Düsseldorf in der Entwicklungsspirale der Evolution

Stadtwappen von Düsseldorf; Quelle: Wikipedia, gemeinfrei

Das Wappen der Stadt Düsseldorf deutet auf die seit dem Mittelalter gewachsene Bedeutung als Stadt hin und drückt in seiner Symbolik die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Rheinschifffahrt und durch den bergischen Löwen von den früheren bergischen Herzögen aus.

In der Wikipedia wird die offizielle Beschreibung des Wappens wie folgt wiedergegeben:

„In Silber (Weiß) ein blau gekrönter, – gezungter und – bewehrter zwiegeschwänzter steigender roter Löwe, einen gesenkten blauen Anker in den Pranken.“ Das Wappen zeigt den bergischen Löwen und als Sinnbild der Lage am Rhein den Anker. Es ist seit dem 18. Jahrhundert in Gebrauch und geht zurück auf ein Siegel des Schöffenkollegs von 1555. Das Wappen wurde durch königliche Kabinettsorder am 22. Dezember 1817 erstmals genehmigt. Otto Hupp hat es 1938 neu gezeichnet.“

Das Wappen enthält keinen Hinweis auf den Namen der Stadt, der auf den hier in den Rhein mündenden kleinen Fluss Düssel zurückgeht.

Über die funktionale Bedeutung hinaus zeigt das Wappen in seinen Symbolen auch tiefere allegorische, mythische und psychologische Bedeutungen an, die hier kurz umrissen werden. Unter den Raubtieren zeichnen sich Großkatzen wie der Löwe auf Grund ihres Geschicks für die Pirsch und den überfallartigen Angriff auf ihr Opfer durch rasches und gezieltes Töten aus. Sie erlegen ihre Beute mit einem einzigen Sprung und einem Biss ins Genick oder bei großen Tieren durch die mächtige Kraft ihrer Muskeln. Ihr Prestige verdanken sie nicht ihrer Schnelligkeit, sondern ihrer Stärke, geschmeidigen Eleganz, wollüstigen Sinnlichkeit und ihrem prachtvollen Fell. Mit der beschützenden Anmut und noblen Autorität, die sie ausstrahlen, inspirieren sie Kriegergesellschaften und schamanische Zauberei, aber auch eindrucksvollste Bilder majestätischer Göttlichkeit.

Löwen sind die geselligsten der Großkatzen. Sie ziehen in Rudeln über die Savannen und erinnern in ihrem wesen an majestätische Würdenträger. Ihr lohfarbenes Fell und die üppige Mähne der Männchen, die Art, wie die Männchen ihr Territorium und ihr Rudel bewachen, und die Fähigkeiten der Weibchen als Jägerinnen und Mütter assoziieren die Löwen mit Gold, solarer Pracht, heroischem Überleben und dem sonnengleichen Edelmut sowie der Leidenschaft von Erlösern und Herrschern. Schon vor 32000 Jahren zeichneten Höhlenmaler Gruppen von Löwen an die Wände der Chauvet-Höhle in Südfrankreich.

Im alten Ägypten galten die an den Wüstenrändern lebenden Löwen als Wächter am östlichen Horizont (Sonnenaufgang) und am westlichen Horizont (Sonnenuntergang) und repräsentierten die schöpferischen Energien von Zerfall und Werden. Die Kriegsgöttin Sekhmet, als Löwin oder löwenköpfig dargestellt, ist das aufmerksame, manchmal zornige „Auge“ des Sonnengottes Ra, die heißen Wüstenwinde sind ihr Atem, und ihr Leib strahlt vor feuriger Glut. Der Grüne Löwe der Alchemie , der die Sonne verschlingt, evoziert, wie verborgene merkurische Energien der instinkthaften Psyche die glühende Hitze des Intellekts überwältigen können und damit den Geist heftigen Ängsten von Dunkelheit und Niedergang unterwerfen.

Löwen werden manchmal mit mythischen Kreaturen wie dem Einhorn gepaart. Diese Darstellungen rufen den Eindruck dynamischer Spannungen der Natur und der Mischung ihrer beseelten, geistigen und körperlichen Energien hervor.

