Nutzerdaten von Millionen Uber-Kunden gestohlen, BGH urteilt über Käuferschutz beim Bezahldienst PayPal, Schauspieler Dieter Bellmann verstorben, Schauspieler und Musiker David Cassidy gestorben
Donnerstag, 23. November 2017 allgemein, Freude, Glück, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, gesamt, Mut, Offenheit, Aktivität Nach Jamaika: SPD-Spitze berät über einheitlichen Kurs, Seehofer vertagt Entscheidung über politische Zukunft, Siemens-Beschäftige protestieren in Berlin gegen geplanten Stellenabbau, Thyssenkrupp: Proteste gegen Fusion mit Tata, Flughafen Berlin: Zeitplan für Eröffnung verzögert sich, Petersburger Dialog beginnt in Berlin, Palästinensergebiete: Wahlen für 2018 angekündigt, Rohingya sollen nach Myanmar zurückkehren, Argentinisches U-Boot bleibt weiter verschollen, Anschlag in Mölln: 25 Jahre danach
Freitag, 24. November 2017 allgemein, Freude, Glück, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, gesamt, Mut, Offenheit, Aktivität Viele Tote und Verletzte nach Anschlag in Ägypten, Steinmeier kündigt weitere Gespräche mit Parteispitzen an, Weiter Unklarheit im CSU-Machtkampf, EU gibt keine Zusage für Beitrittsverhandlungen mit ehemaligen Sowjet-Republiken, Ärztin wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verurteilt, Polizeieinsatz in Londoner Innenstadt, Höhere Strafe für verurteilten Pistorius, Emmerson Mnangagwa als neuer Präsident von Simbabwe vereidigt, DFB-Fußball-Frauen gewinnen gegen Frankreich, IOC sperrt weitere russische Wintersportler
Samstag, 25. November 2017 Vertrauen, Glück, Mut, Offenheit, Aktivität, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude Parteitag der Grünen in Berlin, Bundeskanzlerin Merkel will Neuwahlen vermeiden, Bundeskongress der Jusos in Saarbrücken, Immer weniger Wehrdienstleistende, Weit über hundert Verletzte bei Zusammenstößen in Pakistan, Ägyptische Luftwaffe fliegt Angriffe auf mutmaßliche Terroristen, Über 30 Flüchtlinge vor libyscher Küste ertrunken, Frankreichs Präsident Macron stellt Aktionsplan für besseren Schutz von Frauen vor
Sonntag, 26. November 2017 Vertrauen, Glück, Mut, Offenheit, Aktivität, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude Diskussion über mögliche Große Koalition, Lufthansa bestreitet Vorwürfe über Preistreiberei, BDI warnt vor Rohstoff-Engpässen durch Trend zur Elektromobilität, Lew-Kopelew-Preis verliehen, Papst Franziskus besucht Myanmar und Bangladesch, Entwicklungshelfer kehren nach Einreisestopp in den Jemen zurück, Schwere Explosion in chinesischer Hafenstadt Ningbo
Montag, 27. November 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Mut, Offenheit, Glück, Aktivität Urteile im Schlecker-Prozess, EU verlängert Glyphosat-Zulassung um weitere fünf Jahre, SPD debattiert über mögliche Große Koalition, China weitet Hilfe für Mittel- und Osteuropa aus, Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen auf Weihnachtsmärkten, Angst vor Vulkanausbruch auf Bali wächst
Dienstag, 28. November 2017 Kraft, Hoffnung, Freude, Glück, Offenheit, Vertrauen, Zufriedenheit, allgemein, gesamt, Mut, Aktivität Streit über Glyphosatzulassung spaltet die alte Koalition, Diesel-Gipfel: Milliardenprogramm für bessere Luft, Bundesverwaltungsgericht weist Klagen von Gegnern der Elbvertiefung ab, Oberverwaltungsgericht Münster stoppt vorläufig umstrittene Rodungen im Hambacher Wald, Attackierter Bürgermeister von Altena spricht von Hass-Klima, Holocaust-Leugnerin Haverbeck zu 14 Monaten Haft verurteilt, Steinmeier besucht die Queen, Multimedia-Festival Biennale beginnt in Frankfurt am Main, Papst Franziskus besucht Myanmar, Präsident Kenyatta wurde für eine weitere Amtszeit vereidigt, Auf Urlaubsinsel Bali sitzen weiterhin zahlreiche Touristen fest
Mittwoch, 29. November 2017 Vertrauen, Kraft, Hoffnung, allgemein, gesamt, Offenheit, Aktivität, Zufriedenheit, Freude, Glück, Mut Früherer Kommandeur der bosnisch-kroatischen Truppen vergiftet sich vor UN-Tribunal, Nordkorea provoziert mit neuen Raketentests, USA kündigen weitere Sanktionen gegen Nordkorea an, EU-Afrika-Gipfel in Abidjan, Streit um Glyphosat-Votum belastet Bemühungen um Regierungsbildung, Arbeitgeberverbände fordern Parteien zu Kompromissbereitschaft auf, BGH hebt Haftbefehl gegen Franco A. auf, Kosten für „Stuttgart 21“ steigen um weitere Milliarde Euro, ICE in Basel entgleist
Donnerstag, 30. November 2017 allgemein, Glück, Mut, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, Freude, gesamt, Offenheit, Aktivität Steinmeier empfängt SPD und Union zu gemeinsamen Beratungen über mögliche Regierungsbildung, USA fordern Isolierung Nordkoreas, Berichte über mögliche Ablösung von US-Außenminister Tillerson, EU-Afrika-Gipfel plant Hilfe für Migranten in Libyen, Zahl der Arbeitslosen sinkt auf neuen Tiefstand, Teilerfolg für Bauern aus Peru im Rechtsstreit gegen RWE, OPEC-Jahrestagung einigt sich auf Verlängerung des Förderlimits, Ermittlungen wegen Beihilfe zum Suizid nach Tod von Kriegsverbrecher vor Gericht, Militärs aus Diktaturzeit in Argentinien verurteilt
Freitag, 01. Dezember 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, allgemein, gesamt, Aktivität, Kraft, Hoffnung, Freude, Glück, Mut, Offenheit Keine Richtungsentscheidung nach Treffen bei Steinmeier, Diskussion um Änderung im Abtreibungsrecht, AfD bereitet sich auf Bundesparteitag vor, Sprengsatz in Potsdamer Apotheke entschärft, Türkei wirft Yücel Terrorpropaganda vor, Ehemaliger Trump-Sicherheitsberater Flynn gibt Falschaussage zu, Papst Franziskus trifft Angehörige der Rohingya, Verleihung „Alternativer Nobelpreis„, Auslosung der Fußball-WM-Gruppen, Nürnberger Christkindlesmarkt ist eröffnet
Samstag, 02. Dezember 2017 Kraft, Hoffnung, Freude, gesamt, Glück, Vertrauen, Zufriedenheit, allgemein, Mut, Offenheit, Aktivität AfD-Parteitag: Meuthen und Gauland zu AfD-Chefs gewählt, Steuerreform von US-Präsident Trump nimmt weitere Hürde, Ermittlungen nach Bombenfund in Potsdam dauern an, Opferbeauftragter Kurt Beck fordert mehr Hilfen für Terroropfer, Hochhausbrand in Berlin: 22 Menschen wurden verletzt, In der Fußball-Bundesliga erzielt Leipzig bisher höchste Niederlage, Olympiasieger Fabian Hambüchen beendet Turn-Karriere
Sonntag, 03. Dezember 2017 Kraft, Hoffnung, Freude, gesamt, Glück, Vertrauen, Zufriedenheit, allgemein, Mut, Offenheit, Aktivität Hinter Paketfund in Potsdam steckt offenbar Erpressung, Storch und Weidel erneut in AfD-Vorstand gewählt, Höhere Rückkehrprämie für abgelehnte Asylbewerber geplant, Hafterleichterung für deutschen Journalisten Deniz Yücel in der Türkei, Verleihung des Marion Gräfin Dönhoff Preises in Hamburg, Proteste in Israel gegen Premier Netanyahu, Kirchen starten große Spendenaktionen, Vier Tote bei Hausbrand in Saarbrücken
Montag, 04. Dezember 2017 Zufriedenheit, Hoffnung, allgemein, Glück, Aktivität, Vertrauen, Kraft, Freude, gesamt, Mut, Offenheit Söder wird neuer Ministerpräsident in Bayern, SPD-Spitze spricht sich für Gespräche mit Union aus, Mehr erfolgreiche Klagen gegen Asylbescheide, Vorerst keine Einigung bei Brexit-Gesprächen in Brüssel, Mario Centeno zum neuen Eurogruppen-Chef gewählt, Jemens Ex-Präsident Saleh offenbar getötet, Verdächtige nach Journalisten-Mord in Malta festgenommen, USA und Südkorea starten gemeinsames Militär-Manöver, IOC entscheidet über Doping-Sanktionen gegen Russland
Dienstag, 05. Dezember 2017 Vertrauen, Kraft, Hoffnung, Mut, Zufriedenheit, allgemein, Freude, gesamt, Glück, Aktivität Doping-Strafe: Russische Sportler dürfen bei Olympischen Winterspielen nur unter neutraler Flagge starten, Trump kündigt Verlegung von US-Botschaft nach Jerusalem an, Oberster Gerichtshof in den USA erlaubt Trumps Einreiseverbot, Außenminister Gabriel umreißt Herausforderungen der deutschen Außenpolitik, EU setzt 17 Länder auf schwarze Liste sogenannter Steueroasen, Razzia in mehreren Bundesländern anlässlich der Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg, IGLU-Studie: Leseleistung von Grundschülern im internationalen Vergleich schwächer, Tag des Ehrenamtes
Mittwoch, 06. Dezember 2017 Vertrauen, allgemein, Glück, Mut, Offenheit, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, Freude, gesamt, Aktivität Trump-Rede: USA erkennt Jerusalem als Hauptstadt Israels an, SPD-Bundesparteitag soll richtungsweisende Entscheidungen bringen, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung fordert strengere Kontrollen beim Mindestlohn, Putin will Sportlern Teilnahme an Winterspiele in Südkorea nicht verbieten, Ermittlungen gegen Ditib-Imame eingestellt, Zugunglück in NRW: Personenzug hätte Gleisabschnitt nicht befahren dürfen, Rockstar Johnny Hallyday gestorben
Donnerstag, 07. Dezember 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Offenheit, Aktivität, Glück, Mut SPD-Parteitag stimmt für ergebnisoffene Beratungen mit der Union, Unruhen in den Palästinensergebieten nach Trumps Jerusalem-Entscheidung, Flüchtlingspolitik: EU-Kommission verklagt neben Polen auch Ungarn und Tschechien, Merkel trifft libyschen Ministerpräsidenten, Erdogan in Griechenland: Erster Besuch eines türkischen Staatspräsidenten seit 65 Jahren, Dieselaffäre: US-Gericht verurteilt VW-Manager zu hoher Haft- und Geldstrafe, EU einigt sich auf schärfere Kontrollen bei Fahrzeug-Zulassungen, General Electric will 1600 Arbeitsplätze in Deutschland streichen, Prozessauftakt in Ankara gegen HDP-Chef Demirtas, Zehntausende demonstrieren in Brüssel für die Unabhängigkeit Kataloniens, UNESCO erklärt deutsche Orgelbau-Tradition zum immateriellen Kulturerbe, Hunderttausende in Kalifornien wegen Buschbränden evakuiert
Freitag, 08. Dezember 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Offenheit, Aktivität, Glück, Mut Ein Toter bei Protesten in den Palästinensergebieten, UN-Sicherheitsrat kommt zu Dringlichkeitssitzung zusammen, SPD steckt Ziele zur Flüchtlings- und Migrationspolitik ab, Flüchtlingspolitik beherrschendes Thema bei Innenministerkonferenz, Fortschritte bei Brexit-Gesprächen, Polnische Regierung ernennt bisherigen Finanzminister Morawiecki zum neuen Ministerpräsidenten, Französischer Präsident Macron erhält Aachener Karlspreis 2018, Loveparade-Prozess gegen zehn Angeklagte beginnt, Neue ICE-Schnellfahrstrecke Berlin-München eröffnet, DFB erklärt Lahm zum Ehrenspielführer, Verheerende Waldbrände in Südkalifornien wüten weiter
Samstag, 09. Dezember 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Offenheit, Aktivität, Glück, Mut Scharfe Kritik von SPD-Chef Schulz an CDU und CSU, Prominente fordern Freilassung des inhaftierten Journalisten Yücel, Anhaltende Konflikte im Nahen Osten nach Jerusalem-Entscheidung, IS-Terrormiliz im Irak offenbar besiegt, Neue Attraktion im Hatschepsut-Tempel in Ägypten, Trauerzug für verstorbenen Rockstar Hallyday in Paris, Brände in Kalifornien weiterhin nicht unter Kontrolle, Wintereinbruch in NRW verursacht viele Unfälle
Sonntag, 10. Dezember 2017 Mut, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, Freude, gesamt, Glück, Offenheit, Aktivität Verleihung des Friedensnobelpreises an Anti-Atomwaffen-Kampagne ICAN, Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Trump löst weitere Proteste aus, Führende Unionspolitiker lehnen Bürgerversicherung ab, Schleswig-Holsteins Umweltminister Habeck strebt Parteivorsitz der Grünen an, Deutsche Bahn startet mit höheren Preisen in Winterfahrplan,  Schnee und Straßenglätte behindern Verkehr in Deutschland
Montag, 11. Dezember 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Hoffnung, allgemein, Glück, Mut, Kraft, Freude, Offenheit, Aktivität Netanyahu führt Gespräche mit EU-Außenministern, Bundesregierung verurteilt Verbrennung von Israel-Fahne scharf, Merkel zu Gesprächen von Union und SPD, Personaldebatte bei den Grünen vor den Vorstandswahlen im Januar, Rüstungsverkäufe weltweit gestiegen, Syrien: Putin kündigt Teilabzug russischer Truppen an, Versuchter Terroranschlag erschüttert New York, Bitcoin wird erstmals an Börse gehandelt
Dienstag, 12. Dezember 2017 Offenheit, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Glück, Aktivität Störungen auf neuer Bahn-Schnellfahrtstrecke München-Berlin, Macron warnt auf Klimagipfel in Paris vor Scheitern des Klimavertrags, CDU und SPD diskutieren mögliche Zusammenarbeit, Bundestag verlängert mehrere Auslandseinsätze der Bundeswehr, Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Bundeswehr-Soldaten Franco A., Ryanair-Piloten kündigen Streiks an, Ein Toter nach Explosion in Gasverteilstation in Österreich, EU-Kommission erteilt Glyphosat-Zulassung für weitere fünf Jahre, Russische Athleten starten unter neutraler Flagge bei Olympischen Winterspielen in Südkorea, ESA äußert sich zu Trumps Raumfahrtplänen
Mittwoch, 13. Dezember 2017 Zufriedenheit, Kraft, allgemein, Freude, Glück, Vertrauen, Hoffnung, Mut, Aktivität Spitzengespräch zwischen Union und SPD, Verkauf von Air-Berlin-Tochter Niki an die Lufthansa gescheitert, Bericht zum Anschlag am Breitscheidplatz, Michael Kretschmer zum neuen Ministerpräsidenten in Sachsen gewählt, Polens neuer Ministerpräsident will Politik der rechtskonservativen PIS fortsetzen, Demokrat Jones gewinnt in Alabama, Sondergipfel der islamischen Länder kritisiert Trumps Vorstoß in Israel, Europaparlament verleiht Sacharow-Preis an Opposition in Venezuela, Radprofi Froome positiv auf Doping getestet
Donnerstag, 14. Dezember 2017 Glück, Mut, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Aktivität Niki-Insolvenz: Viele Flüge gestrichen und Jobs in Gefahr, Regierungsbildung: Union möchte große Koalition, EU-Gipfel berät über Flüchtlingspolitik, May erleidet Schlappe bei Brexit-Abstimmung, Gerichtsentscheid BND: Bundesverwaltungsgericht sieht Speicherung von Metadaten als unzulässig, USA lockert Netzneutralität, Putin gibt Jahrespressekonferenz im Kreml, Umgang deutscher Behörden mit IS-Rückkehrerinnen, London gedenkt der Opfer der Grenfell-Tower-Brände
Freitag, 15. Dezember 2017 Glück, Mut, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, allgemein, Freude, gesamt, Offenheit, Aktivität SPD-Spitze spricht sich für Sondierung aus, CSU sucht Schulterschluss mit Merkel auf Parteitag in Nürnberg, Abschluss des EU-Gipfels: Zweite Phase der Brexit-Verhandlungen kann beginnen, Steinmeier ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf, Neuer Eröffnungstermin für Hauptstadtflughafen BER 2020, Ryanair lenkt im Streit mit Piloten ein, Bericht zu Kindesmissbrauch in Australien, Ehemaliger russischer Wirtschaftsminister Uljukajew verurteilt
Samstag, 16. Dezember 2017 Freude, Mut, Offenheit, Aktivität, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Hoffnung, gesamt, Glück CSU-Delegierte küren Söder zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Gabriel fordert Kurskorrektur bei der SPD, Koalition in Österreich aus ÖVP und FPÖ, Kongress europäischer Rechtspopulisten in Prag, Südafrikanische Regierungspartei ANC will Zuma-Nachfolge bestimmen, Demonstration in Frankfurt gegen Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt

