Archive - April 2017

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Jeder Schritt ein Schmerzensschrei
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Nordrhein-Westfalen vor den Wahlen 2017
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Die Gefühlslage im April 2017
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Köln in der Entwicklungsspirale der Evolution

Jeder Schritt ein Schmerzensschrei

Es muss etwa vor 15 Jahren gewesen sein, als ich mit Stephan, meinem Sohn, im Jahresabstand einige teils mehrtägige Wanderungen unternommen habe. Wandernd lernten wir die Eifel, die Rhön, das Sauerland, den Teutoburgerwald und die münsterländischen Baumberge kennen. Der besondere Reiz dabei sollte darin bestehen, dass wir mit Ausnahme der Route keine weitere Planung vornahmen – speziell auch auf die Buchung von Übernachtungen verzichteten. Improvisation und Spontanität sollten als sonst eher unterdrückte Bestandteile unserer Tagesabläufe erprobt werden.

Übersichtskarte zur Wanderstrecke

Eine Wanderung ist davon besonders in Erinnerung geblieben: Wir wollten auf dem Abschnitt des Hermannsweges von Bad Iburg bis Bielefeld wandern und hatten dafür zwei Tage veranschlagt. Meine Frau brachte uns an einem Sommertag mit durchwachsenem Wetter mit dem Auto zum Startpunkt in jene Wälder, in denen Hermann der Cherusker nach dem Stand der Forschung im Jahre 9 n. Chr. den römischen Legionen aufgelauert haben soll.
An der Bundesstrasse zwischen Iburg und Georgsmarienhütte ließen wir uns absetzen, nahmen unsere Rucksäcke und hatten nur noch wenige Meter bis zur Einmündung einer ruhigen Seitenstraße zu gehen, von der wir nach etwa 150 m auf einen Weg trafen, der zu einem Haus am Waldrand führte, von wo es dann in den Wald ging. Erstes Ziel war nun, den eigentlichen Hermannsweg zu erreichen, der weitgehend auf dem Kamm des Teutoburger Waldes verläuft. Auch in diesem Punkt war ich in der Vorbereitung eher zurückhaltend gewesen, was Präzision der Routenfestlegung anging. Hier hatte ich mich auf die Wegeführungen einer topografischen Karte im Masstab 1 : 50.000 verlassen und auf die Hinzuziehung einer Wanderkarte verzichtet. Wie sich später herausstellte, führte die offizielle Wegebeschilderung den Wanderer durch den Ort Bad Iburg hindurch, so dass wir einige Kilometer nördlich des gekennzeichneten Weges starteten. Doch es stellte sich zunächst ein anderes Problem: Quer über dem Hohlweg lag ein mächtiger Baum, der uns mit seinen Ästen und Zweigen schon nach wenigen Metern den Weg versperrte. Nach kurzer Begutachtung der Situation mit dem Ziel, den besten Weg für die Überwindung des Hindernisses zu finden, stiegen wir die Böschung herauf und querten den Baum auf ihrer Krone. Beim Abstieg zurück auf den Weg passierte es dann – ich knickte mit dem rechten Fuß um. Es stellte sich schnell heraus, dass ich mit einer Verstauchung davon gekommen war. Der Schmerz war auszuhalten. Wir gingen voller Optimismus weiter und erreichten auch bald den gekennzeichneten Hauptweg.
Mittags zogen Gewitterwolken am Himmel auf und wir machten uns Gedanken, wie wir uns bei einem Gewitter verhalten sollten. Zum Glück ergab sich ein günstiges Zusammentreffen von Gewitter und Autobahnüberführung, so dass wir hier unsere Mittagspause mit dem mitgebrachten Proviant verbringen konnten.
Nach der Pause wurden die Wegverhältnisse wesentlich schwieriger. Der Gewitterregen hatte die von Schwerfahrzeugen tief eingefahrenen Spuren, die auch ohnedies schon schwierig zu begehen waren, schlammig und glitschig werden lassen. Ich musste meinem Ärger über diesen schlechten Zustand eines Fernwanderweges überregionaler Bedeutung immer wieder Luft machen, indem ich Stephan ebenfalls zu ähnlichen Kommentaren herausforderte. Doch der schien weniger Probleme mit dem Weg zu haben und schwieg.
Nach einer Weile stellten sich in meinem linken Knie Schmerzen ein, die sich kontinuierlich steigerten. Etwa auf halber Strecke unserer Tagesetappe wurde mir klar, dass wir unter diesen Bedingungen besser unsere Wanderung abbrechen sollten. Es stellte sich jedoch heraus, dass selbst der Abbruch gut überlegt sein wollte. Der Plan war nämlich, dass wir, wie ursprünglich geplant, mit dem Zug von Bielefeld zurück nach Ahlen fahren wollten. Also galt es, den Wald zu verlassen, in der Hoffnung, das ein Bahnhof in günstiger Lage zu erreichen wäre. Wie aber sollten wir das feststellen, wo wir unseren aktuellen Standort nur sehr vage einschätzen konnten und die Landschaft uns auch sonst sehr fremd war? Handys besaßen wir nicht, es war die Zeit, als Handys noch selten waren und von vielen – so auch von uns – kritisch betrachtet wurden. Darüber hinaus war auch die Funktionalität nicht mit heutigen Handys vergleichbar. Das mitgeführte Kartenmaterial half auch nicht weiter, da die Kartenausschnitte nur schmale Geländestreifen seitlich des Weges darstellten und gerade an die benachbarten Orte heranreichten. Wir standen also im wahrsten Sinn des Wortes im Wald.