In Traumbildern wie dem von einer Großkatze, die sich im Haus oder im Garten herumtreibt, warnt uns die Psyche, dass wir mit der Libido einer Großkatze identifiziert werden und etwas Abstand gewinnen sollten. Solchen Antrieben dadurch zu begegnen, dass wir Großkatzen töten oder einsperren, heißt, eine der außergewöhnlichsten Verkörperungen kreativer Aggressivität und unabhängigen Instinkts brutal zu unterdrücken. Die Lösung scheint darin zu liegen, sich im Gleichgewicht innerhalb klarer Grenzen zu bewegen. (Kursiver Text nach: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011)

Das neben dem Löwen verwendete Hauptmotiv des Ankers stellt eine Beziehung zur Schifffahrt her, die jedoch erst spät mit der Industrialisierung Düsseldorfs im 19. Jahrhundert zu einem bedeutsamen Wachstumsfaktor wurde. Sein Ursprung geht jedoch bis auf die Stadterhebung im 13. Jahrhundert zurück und hat deshalb eine andere Bedeutung als moderne Verwendungen des Ankermotivs, die religiöse Treue im Glauben symbolisieren. Bis zum Beginn der Industrialisierung leitete die Stadt ihr Selbstverständnis von den verschiedenen Residenzen des Adels, die sich hier befanden, ab. Der Wandel von der Residenzstadt zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte in Deutschland und die damit verbundenen Spannungen drücken sich in dem Wappen der Stadt aus, obwohl dieses nach den heraldischen Regeln nicht beabsichtigt sein konnte.

Die Farben Rot und Blau stehen für Leben und religiöse Transzendenz. Rot bezieht sich auf die Erfahrungen des Menschen mit Blut und Feuer. Verlässt das Blut den Körper, gerät er bei Blutverlusten über einen Liter in akute Lebensgefahr. Die Glut des Feuers signalisierte in den frühen Kulturen Annehmlichkeit und Schutz, geriet sie außer Kontrolle, bedeutete – und bedeutet sie bis heute – Gefahr und Vernichtung. Nicht ohne Grund ist Rot auch für moderne Menschen eine Warnfarbe. Andererseits stellt sie Lebenskraft und Libido, sexuelle Leidenschaft oder Aggression und Wut dar. Vor allem sexuelle Anklänge sind in der Sprache reichlich zu finden – vom Rotlichtviertel bis zum scharlachroten Buchstaben. Bei den antiken Römern und seit dem 17. Jahrhundert ist Rot die Farbe des Krieges und der Revolution.

In der Alchemie war das Röten (rubedo) das letzte Stadium des langen Prozesses der Goldgewinnung. Psychologisch entspricht dieses der Integration der Persönlichkeit. „Damit war nicht weniger gemeint, als die geistige Erkenntnis in heißblütige Realität zu verwandeln, die im Alltagsleben voll und ganz ausgelebt wurde.“

Die Farbe Blau dient im Düsseldorfer Wappen zur Hervorhebung von Krone, Zunge und Krallen des Löwen sowie für die Darstellung des Ankers. Durch die Blaufärbung der Krone wird ihre solare Symbolik zum Verschwinden gebracht und ihr Aspekt als Bürde königlicher Macht hervorgehoben, wie in Shakespeares Heinrich IV gesagt wird oder als Dornenkrone bei der Kreuzigung Christi. Dennoch ist die Krönung bis heute ein erstrebenswertes Ziel – nicht nur in den Phantasien der Kinder und bei den Anwäterinnen auf einen Titel als Schönheitskönigin. In Shakespeares Heinrich IV. lamentiert der König: „Unbehaglich ruht der Kopf, der die Krone trägt“.(Kursiver Text nach: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011) In der Verbindung von Krone und Anker ist der seit dem Mittelalter zunehmende Streit zwichen transzendenter Macht des Papstes und weltlicher Autorität, sowie zwischen Handelsmacht der Stadt und territorialer Macht des Adels angedeutet. Die Zunge symbolisiert die schicksalhafte Macht der Sprache, die Schaffen und Zerstören kann und ein wirkungsvolles Mittel in diesen Auseinandersetzungen darstellt. Krallen dienten – wie auch Nägel – bereits in frühen Kulturen als Schmuck und Talisman. Sie verkörpern eine kraftvolle Effektivität beim Zupacken und Zerreißen von Fleisch, beim Zerfetzen, Durchstechen und Manipulieren. Bereits im alten Ägypten wurden sie von Frauen als modisches Statement eingesetzt, über das Gefährlichkeit und Sexualität in einer Art verlockender Maskerade ausgedrückt werden konnten. Lange Nägel, die auf eine Regression oder eine mythische Kontamination mit unbewussten Energien verweisen, wurden mit dem arbeitsscheuen Aristokraten, der verführerischen Femme fatale, dem „toten“ Vampir und mit Hexen sowie Zauberern assoziiert. 