Die vorstehende Grafik zeigt die Trends der vergangenen Wochen. Die oben erwähnten Gefühle zeichnen sich auch hier als stärkste Einflussfaktoren für das psychische Empfinden der Menschen in Deutschland aus. Dieses Ergebnis wird von der  unspezifischen Trendlinie des Allgemeinbefindens bestätigt. Die Situation dieser Trends hat sich deutlich verändert: Die dominierenden Trends laufen auf einen Brennpunkt zu, der etwa mit dem Weihnachtsfest zu identifizieren ist. Dabei zeigt das Vertrauen eine deutlich abnehmende Tendenz, Zufriedenheit eine leicht steigende Tendenz, Glück eine deutlich steigende Tendenz und Kraft eine nahezu gleichbleibende Tendenz. Mit deutlich zunehmender Tendenz läuft auch das unspezifische Gefühl des Allgemeinbefindens auf den Brennpunkt zu. In dieses Gesamtbild fügen sich auch die stark ansteigende Freude und Offenheit sowie die deutlich zunehmende Hoffnung ein. Hinsichtlich der Offenheit ist ein prägender Bezug zu den Gesprächen der SPD und ihrem Parteitag vor dem Hintergrund einer Regierungsbildung gegeben, wie aus dem Verlauf der täglichen Aufzeichnungen zu entnehmen ist. Neben dem sinkenden Vertrauen ist in gleichem Maße sinkender Mut festzustellen. Im Gesamtergebnis besteht dennoch eine gleichbleibend hohe Zufriedenheit bei geringer Aktivität und ausgeglichenem Gesamtgefühl.

In der vorstehenden Grafik ist ein Vergleich der aktuellen kurzfristigen Trends mit den vorherigen kurzfristigen Trends zu sehen. Hieraus werden einige Umkehrungen der Trendverläufe sichtbar: Aus der stark abnehmenden Offenheit ist eine stark zunehmende Offenheit geworden, aus der abnehmenden Aktivität ist eine zunehmende Aktivität, aus der deutlich abnehmenden Freude eine stark zunehmende Freude, aus einer sinkenden Hoffnung eine wachsende Hoffnung, jedoch aus einem gleichförmigen Vertrauen ein stark abnehmendes Vertrauen geworden. Auch der Trend des Allgemeinbefindens hat eine Wendung vom negativen zum positiven Trend genommen. Darüber hinaus haben sich graduelle Veränderungen von Trends ergeben.

Der oben stehende Vergleich der längerfristigen Trends mit dem Trend der vergangenen Wochen zeigt, dass bei einigen Trends deutliche Abweichungen von den längerfristigen Entwicklungen vorhanden sind. Am auffälligsten ist dabei der starke Anstieg von Offenheit, der sich aus einem nur schwach positiven Langzeittrend ergibt. Gleiches gilt für den Mut, jedoch im umgekehrten Sinne. Eine – allerdings nicht sehr stark ausgeprägte – Trendumkehr ist bei der Aktivität von langfristig zunehmend zu kurzfristig abnehmend zu sehen. Aus einer langfristigen minimalen Abwärtstendenz der Hoffnung wird eine deutlich wahrnehmbare kurzfristige Wachstumstendenz. Allgemeinbefinden und Glück gehen aus nahezu gleichbleibendem Verlauf kurzfristig in deutlich zunehmenden Verlauf über, und die langfristig negative Tendenz der Zufriedenheit geht in eine schwach wachsende Tendenz über. Im umgekehrten Verhältnis ist diese Entwicklung auch für das Gefühl der Kraft zu sehen. Diese Veränderungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Tendenz des Vertrauens weiter nach unten verläuft.

Es zeigt sich an der Stabilität des negativen Trends für Vertrauen, die sich nach kurzfristiger Beruhigung während der Zeit der Jamaika-Gespräche in den vergangenen Wochen wieder verstärkt zeigt, dass es sich hierbei um die Währung der Politik im demokratischen Staat handelt. Dabei ist die Frage des Vertrauens kein einseitiger Vorgang von Bürgern zu den demokratisch gewählten Verfassungs- und Staatsorganen, sondern Vertrauen muss auch in umgekehrter Richtung vorhanden sein. Dieses gilt in besonderem Maße in der herrschenden Währungs- und Wirtschaftsordnung mit den gegenseitigen Verflechtungen zwischen Politik, Finanzsystem und Wirtschaftssubjekten, zu denen auch die Millionen Verbraucherhaushalte zählen. Wie sensibel diese Beziehungen sind, zeigte sich an den Beispielen in Griechenland und Italien, wo der demokratische Wille des jeweiligen Volkes aus der Angst ignoriert wurde, eine Wahlentscheidung zu Gunsten einer „falschen“ Partei könnte das europäische Finanzsystem zum Zusammenbruch bringen. Grundsätzliche Alternativen scheinen deshalb unter den gegebenen Bedingungen oft nur noch zusammen mit einem drohenden Kollaps des Systems denkbar, der befürchtete Schmetterlingseffekt ist ein permanentes Risiko. Hieraus ist jedoch eine Politik der Angst entstanden, die jede grundlegende Alternative zum derzeitigen politischen und wirtschaftlichen System als unverantwortlich brandmarken kann obwohl diese Risiken selbst von Experten nur sehr vage bestimmt werden können. „Auf diese Weise werden die Bedingungen politischen Handelns geschwächt, denn Politik ist ja, um mit Hannah Arendt zu sprechen, nur unter der Voraussetzung einer dem »Medium der Pluralität« geschuldeten »Unabsehbarkeit der Taten«, eben radikaler Kontingenz, denkbar. Um mit diesem chaotischen Zustand fertigzuwerden, braucht es die bindende »Kraft gegenseitiger Versprechen«, Vertrauen in die anderen, die Mit-Handelnden. 19 Da der »flexible Mensch« (Richard Sennett) im »Zeitalter des Narzißmus« (Christopher Lasch) aber gerade die Zurückweisung aller Bindungen und eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Versprechungen als Überlebens- und Emanzipationsstrategie zu verinnerlichen hat, wirkt die Kontingenz des Politischen in der Tat nur noch bedrohlich.“ (Michelsen, Danny; Walter, Franz. Unpolitische Demokratie: Zur Krise der Repräsentation (edition suhrkamp) Suhrkamp Verlag).

Es liegt nicht nur in der Verantwortung der Parteien, eine stabile Regierung zu bilden, in noch größerem Mass muss es im Interesse aller Parteien liegen, die Vertrauensbasis in dem dargestellten Sinn wieder herzustellen.

 

 

Gegen eine „alternativlose“ Groko!

Das Verfallsdatum politischer Größe der deutschen Kanzlerin betrug nicht einmal zwei Jahre. Die unbürokratische Aufnahme von ca. einer Million Flüchtlinge in Deutschland, die über die Balkan-Route aus dem nahen Osten nach Europa drängten, nötigte auch der politischen Linken Zustimmung und Hochachtung ab. Das änderte sich jedoch, als das Wahlergebnis der Bundestagswahl vom 24. September 2017 offen legte, was die nationalistisch und rassistisch auftretende Rechte mit vielen unbelehrten alten Frauen und Männern den schon immer seit Bestehen von Nachkriegsdeutschland vorhandenen braunen Bodensatz an die Wahlurnen zu bringen verstand. Das war in der innenpolitischen Situation mit guten Zahlenwerten der Wirtschaftsstatistik jedoch schlechten Arbeitsbedingungen der Leistungsträger nicht schwer. Jene Arbeitnehmer, die von den Unternehmern zu Leistungsträgern erkoren wurden, leiden unter zunehmendem Streß, der im Zwiespalt von guter Bezahlung und hohem persönlichen Einsatz zu persönlichen Konflikten führt. Auf der anderen Seite jene ausgegrenzten Arbeitnehmer, die als Verfügungsmasse der Wirtschaft dienen und allenfalls für miese Jobs herangezogen werden.

Von dem Wahlergebnis – so schien es – ging ein politisches Signal aus, das zu der Aufkündigung der Gefolgschaft in einer erneuerten großen Koalition durch die SPD-Führung führte. Damit wurde im Moment höchster öffentlicher Aufmerksamkeit für jeden wahrnehmbar politische Verantwortung für die von der Linken und Rechten repräsentierten Reaktionen auf die Politik der großen Koalition übernommen. Für die einen war dies ein Signal für die nun beabsichtigte Korrektur der von der früheren SPD-Regierung zu verantwortenden Agenda 2010 mit Folgen für viele Arbeitnehmer, die in eine relative Armut an den Rand der Gesellschaft abgedrängt wurden. Für die politische Rechte wurde das Scheitern der großen Koalition auf die mit der Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik verbundenen Fragen reduziert, ohne den Zusammenhang mit der von vielen Arbeitnehmern befürchteten Konkurrenz durch zugewanderte Menschen und damit einer Verschärfung prekärer Verhältnisse im unteren Segment des Arbeitsmarktes zu thematisieren.

Vor dem skizzierten Hintergrund muss das in diesen Tagen nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche für eine „Jamaika-Koalition“ von der Verfassung vorgesehene Prozedere gesehen werden, in dessen Mittelpunkt der Bundespräsident steht. Die Rolle des Bundespräsidenten hat sich – entgegen dem in Teilen der Medien vermittelten Eindruck eines politischen Kontrolleurs – auf eine politische Reservefunktion zu beschränken. In seinen politischen Handlungen unterliegt er dabei der Kontrolle des Bundesverfassungsgerichts. In seinen Entscheidungen zur verfassungsrechtlichen Stellung des Bundespräsidenten hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2014 zum Ausdruck gebracht, dass er seine politischen Leitentscheidungen vor allem auf geistig-moralische Wirkung auszurichten hat. Hieraus ergibt sich das Gebot, eine gewisse Distanz zu Zielen und Aktivitäten von politischen Parteien und gesellschaftlichen Gruppen zu wahren. Diese dem Bundespräsidenten von der Verfassung zugewiesene Rolle ist Ergebnis geschichtlicher Erfahrung aus dem Präsidialsystem der Weimarer Republik, das wesentlich zur Entstehung der Diktatur des Dritten Reichs beigetragen hat.

Zwar hat Frank Walter Steinmeier seine SPD-Mitgliedschaft seit Übernahme seines Amtes als Bundespräsident ruhen lassen. Dennoch hat er sich mit seinen Äußerungen zu einer möglichen erneuten  großen Koalition eindeutig positioniert und damit eine politische Richtungsbestimmung intendiert, die als Fortsetzung der von ihm als Kanzleramtsminister einer früheren Bundesregierung maßgeblich mitgestalteten Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik mit den oben dargestellten Folgen zu verstehen ist. Nicht zuletzt mit seinen Äußerungen zum gewünschten Verhalten der SPD hat Steinmeier einen Flügelstreit in seiner Partei provoziert, der die Rolle des Bundespräsidenten in einem fadenscheinigen Licht erscheinen lässt.

Die nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen entstandene Situation, die den Bundespräsidenten auf den Plan gerufen hat, erfordert eine intensive öffentliche Diskussion, der sich alle beteiligten politischen Kräfte zu stellen haben, statt den Wählerwillen willkürlich für eine gerade opportun erscheinende Regierungskoalition wie „Jamaika“ zu interpretieren. Wähler stimmen nicht über Koalitionen ab – und schon gar nicht solch bunte, wie sie in den Farben der Jamaikanischen Flagge zu sehen sind.