Übersicht der Landschaft bei Borgholzhausen; Von User:Dst – File:Borgholzhausen Luisenturm.png, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17054387

Diese Situation war zunächst einmal zu verbessern und wir hielten Kurs auf den Waldrad in Richtung Süden, um uns einen Überblick über die Landschaft zu verschaffen. Wir hatten Glück, die Landschaft stellte sich ziemlich offen dar und wir konnten die Kirchtürme von zwei Orten sehen, doch wir waren nicht sicher, welche Orte es waren. Deshalb gingen wir auf den in Richtung unseres eigentlichen Ziels gelegenen Ort zu. Hier in dieser landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegend waren die Wege gut zu gehen, die meisten waren asphaltiert. Hin und wieder kamen wir an einzeln stehenden Häusern vorbei, was mir wegen meinem schmerzenden Knie sehr gelegen kam, denn die Möglichkeit bei weiter zunehmenden Problemen telefonisch Hilfe zu rufen können, gab ein Gefühl von Sicherheit. Andererseits kamen wir nur langsam voran und der Abend rückte immer näher. Schließlich erkundigte Stephan sich über meinen Gesundheitszustand, halb anteilnehmend und halb vorwurfsvoll und ich antwortete ihm in der Absicht, seine Einstellung zu mir und meinem Problem eindeutig auf die anteilnehmende Seite zu verlagern: „Jeder Schritt ein Schmerzensschrei“. Die hierin zum Ausdruck gebrachte Dramatik war mir im Moment des Ausspruchs nicht bewusst gewesen, aber sie verfehlte ihre Wirkung nicht. Es war ein Thema für den weiteren Weg gefunden, das den eigentlichen Schmerz erheblich minderte, die Zeit allerdings nicht aufhalten konnte.
Spät nachmittags erreichten wir einen Landgasthof an einer Landstraße, in den wir dankbar einkehrten. Nach einer kurzen Erfrischungspause erkundigten wir uns beim Wirt, in welche Richtung wir zu dem Dorf gehen müssten, dass den Namen Borgholzhausen trug, wie wir nun erfuhren. Dabei nahm ich an, dass einem Werbespruch der Deutschen Bahn zufolge – „Wir bringen Sie ins Zentrum“, oder so ähnlich – der Bahnhof ja wohl eben dort liegen müsse. (Ich hätte mich erinnern sollen, dass ich schon einmal mit dieser Annahme hereingefallen war, nämlich in Biarritz, wo der alte Bahnhof im Stadtzentrum durch den neuen TGV-Bahnhof am Stadtrand ersetzt wurde.)
Der Straße folgend gingen wir in die vom Gastwirt angegebene Richtung zum Dorf. der Weg zog sich immer mehr und ein unbestimmtes Gefühl von Zweifel stellte sich ein. Schließlich im Dorf angekommen suchten wir auf der wie ausgestorbenen Straße nach einem ansprechbaren Menschen um uns den weiteren Weg zum Bahnhof erklären zu lassen. Endlich trafen wir jemanden – war es an einer Tankstelle oder tatsächlich ein Passant – der uns erklärte, wir müssten genau in die Richtung gehen, aus der wir gekommen waren bis wir den Ortsteil Bahnhof erreicht hätten. Diese Nachricht war einfach niederschmetternd, die leeren Straßen, die heraufziehende Dämmerung und das schmerzende Knie und jetzt nicht nur den ganzen Weg entlang der Straße zurück sondern dazu etwa noch einmal soweit von der Gaststätte zum Bahnhof – denke ich an diese Situation zurück, fällt mir der Spruch aus Dantes göttlicher Komödie ein:“Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“
Was nun folgte, lässt sich nur als ein „Schleppen“ meines Körpers entlang der Landstraße bezeichnen. Nichts anderes als meinen Körper konnte ich noch wahrnehmen. Auch Stephan wagte es nicht mehr, mich an die Dramatik des Schmerzensschreis zu erinnern. Dramatik war nun der Resignation auf dem Boden eines bösen Schicksal gewichen.
Als wir im Ortsteil Bahnhof ankamen war es bereits dunkel und wir wussten, dass wir auf schnellstem Wege zum Bahnhof gelangen mussten, da der „Haller Willem“ nur eine sehr begrenzte Taktungfrequenz erwarten ließ – was für diese eingleisige Nebenstrecke als normal gelten konnte und am Samstagabend erst recht. Wir brauchten nicht lange suchen, an der Kreuzung der Straße auf der wir gekommen waren mit den Bahngeleisen befand sich auch der Bahnhaltepunkt, Bahnhof wäre zuviel gesagt für einen Fahrkartenautomaten neben einem Anschlagkasten, in dem der Fahrplan hing und einer überdachten Sitzbank. Dieses Ambiente verstärkte meine Befürchtungen bezüglich der Taktfrequenz und ein kurzer Blick auf den Fahrplan ließ sie zur Wirklichkeit werden, der letzte Zug war vor