Blau zieht uns in die wilde, blaue Ferne, in die tiefe blaue See hinein. Es ist über Meer und Himmel hinaus die seltenste Farbe in der Natur und hat daher etwas Überirdisches. Homer hatte kein Wort für blau und bezeichnete das Meer als dunkel. In den meisten Sprachen der Welt wird für „blau“ und „grün“ das gleiche Wort verwendet. Goethe meinte, „….eine blaue Fläche  scheint vor uns (W. B.: Irdischen) zurückzuweichen …“, und er war der Meinung, dass Blau „…uns mitzieht“. Die von den Menschen geschaffenen Götterbilder zeigen deshalb in den großen Religionen des Orients viel Blau. Im Christentum wird die Jungfrau Maria mit dem blauen himmlischen Mantel dargestellt; sie ist die Erde, die vom blauen Himmelszelt bedeckt ist.

Blau ist mit Ewigkeit verknüpft, dem Jenseits, überirdischer Schönheit, religiöser Transzendenz, dem Spirituellen und Mentalen als Gegensatz zum Emotionalen und Körperlichen und mit Loslösung vom Irdischen. Psychologisch betrachtet, kann Blau als ein Mittelweg zwischen schwarzer Verzweiflung und dem Weiß von Hoffnung und Klarheit gesehen werden und verweist auf einen Zustand der Reflexion und des Abstands.

Wenn dieses himmlische Blau in der Alltagssprache vorkommt, wird seine Symbolik weniger eindeutig, verweist jedoch oft auf das Besondere, Höchste, am meisten Geschätzte – das blaue Band für einen ersten Preis, Blue Chips, ein Blaublütiger (Adliger), eine Bezeichnung, die übrigens darauf zurückzuführen ist, dass die Adern der früher traditionell besonders hellhäutigen Aristokraten unter der weißen Haut bläulich schimmerten. (Kursiver Text nach: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011)

Als Stadtfarben der Flagge sind Rot und Weiß festgelegt. Für Rot wird auf die entsprechenden Erläuterungen zum Wappen verwiesen.

Weiß spielt zwischen Gegensätzen. Es ist weiß glühende Hitze und eisige Kälte oder ein Verschmelzen von Feuer und Eis. Auf Weiß wird alles oder nichts projiziert. Der Psychologe Rudolf Arnheim stellte fest, dass Weiß „ein Symbol der Integration ist, ohne jedoch dem Auge die Vielfalt der vitalen Kräfte darzubieten, die es einbezieht, entsprechend ist es vollkommen und leer wie ein Kreis“. In seinem Gedicht „Adonais“ spricht Shelley vom „weißen Glanz der Ewigkeit“. Für Melvilles  Kapitän Ahab vermittelt der weiße Wal Moby Dick die Unbestimmtheit und Weite des Universums und menschliche Ängste vor Vernichtung. Weiß evoziert makellose, monotone Landschaften – den endlosen, welligen Sand arabischer Wüsten oder die kristallinen Gletscher und vereisten Böden der Arktis. Das polare Whiteout löscht sogar Schatten aus, eliminiert den Horizont und trügt unsere Wahrnehmungen von Größenordnung und Tiefe. Doch Weiß ist auch Frische und Anfang, die Farben in sich bergen. Das kürzeste Weiß der frühen Morgendämmerung weicht Rosa- und Safrantönen. Ein unberührtes Schneefeld absorbiert die Töne des über ihm schwebenden Himmels und des wechselnden Sonnenlichts. Weiß suggeriert Nebel, Dampf und Äther und die vorgestellte Leere und Stille, die dem ersten Klang, den ersten Farben einer sich herausbildenden Welt unmittelbar vorausging. Taufanwärter und Initiierte der antiken Mysterien kleideten sich in die weißen Gewänder von Wiedergeburt, Einfachheit und Erneuerung.