Wie es nun nach dem (Alb)Traum von Jamaika weitergehen kann steht auf dieser Seite des Kampagnen-Netzwerks campact.

Gefühle in Deutschland – Auf dem Weg nach Jamaika

Beherrschende Themen der Hauptnachrichtensendungen der Tagesschau waren in den vergangenen Wochen die Folgen der Bundestagswahl und die Anbahnung der sogenannten Jamaika-Koalition sowie die Insolvenz und Zerlegung der Fluggesellschaft Air Berlin. Daneben rückten Umweltfragen durch nationale und internationale Wetterereignisse mit katastrophalen Folgen in den Fokus. Dominierendes Auslandsthema waren und sind die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.In der Grafik sind Vertrauen, Glück, Kraft und Zufriedenheit die dominierenden Gefühlszustände. Spitzenwerte werden von der Kurve für Vertrauen erreicht.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
Montag, 09. Oktober 2017  Glück, Kraft  Union schließt Kompromiss für Flüchtlingszuwanderung, Schäuble verabschiedet sich von Eurogruppe, Türkei startet Militäreinsatz in Nordsyrien, Air Berlin kündigt Ende des Flugbetriebs an, Richard Thaler erhält Wirtschafts-Nobelpreis, Polizei durchsucht Wohnung von AFD-Politiker Hampel, Autor Robert Menasse erhält deutschen Buchpreis
Dienstag, 10. Oktober 2017  Kraft, Allgemeinbefinden Puidgedemont verschiebt Erklärung zur katalanischen Unabhängigkeit, Grüne beraten über Regierungskoalition, IG-Metall-Vorstand fordert mehr Geld und reduzierbare Arbeitszeit, Streiks im öffentlichen Dienst Frankreichs, Regierungsprogramm in den Niederlanden vorgestellt, Impfkampagne in Bangladesh, Frankfurter Buchmesse eröffnet, Brände in Kalifornien
Mittwoch, 11. Oktober 2017  Mut, Glück, Hoffnung, Zufriedenheit Ministerpräsident Rajoy will Klarheit über katalanische Unabhängigkeit, Prozessbeginn gegen deutsche Journalistin und Übersetzerin, Deutschland verfehlt Klimaziele deutlich, Konjunkturprognose der Bundesregierung sieht Wirtschaft weiter wachsen, Zahlen von Asylsuchenden in Deutschland sinkt, Deutsche Studie belegt wachsende Internetnutzung, Frankfurter Buchmesse eröffnet, Bericht zu Menschenrechtsverletzungen an Rohingya, Urteil zu Vergewaltigung minderjähriger Ehefrauen in Indien, Weltmädchentag, Mindestens 17 Tote durch Brände in Kalifornien
Donnerstag, 12. Oktober 2017  Hoffnung, Glück, Aktivität, Vertrauen Lufthansa übernimmt Großteil von Air Berlin, Abschlussbericht im Fall Amri, Weitere Brexit-Verhandlungsrunde ohne Durchbruch, Österreich zieht wegen geplanter Maut vor EuGH, Deutschland verlängert Grenzkontrollen, Merkel besucht Kongress der IG Bergbau Chemie Energie, Einigung zwischen Fatah und Hamas, USA treten aus Unesco aus, Friedrichspreis für Fernsehjournalismus in Köln verliehen, Goetheturm in Frankfurt abgebrannt, Weiterhin zahlreiche Waldbrände in Kalifornien
Freitag, 13. Oktober 2017  Freude, Glück, Offenheit, Kraft  Trump kündigt neue Sanktionen gegen den Iran an, Grundschüler fallen bei Mathematik und Deutsch zurück, Wahlkampfendspurt in Niedersachsen, Ermittlungen gegen niedersächsischen AfD-Chef Hampel eingestellt, EU-Innenminister beraten über Schengen-Grenzkontrollen, Deutsch-türkischer Schriftsteller Akhanli wird nicht an die Türkei ausgeliefert, Buschbrände in Kalifornien, Dutzende Tote nach Überschwemmungen in Vietnam
Samstag, 14. Oktober 2017   Türkische Asylbewerber erheben Spitzelvorwürfe gegen BAMF-Mitarbeiter, Konservative ÖVP geht als Favorit in die Parlamentswahl in Österreich, UN-Blauhelme ziehen nach 13 Jahren aus Haiti ab, Sexskandal um Harvey Weinstein, Waldbrände in Kalifornien
Sonntag, 15. Oktober 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Aktivität, Gesamt, Glück SPD wird stärkste Kraft in Niedersachsen, Bundespolitische Reaktionen auf Niedersachsen-Wahl, Rechte Parteien gewinnen laut Hochrechnungen Wahlen in Österreich, Zahl der Todesopfer bei Anschlag in Somalia steigt auf über 200, Margaret Atwood erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Montag, 16. Oktober 2017  Zufriedenheit Beratungen über Wahlergebnis in Niedersachsen, Konservative nach Wahl in Österreich stärkste Kraft, Ultimatum für Katalonien endet Donnerstag, Irakische Armee rückt auf Kirkuk vor, Bahn erhöht Preise für den Fernverkehr, Wissenschaftler beobachten Entstehung von Gravitationswellen, Mindestens 35 Tote bei Waldbränden in Portugal
Dienstag, 17. Oktober 2017 Zufriedenheit, Allgemeinbefinden, Vertrauen, Freude, Hoffnung, Kraft, Mut, Gesamt Machtkampf zwischen Partei- und Fraktionsführung bei der Linkspartei, Fraktionsvorsitzende Nahles stimmt SPD-Abgeordnete auf Oppositionsarbeit ein, „Islamischer Staat“ offenbar vollständig aus Rakka vertrieben, Bundeswehr setzt Ausbildung von kurdischen Peschmerga-Kämpfern aus, Mindestens 85 Menschen bei Taliban-Angriffen in Afghanistan getötet, Internationales Entsetzen über Mord an maltesischer Journalistin, Türkei will deutschen Menschenrechtler Steudtner vor Gericht stellen, Spanien inhaftiert zwei katalanische Unabhängigkeitsaktivisten, Bundesamt warnt vor Sicherheitslücke bei drahtlosen Netzwerken
Mittwoch, 18. Oktober 2017 Vertrauen, Kraft, Hoffnung, Mut, Zufriedenheit, Allgemeinbefinden Ministerpräsident Tillich tritt zurück, Sondierungsgespräche zur Bildung einer Jamaika-Koalition, Wagenknecht und Bartsch bleiben Fraktionschefs der Linken, Xi Jinping eröffnet Parteikongress in China, Frankreich beschließt neues Anti-Terror-Gesetz, Gerichte in den USA blockieren Trumps Pläne zu Einreiseverboten
Donnerstag, 19. Oktober 2017 Zufriedenheit, Freude, Mut, Hoffnung, Vertrauen, Kraft FDP und Grüne treffen sich zu Jamaika-Sondierungen, Neue Studie zum Familiennachzug erwartet geringere Zahlen als bisher angenommen, Katalonien-Krise verschärft sich weiter, Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, Debatte über sexuelle Übergriffe: #MeToo, Zahl der fliegenden Insekten stark zurückgegangen
Freitag, 20. Oktober 2017 Vertrauen, Kraft, Mut, Hoffnung, Offenheit, Zufriedenheit, Allgemeinbefinden Jamaika-Sondierungen: Erste gemeinsame Sitzung der Parteien, EU-Gipfel ohne Durchbruch bei Brexit-Verhandlungen, Spaniens Ministerpräsident Rajoy plant offenbar Auflösung des katalanischen Parlaments, Mindestens 72 Tote bei Anschlägen auf afghanische Moscheen, G7-Innenminister vereinbaren entschiedeneres Vorgehen gegen terroristische Netzinhalte, Österreichs Bundespräsident erteilt Wahlsieger Kurz Regierungsbildungsauftrag, Beginn der Parlamentswahlen in Tschechien, Millionen Menschen sterben wegen Umweltverschmutzung, Rundfunkkommission berät Reform der Öffentlich-Rechtlichen, WM-Affäre: DFB muss Steuern nachzahlen
Samstag, 21. Oktober 2017  Vertrauen, Glück, Mut, Freude, Hoffnung, Zufriedenheit, Kraft, Gesamt Spanien leitet Entmachtung von Kataloniens Separatisten ein, Politiker der Jamaika-Parteien mahnen zu Kompromissen bei Sondierungen, Deutlicher Rechtsruck bei Parlamentswahl in Tschechien, Dutzende Tote bei schweren Gefechten mit Islamisten in Ägypten, IS reklamiert Anschlag auf Moschee in Kabul für sich, Messerattacke in München, 70. Jahrestags der Bremischen Verfassung
Sonntag, 22. Oktober Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Gesamt, Freude, Mut, Allgemeinbefinden Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort, Situation in den irakischen Kurdengebieten, Demonstration „Gegen Hass und Rassismus im Bundestag“, Widerstand gegen Spaniens Plan zur Entmachtung Kataloniens, Italiens Regionen Venetien und Lombardei stimmen über mehr Autonomie ab, Tausende demonstrieren in Malta nach Journalisten-Mord, Japans Regierungschef Abe triumphiert bei Parlamentswahl, Russischer Oppositioneller Nawalny wieder frei, Benefizkonzert für Hurrikan-Opfer
Montag, 23. Oktober 2017 Hoffnung, Allgemeinbefinden, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Glück Vorbereitung der ersten Sitzung im neuen Bundestag, Personalquerelen bei der SPD, Transfergesellschaft für Mitarbeiter von insolventer Air Berlin, Reformentwurf gegen Lohndumping in der EU, Große Mehrheit für mehr Autonomie bei Referenden in Norditalien, Japanischer Ministerpräsident Abe gewinnt Parlamentswahlen, Millionen-Hilfe für verfolgte Rohingya-Flüchtlinge, „Reichsbürger“ zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt
Dienstag, 24. Oktober 2017 Vertrauen, Glück, Kraft, Zufriedenheit, Freude, Hoffnung  Wolfgang Schäuble ist neuer Bundestagspräsident, Auftakt zur konstituierenden Sitzung, Sondierungsgespräche werden fortgesetzt, EU-Kommission fordert Aus für Glyphosat, Reformentwurf gegen Lohndumping in der EU, BverfG prüft Volkszählung von 2011, ÖVP plant Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ, Chinas Staatschef Xi Jinping baut Machtposition weiter aus
Mittwoch, 25. Oktober 2017 Freude, Mut, Aktivität, Vertrauen, Glück Air Berlin: Tausenden Angestellten droht Arbeitslosigkeit, Jamaika-Sondierungsgespräche thematisieren Haushaltspolitik, AfD-Fraktion hält an Glaser-Kandidatur für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten fest, Bundespräsident Steinmeier trifft Putin bei Besuch in Russland, Menschenrechtler Steudtner in Istanbul vor Gericht, EuGH-Entscheidung zu Asylanträgen, China: Xi als Generalsekretär wiedergewählt
Donnerstag, 26. Oktober 2017 Zufriedenheit, Hoffnung, Kraft, Allgemeinbefinden, Freude, Mut Freiheit für Menschenrechtler Steudtner nach mehr als 100 Tagen U-Haft in der Türkei, Jamaika-Sondierungsgespräche: Beratungen zu Migration und Klimaschutz, Katalonien-Konflikt: Puigdemont schließt Neuwahlen aus, EZB will weniger Anleihen kaufen, Sacharow-Preis geht an Venezuelas Opposition, Ausschreitungen bei erneuten Wahlen in Kenia, Thailand nimmt Abschied von König Bhumibol
Freitag, 27. Oktober 2017 Mut, Allgemeinbefinden, Zufriedenheit, Kraft, Vertrauen, Hoffnung Zwangsmaßnahmen gegen Katalonien im Amtsblatt veröffentlicht, Internationale Reaktionen auf die Entscheidungen im Katalonien-Konflikt, Schwierige Jamaika-Sondierung: Parteien vertagen ihre Verhandlungen zu Kernthemen, Air Berlin stellt nach fast 40 Jahren den Betrieb ein, EU-Kommission schlägt fünfjährige Verlängerung von Glyphosat-Zulassung vor, UN-Experten sehen Verantwortung für Giftgasangriff bei syrischer Führung, Trump ruft wegen Missbrauchs von Opioiden Gesundheitsnotstand aus, USA geben tausende Geheimdokumente zur Ermordung Kennedys frei, Gutachter: Keine Vollsperrung der A20 nötig
Samstag, 28. Oktober 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Hoffnung, Kraft, Allgemeinbefinden, Freude, Mut Spanische Zentralregierung entmachtet katalanische Regionalregierung, Air Berlin stellt Flugbetrieb ein, SPD-Parteichef Schulz spricht auf Konferenz in Hamburg, Deutliches Plus im Bundeshaushalt, Drei Jahre „Pegida„, Georg-Büchner-Preis geht an Lyriker Jan Wagner, Island wählt neues Parlament
Sonntag, 29. Oktober 2017 Kraft, Aktivität, Allgemeinbefinden, Offenheit, Hoffnung, Zufriedenheit Schwere Schäden durch Sturmtief „Herwart“, Parteien suchen Kompromisse in Klima– und Flüchtlingspolitik, Hunderttausende demonstrieren in Barcelona für Einheit Spaniens, Kurdenpräsident Barsani kündigt Rückzug an, Island nach Wahl vor schwieriger Regierungsbildung, Wiederaufbau der Garnisionskirche in Potsdam, Deutscher Umweltpreis in Braunschweig verliehen
Montag, 30. Oktober 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Freude, Gesamt, Hoffnung, Aktivität, Offenheit, Kraft, Mut Anklage gegen Trumps Wahlkampfchef Manafort, Katalanischer Regionalpräsident Puigdemont verlässt Spanien nach Anklage, Sondierungsgespräche von möglicher Jamaika-Koalition, CO2-Gehalt im letzten Jahr schneller gestiegen als zuvor, Syrien-Gespräche in kasachischer Hauptstadt Astana, Kenyatta gewinnt Präsidentschaftswahl in Kenia, Mittelalterliches Marktspektakel in der Lutherstadt Wittenberg, Nach Sturmtief „Herwart“: Normaler Verkehrsbetrieb bei Deutscher Bahn läuft wieder
Dienstag, 31. Oktober 2017 Zufriedenheit, Mut, Kraft, Vertrauen, Glück, Freude Festakt zum Beginn der Reformation vor 500 Jahren, Polizei nimmt Syrer wegen Terrorverdachts fest, Abgesetzter katalanischer Regionalpräsident will kein Asyl in Belgien beantragen, Amerikanischer Kongress befragt Internet-Konzerne über Einflussnahme Russlands auf den Wahlkampf, Selbstmordattentäter tötet mindestens sechs Menschen in Kabul, Bergung des havarierten Frachters vor Langeoog wird vorbereitet, Bahnverkehr hat sich normalisiert, Olympisches Feuer an kommende Winterspiele im südkoreanischen Pyeonchang übergeben
Mittwoch, 01. November 2017   Anschlag mit Kleinlaster in New York, Trump will nach Anschlag „Green-Card-Lotterie“ abschaffen, Haftbefehl gegen 19-jährigen Terrorverdächtigen in Schwerin, Sondierungen für Jamaika-Koalition gehen in weitere Runde, Koalitionsverhandlungen in Niedersachsen, Kosten für Asylbewerber gestiegen, bpb-Chef beklagt „kulturellen Kolonialismus“ westdeutscher Eliten, Puigdemont will Vorladung von Madrider Gericht ignorieren, UNICEF kritisiert Gewalt gegen Kinder, Katholiken in Deutschland feiern Allerheiligen, Russischer Langläufer Legkow gesperrt
Donnerstag, 02. November 2017 Vertrauen, Glück, Allgemeinbefinden, Freude, Gesamt, Freude, Zufriedenheit, Kraft, Mut Haftbefehl gegen Puigdemont und weitere Ex-Minister, Jamaika-Sondierungsgespräche ohne greifbare Ergebnisse, Steigende Anzahl an Asylbewerbern in Deutschland, Zahl der Arbeitslosen sinkt auf historischen Tiefstand, US-Republikaner präsentieren Entwurf für Steuerreform, Jerome Powell wird neuer FED-Chef, Suu Kyi besucht erstmal Krisenregion Rakhine, Skandal um Großbritanniens Ex-Verteidigungsminister Fallon, 100. Jahrestag der Balfour-Deklaration, Auf Grund gelaufener Frachter vor Langeoog wurde freigeschleppt
Freitag, 03. November 2017 Mut, Aktivität, Vertrauen, Glück, Allgemeinbefinden, Freude, Kraft Parteien ziehen Zwischenbilanz der Jamaika-Gespräche, Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze, Deutsche aus türkischer Haft entlassen, Puigdemont will sich nur belgischer Justiz stellen, Machtbereich des IS in Syrien schrumpft weiter, 588 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer gerettet, Vereinte Nationen fordern Ende der Diskriminierung von Menschen ohne Staatsbürgerschaft, Beerdigung von ermordeter maltesischer Journalistin Galizia, Staatsanwaltschaft und Polizei durchsuchen Metro-Konzernzentrale in Düsseldorf, Diskussion über den Videobeweis in der Bundesliga
Samstag, 04. November 2017 Hoffnung, Mut, Freude, Vertrauen, Kraft, Gesamt, Glück, Zufriedenheit, Aktivität CSU-Chef Seehofer unter Druck, Außenminister Gabriel trifft türkischen Amtskollegen Cavusoglu, Ausschreitungen bei Demonstration von Kurden in Düsseldorf, Erneutes Flüchtlingsdrama im Mittelmeer, Demonstration für Klimaschutz vor Weltklimakonferenz in Bonn, USKlimareport widerspricht Trump, Machtbereich des IS in Syrien schrumpft weiter, Österreichischer Politiker Pilz tritt zurück
Sonntag, 05. November 2017  Vertrauen, Glück, Freude, Hoffnung, Mut Paradise Papers„: Daten-Leak enthüllt Steuertricks der Reichen, Puigdemont stellt sich belgischer Polizei, CSU-Jugendverband will Söder als Parteichef, Klimakonferenz in Bonn, Saudi-Arabiens Königshaus lässt mehrere Funktionsträger des Staates festsetzen, Tote und Verletzte bei Anschlag in Syrien, Trump droht Nordkorea auf Asienreise, Mehr als 50.000 Teilnehmer bei New-York-Marathon
Montag, 06. November 2017 Glück, Kraft, Zufriedenheit, Vertrauen, Hoffnung, Mut Weltklimakonferenz in Bonn eröffnet, Studie zum Kraftstoffverbrauch von Neuwagen, Bundesregierung fordert Herausgabe der „Paradise Papers“ Recherchen, Reaktionen aus der Politik auf „Paradise Papers“, Zweite Runde der Sondierungsgespräche beginnt, Parteichef Schulz stellt Leitantrag für Erneuerung der SPD vor, US-Präsident Trump beginnt Asien-Reise in Japan, Trauer nach Anschlag in Texas, Ex-Schiedsrichter Krug als Projektleiter für Videobeweis abgesetzt
Dienstag, 07. November 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Allgemeinbefinden, Gesamt, Hoffnung, Mut, Freude Bundesverfassungsgericht stärkt Kontrollrechte des Bundestags, Kompromisssignale bei Sondierungsgesprächen für Jamaika-Koalition, Deutsche Unternehmen fordern Ausstieg aus der Kohleverstromung, Verhandlungen über große Koalition beginnen in Niedersachsen, Gesetzliche Krankenkassen: Bundessozialgericht stärkt Rechte von Patienten, Paradise-Papers: Beteiligung von deutschen Banken an Zahlungsverkehr für Online-Glücksspiele, Konflikte zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, Trump auf Staatsbesuch in Südkorea, Kundgebung von katalanischem Regierungschef Puigdemont in Brüssel, 100 Jahre Oktoberrevolution, Tropensturm in Vietnam
Mittwoch, 08. November 2017 Kraft, Freude, Vertrauen, Zufriedenheit, Allgemeinbefinden, Gesamt, Hoffnung, Behördenregister sollen Geschlechtseintrag für Intersexuelle anbieten, Wirtschaftsweise heben Konjunkturprognose deutlich an, Fast jeder fünfte Einwohner Deutschlands von Armut bedroht, Berliner Innenausschuss: Verdacht auf versuchte Unterwanderung der Berliner Polizei durch kriminelle Clans, EU-Kommission beschließt strengere CO2-Grenzwerte für Autos, NATO-Minister wollen Bündnisverteidigung stärken, Louvre Abu Dhabi eröffnet