etwa einer Stunde abgefahren. Was sich nun in meinem Gefühlshaushalt abspielte überraschte mich. Statt noch tiefere Verzweiflung stellte sich ein Gefühl der Erleichterung ein, was vielleicht darauf zurückzuführen war, dass wir uns über die Fortsetzung der Bahnfahrt in Bielefeld nun keine Gedanken mehr machen mussten und es hatte sich ein Verlangen nach Geborgenheit eingestellt, die in einer Fastfood-Mahlzeit im Schnellimbiss bestehen mochte. Diese Möglichkeit war realistisch, da wir an einem kleinen Imbiss vorbeigekommen waren, den wir nun aufsuchten um unsere Laune durch etwas Warmes im Bauch zu heben und unsere neue Situation zu durchdenken.
In dem Imbiss war nicht viel Betrieb und wir konnten uns der Aufmerksamkeit des Betreibers sicher sein. Die Auswahl nach der Karte war schnell getroffen und der Betreiber war so nett, uns sein schnurloses Telefon zur Verfügung zu stellen, nachdem ich ihm unsere Situation geschildert hatte. Unser Notfallplan sah nun so aus, dass wir versuchen wollten, meine Frau anzurufen und sie zu bitten, uns abzuholen. Ich wusste, sie würde bei einer Freundin in der Nachbarschaft deren Geburtstag feiern. Dort rief ich sie an und erlebte die nächste Enttäuschung. Sie hatte bereits einige Gläser Bowle getrunken und wollte kein Risiko mit dem Auto eingehen. Das war ein überzeugendes Argument und nun musste Plan B greifen. Dieser war so schnöde wie der Mammon und basierte im wesentlichen auf der Hoffnung, von Bielefeld aus mit der Bahn nach Ahlen fahren zu können, oder doch dort wenigstens im Hotel übernachten zu können.
Wir ließen uns mit einem Taxi nach Bielefeld bringen und stellten dort fest, dass es um 0:10 Uhr eine Zugverbindung mit einem Nahverkehrszug Richtung Ruhrgebiet geben würde. Bis dahin hatten wir noch etwa eine Stunde Zeit. Kurz vor der Abfahrtzeit fanden wir uns wieder auf dem Bahnsteig ein. Es wurde 0:10 und es war noch keine Ankündigung des Zuges über den Lautsprecher gekommen. Minuten über Minuten verstrichen und es passierte nichts. Weder waren auf den Bahnsteigen Menschen zu sehen, noch war etwas über den Lautsprecher zu hören. Schließlich studierte ich akribisch den Fahrplan und stellte fest, dass mich die Hoffnung auf ein glückliches Ende unserer Odyssee überwältigt hatte. In dem Fahrplan war die Abfahrtzeit mit einem kleinen Hinweis versehen, der bedeutete, dass dieser Zug sonntags nicht verkehrt. Es war zwar noch Samstag gewesen, als ich kurz nach Ankunft in Bielefeld auf den Fahrplan geschaut hatte, doch die Abfahrtzeitpunkt war Sonntag. Nun waren unsere Reisemöglichkeiten also endgültig erschöpft, außer wir würden uns mit dem Taxi nach Hause bringen lassen. Soweit ging die Sehnsucht nach dem eigenen Bett dann doch nicht. Schließlich hatte ich ja schon einmal eine unfreiwillige Nacht im Bahnhof von Köln verbracht, ohne dass es zu großer psychischer Belastung geworden wäre. Immerhin hatte es dort die Fahrgäste mehrerer Züge getroffen, die nun auf den Bahnsteigen und im Bahnhofsgebäude umherschlenderten. Einen Teil der Zeit verbrachte ich damals im Gespräch mit einem chinesischen Gastprofessor der TH Aachen aus Taiwan, der das deutsche Eisenbahnwesen studierte. Er konnte es nicht begreifen, dass die Deutsche Bahn die Situation so schlecht managte. So war die Zeit im Gespräch und in der Beobachtung der Menschen schnell vergangen. Diese Erfahrung hatte mich auch gelehrt, dass zu später Stunde – selbst im Bahnhofshotel – kein Zimmer mehr zu bekommen ist.
Der Entschluss stand fest, diese Nacht würden wir auf dem Bielefelder Bahnhof verbringen. Nur gab es hier nicht viel Ablenkung von unserem Schlafbedürfnis und so suchten wir schon bald nach geeigneten Plätzen für ein wenig Schlaf. Wie machten es die Obdachlosen, die hier ebenfalls einen Schlafplatz suchten? Sie lagen auf ihren Jacken auf dem Steinboden eines verglasten Warteraums auf dem Bahnsteig, wo wir uns, nach dem vergeblichen Versuch, auf der aus aneinandergereihten Schalensitzen zusammengesetzten Bank zu liegen, ebenfalls bis zum Morgen ausstreckten.
Mit dem ersten Zug fuhren wir nach Ahlen, wo wir von unserer Odyssee zu berichten hatten. Was die Erinnerung an diese Erlebnisse immer wieder wachruft, ist mein Klagelied „jeder Schritt ein Schmerzensschrei“, das sich als Thema unserer gesamten Odyssee herausstellte.