Für die Alchemie hatte Weiß eine Bedeutung als grundlegender Aspekt des Opus Magnum. Für die Alchemisten hatte Weiß einen polaren Charakter.  Einerseits bedeutete es kindhafte Naivität, Unwissenheit, Unreife und Mangel an Erfahrung, andererseits repräsentierte es die Asche oder das Salz bitteren Leids und hart gewonnener Weisheit, die sich auch im weißen Haar des alten Menschen zeigte. Dieser Entwicklungsprozess von der unerfahrenen Jugend zum weisen Greisentum kam in der zweiten Weiße oder albedo zum Ausdruck, die als Zustand der Erhellung oder als Erwachen der unbekannten Persönlichkeit im Bewusstsein begriffen wurde. Für manche Alchemisten war mit der albedo das Ziel erreicht, für andere war das Opus Magnum nur dann vollendet, wenn sich die Morgendämmerung in das rubinrote Leuchten des Sonnenaufgangs verwandelte. (Kursiver Text nach: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011)

Für die erläuterten Symbole finden sich wahrscheinlich in Düsseldorf vielfache Bezüge, die sich intuitiv erschließen und hier – auch aus mangelndem Einblick in die Düsseldorfer Kultur  – nicht aufgeführt werden können.

Düsseldorf ist mit 612.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Nordrhein-Westfalen. Auf der Suche nach charakteristischen Wesenszügen des Düsseldorfers landete ich via Google bei der „rheinischen Frohnatur“ und ihrer Geselligkeit, die mir als gelegentlichem Besucher der Düsseldorfer Altstadt als „längster Theke der Welt“ plausibel erschien. Ein Vergleich der Suchergebnisse für die „rheinische Frohnatur“ zwischen Köln und Düsseldorf ergab ein eindeutiges Ergebnis: Düsseldorf first, um mit Donald Trump zu sprechen. Weitere Eigenheiten sind der Straßenkarneval, der schon immer etwas frivoler war, als der kölnische (in Düsseldorf gibt es keinen Bischof), die Düsseldorfer Kunstakademie, die einen Joseph Beuys bekannt machte – und nicht nur ihn, die große japanische Kolonie, die einmal im Jahr die Stadt in eine Märchenkulisse verwandelt, die Königsallee, die traditionell als Synonym für die Konsumwelt gilt und vieles mehr. Charakteristisch für Düsseldorf erscheint es mir, dass keine der dort ansässigen Institutionen und von dort ausgehende Aktivitäten es geschafft haben, der Stadt einen Stempel aufzudrücken. Das mag schlecht für das Stadtmarketing sein – der Stadt schadet es nicht. Und so hat man das wohl auch bei den Verantwortlichen für die Außendarstellung der Stadt gesehen, die bewußt auf einen Slogan für ihre Stadt verzichteten. Die geografische Lage in Nachbarschaft zum Ruhrgebiet und am Rhein in Verbindung mit der verkehrlichen Erreichbarkeit geben der Stadt eine hohe Zentralität, die durch ihre Funktion als Landeshauptstadt noch unterstützt wird.

Nachfolgend möchte ich dieses Bild der Stadt für die Ansprüche an Düsseldorf als Sehnsuchtsort weiter vervollständigen und hierzu die Methoden der Spiral Dynamics und der Integralen Theorie verwenden.

Wertesysteme von Düsseldorf

In einem ersten Schritt werde ich kurz die in der nebenstehenden Grafik abgebildeten Wertesysteme im Bezug auf Düsseldorf  beschreiben. Es ergibt sich ein sehr ausgeglichenes Bild mit einem starken Orange und den flankierenden Wertesystemen Blau und Grün, die im Verhältnis zueinander gleich stark sind. Der Rückstand bei Orange im Vergleich zu der wesentlich größeren Landeshauptstadt München beträgt etwa 3%-Punkte. Der wesentlichste Unterschied zu München liegt in einem wesentlich höheren Anteil von Blau. Dagegen zeigt sich in München ein etwas stärkeres Grün. Im Vergleich zu Köln unterscheidet sich Düsseldorf ebenfalls deutlich. Die größten Unterschiede bestehen in einem um etwa 8%-Punkte stärkeren Orange, einem um 3%-Punkte schwächeren Blau sowie deutlich schwächer ausgebildeten Anteilen von Gelb und Türkis.