Die vorstehende Grafik zeigt die Trends der vergangenen Wochen. Die oben erwähnten Gefühle zeichnen sich auch hier als stärkste Einflussfaktoren für das psychische Empfinden der Menschen in Deutschland aus. Dieses Ergebnis wird von der  unspezifischen Trendlinie des Allgemeinbefindens bestätigt. Es zeichnen sich zwei bemerkenswerte Korrelationen ab, die nach Erklärungen suchen: Die Trendlinien von Vertrauen und Zufriedenheit verlaufen waagerecht parallel, die im vorhergehenden Beobachtungszeitraum parallel verlaufenden Trendlinien von Mut und Glück verlaufen nun in entgegengesetzte Richtungen – Mut mit abnehmender Tendenz, Glück mit zunehmender Tendenz. Trotz heftiger Ausschläge der täglichen Werte von Vertrauen und Zufriedenheit mit einigen Korrelationen ergibt sich über den Zeitraum von einem Monat gesehen doch eine hohe Korrelation. Maßgeblich hierfür kann der durch die Jamaika-Gespräche auf Parteiebene wie auch in den Medien erzeugte politische „Schwebezustand“ sein: Solange nichts entschieden ist und noch verhandelt wird können alle Beteiligten zufrieden sein. Solange diese verhandlungen andauern sind die Wähler und ist die Öffentlichkeit suspendiert. Dieser Zustand wurde von einem Fernsehkommentator geradezu als erwägenswertes Modell für ein Interimsjahr erwähnt, bis es danach Neuwahlen gibt. (Es könnte sich allerdings hierdurch der Stellenwert der Bundesregierung gegenüber anderen Staatsorganen relativieren!) Dagegen verlaufen Kraft, Allgemeinbefinden, Freude und Offenheit mit abnehmender Tendenz. Will man auch hierfür die bundespolitischen Verhältnisse verantwortlich machen, so bietet sich folgende Interpretation an: Die Auseinandersetzung so unterschiedlicher Wahlkampfkontrahenten wie FDP, Bündnis90/Grüne und CSU in jeder denkbaren Paarung bereitet sicher ihren Parteigängern wenig Freude und verlangt große Offenheit, die jedoch mit zunehmender Verhandlungsdauer abnimmt. Das zehrt an den psychischen Ressourcen und raubt auch physisch durch langes Sitzen Kraft. Am Ende steht ein schlechtes Allgemeinbefinden. Politisch gesehen sind das keine guten Voraussetzungen für ein Regierungsprogramm, das unter den Bedingungen eines Verhandlungsmarathons im physischen und psychischen Stress ausgehandelt wurde.

Der Vergleich der Kurzzeittrends verdeutlicht die oben dargestellten Interpretationsmodelle und zeigt die gravierendsten Veränderungen in der Entwicklung von Vertrauen, Kraft, Glück, Freude und Offenheit an. Weniger augenscheinlich sind die Trendumkehrungen von Allgemeinbefinden, Hoffnung und der Gesamtheit der Gefühle. Lediglich graduelle Trendveränderungen gibt es bei Zufriedenheit, Mut und Aktivität.

Der oben stehende Vergleich des längerfristigen Trends mit dem trend des vergangenen Monats zeigt, dass bei 6 der insgesamt 11 Trends eine abweichende Tendenz  vorhanden ist. Eine Verbesserung langfristiger Trends ist dabei für Vertrauen, Zufriedenheit und Glück, eine Verschlechterung für Kraft, Freude und Mut zu sehen. Dieses Ergebnis würde in dem oben dargestellten Denkmodell „Interimsjahr“ durchaus einen Sinn ergeben: Der allgemein diagnostizierte Vertrauensschwund in die politischen Organe, das nachlassende Gefühl von Glück trotz materiellen Wohlstands von 2/3 der Menschen in Deutschland und die wachsende Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation würden aus der Machtsphäre des Staates für eine gewisse Zeit herausgelöst und gäben außerparlamentarischen Initiativen mehr Einfluss. Frei werdende Potentiale von Kraft, Freude am Gestalten und Mut zu neuen Initiativen könnten die momentane Abwärtstendenz dieser Werte überwinden. In jedem Fall gilt jedoch das Rheinische Grundgesetz: Et kütt wie et kütt. (Füge dich in das Unabwendbare; du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern.)

Der Prellstein

Der Prellstein

Es war 1978, als meine Eltern das Haus meiner Kindheit verließen und in eine Wohnung im Dorf umzogen. Etwa zur gleichen Zeit zog ich mit meiner Familie in das eigene Haus ein. Durch die zeitliche Nähe dieser Ereignisse mit der gesteigerten Aufmerksamkeit für das, was an einem Ort aufgegeben wird und an einen anderen Ort verbracht werden muss oder kann fiel mir der Prellstein ein, der an der Einfahrt zum Hof des Hauses lag, in dem ich die längste Zeit meiner Kindheit und Jugend gelebt hatte. Prellsteine oder Radabweiser haben traditionell die Aufgabe, die Räder von Fuhrwerken vor Beschädigungen durch Mauerkanten und Toreinfahrten zu schützen. Dieser Prellstein hatte die an die Moderne angepasste Aufgabe, den Betonpfahl in der Gartenecke an der Einfahrt vor Zerstörung zu schützen und Blechschäden an Fahrzeugen zu vermeiden. Es ist ein unbearbeiteter „Findling“, eigentlich ein als Geschiebe bezeichnetes Relikt der Eiszeit, in einem tragbaren Format. Auf diesem Stein hatte ich oft in der Mittagszeit nach der Rückkehr von der Schule gesessen und meine Gedanken reflektiert. Hierzu gehörten auch philosophische Fragen von der Art, wie sie in dem von Peter Handke verfassten „Lied vom Kind sein“ umrissen ist:… Als das Kind Kind war, war es die Zeit der folgenden Fragen: Warum bin ich ich und warum nicht du? Warum bin ich hier und warum nicht dort? Wann begann die Zeit und wo endet der Raum? Ist das Leben unter der Sonne nicht bloss ein Traum? Ist was ich sehe und höre und rieche nicht bloss der Schein einer Welt der Welt? Gibt es tatsächlich das Böse und Leute, die wirklich die Bösen sind? Wie kann es sein, dass ich, der ich bin, bevor ich wurde, nicht war, und dass einmal ich, der ich bin, nicht mehr der ich bin, sein werde? …

Die grundlegenden Fragen von Kindern, die manchmal die Welt aus den Angeln heben, sind für den Philosophen Karl Jaspers „ein wunderbares Zeichen dafür, dass der Mensch als solcher ursprünglich philosophiert.“ Immanuel Kant hat sie in Kategorien geordnet:

  • Was kann ich wissen? (Erkenntnistheorie)
  • Was soll ich tun? (Moral und Ethik)
  • Was darf ich hoffen? (Religion und Gesellschaftstheorie)
  • [Was ist der Mensch? (Anthropologie)]

Die Grundfragen des Menschen sind von existenzieller Bedeutung und haben ihre Bestätigung für mich in einigen prägenden Erlebnissen gefunden, auf die ich nachfolgend näher eingehe. Zu diesen Erlebnissen gehört ein häufiger Traum der davon handelt, daß ich über dem Prellstein in seiner schützenden Funktion an der Hofeinfahrt mit dem unmittelbar daneben im Garten stehenden Pflaumenbaum aus eigener Kraft ohne andere Hilfsmittel als nur den sich auf- und abbewegenden ausgebreiteten Armen in die Höhe steige. Es ist eher das Bild einer Lerche über dem Feld als das eines davon fliegenden Vogels. Diese immer wieder aufgefrischte Erinnerung an meine philosophischen Überlegungen auf dem Stein hat vor allem ein Bündel der mit ihm verbundenen Fragen wach gehalten. Hierzu gehörten Fragen wie: Gibt es mich nur einmal auf der Welt – im gesamten Universum? Wenn ja, gibt es eine Gleichzeitigkeit zwischen mir und meinem Doppel? Können wir unabhängig voneinander denken und handeln? Was und wo bin ich, wenn ich schlafe? Ist die Welt um mich herum auf mich konzentriert und gar nicht unabhängig von mir existent? Es gab ein Gefühl der Angst im Hintergrund, das diese Fragen hervorzurufen schien: Es war die Sorge, allein auf der Welt zu sein und keine Bestätigung meiner Gefühle zu erhalten – ja, nicht erhalten zu können.