Nordrhein-Westfalen vor den Wahlen 2017

Vorbemerkungen

Zur Landtagswahl am 14. Mai treten 31 Parteien an. Wenn sich die Qualität des politischen Systems nach dem Angebot der zur Wahl stehenden Parteien beurteilen ließe, müsste Deutschland im internationalen Vergleich vermutlich ganz vorn rangieren. Leider entspricht das nicht dem Lebensgefühl einer zunehmenden Zahl der Menschen in diesem Land. Statt nach gestaltbaren Defiziten im politischen System zu suchen wird von einigen ein besonderer Zug des Deutschseins hierfür verantwortlich gemacht – die „German Angst“ – , von anderen der sich wandelnde Zeitgeist, der unter dem schwer fassbaren Begriff „Populismus“ diskutiert wird.

In diesem Beitrag werde ich aus Anlass der anstehenden Wahlen zum Nordrhein-Westfälischen Landtag einige Hinweise geben, die neue Aspekte in die vorhandenen politischen Muster einfügen und die grundlegenden Orientierungen von Parteien und ihrem Spitzenpersonal einerseits und des Wahlvolks andererseits in virtuellen Wertewelten zusammenfassen. Es handelt sich dabei um zusätzliche Informationen, die keine sachbezogenen Beurteilungen der Politik ersetzen können, wohl aber zum Verständnis der Politik beitragen können.

Auf Grund der von mir entwickelten Methode können die Ergebnisse vom Nutzer der Informationen durch Internet-Recherchen überprüft, aktualisiert oder erweitert werden, sofern er die von mir an anderer Stelle beschriebene Methode akzeptiert.

In gleicher Weise stelle ich einen Querschnitt durch Problemfelder dar, die üblicherweise in politischen Programmen angesprochen werden. Anders als in der Demoskopie üblich, stellen die Ergebnisse eine Vollerhebung dar, die jedoch auf das Internet beschränkt ist. Einzelheiten hierzu sind in dem verlinkten Artikel zur Metode beschrieben.