Düsseldorf hat sich zum „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ und einer weltoffenen Stadt entwickelt. Zahlreiche Firmenzentralen der für das Ruhrgebiet wichtigen Wirtschaftszweige sind hier beheimatet, darüber hinaus die Europa-Zentralen einiger japanischer Konzerne, die Düsseldorf zu einer der größten „Kolonien“ japanischer Einwohner gemacht haben. Das Spektrum der Wertesysteme zeigt keinerlei Spannung und daher kaum Dynamik an – wie es von einer Bürokratie zu erwarten ist, die wie eine geölte Maschine funktioniert. Eine Folge hiervon ist die im Vergleich zu Köln schwache Entwicklung spiritueller Energien in der zweiten Ordnung der Entwicklungsspirale, die für neue Impulse in den übrigen Wertesystemen sorgen könnten. Das Kräftegleichgewicht zwischen Blau und Grün ist für diese Blockade verantwortlich. Deshalb könnten unbequeme egozentrische Initiativen aus dem roten Wertesystem Bewegung in die Stadt bringen.

Wertesysteme von Düsseldorf in Differenz zu Deutschland

Ein Vergleich mit dem Bild der WMeme von Deutschland zeigt für Düsseldorf einen erheblichen Vorsprung von Orange, ein relativ starkes Zurückbleiben von Blau und Grün und starkes Gelb sowie geringfügig stärkeres Rot. Bei der Bewertung dieses Vergleichs ist zu berücksichtigen, dass in den Werten für Deutschland alle ländlichen und kleinstädtischen Räume enthalten sind, die tendenziell höhere Werte bei den in der Evolution früher anzusetzenden WMemen ergeben. Daran gemessen ist der Anteil von Orange als sehr hoch zu bewerten, obwohl er gegenüber dem Jahr 2010 um etwa 5% geringer geworden ist und zu einer Stärkung von Grün  geführt hat, die jedoch ein nachholendes Wachstum von Blau zur Folge hatte. Immerhin haben diese Kräfteverlagerungen jedoch dazu ausgereicht, einen deutlichen Übergang von Grün zu Gelb zu bewirken, der für eine dauerhafte Entwicklung jedoch nach Türkis fortgesetzt werden muss.

Problemfelder; Legende: 1=Kriminalität; 2=Anerkennung; 3=Angst; 4=arbeitslos; 5=Armut; 6=teuer; 7=billig; 8=Scheidung; 9=Miete; 10=langweilig; 11=krank; 12=gesund; 13=Gewalt; 14=beweglich; 15=unbeweglich; 16=Offenheit; 17=Nachhilfe; 18=Umweltschutz; 19=Rassismus; 20=Drogen