Die Fragen der Kindheit wurden weitgehend verdrängt durch die im 14. Lebensjahr von mir verlangte Entscheidung, welchen Beruf ich ergreifen wollte. Die Folgen dieser Entscheidung nahmen nahezu vollständigen Besitz von mir. Es mussten Adressen von Ausbildungsstellen gesammelt werden, Bewerbungsunterlagen erstellt werden, Vorstellungstermine wahrgenommen werden in einer völlig neuen Sphäre. Eine Intensivierung dieser Besitzergreifung erfolgte jedoch erst als „der Ernst des Lebens“ mit dem Antritt der Lehrstelle begann. In diese Zeit fiel ein Ereignis, dass eine tiefe Ergriffenheit bei mir erzeugte.

Hieronymus Bosch: Aufstieg der Seligen

Im Alter von 16 Jahren musste ich mich einer Mandeloperation (Tonsillektomie) unterziehen. Zu jener Zeit wurden viele entzündliche Gesundheitsstörungen, für die keine eindeutigen Auslöser gefunden werden konnten, häufig den Mandeln zugeschrieben – auch wenn diese vollkommen in Ordnung waren. So auch in meinem Fall. Ebenfalls üblich war die vor der Operation verabreichte Narkose durch Äther. Nachdem die in  Entgiftungsphase nach der Narkose überstanden war fühlte ich mich wie ein neuer Mensch, alle Last war von mir abgefallen. Meine Gedanken kreisten um ein Erlebnis, das mir in der Narkose widerfahren war: ich befand mich plötzlich in einem Raum, in dem sich eine Anzahl gut und zivil gekleideter unbekannter Menschen befand, die großes Interesse an mir hatten und Zuneigung zu mir zum Ausdruck brachten. Für mich war dort der Ort der Glückseligkeit, den ich nicht mehr verlassen wollte. Doch man erklärte mir, ich müsse in mein irdisches Dasein zurückkehren, da meine Aufgaben noch nicht erfüllt seien. Erst einige Jahre später erfuhr ich durch die Lektüre eines Buches von Elisabeth Kübler-Ross, dass ich ein Nahtoderlebnis gehabt haben musste. Welche Rolle dabei die Äther-Narkose gespielt hat ist mir nicht klar. In der Literatur wird jedenfalls über eine Häufung von Nahtoderlebnissen in der Äther-Narkose berichtet – mal, dass ein kurzer Herzstillstand eingetreten ist, ein andermal ohne nähere Angaben. Der Nahtod-Forscher Schröter-Kunhardt gibt als die mit Abstand häufigsten Sensationen an:  61 Prozent erleben eine Stimmungsaufhellung mit angenehmen, leichten Gefühlen. Am zweithäufigsten tritt mit 58 Prozent – aus der ersten hervorgehend – die außerkörperliche Erfahrung auf, bei der man sich vom Körper distanziert und ihn von oben wahrnimmt. Letztere Erfahrung lag in meinem Fall nicht visuell vor, sondern war in der erlebten Situation als vom Körper abgelöstes Bewusstsein vorhanden.

An einem der wenigen Tage dieses Krankenhausaufenthalts geschah noch etwas zutiefst bewegendes: Meine erste intensive Begegnung mit einem Mädchen. Es war eine Studentin im Praktikum, die sich am frühen Abend zu mir auf die Bettkante setzte und sich sehr für meine Buchlektüre zu interessieren schien. Mir erschien dieses Interesse als großer Zufall, handelte es sich doch um die Lebensgeschichte von Temudschin, bekannter unter dem Namen Dschingis Khan. An diesem Abend spürte ich erstmals die erotisierende Wirkung weiblicher Nähe und erfuhr, dass ich nun an der Schwelle zum Erwachsenen stand.

Die Erlebnisse während meines kurzen Krankenhausaufenthalts hatten u. a. die Folge, dass ich breit gefächerte Interessen entwickelte und mich besonders  für psychologische und philosophisch-spirituelle Fragestellungen interessiere, ohne jedoch einen Berufswunsch auf diesen Gebieten zu entwickeln. Für mich gehörten  die  genannten Fragestellungen zur Entwicklung einer harmonischen Lebenspraxis dazu und veranlassten mich später neben meinem technischen Beruf dann später, eine Ausbildung zum Heilpraktiker zu absolvieren.

Die persönliche Aufarbeitung des oft wiederholten Traumes vom Fliegen ergab – wie könnte es bei Freud auch anders sein? – den Zusammenhang mit dem Fliegen des Vogels, der auf die Symbolik erotischer Träume hinweist. Freud schreibt hierzu: „Warum träumen aber so viele Menschen vom Fliegenkönnen? Die Psychoanalyse gibt hierauf die Antwort, weil das Fliegen oder Vogel sein nur die Verhüllung eines anderen Wunsches ist, zu dessen Erkennung mehr als eine sprachliche und sachliche Brücke führt. Wenn man der wißbegierigen Jugend erzählt, ein großer Vogel, wie der Storch, bringe die kleinen Kinder, wenn die Alten den Phallus geflügelt gebildet haben, wenn die gebräuchlichste Bezeichnung der Geschlechtstätigkeit des Mannes im Deutschen »vögeln« lautet, das Glied des Mannes bei den Italienern direkt l’uccello (Vogel) heißt, so sind das nur kleine Bruchstücke aus einem großen Zusammenhange, der uns lehrt, daß der Wunsch, fliegen zu können, im Traume nichts anderes bedeutet als die Sehnsucht, geschlechtlicher Leistungen fähig zu sein. Es ist dies ein frühinfantiler Wunsch. Wenn der Erwachsene seiner Kindheit gedenkt, so erscheint sie ihm als eine glückliche Zeit, in der man sich des Augenblicks freute und wunschlos der Zukunft entgegenging, und darum beneidet er die Kinder.“ Meine Träume vom Fliegen sind in den letzten Jahrzehnten sehr selten geworden und so hat der Prellstein mit zunehmendem Alter mehr und mehr die Rolle eines „Gedenksteins“ erhalten, der an meine persönliche Vergangenheit erinnert und diese im Bewusstsein hält.

Von den philosophischen Fragen hat sich jene nach dem menschlichen Vermögen, die Wirklichkeit zu erkennen bis zu diesem Moment, wo ich darüber schreibe, erhalten. Sie hat für mich wieder größere Bedeutung gewonnen, seit ich aus den beruflichen Zwängen, die mich an mathematische und objektivistische Begründungen gebunden hatten, entlassen bin. Es mag vielleicht an der eingeübten Stringenz meines Denkens gelegen haben, dass ich sehr bald die Geisteshaltung des Solipsismus als Ausgangsgedanken nahm und damit an Fragen meines frühen Lebens anknüpfte. Von hier aus erschloss sich der von Immanuel Kant geäußerte Gedanke der Nichterkennbarkeit des „Ding an sich„, der zu einem der wesentlichen Grundsätze der Aufklärung wurde und als Einfallstor für den Solipsismus moderner Prägung dienen konnte – dieses aber nur, indem sich das allgemeine Interesse an Kant auf die Kritik der reinen Vernunft konzentrierte und die beiden folgenden Kritiken – Kritik der praktischen Vernunft und die Kritik der Urteilskraft weitgehend vernachlässigte.

Bereits in den Anfängen der griechischen Philosophie ist ein Bedürfnis festzustellen, eine allgemein verbindliche Definition für das, was wirklich ist, zu erreichen. Der zu den Vorsokratikern gehörende Philosoph Parmenides verkündete eine Definition von Wirklichkeit als Identität von Sein und Denken. Hiergegen behaupteten sophistische Kritiker wie Gorgias, es existiere nichts und wenn doch etwas existieren sollte, so könne der Mensch es nicht begreifen und schließlich, wenn es auch begreiflich wäre, so könnte es einem anderen nicht mitgeteilt oder erklärt werden. Viele der in der Gegenwart geführten Debatten erinnern an diese anfänglichen Sophistereien. Ich erinnere nur an Schlagworte wie Fake-News oder „alternative Fakten„. Hinter diesen Sprachschöpfungen verbirgt sich eine solipsistische Haltung, die auf der Grundhaltung beruht, „wirklich ist nur das, was ich für wirklich halte.“  Diese Haltung ist mit Vernunftargumenten nicht zu widerlegen, da in dem Moment, wo wir über das «Wesen» unseres Bewußtseins und seiner «Inhalte» (zu denen auch unser Wissen um die Außenwelt gehört) reflektieren, können wir dies wiederum nur mit Hilfe von Bewußtseinsinhalten tun. Es handelt sich also um eine Endlosschleife  oder wie der Volksmund sagt, um eine Situation, in der sich die Katze in den Schwanz beißt. Es ist nicht anders, als wollten wir beispielsweise versuchen, über das Wesen des Lichtes dadurch Näheres zu erfahren, daß wir einen Lichtstrahl beleuchten.

Rückblickend auf meine kindlichen Fragen interpretiere ich die solipsistischen Anklänge in dem Sinne, dass es eher die existentialistische Angst vor dem Alleinsein und damit der Versuch einer Vermeidung solipsistischer Arroganz war, die mich nach einem Ausweg suchen ließ, der in einer Verdopplung meines Ich existieren könnte. (Vielleicht ist in einer solchen Beziehung zwischen Solipsismus und Existentialismus auch das Verlangen einiger Eliten begründet, das Klonen von Menschen zu ermöglichen!)

Der Weg in den Solipsismus wird, wie ich am Beispiel meiner eigenen kindlichen Phantasie geschildert habe, bereits in der Bewusstseinsentwicklung des Kindes vorgezeichnet. Nach dem Schweizer Biologen Jean Piaget erfolgt die letzte Vervollkommnung der menschlichen Denkfähigkeiten, die er formal-operationales Denken nennt,  etwa ab dem 11. Lebensjahr. Auf dieser Ebene wird die soziale Persönlichkeit oder Rolle als bloßer Schein und im Gegensatz zum wahren inneren Ich gesehen. Das Kind erhält die Fähigkeit, seine Rolle gegenüber der Gesellschaft zu definieren. Diese Phase ist über einen erheblichen Zeitraum zeitgleich mit der konfliktreichen Zeit der Pubertät, in der auch deutlich wahrnehmbare Veränderungen des Körpers stattfinden. Das Bewusstsein vom Ich wird stabil und folgt nicht mehr den wechselnden Gefühlsregungen. An die Stelle der Folgsamkeit im sozialen Umfeld tritt die Reflexion über das eigene Verhalten.  Es können verschiedene Möglichkeiten aus der jeweiligen Situation durchdacht werden und zur persönlichen Entscheidung führen. Jedes höhere Niveau erlaubt die Lösung einer grösseren Zahl und Vielfalt von Problemen, da einige neue relevante Aspekte der Aufgabe zusätzlich einbezogen werden. Gemäss Piaget schliesst jede neue Strategie die Elemente der vorhergehenden ein, ist aber differenzierter und gleichgewichtiger als diese. Wenn dieser Abnabelungsprozess von der bewahrenden und lenkenden Gesellschaft gelingt, kann schließlich vom „reifen Ich“ gesprochen werden.

In dieser für die weitere Entwicklung des Menschen entscheidenden Phase kann die Entwicklung jedoch eine falsche Wendung nehmen und zu etwas ganz anderem als dem „reifen Ich“ führen. Wie bereits oben erwähnt, kann die Bewusstseinentwicklung reflektierend in eine Endlosschleife geraten und die körperlich wie seelisch hinzu erworbenen Fähigkeiten als bloße Instrumente zur Durchsetzung von Wünschen des noch unreifen Ich benutzen, in dem die Persönlichkeit darin gefangen bleibt und kein sozialverträgliches Verhalten entwickeln kann. Hierauf sind viele Probleme der Jugendkriminalität zurückzuführen. Für die von Ken Wilber vertretene Integrale Theorie entspricht dem individuellen Defizit einer unterbliebenen Transzendierung auf eine höhere Ebene der Persönlichkeitsentwicklung in dem auf gesellschaftlicher Ebene stattgefundenen grundlegenden Programm der Aufklärung eine Reduktion des Subjekts auf seine physikalisch und mathematisch beschreibbaren Kennzeichen – den rechten Quadranten im AQAL-System nach Wilber. Wilber weißt darauf hin, dass nur ein transzendentes Ich mit anderen transzendenten Ichs wahrhaft verbunden sein kann. Entlang dieser Defizitlinie verläuft die tiefere Spaltung von Gesellschaften.

Die persönliche Entwicklung ist mit dem Erreichen des reifen Ich nicht abgeschlossen. Die psychische Entwicklung im Erwachsenenalter ist vor die Aufgabe gestellt, die getrennten Sphären von Körper und Geist zu integrieren um das von Wilber „zentaurisches Bewusstsein“ genannte Stadium zuerreichen um dann, wenn alles gut geht, am Ende des Lebens zu der Erkenntnis zu kommen, dass das menschliche Leben nur „ein kurzes Aufblitzen in der kosmischen Leere“ ist. Dieses letzte Stadium, in dem alle dem inneren Auge gegebenen Möglichkeiten zusammengefasst sind, nennt er Schau-Logik. In diesem Stadium angekommen bekannte Tolstoi: „Meine Frage, die Frage, die mich im fünfzigsten Lebensjahr zu Selbstmordgedanken brachte, war die allereinfachste Frage, die in der Seele eines jeden Menschen ruht »Was wird das Ergebnis sein von dem, was ich heute tue, was ich morgen tun werde – was wird das Ergebnis meines ganzen Lebens sein?« Anders ausgedrückt wird die Frage so lauten: »Wozu lebe ich? Wozu begehre ich? Wozu handle ich?« Etwas abstrakter kann man die Frage so ausdrücken: »ist in meinem Leben ein Sinn, der nicht zunichte würde durch den unvermeidlichen, meiner harrenden Tod?«“ [Meine Beichte, Düsseldorf, Köln: Diederichs, 1978, S. 44., zitiert nach Wilber]

Es scheint, als wäre mein Nahtoderlebnis ein Korrektiv innerhalb der oben dargestellten Abfolge von Entwicklungsphasen, indem es mir eine Ahnung von dem vermittelte, was auf der anderen Seite des Lebens möglich ist und gleichzeitig zu verstehen gab, dass  die Zeit für mich noch nicht reif war, um den Entwicklungsprozess zu beenden. Diese Interpretation ist allerdings nicht verallgemeinerbar und erklärt nicht die vielen Tode von Menschen, die am Beginn ihres Lebens sterben. Das persönliche Schicksal bleibt trotz allem ein metaphysisches Rätsel.