Demokratie lebt von der Vielfalt der Menschen und Meinungen. In der durch Massenmedien und Bürokratien gesteuerten Politik ist jedoch der Eindruck entstanden, als seien Politiker und Parteien zu einem Chor zusammengewachsen, der nur noch wenige Tonlagen und Noten beherrscht und bei den Zuhörern immer mehr zum Verlassen des Saales führt. Ein konservativ gestimmter Blog greift dieses Gefühl in Abwandlung eines bekannten Zitats aus friedensbewegten Zeiten auf: „Stell Dir vor, es ist Demokratie und keiner geht hin“. Das scheint sich nun nach den überraschend hohen Wahlbeteiligungen in den Niederlanden und im Saarland nicht unbedingt und vielleicht auch nicht auf längere Sicht zu bewahrheiten. Unter den Bedingungen des „Schulz-Effekts“ hat das Ergebnis der Saarland-Wahl jedenfalls sehr überrascht. Ein Blick auf den zur Saarland-Wahl erstellten Beitrag hätte allerdings zu weniger Überraschung geführt. Es scheint demnach einen neuen Trend zu geben, der nicht mehr auf die Parteien fokussiert, sondern ihre Spitzenkandidaten als zukünftige Verantwortungsträger in das Zentrum des Interesses nimmt. Damit wird aus dem über Jahrzehnte andauerndern Prozess der immer dünner werdenden programmatischen Aussagen – von dem die Grünen seit den 1980er Jahren durch präzise programmatische Forderungen und ihre ernsthaft betriebene Durchsetzung, profitieren konnten – eine Konsequenz sichtbar, die das ganze Elend des deutschen Politikbetriebs erst richtig sichtbar macht, nämlich durch die so betriebene Personalisierung und Konzentration der Macht der de facto Abschaffung demokratischer Prozesse Vorschub zu leisten. Umso wichtiger ist es, über die an der Spitze der Macht agierenden Personen so viele Informationen wie möglich zu erhalten.

Wertewelten der parlamentarisch bedeutendsten Parteien

Zunächst ein Überblick über die Wertewelten der Parteien im System der Spiral Dynamics für Deutschland insgesamt. Auf eine Differenzierung für Nordrhein-Westfalen wurde hierbei verzichtet, da gerade die kleinen Parteien regional sehr unterschiedlich sind (z. B. ist die Linke vorwiegend im Osten stark, die FDP in NRW schwach) und andernfalls ein verzerrtes Bild entstehen würde.

Die in der Grafik ablesbaren Wertestrukturen zeigen für alle Parteien eine Dominanz von Orange, jedoch in deutlich verschiedenen Graden. Am deutlichsten fällt diese Dominanz bei den Grünen und der Linken aus. Hierin zeigt sich ein starkes Gewicht von Persönlichkeiten mit politischen „Instinkten“ für Erfolg und Selbstdarstellung. Die politische Auseinandersetzung mit konkurrierenden Parteien bzw. die Werbung um Wählerstimmen wird argumentativ geführt. Ein deutlicher Unterschied hierzu ist bei der SPD und bei der FDP zu sehen. Bei diesen Parteien wird auf dem Boden ihrer Traditionen der einmal als richtig befundene Weg fortgesetzt. Deshalb ist bei ihnen der stärkste Einfluss von Blau zu sehen. Da für die Beurteilung  des blauen Einflusses das Verhältnis von Blau zu Grün entscheidend ist, kann für die FDP die Abhängigkeit von Blau festgestellt werden. Das antagonistische und relativistische Grün ist hier nur halb so stark wie Blau. Bei der SPD steht dem starken Blau jedoch ein nahe heranreichendes Grün gegenüber, das trotz des propagierten Schulz-Effekts jedoch nur unwesentlich stärker ausgebildet ist, als bei der CDU obwohl das traditionelle Profil der SPD weitgehend mit dem WMem Grün übereinstimmen sollte. Insgesamt ergibt ein Vergleich der beiden größten Parteien SPD und CDU nur geringe Unterschiede der Wertewelten. Durch ein erheblich stärkeres Orange der CDU ist das Niveau von Blau und Grün im Vergleich zur SPD abgesenkt. Von besonderem Interesse dürfte das Werteprofil im Bezug auf die AfD sein. Es weist starke Ähnlichkeit mit dem der FDP auf und unterscheidet sich insbesondere durch ein stärkeres Orange von ihr. Für die Piraten ist die gleich starke Ausprägung von Blau und Grün bei relativ starkem Gelb charakteristisch.

