Einblicke in „Interessante Zeiten“

Angewandte Erkenntnisse der Wahrnehmung

Insbesondere die im ausgehenden 19. Jahrhundert entstandene Wahrnehmungspsychologie und die Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Gestalttheorie bzw. die Gestaltpsychologie haben eine Reihe von Sehphänomenen erfasst und in eine systematische Ordnung gebracht. Hierzu zählt als erstes grundlegendes Gesetz die Trennung des Wahrnehmungsfeldes in Figur und Grund. Schwierig wird die Interpretation von Figuren, wenn sowohl der Hintergrund wie auch das Bild jeweils für sich das Bild darstellen können, wie in dem abgebildeten Beispiel der beiden schwarzen Gesichter bzw. der weißen Vase.

Vase oder Gesichter?

Rubinsche Vase – Vase oder Gesichter? Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Guam, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Weitere Prinzipien wurden aus dem reichhaltigen Repertoire der optischen Täuschungen abgeleitet. Zu den Grundphänomenen der Wahrnehmungspsychologie, die auch große Bedeutung für die technische Entwicklung von Film, Kino und Leuchtreklame erlangt haben, gehört die Scheinbewegung, bei der zwei nacheinander auftauchende Bilder vom Gehirn zu Bewegungsmustern integriert werden. Dabei folgt die wahrgenommene Scheinbewegung unter der Voraussetzung, dass die Bilder in einem Abstand von weniger als 0,2 Sekunden aufeinander erscheinen, dem kürzesten Weg. Auf diese Weise lassen sich paradoxe Szenarien erzeugen, wie in einem Experiment gezeigt wurde: Einer Person werden im Wechsel zwei Bilder von einer anderen Person gezeigt. In dem einen Bild hält die Person ihre Hand mit geballter Faust hinter den Kopf. Im zweiten Bild hält sie dagegen die geballte Faust vor den Kopf. Bei der beobachtenden Versuchsperson stellte sich nun bei einer Bildfolge unter 0,2 Sekunden der Eindruck ein, als würde sich die Faust durch den Kopf hindurch bewegen. Diese physiologischen Vorgänge eröffnen technischen Anwendungen ein breites Feld von Anwendungen. Die Technik der Television wäre ohne die Konstruktionsleistung  des Wahrnehmungssystems (Auflösung, Bildfrequenz) nicht möglich. Die illusionären 3D-Welten in Computersimulationen und auf neuen Generationen von Handydisplays könnten ebenfalls nicht realisiert werden.

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