 

 

Gefühle in Deutschland – Anfang Oktober 2017

Beherrschende Themen der Hauptnachrichtensendungen der Tagesschau waren in den vergangenen Wochen der Bundestagswahlkampf und die Ergebnisse der Bundestagswahl vom 24. September. Die hohen Stimmenverluste der traditionellen Volksparteien führten zu einem sprunghaften Wahlsieg der AfD. Die hierdurch entstandenen Veränderungen im Parteiensystem Deutschlands und die Folgen für eine Regierungsbildung rückten in das Zentrum des Medieninteresses. Weitere Schwerpunkte der Nachrichten waren die Insolvenz des Billigfluganbieters Air-Berlin, der Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens, der Nordkorea-Konflikt, die außen- und innenpolitische Situation der Türkei mit ihren Weiterungen und die Verleihung der Nobelpreise. Daneben spielten auch die latent gegebenen Ereignisfelder Terrorismus, Wirtschafts– und Gewaltkriminalität und wirtschaftlicher Strukturwandel hervorgehobene Rollen.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.In der Grafik sind Vertrauen, Glück, Kraft und Zufriedenheit die dominierenden Gefühlszustände. Spitzenwerte werden von der Kurve für Vertrauen erreicht.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
Dienstag, 12. September  

Freude

 

 NSU-Prozess: Bundesanwaltschaft fordert Höchststrafe für Zschäpe, Air Berlin streicht Flüge wegen Krankmeldungen der Piloten, CDU-Politiker Heiner Geißler gestorben, OECD-Studie zu internationalem Bildungsstand, Bundespräsident Steinmeier besucht tschechischen Amtskollegen Zeman, Türkei irritiert NATO-Partner mit Kauf von russischem Raketenabwehrsystem, UN-Sicherheitsrat verhängt neue Sanktionen gegen Nordkorea, Franzosen demonstrieren gegen geplante Arbeitsmarktreform, Rohingya werden offenbar weiterhin aus Myanmar vertrieben, Hurrikan „Irma“ hinterlässt Zerstörungen
Freitag, 15. September Glück  Verletzte nach Bombenexplosion in Londoner U-Bahn, Nordkorea testet erneut Rakete, Finanzminister treffen sich in Tallinn, Angebotsfrist für insolvente Fluggesellschaft Air Berlin endet, Armutsrisiko für Kinder ist gestiegen, Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht Studie zu Computern im Unterricht, Zahl der Hungernden weltweit gestiegen, Trump unterschreibt Erklärung gegen rechter Gewalt, Nach 20 Jahren beendet Raumsonde „Cassini“ Mission, Mögliche Spielorte für EM 2024
Samstag, 16. September Vertrauen  Verdächtiger nach Anschlag in Londoner U-Bahn festgenommen, EU-Finanzminister beraten sich in Tallinn über Besteuerung von Internet-Konzernen, UN-Sicherheitsrat berät weiter zu Nordkorea, Massenflucht muslimischer Rohingya nach Bangladesch bringt Spannungen mit Myanmar, Polizei bei Frankfurt stoppt Flüchtlinge in Schleuser-Lkw, Ökumenisches Fest startet in Bochum, Oktoberfest in München ist eröffnet
Sonntag, 17. September  Zufriedenheit, Offenheit, Mut  Grüne läuten Wahlendspurt ein, Lindner greift auf Parteitag AfD scharf an, Türkei verärgert über Kurdendemonstration in Köln, Zweiter Verdächtiger nach Anschlag auf Londoner U-Bahn festgenommen, Palästinenser-Gruppen Hamas und Fatah auf Versöhnungskurs, Abschluss der documenta 14, Architekt Albert Speer junior mit 83 Jahren gestorben
Montag, 18. September Freude, Glück, Vertrauen  Trump fordert Reform der UN, Einsparpläne der USA gefährden UN-Flüchtlingshilfe, Gewerkschafts-Institut fordert höhere Steuern für Reiche, Türkei bestellt deutschen Botschafter ein, Oberstes Gericht im Irak setzt Kurdenreferendum aus, Kritik an Ryanair nach Flug-Streichungen, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Kritik, Geldstrafen wegen unterlassener Hilfeleistung in Essener Bank
Mittwoch, 20. September Vertrauen, Mut, Glück  Mindestens 220 Menschen sterben nach schweren Erdbeben in Mexiko, Thyssenkrupp und Tata fusionieren zu neuem Stahlkonzern, Insolvenz bei Air Berlin: Auffanggesellschaft für Personal gefordert, Grundsatzurteil zur Berechnung für Zulagen zum Mindestlohn, Razzia gegen Regionalregierung vor Referendum in Katalonien, Türkei droht Kurden im Irak mit Sanktionen, UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, Rouhani vor UN-Vollversammlung, Hurrikan „Maria“ erreicht Puerto Rico
Freitag, 22. September Kraft  Schlussspurt im Bundestagswahlkampf, Letzte Sitzung des Bundesrats vor der Wahl, Nordkoreakrise eskaliert erneut verbal, Iran will Raketenprogramm stärken, May schlägt zweijährigen Übergang nach Brexit vor, Macron unterschreibt Arbeitsmarktreform, Asli Erdogan erhält Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis, Widerstand gegen Stahlfusion, Zahl der Opfer nach Erdbeben in Mexiko steigt
Sonntag, 24. September Offenheit, Freude  Hochrechnungen zur Bundestagswahl, Reaktionen der Spitzenpoplitiker auf die Hochrechnungen, Volksbefragung zur Zukunft des Flughafens Tegel in Berlin
Montag, 25. September Aktivität  CDU und SPD müssen nach der Bundestagswahl starke Verluste hinnehmen, FDP, B’90/ Die Grüne und die Linke gehen gestärkt aus Wahl hervor, AfD vor Zerreißprobe, Reaktionen auf die Bundestagswahl 2017, Berliner votieren für Weiterbetrieb des Flughafen Tegel, Kurden im Irak stimmen über Unabhängigkeit ab
Dienstag, 26. September Vertrauen, Glück  Diskussion über Jamaika-Koalition, Kurs der neuen Opposition, Macron stellt Reformpläne für Europa vor, Trumps Gesundheitsreform vor dem Aus, Prozessbeginn gegen Abu Walaa in Celle, Verleihung des alternativen Nobelpreis in Stockholm
Mittwoch, 27. September Vertrauen, Hoffnung  CSU vertagt Führungsstreit, Schäuble soll neuer Bundestagspräsident werden, Andrea Nahles ist neue SPD-Fraktionsführerin, Politische Geschäfte bis zur Regierungsbildung, ICE-Hersteller Siemens und TGV-Produzent Alstom fusionieren Zugsparten, Britische Labour-Partei beendet Parteitag, Mehrheit der Kurden im Nordirak stimmt für Unabhängigkeit, Brand und Explosion in ukrainischem Munitionslager, Saudi-Arabien erlaubt Frauen am Steuer von Autos
Freitag, 29. September Vertrauen  Altkanzler Schröder neuer Aufsichtsratschef bei russischem Ölkonzern Rosneft, EU-Gipfel: Staats- und Regierungschefs beraten über digitale Zukunft, Katalanische Regionalregierung will trotz Verbot Unabhängigkeitsreferendum abhalten, Irak verhängt nach Unabhängigkeitsvotum Flugverbot in Kurdenregion, Arbeitslosenzahlen sinken im September, Dieselskandal kostet VW weitere Milliarden, Prozess gegen ehemaligen Hypo-Real-Estate-Vorstandschef Funke eingestellt, Rundfunkkommission prüft Vorschlag für Strukturreform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Polizei fahndet weiter nach Lebensmittelerpresser, Schauspieler Andreas Schmidt gestorben
Samstag, 30. September Zufriedenheit, Kraft  Kleiner Parteitag der Grünen stimmt für Jamaika-Sondierungsgespräche, Richtungsdebatte in der Union nach Wahlschlappe, Katalanische Regionalregierung will Referendum weiterhin durchführen, Iran stoppt Ölexporte in Kurdenregion, USA wollen mit Nordkorea verhandeln, Dramatische Lage auf Puerto Rico zwei Wochen nach Hurrikan „Maria“, Polizei fasst mutmaßlichen Supermarkt-Erpresser
Montag, 2. Oktober Offenheit, Hoffnung  Viele Tote bei Angriff in Las Vegas, Nach Referendum in Katalonien wünscht Regionalregierung Vermittlung durch EU, AfD-Kandidatur für das Bundestagspräsidium stößt auf Widerstand, Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit, CSU-Generalsekretär Scheuer fordert Burka-Verbot, Wahlkampf in Österreich: Sozialdemokraten unter Druck, Insolvenz bei Billig-Airline Monarch, Rheintalbahn fährt wieder, Prozessauftakt nach Giftmord an Halbbruder von Kim Jong Un, Nobelpreis für Medizin geht an drei US-Forscher
Dienstag, 3. Oktober Vertrauen, Kraft, Hoffnung,

Aktivität

 Feiern zum Tag der Deutschen Einheit, Entwicklung in Ost und West, Tag der offenen Moscheen in Deutschland, Generalstreik in Katalonien, Motiv des Täters von Las Vegas weiterhin unklar, Trump besucht Puerto Rico, Dschalal Talabani gestorben, Neue Erkenntnisse zu Amoklauf in München, Nobelpreis für Physik geht in die USA, Berliner Staatsoper wiedereröffnet, Tom Petty gestorben
Mittwoch, 4. Oktober Freude  Katalonien-Krise spitzt sich weiter zu, Parteitag der Konservativen in Großbritannien, Anklage gegen Frauke Petry erhoben, Nationale Armutskonferenz tagt in Berlin, Polizei sucht nach Angriff in Las Vegas weiter nach Motiv des Täters, EU-Kommission verpflichtet Amazon zu Steuernachzahlung, Wettbewerbswidrige Steuerdeals zwischen Apple und Irland sollen vor Gericht, Bundesverfassungsgericht prüft Medizin-NC, Nobelpreis in Chemie geht an drei Forscher
Donnerstag, 5. Oktober Zufriedenheit, Mut, Offenheit, Kraft  Sturmtief „Xavier“ fordert weitere Todesopfer, Machtkampf zwischen Spanien und Katalonien spitzt sich zu, Generalbundesanwalt beendet NSA-Ermittlungen, Erste öffentliche Anhörung der Geheimdienstchefs im Bundestag, Ex-Geheimdienstagent Mauss wegen Steuerhinterziehung verurteilt, Amnesty kritisiert Abschiebepraxis nach Afghanistan, Saudi-Arabien und Russland vertiefen Rüstungs- und Energiegeschäfte, EU-Parlament stimmt für neue europäische Staatsanwaltschaft, Bund kürzt Zuschüsse für Islamverband Ditib, Literaturnobelpreis geht an Kazuo Ishiguro
Freitag, 6. Oktober Kraft, Zufriedenheit  Friedensnobelpreis für Anti-Atomwaffen Kampagne ICAN, Behinderungen im Bahnverkehr nach „Xavier“, Neue Vorschläge zu schärferen US-Waffengesetzen, UN-Bericht zu Kindern als Opfer von Kriegen, Spanische Regierung entschuldigt sich für Polizeigewalt, Tote und Verwüstungen in Mittelamerika durch Tropensturm „Nate“
Samstag, 7. Oktober Zufriedenheit, Hoffnung, Aktivität  Merkel beim „Deutschlandtag“ der Jungen Union, Zehntausende demonstrieren für den Dialog zwischen Madrid und Barcelona, Tausende protestieren in Russland gegen Präsident Putin, Airbus stimmt Belegschaft auf harte Zeiten ein, Drei Deutsche bei Busunglück in der Türkei gestorben, Auto fährt in Fußgängergruppe in London, Sturmfolgen nach „Xavier“ halten an, Künstlerin Isa Genzken erhält Kaiserring der Stadt Goslar, Weltgrößte Ernährungsmesse Anuga in Köln eröffnet
Sonntag, 8. Oktober Freude, Vertrauen, Glück,

Offenheit,Kraft, Hoffnung

  CDU und CSU beraten über ihren künftigen Kurs, SPD-Chef Schulz schließt Neuauflage der Großen Koalition erneut aus, SPD erinnert zum 25. Todestag an Willy Brandt, Gewerkschaftskongress der IGBCE, Türkei erhebt Anklage gegen Menschenrechtler, Türkische Armee rückt in syrische Rebellenprovinz ein, Proteste gegen Unabhängikeit Kataloniens in Barcelona, Aufräumarbeiten bei der Bahn gehen weiter, Hurrikan „Nate“ an US-Golfküste

Die vorstehende Grafik zeigt die Trends der vergangenen Wochen. Die oben erwähnten Gefühle zeichnen sich auch hier als stärkste Einflussfaktoren für das psychische Empfinden der Menschen in Deutschland aus. Dieses Ergebnis wird von der  unspezifischen Trendlinie des Allgemeinbefindens bestätigt. Es zeichnen sich zwei bemerkenswerte Korrelationen ab, die nach Erklärungen suchen: Es verlaufen die Trendlinien von Vertrauen und Kraft sowie von Mut und Glück parallel, wobei das erst genannte Linienpaar auf gleichem Niveau verläuft. Dieser Zusammenhang kann daraus erklärt werden, dass Vertrauen eine Übertragung von Handlungslegitimationen auf gewählte Vertreter beinhaltet, die hieraus einen Zuwachs an Kraft generieren können. Die Umsetzung von Vertrauen in Kraft kann in politischen Wahlen ohne physische Hinterlegung erfolgen. Entsprechende emotionale Ausbrüche konnten z. B. am Abend der Bundestagswahl bei Alexander Gauland von der AfD festgestellt werden.  Die rückläufigen Trends von Glück und Mut stehen ebenfalls in einem gleich gerichteten Austauschverhältnis: anhaltend glückloses Handeln führt zur Entmutigung. Diese Erkenntnis entspricht weit verbreiteter Lebenserfahrung.

In der längerfristigen Betrachtung der Trends ist festzustellen, dass drei der vier dominierenden Gefühlswerte eine abnehmende Tendenz zeigen. Eine Umkehr dieser seit längerem bestehenden Tendenz konnte auch nicht durch den zuvor dargestellten Kurzzeittrend herbeigeführt werden.