Wie in der nebenstehenden Grafik zu sehen ist, weichen die Wertewelten von CDU und SPD auch im Verhältnis zu Deutschland als Ganzem strukturell nicht voneinander ab. Gemeinsames Kennzeichen ist, dass die beiden „grossen“ Parteien in dem für die westliche Welt bestimmenden Wertesystem Orange weit hinter der für Deutschland festgestellten Bedeutung zurückbleiben. Hier drückt sich die Entfremdung zwischen Wahlvolk und politischem Establishment in vollem Umfang aus und es ist gleichzeitig zu sehen, welche Wertesysteme an die Stelle von Orange treten: Blau und Grün vor allem bei der SPD, Gelb, Rot und Grün bei der CDU. Die hierin zum Ausdruck kommende Entfremdung bedeutet nicht zwangsläufig eine problematische Gesamtlage des politischen Systems, denn die politischen Parteien haben auch politisch gestaltende Aufgaben. Diese sind jedoch nur unter günstigen Bedingungen – wie z. B. einer in der Bevölkerung existierenden Bereitschaft zu Veränderungen – fruchtbar. Einerseits hat sich durch die weltweite Finanzkrise, die Flüchtlingskrise und die Europakrise soviel internationaler Veränderungsbedarf angesammelt, dass tiefgreifende politische Veränderungen notwendig sind, andererseits bleiben jedoch die in der zweiten Ordnung der Spiral Dynamics zu sehenden Potentiale mit einem schwachen Türkis hinter den notwendigen Kräften zur Herstellung von Harmonien zurück.

Summe aller WMem-Abweichungen von den Werten für Deutschland

Die nebenstehende Grafik zeigt eine Addition der Abweichungen für alle Parteien auf der Ebene von Gesamtdeutschland, wobei negative Werte als positive Werte in einer Summenabweichung mitgerechnet wurden. Hier ist sehr deutlich zu sehen, dass die Grünen am Nächsten an das Wertespektrum von Deutschland angepasst sind und die SPD sich am Weitesten von Deutschland entfernt hat. Als gestaltender politischer Faktor sind die Grünen in dieser Situation nicht mehr in das politische Kalkül einzubeziehen – wohl aber als idealer Koalitionspartner, bzw. als Mehrheitsbeschaffer, je nach Sichtweise.

Wertewelten der Spitzenkandidaten in Nordrhein-Westfalen

Das Spitzenpersonal der Parteien zur Landtagswahl zeigt deutliche Unterschiede zum Bild ihrer Parteien. Zunächst ist festzustellen, dass Orange ein wesentlich höheres Niveau erreicht als die jeweilige Partei. Die Ursachen hierfür liegen zum Teil in der Wahlkampfsituation, die den Optimismus des erfolgreichen Politikers produziert und entsprechende Widerspiegelungen aus der Medienöffentlichkeit erzeugt. Ein weiterer Grund liegt vermutlich in der Wirtschaftsstruktur des Landes, die den industriellen Kern Deutschlands ausmacht und traditionell für den Erfolg der Wirtschaftsmacht Deutschland steht. Wer hier als Politiker Erfolg hat, bekommt fast automatisch die höheren Weihen, die für eine politische Karriere in der Bundespolitik hilfreich sind. Die besondere Struktur des Landes zeigt sich auch im Verhältnis des blauen WMems zum grünen WMem, das sich hier gegenüber den Parteien als Ganzen umkehrt bzw. eindeutig zu Gunsten von Grün verschiebt.  Hierin drückt sich das mehrheitliche Verlangen nach einer sozialdemokratischen Politik aus, die von starken blauen Strukturen unterstützt und toleriert wird. Aus diesem Grundmuster fallen lediglich die Kandidaten der FDP und der AfD heraus. Christian Lindner, der auch Bundesvorsitzender der FDP ist, stellt sich in seiner Wertewelt als Spitzenkandidat in NRW als Bestandteil der Bundespartei dar, jedoch mit einem wesentlich stärkeren Grün als der Gesamtpartei zukommt. Der Kandidat der AfD stellt sich in weitgehender Übereinstimmung mit dem Gesamtbild seiner Partei dar, d. h. mit einem starken Übergewicht von Blau gegenüber Grün. So gesehen stellt er eine echte Alternative neben der FDP dar. Es ist jedoch zu bedenken, dass seine Partei ein besonderes Verhältnis zur Wahrheit – die das bestimmende Kriterium für Blau ist – hat und die Charakteristik von Blau auf ihn nicht unbedingt zutreffen muss. Besondere Erwähnung muss auch die Wertewelt von Christian Leye als einem der zwei Spitzenkandidat(in)en der Partei Die Linke finden. Seine Wertewelt beinhaltet neben den erwähnten WMemen auch ein starkes Rot und relativ starke Anteile von WMemen der zweiten Ordnung, insbesondere Türkis, wie sie bei keinem seiner Gegenkandidaten zu sehen sind. Diese Struktur steht im Einklang mit seinem Engagement in verschiedenen außerparlamentarischen Bewegungen, wobei die Friedenbewegung in besonderer Weise die für Rot maßgebende Gewaltfrage thematisiert haben wird.