In einem weiteren Schritt werden die Gewichte von 20 Problemfeldern und Einzelwerten dargestellt, die eine genauere Struktur des Lebens in Düsseldorf darstellen. Die Begriffe wurden so gewählt, dass sie eine möglichst eindeutige Konnotation  haben bzw. auf komplexere Problemfelder hinweisen, z. B. „teuer“ für Preisentwicklung, Nachhilfe für Schulprobleme, Mobilität für Arbeitspendler, Erreichbarkeit von Versorgungsstrukturen für Alte und Behinderte usw.. In den Problemfeldern Preise, Krankheit und Mobilität bestehen Ambivalenzen, die eine Konnotation schwierig machen. Deshalb wurden diese Problemfelder durch ihre Gegenpole abgebildet. Mit Abstand das bedeutendste Problemfeld stellen die Preise, abgebildet durch die Begriffe „teuer“ und „billig“, dar. Das Pendel schlägt hier sehr stark zur Seite von „billig“ aus. Eine mögliche Erklärung hierfür kann die mit diesem Begriff operierende Werbung sein, so dass dieser Wert eher ein Maß für die auf die Stadt bezogene Produktwerbung im Internet ist, wogegen „teuer“ eher für die Verbraucherseite stehen wird. Es folgt das Problemfeld Gesundheit, das durch die Begriffe „krank“ und „gesund“ abgebildet wird. Hier überwiegt „gesund“. Da Gesundheit gewöhnlich naturgegeben ist und im sprachlichen Umgang nicht besonders erwähnt wird, ist auch hier ein werbender Hintergrund, der nicht auf professionelle Werbung beschränkt ist, sondern auch in Empfehlungen von Anwendern „gesunder“ Produkte, z. B. in Internetforen, vorkommt, zu vermuten. Demgegenüber ist der Begrigff „krank“ deutlich schwächer ausgeprägt, so dass hier im Ergebnis ein enormes Interesse an dem Geschäft mit der Gesundheit abzulesen ist, ohne jedoch eine günstige Wirkung davon feststellen zu können – denn der Gegenpol „krank“ für sich gesehen stellt ebenfalls eines der größten Problemfelder dar. Es folgen die Problemfelder Angst, Miete, Gewalt, langweilig und Anerkennung. Am Ende der Skala befindet sich Mobilität, ausgedrückt durch „beweglich“ und „unbeweglich“. Hierbei spielt die Unbeweglichkeit eine sehr geringe Rolle. Dieses Ergebnis  entspricht der Verkehrsinfrastruktur einer Großstadt wie Düsseldorf und ist lediglich als Vergleichswert für andere Städte interessant.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass es sich bei den Zahlenwerten um „gefühlte“ Intensitäten der Problemfelder handelt, die nicht an offiziellen Statistiken gemessen werden können. Sie geben nur in den Feldern Anhaltspunkte für das Vorliegen echter Probleme, wo eine eindeutige Konnotation gegeben ist, wie bei den Kriterien Kriminalität, Angst, Arbeitslosigkeit, Armut, Scheidung, Gewalt, Offenheit, Nachhilfe, Umweltschutz, Rassismus und Drogen. Ihre Bedeutung erhalten sie vor allem in Gegenüberstellungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zu Vergleichsräumen. In der folgenden Grafik erfolgt ein Vergleich mit den Werten für Gesamtdeutschland.

Problemfelder, relativ zu Deutschland; Legende: 1=Kriminalität; 2=Anerkennung; 3=Angst; 4=arbeitslos; 5=Armut; 6=teuer; 7=billig; 8=Scheidung; 9=Miete; 10=langweilig; 11=krank; 12=gesund; 13=Gewalt; 14=beweglich; 15=unbeweglich; 16=Offenheit; 17=Nachhilfe; 18=Umweltschutz; 19=Rassismus; 20=Drogen

In der Grafik sind die Differenzen zu den entsprechenden Werten für Deutschland in Prozentpunkten dargestellt. Dadurch ergibt sich ein Düsseldorf-spezifisches Bild, das durch eine erhöhte Angst vor Kriminalität, Sorge um Arbeitsplätze, hohe Scheidungsraten, Defizite in der Freizeitgestaltung, sehr gute Mobilität, große Offenheit und Thematisierung von Rassismus auf der einen Seite und geringe Angst auf der anderen Seite gekennzeichnet ist. Es ist zu vermuten, dass diese Ergebnisse zumindest in den Feldern Arbeitslosigkeit, Mobilität und Rassismus von räumlich nicht eingrenzbaren politischen Debatten auf landespolitischer Ebene beeinflusst sind. Insoweit kann eine räumliche Verbindung zu Düsseldorf nur in Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten erfolgen.

Die für das Sicherheitsgefühl bedeutsamen Problemfelder Kriminalität, Angst und Gewalt machen ca. 15,9% aller untersuchten Problemfelder aus. Daraus lässt sich ableiten, dass unmittelbare Bedrohungen durch die persönliche Umwelt einen großen Anteil am Lebensgefühl haben. Im Vergleich zu Gesamtdeutschland sind dieses jedoch noch niedrige Werte. Für Deutschland machen die empfundenen Bedrohungen der Sicherheit etwa 31% aller untersuchten Problemfelder aus.

Über Fidelio

Ich bin 68 Jahre alt, verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Meine berufliche Tätigkeit als Stadtplaner habe ich vor fünf Jahren beendet und ich widme mich seitdem intensiver um dieses Internetprojekt, Kommentare und Beiträge, die sich auf die hier veröffentlichten Themen beziehen sind mir willkommen!
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