Im direkten Vergleich von Kurzzeit- und Langzeittrends wird eine Trendumkehr für Vertrauen und Zufriedenheit, Glück, Hoffnung, Mut und Offenheit zu sehen.

Der Vergleich der Kurzzeittrends von September und Oktober zeigt, dass der Bundestagswahlkampf, das Wahlergebnis und seine Folgen wahrscheinlich tiefgreifende Veränderungen im Empfinden der Menschen in Deutschland bewirkt hat. Die veränderte politische Landschaft enthält offensichtlich Elemente, die zu einer Aktivierung der Menschen führen. Dafür sprechen neben dem Anstieg des Trends der Aktivität auch Berichte der Parteien über sprunghaft angestiegene Mitgliederzuwächse. Hier lässt sich die Dramatik erahnen, die innerhalb eines Monats nahezu bei allen dargestellten Gefühlswerten zu Richtungsänderungen und Trendverstärkungen geführt haben. Es stellt sich nun die Frage, wie sich diese Veränderungen unter dem Einfluss der anstehenden Landtagswahl in Niedersachsen und den anstehenden Koalitionsverhandlungen auswirken.

 

Gefühle in Deutschland – Mitte September 2017

In den letzten Wochen setzten sich die Meldungen über Naturkatastrophen in Form von Überschwemmungen, Erdrutschen und Erdbeben und Hurrikans fort. Insbesondere der Hurrikan Irma genoss neben dem politischen Hauptthema „Bundestagswahl“ die größte Aufmerksamkeit. Der näher rückende Wahltermin vernlasst die Medien zunehmend, Spekulationen über mögliche Regierungskoalitionen anzustellen, die dafür Sorgen, dass die mangels durchgreifender Alternativen der beiden Volksparteien ohnehin stiefmütterlich behandelten Sachthemen noch weiter in den Hintergrund rücken.

Weitere innenpolitische Themen waren verschiedene Meldungen zum Thema Flüchtlinge, der Konkurs der Fluggesellschaft Airberlin und die Endphase im NSU-Prozeß.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Die im jeweiligen Gefühlswert aufgetretenen Spitzen sind zusätzlich zur farbigen Hinterlegung in blauer Schriftfarbe gekennzeichnet. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.In der Grafik sind weitehin Vertrauen, Glück und Zufriedenheit die dominierenden Gefühlszustände. Ein außergewöhnliches Ereignis, das für einen heftigen Anstieg der Mutkurve gesorgt hat, ist am 5. September geschehen. Der Grund hierfür könnte eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sein, wonach Arbeitgeber in der Überwachung des Datenverkehrs ihrer Mitarbeiter eingeschränkt sind.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
18. August  

Freude

 

Spanien gedenkt der Opfer der Terroranschläge, Internationale Reaktionen auf die Anschläge in Spanien, Zwei Tote nach Messerangriff in Finnland, Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus, Erdogan äußert sich zur Bundestagswahl, Verhandlungen über Zukunft von Air-Berlin, Drogen- und Suchtbericht 2017
 19. August Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft Nach Anschlägen in Spanien: Neuer Hauptverdächtiger weiter auf der Flucht, Polizei vermutet terroristisches Motiv für Attacke in Turku, IS bekennt sich zu Messerattacke in Sibirien, Türkei lässt Kölner Schriftsteller Akhanli festnehmen, Falsche BKA-Dateien führten zu G20-Verbot für Journalisten, Bannon wieder bei „Breitbart News“, Venezuelas frühere Generalstaatsanwältin nach Kolumbien geflohen, Schwerer Sturm reißt Festzelt in Österreich nieder
 20. August Glück, Mut, allegemein Akhanli unter Auflagen aus spanischer Haft entlassen, Trauerfeiern und weitere Ermittlungen nach Terroranschlägen in Spanien, Irakische Sicherheitskräfte starten Offensive gegen IS im, CSU-Chef Seehofer im Sommerinterview, Venezolanisches Parlament wehrt sich gegen Entmachtung, Jerry Lewis gestorben
 22. August  Vertrauen US-Präsident Trump präsentiert neue Afghanistan-Strategie, Reaktionen aus Berlin auf Präsident Trumps Forderungen, Terrorzelle in Spanien plante Anschläge auf Sehenswürdigkeiten, Gedenken an rassistische Ausschreitungen in Rostock-, Reparatur der Rheintalbahn verzögert sich, Bundeskanzlerin Merkel eröffnet Computerspielmesse Gamescon in Köln, Tote und Verletzte nach Erdbeben in Ischia, Schauspielerin Margot Hielscher
 23. August Zufriedenheit, allgemein Nach Dieselskandal: Laut Umweltbundesamt reichen beschlossene Maßnahmen nicht aus, Diskussion über Autobahn-Privatisierung, Gläubiger-Ausschuss will Air Berlin vorerst als Ganzes weiterführen, Nach Anschlägen von Barcelona verdichten sich Hinweise auf enge Beziehungen der Terrorzelle ins Ausland, Russische Justiz verhängt Hausarrest für Theater-Regisseur Serebrennikow, Deutsche Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu bleibt in türkischer Untersuchungshaft, Teile des deutschen Goldes zurück im Bundesbank-Tresor, Kritik an Wahlausschluss von Behinderten, UN-Ausschuss fordert US-Politiker zur Verurteilung von Rassismus auf, Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Angola
 24. August Vertrauen, Kraft Schwere Schäden und vermisste Wanderer nach Lawine in der Schweiz, Italien gedenkt der Erdbebenopfer von Amatrice, Ukraine feiert Unabhängigkeitstag, Anzeichen für Terrorgefahr in Rotterdam verdichten sich nach Festnahme, Ermittlungen nach terroristischem Anschlag in Barcelona dauern an, Bundesinnenminister de Maizière verteidigt Pilotprojekt zur Gesichtserkennung, Studie belegt Fortschritte zur Integration von Muslimen in Deutschland, Foodwatch kritisiert Informationspraxis der Behörden, Landgericht Dresden verurteilt zwei Neonazis wegen rassistischen Angriffen, Verwüstungen und Tote nach Taifun „Hato“ im Süden Chinas
25. August Zufriedenheit, Glück, Kraft Millarden-Überschuss für Bundeshaushalt, Lehrermangel im neuen Schuljahr, SPD-Kanzlerkandidat Schulz bezieht Position im Diesel-Skandal, VW-Ingenieur in den USA verurteilt, Bundesinnenministerium verbietet linksextreme Internet-Plattform, BAMF entscheidet über begrenzte Abschiebungen nach Afghanistan, Mindestens 25 Tote nach Angriff auf Moschee in Kabul, Bundesaußenminister Gabriel äußert Bedenken gegen Urlaubsreisen in Türkei, Verwüstungen nach weiterer Schlammlawine in der Schweiz, Teuerster Transfer in Bundesliga-Geschichte
 26. August Vertrauen, Glück, Freude, Hoffnung, Mut, Offenheit, gesamt Merkel für Verlängerung von Grenzkontrollen, Attacke in Brüssel: Ermittler gehen von Terror aus, Barcelona trotzt dem Terror mit Massen-Demo, Türkische Opposition eröffnet „Gerechtigkeitskongress„, Merkel will mit Kommunen am 4. September Diesel-Thema diskutieren, Protest gegen Abbau von Braunkohle, Verkehrsminister Dobrindt wegen Pleite von Autobahnbetreiber A1 Mobil unter Druck, Tag der offenen Tür bei der Bundesregierung, Texas: Schwere Hurrikan-Schäden, Suche nach Vermissten in Schweizer Alpen eingestellt
 27. August Glück SPD-Kanzlerkandidat Schulz im ARD-Sommerinterview, Deutsche stirbt nach Anschlag in Spanien, IS reklamiert Messerattacke auf Soldaten in Brüssel für sich, Irakisches Militär meldet Erfolg im Kampf gegen IS, Deutschland will im Anti-Terror-Kampf weiter mit der Türkei zusammenarbeiten, Gewaltsame Auseinandersetzungen in Myanmar, Tropensturm „Harvey“ sorgt für heftige Regenfälle und Überschwemmungen, Wirtschaft fordert flexiblere Arbeitszeiten, Fünf Bergsteiger in Österreich tödlich verunglückt, Peter Kohlgraf neuer Bischof in Mainz, Mehrere Betonpfeiler der früheren Lahntal-Brücke gesprengt
28. August Hoffnung Flüchtlingsgipfel in Paris, SPD-Kanzlerkandidat Schulz stellt Konzept für Bildungsreform vor, Klausurtagung von Bündnis90/Die Grünen in Berlin, AfD-Spitzenkandidat Gauland wegen Äußerung über Integrationsbeauftragte Özoguz in der Kritik, G20-Prozess: Niederländer zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, Ermittlungen gegen Rechtsextremisten in Mecklenburg-Vorpommern, Niels H. soll 84 weitere Patienten getötet haben, Dritte Verhandlungsrunde über Austritt Großbritanniens aus der EU, Tropensturm „Harvey“: Voraussichtlich weiterer Starkregen in Texas
 30. August Glück, Freude Sturm „Harvey“ erreicht Louisiana, 1500 Menschen sterben infolge von Überschwemmungen in Südasien, BKA gerät wegen möglicher rechtswidriger Datenspeicherung unter Druck, UN-Generalsekretär Guterres besucht den Gazastreifen, UN-Sicherheitsrat verurteilt Nordkoreas jüngsten Raketentest, Beginn der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Mekka, BKA hält islamistische Anschläge auf Bahnverkehr für möglich, Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl online, Ryanair will kein Angebot für Air Berlin abgeben, Prozessauftakt gegen kriminelle Pflegedienste, Eröffnung der Filmfestspiele in Venedig
31. August Zufriedenheit, Kraft Nach Sturm „Harvey“: Explosionen in überfluteter Chemiefabrik in Texas, Macron will französischen Arbeitsmarkt umfassend reformieren, Arbeitslosenzahl im August leicht gestiegen, Kritik an Haltung von de Maizière zum Familiennachzug, Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Fraktionsvize Arppe tritt zurück, Erstmals Gentherapie gegen Krebs in den USA zugelassen, Brexit-Gespräche in der Sackgasse, 20. Todestag von Prinzessin Diana, Elektronikmesse IFA öffnet fürs Publikum
1. September Freude Forderung nach Konsequenzen wegen erneuter Festnahmen von Deutschen in Türkei, BKA bedauert Ausschluss von Journalisten vom G20-Gipfel, Bundeswehr räumt in vorläufigem Unterrsuchungsbericht Fehler bei Übungsmarsch ein, Großraum Aachen trifft Vorsorge für nuklearen Ernstfall, EU-Kommission lehnt Ungarns Forderung nach Kostenbeteiligung an Grenzzaun ab, Polen gedenkt Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs, Präsidentenwahl in Kenia annulliert, Über zweitausend Tote nach Monsun in Südasien, Einweihung des Röntgenlasers „European XFEL“, UEFA leitet Ermittlungen gegen Paris Saint-Germain ein
2. September Hoffnung Kommunen fordern mehr Geld vor neuem Dieselgipfel, Neuer US-Botschafter in Berlin, Flutschäden in Houston werden deutlich, Schwere Schäden nach Monsun in Südasien, Rohingyas flüchten aus Myanmar, Bombenentschärfung in Koblenz, Größte Evakuierung der Nachkriegsgeschichte nach Bombenfund in Frankfurt beginnt, Fußballländerspiel überschattet von Parolen rechter Fans
3. September Freude, Mut Atom-Konflikt mit Nordkorea erreicht neue Eskalationsstufe, Internationale Reaktionen auf Nuklearwaffentest Nordkoreas, Vor Fernsehduell zwischen Merkel und Schulz, Türkischer Außenminister Cavusoglu kritisiert deutsche Reaktionen auf Festnahmen, Evakuierung wegen Bombenentschärfung in Frankfurt, Gedenken an die Verfolgung von Homosexuellen im Nationalsozialismus, Notstand wegen starken Bränden bei LA, Raumfahrer landen per Sojus-Kapsel auf der Erde
4. September Zufriedenheit, Offenheit TV-Debatte zwischen Merkel und Schulz, Diesel-Gespräche im Kanzleramt, UN-Sicherheitsrat berät über Sanktionen gegen Nordkorea, Deutsche in der Türkei wieder frei, Air Berlin bekommt Millionenkredit, Erinnerungsort des Olympia-Attentats in München vorgestellt, John Ashbery ist tot
5. September Zufriedenheit, HoffnungMut, gesamt Bundestag hält letzte Debatte vor Wahl, Kleinparteien positionieren sich in TV-Debatte, Schulz stellt sich Fragen beim YouTube-Interview, Gericht stärkt Rechte von Arbeitnehmern, EU-Agrarminister treffen sich nach Fipronil-Skandal in Estland, Trump beendet Schutzprogramm „Dreamers“, Putin fordert UN-Friedensmission im Ukraine-Konflikt, Prozessauftakt im Mordfall Maria L. in Freiburg
6. September Freude EuGH erklärt Umverteilung von Flüchtlingen für rechtens, Reaktionen auf EuGH-Urteil, Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit, Denkmal zur Erinnerung an das Olympia-Attentat von 1972 eingeweiht, Bundespräsident Steinmeier und der israelische Präsident Rivlin besuchen KZ-Gedenkstätte Dachau, UN macht syrische Regierung für Giftgasangriff verantwortlich, EuGH-Urteil: Milliarden-Bußgeld gegen Chip-Hersteller Intel muss überprüft werden, Atommüll-Transport zum Zwischenlager Neckarwestheim, Maler Arno Rink gestorben
7. September Vertrauen Hurrikan „Irma“ hinterlässt schwere Schäden in der Karibik, EU-Minister beraten in Tallinn über Umgang mit der Türkei, Deutscher unter Auflagen aus türkischer Haft entlassen, Britisches Unterhaus debattiert über Brexit-Gesetz, Katalanisches Regionalparlament stimmt für Referendum, Papst Franziskus besucht Kolumbien, Chaos Computer Club verweist auf Sicherheitslücken in Wahl-Software, Physiker Danzmann erhält Körberpreis für Nachweis von Gravitationswellen
8.September  Glück  Bundestagsabgeordnete besuchen deutsche Soldaten im türkischen Konya, EU-Außenminister beraten über Beitrittsgespräche mit der Türkei, Mexiko von schwerem Erdbeben erschüttert, Hurrikan Irma nähert sich Kuba und Florida, Volksbefragung zur Unabhängigkeitserklärung Kataloniens abgewiesen, 270.000 Rohingya aus Myanmar geflohen, Papst begleitet Friedensprozess in Kolumbien, Polen fordert Reparationszahlungen für Schäden des Zweiten Weltkriegs, Bürgerfest im Schloss Bellevue
9. September  Freude  Hurrikan „Irma“ sorgt für Massenevakuierungen in Florida, Zahl der Toten steigt nach Erdbeben in Mexiko, Türkei mahnt Bürger auf Deutschland-Reisen zur Vorsicht, De Maizière plant Vereinheitlichung der EU-Asylsysteme, Tausende protestieren in London gegen Brexit, Papst feiert Messe in Kolumbien, Nordsee erwärmt sich schneller als die Ozeane, Filmfest in Venedig geht zu Ende
10. September  Vertrauen  Hurrikan „Irma“ trifft auf Florida, Schwere Schäden nach „Irma“ in Kuba, Nachbeben behindern Aufräumarbeiten in Mexiko, Türkei spricht Reisewarnung für Deutschland aus, Merkel eröffnet Weltfriedenstreffen in Münster, Ermittlungen gegen AfD-Spitzenkandidat Gauland, IS erbeutet Blankopässe in Syrien, Rebellen der Rohingyas verkünden Waffenstillstand in Myanmar, Tote nach Unwetter in Italien, Goldener Löwe in Venedig verliehen
11. September  Mut, Offenheit  Wahlkampf: Kernforderungen der SPD, Linkspartei stellt Armutsbekämpfung in den Mittelpunkt, Abrechnungspanne bei Lkw-Maut, Erneut Deutsche in der Türkei festgenommen, Polen fordert Reparationen von Deutschland, Hunderttausende demonstrieren für Unabhängigkeits-Referendum in Barcelona, Mindestens 18 Tote bei IS-Terroranschlag im Sinai, UN verurteilen Vorgehen Myanmars gegen Rohingya scharf, Hurrikan „Irma“ richtet zum Teil schwere Schäden in Florida an, USA erinnern an Terroropfer vom 11. September 2001