Der Vergleich der Wertewelten mit der Wertewelt von Gesamtdeutschland lässt die Anpassungen oder eben die Nicht-Anpassungen optisch deutlich in Erscheinung treten und muss nicht ausführlich kommentiert werden. Es soll an dieser Stelle nur auf die besonders auffälligen Abweichungen bei Christian Leye und dem AfD-Kandidaten Pretzell hingewiesen werden. Der erste zeigt die stärksten Abweichungen, der zweite die beste Anpassung – warum auch sonst wird er zu den Populisten gezählt?

Legende

Für die Ermittlung von Themenschwerpunkten der Kandidaten wurden 17 Problemfelder ausgewählt, die einzeln oder in Gruppen zusammengefasst Aussagen über die Affinitäten der Politiker zu diesen Themen zulassen. Hieraus lässt sich entnehmen, ob das persönliche Interesse des Betrachters an einem bestimmten Problemfeld die gleiche Wertigkeit bei den Spitzenkandidaten hat. Programmatische Einzelheiten in den Problemfeldern sind hieraus nicht abzuleiten. Eine Darstellung der Bedeutungszusammenhänge findet sich an anderer Stelle dieses Projekts. Die Interpretation der Ergebnisse im Detail überlasse ich dem Leser. Ich beschränke mich darauf, einige Grundtendenzen und herausragende Einzelergebnisse zu benennen und in einer zusätzlichen Grafik den Vergleich mit Gesamtdeutschland zu ermöglichen.

Als Problemfelder ersten Ranges zeichnen sich bei allen Kandidaten die Problemfelder Angst und Gewalt ab. Das höchste Gewicht haben sie bei den beiden Spitzenkandidat(in)en der Linken. Deutlich dahinter rangiert die Entwicklung der Kosten. Dieses wird insbesondere durch die Kandidatin der Linken thematisiert. Es folgen in mittlerer Wertigkeit die Problemfelder Armut, Arbeitslosigkeit und Anerkennung. Man könnte sie als sozial-psychologische Indikatoren zusammenfassen. Bei ihnen gibt es jedoch bereits deutliche Unterschiede zwischen den Kandidaten. Eine annähernd gleiche Bedeutung haben die Problemfelder Rassismus und Drogen, wobei Rassismus besonders bei den Kandidaten der AfD und der Linken in Erscheinung tritt. Die geringste Bedeutung bei allen Kandidaten hat das Problemfeld Verschmutzung, das für lokale Umweltprobleme steht.

Differenz der Problemfelder zu Deutschland

In der oben stehenden Grafik ist zu erkennen, dass die Abweichungen von dem allgemeinen Problembewusstsein in Deutschland als Ganzem im Bezug auf die Kandidaten der  Hauptgestalter des politischen Deutschland – SPD, CDU, Grüne, FDP – gegenüber den Kandidaten der anderen Parteien wesentlich geringere Abweichungen mit wenigen starken Abweichungen aufweisen. Es ist deshalb nicht verfehlt, wenn man diese Kandidaten als Kandidaten der Mitte bezeichnet, wobei nicht zu vergessen ist, dass diese Mitte erst von diesen Parteien im wesentlichen selbst geschaffen wurde. Eine Lagerbildung, wie sie gerne von CDU– und FDP-Politikern als Menetekel an die Wand geschrieben wird, könnte es allenfalls in Gegenüberstellung zu der Linken, AfD und Piraten geben, was nach der politischen Farbenlehre vollkommen abstrus wäre.