Die Grafik zeigt die Trends des vergangenen Monats. Eine starke Zunahme ist für den Mut zu sehen. Diese Zunahme ist auf ein Einzelereignis zurückzuführen und kann deshalb leicht überbewertet werden. Weitere positive Entwicklungen sind für die Offenheit als Grundbedingung für Veränderungen zu sehen sowie für Glücks- und Freudengefühle. Einen starken Abwärtstrend gibt es beim Vertrauen und dem diffusen Allgemeinbefinden. Hinsichtlich des abnehmenden Vertrauens ist zu bemerken, dass dieses mit zunehmender Selbstermächtigung korrespondiert, wie sie im wachsenden Mut und zunehmender Offenheit zum Ausdruck kommt. Alle weiteren Trends verlaufen mit geringen Veränderungstendenzen.

In der längerfristigen Betrachtung der Trends ist festzustellen, dass die stabilen Trends hier ihre Bestätigung finden. Die starken Schwankungen unterworfenen Trends sind die Gefühle des Vertrauens, der Zufriedenheit, des Glücks und der Offenheit. In der nachfolgenden Grafik sind diese Trends für einen direkten Vergleich nebeneinander gestellt.

Im direkten Vergleich von Kurzzeit- und Langzeittrends wird eine Trendumkehr für Offenheit sichtbar, die eine zunehmende Bereitschaft für Veränderungen signalisiert. Richtungsänderungen sind auch für Zufriedenheit und Freude zu sehen.

Der in der folgenden Grafik zu sehende Vergleich der beiden letzten Kurzzeittrends ermöglicht eine Abschätzung des Zeitfaktors, der die „Dramatik“ der Veränderungen sichtbarer macht als die vorangehende Grafik. Hier bestätigt sich vor allem die zunehmende Offenheit, die wachsende Freude und ein abnehmendes Allgemeingefühl.

Wertewelten und Themenschwerpunkte der Parteien in Deutschland

Veranlassung

Nachdem die sogenannte „heiße Phase“ des Bundestagswahlkampfs begonnen hat und die Urlaubszeit ihrem Ende zugeht erscheinen nun die Zeichen politischer Meinungsbildung unübersehbar in den Medien und im öffentlichen Raum. Damit kündigt sich auch für die Wähler der Tag der Abrechnung mit der Regierung und den Parteien an. Gleichzeitig – und darin besteht der eigentliche Sinn der Wahl – gibt der Wähler im System der repräsentativen Demokratie seine verfassungsmäßige Macht an die gewählten Abgeordneten ab, die stellvertretend die Staatsorgane als die verfassungsmässig zu ihrer Ausübung bestimmten Institutionen bilden. Durch dieses Verfahren sind die Wähler Herren und Knechte zugleich – Herren in der Gesamtheit des Volkes über seine gewählten Abgeordneten und Knechte des Staates, der die reale Macht über das Volk ausübt. Die politische Legitimität des Staates hängt somit von der Beteiligung des Volkes an den Wahlen ab. Anders jedoch die juristische Meinung, nach der für die Wahl der Volksrepräsentanten die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen reichen. Im Extremfall könnte ein Kandidat mit nur einer einzigen gültigen Stimme in den Bundestag gewählt werden, da die nicht abgegebenen und ungültigen Stimmen nicht als positiver Willensakt der Wähler angesehen werden. Es wird argumentiert, die Beweggründe zur Wahlenthaltung könnten sehr verschieden sein und in persönlichen Umständen (Krankheit, Immobilität, Unentschlossenheit u.a.) oder illegitimen Gründen (z. B. Ablehnung demokratischer Prinzipien) bestehen. Diese juristisch begründete Handhabung des Wahlrechts kommt dem Entstehen von „Protestparteien“ wie der AfD, die damit werben, dass sie ihre Mandate nicht in staatliche Macht ummünzen wollen, sondern lediglich die Ablehnung der Politik der Regierung und der anderen Parteien sichtbar machen wollen, sehr entgegen.

Die Mitwirkung bei der positiven Willensbildung der Wähler, die auch eine Voraussetzung für die Zulassung der Parteien zur Wahl ist, wird von diesen oft nur zur Wahrung des Scheins in programmatische Form gebracht. Für die Wähler entsteht hierdurch die Schwierigkeit, ernstgemeinte Politikangebote von Scheinangeboten zu unterscheiden, wobei es bereits generell eine Frage des Vertrauens ist, wie realistisch und solide die Programmaussagen der Parteien sind. Den wesentlichen Anteil am Gestaltungsprozess der Politik haben demgegenüber die bürokratischen Apparate und insbesondere zahlreich vertretene Lobbyisten. Die für das Wahlvolk daraus zu ziehende Erkenntnis kann daher nur lauten: Durch Wahlen sind keine Sachentscheidungen herbeizuführen, wie sich auch am Beispiel des zur Bundestagswahl 2005 von Professor Paul Kirchhof vorgelegten Steuerkonzepts nachvollziehen lässt. Vielmehr Bedeutung haben dagegen die mit Nachdruck auf die politische Tagesordnung gesetzten Themen der Parteien, insbesondere solche Themen, die dem Minderheitenschutz dienen, aus übergeordneten ethischen Gesichtspunkten zur Regelung anstehen und oft als Gewissensfragen bezeichnet werden. Beispiele hierfür sind alle ökologischen Fragen, Eigentumsfragen, Genderfragen, Zukunftstechnologien um einige der wichtigsten zu nennen. Dem wird oft ein Zitat von Max Weber entgegen gehalten: „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ Hierbei wird leider allzu oft dem langsamen Bohren der Vorzug gegeben. Wer dafür noch einen Beleg benötigt, sei auf den Abgasskandal verwiesen.

Auf den nachfolgenden Seiten werde ich die Wertewelten der wichtigsten Parteien darstellen und in dem dargelegten Sinn die Themenbereiche nach 17 Kriterien in tabellarischer Form darstellen. Die darin enthaltenen Grafiken werden durch kurze Kommentare ergänzt.

CDU und SPD im sozialen Wertegefüge

Die Fixierung der öffentlichen Aufmerksamkeit auf die Spitzenkandidaten für das Amt des Bundeskanzlers ist ein neues Phänomen, das erst in der Konstellation Merkel – Schulz zur unübersehbaren Realität geworden ist. Ursache dafür ist eine CDU-Amtsinhaberin, von der oft behauptet wird, sie könne statt eines CDU-Parteibuchs ebenso gut ein SPD-Parteibuch besitzen, und die hieraus erwachsene Notlage der SPD, einen sozialdemokratisch absetzungsfähigen Gegenkandidaten zu präsentieren. Nach anfänglicher Euphorie der SPD ist über ihre Kandidatenwahl jedoch inzwischen Ernüchterung eingetreten, da die Kanzlerin offensichtlich nicht auf die öffentliche Abarbeitung des von der SPD vorgelegten Wahlprogramms eingehen will. Ohne die Überzeugungskraft eines Programms, das auch vom politischen Gegenüber reflektiert wird, steht Martin Schulz jedoch der Kanzlerin ziemlich hilflos gegenüber. Umso mehr wird er auf die Überzeugungskraft und das Engagement der Partei und ihrer Unterstützer-Milieus angewiesen sein.

In der folgenden Grafik wird dargestellt, unter welchen Wertekonstellationen CDU und SPD mit den sozialen Statusgruppen in Deutschland interagieren. Diese Übersicht gibt die Möglichkeit, Rückschlüsse auf die Ansprechbarkeit dieser Gruppen zu ziehen und eine statusgerechte Ansprache zu konzipieren.

Als deutlichstes Ergebnis ist aus der Grafik abzulesen, dass die Beziehungen der SPD zu ihrem traditionellen Milieu der Arbeiter trotz vielfältiger Veränderungen in der gesellschaftlichen Stellung der Arbeiter, die an Zahl und Ansehen geschrumpft sind und trotz aktiver Beteiligung der SPD an diesem Prozess, noch immer von der oft beschworenen Solidarität getragen wird. Das kennzeichnende und die Beziehung der Arbeiter dominierende WMem ist Grün. Es überflügelt sogar das für die Industriegesellschaften charakteristische Orange und deutet damit auf eine Verbindung zwischen SPD und Arbeiterschaft hin, die in einem geschichtlichen Mythos verwurzelt ist. In Ergänzung hierzu stellt sich auch das egomanische Rot relativ schwach dar, obwohl es viele Gründe gäbe, der Partei gegenüber eine kritische bis feindliche Haltung einzunehmen. Es zeigt sich aber hier, dass zwischen Grün und Rot eine Unvereinbarkeit besteht, die nur durch starke gelbe und türkise Einflüsse oder verstelltes Rot überwunden werden kann. Gerade diese Unterstützung ist im Vergleich zu den anderen Statusgruppen sehr gering. Ziel der SPD muss es sein, die in Grün bestehenden Potentiale für einen Übergang in die zweite Ordnung der Entwicklungsspirale zu entwickeln und hierfür speziell auf die Arbeiterschaft abgestimmte Angebote zu entwickeln.

Die traditionellen Werte der SPD, wie sie von Grün repräsentiert werden, spielen im Verhältnis der CDU zur Arbeiterschaft nur eine untergeordnete Rolle. Hier ist Orange als Leitsystem der westlichen Welt an die Stelle von Grün getreten. Dabei spielt es dennoch eine relativ große Rolle, die das mit Grün konkurierende Blau überflügelt. Jedoch kann nicht übersehen werden, dass ein erhebliches Ablehnungspotential in dem starken Rot besteht.

Das stärkste Gewicht im WMem-Spektrum hat für beide Parteien Orange im Bezug auf die Gruppe der Angestellten. Hier besteht der größte Abstand zwischen Orange und allen anderen Wertesystemen. Unter den nachrangigen WMemen spielt Blau die größte Rolle, dicht gefolgt von Rot. Grün ist hier von allen Statusgruppen das schwächste Glied innerhalb der ersten Ordnung der Entwicklungsspirale. Andererseits besteht in dieser Gruppe das stärkste Gelb und damit ein Potential für die situative Anpassung im Gesamtsystem. Ein Vergleich mit der Gruppe der Selbständigen zeigt, dass Orange die Gruppe der Angestellten als tragende Säule des Gesamtsystems ausweist. Dieses erklärt sich aus der Struktur des Industriesystems, das auch in den Führungspositionen von Angestellten geleitet wird.

Bei den Selbständigen handelt es sich überwiegend um Familienbetriebe, die von Familienangehörigen mit Unterstützung meist langjährig beschäftigter Angestellter als mittelständische oder kleine Unternehmen geführt werden. Eine Besonderheit im Verhältnis dieser Betriebe zu den beiden größten Parteien ist das starke Rot, das noch vor Blau und Grün rangiert. Als Ursachen hierfür können sowohl die als Belastungen empfundenen Regelungen der Politik gelten wie auch die aus der Not geborenen exzentrischen Problemlösungen, die von Betrieben in Unkenntnis oder in bewußter Verletzung gesetzlicher Bestimmungen angewandt werden.

Ein starkes Rot ist auch bei der Gruppe der Beamten zu sehen. Daneben ist hier das stärkste Blau zu sehen. Diese Merkmale ergeben das Bild des konservativen „Staatsdieners“, der seine Pflicht mit Groll auf Politiker erfüllt, die ihn in den letzten Jahrzehnten immer wieder mit Verweis auf leere Staatskassen gebeutelt haben und sich selbst ungeniert gut versorgt haben. Hinzu kommt die Rolle des Prügelknaben, der für viele missratene öffentliche Projekte gerade stehen muss, die Politiker zu verantworten haben.

Im Vergleich von CDU und SPD fällt auf, dass Orange bei der CDU im Bezug auf die Angestellten, die Arbeiter und die Selbständigen etwas stärker ausgeprägt ist, als bei der SPD. Im Bezug auf die Beamten ist dieser Unterschied umgekehrt, jedoch in geringerem Maße. Ein weiterer Unterschied zwischen CDU und SPD betrifft das Gelb der Selbständigen. Dieses ist bei der SPD deutlich stärker ausgeprägt, als bei der CDU. Es scheint demnach eine größere Zahl innovativer Unternehmer zu geben, die stärker auf die SPD reflektieren als auf die CDU.

 

 

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