Als besonders herausstechende Ergebnisse sind die besondere Bedeutung der Themen Armut und Rassismus bei dem Kandidaten Leye von der Linken und die Themen Armut und Kostenentwicklung bei seiner Mitstreiterin Demirel zu erwähnen. Bei letzterer fällt das Thema Gesundheit als besonders defizitär auf. Bei dem Kandidaten der AfD ist ein relativ großes Defizit im Problemfeld Anerkennung zu sehen. Wie an anderer Stelle erläutert, fallen unter dieses Kriterium in der aktuellen Situation des Landes vor allem Migrationsprobleme, die vorhanden sind und von Rechtspopulisten aufgegriffen und dramatisierend dargestellt werden. Von daher ist es erklärlich, dass dieses Thema von der AfD eher gemieden wird und dagegen Rassismus thematisiert wird, wie ebenfalls aus der Grafik bei dem Kandidaten Pretzell zu entnehmen ist. Als weiteres Einzelergebnis ist auf die relativ große Bedeutung des Themas Kriminalität bei dem Kandidaten der FDP hinzuweisen.

Summenabweichungen der Kandidaten von den Werten für Deutschland.

Um die Relationen der Kandidaten im Bezug auf Deutschland griffiger zu machen, sind in der nebenstehenden Grafik – wie bereits oben bzgl. der WMeme – die Gesamtabweichungen der Kandidaten als Differenzsummen zu Deutschland dargestellt. Hier ist der bereits oben erwähnte Gesamteindruck mit einer Ausnahme bestätigt. Die Piraten liegen auf gleichem Niveau wie die FDP. Am weitesten vom Mainstream entfernt befinden sich die beiden Kandidaten der Linken. Am nächsten kommen ihm die Grünen. Damit bestätigt sich auch hier die bereits bezüglich der Werteordnung getroffene Feststellung, dass die Grünen die größten Schnittmengen mit möglichen Koalitionspartnern haben.

Die Gefühlslage im April 2017

Das Wahljahr 2017 mit drei Landtagswahlen und der Bundestagswahl im September sowie die weltpolitische Entwicklung lassen emotionale Schwankungen und vielleicht auch Verwerfungen im Gefühlshaushalt der Menschen erwarten, deren Erfassung in dieser Beobachtungsreihe versucht wird. In dieser Ausgabe der in nahezu täglichem Abstand ermittelten 11 Indizes für Werte und Gefühle in Deutschland werden drei Zeitschnitte dargestellt: Für den Zeitraum vom 13. Februar bis zum 09. April jeweils eine Tageskurve und ein Trend und für den gesamten Beobachtungszeitraum seit 24. Juli 2016 ein Langzeittrend.

Tagesverlauf

Die Tageskurve zeigt einen sehr lebhaften Verlauf, der bereits einen optischen Gesamteindruck bewegter Zeiten ergibt. Den Hauptanteil an diesem Gesamtbild hat die Kurve des Vertrauens, gefolgt von der Kurve der Zufriedenheit. Seltenere Ereignisse signalisieren die Kurven der Freude, des Glücks, der Kraft, der Hoffnung und des Muts. Nachfolgend wird der Versuch unternommen, diesen Kurvenausschlägen bedeutsame Ereignisse zuzuordnen. Hierzu werde ich für die Tage, an denen besondere Kurvenausschläge feststellbar sind, die Tagesschau-Schlagzeilen zu bedeutsamen Ereignissen in tabellarischer Form aufführen und durch Farbmarkierungen den hierzu in Frage kommenden Werten bzw. Gefühlen zuordnen. Da es sich bei den markierten Schlagzeilen lediglich um einen Interpretationsvorschlag handelt und darüber hinaus auch andere Themen zu dem Ergebnis beitragen, habe ich die Liste der Schlagzeilen bis auf Sportmeldungen, Wetterberichte u. ä. für eigene Interpretationen der Leser vollständig  widergegeben.

Datum Kurve Tagesschau-Schlagzeilen
 16. Februar Zufriedenheit,

Vertrauen

Merkel weist Fehler in NSA-Spähaffäre zurück, G20-Außenministertreffen in Bonn, NATO-Treffen in Brüssel, Protestaktionen: „Tag ohne Einwanderung“ in den USA, Klage gegen Airbus wegen Eurofighter-Verkauf, Untersuchungsausschuss zur VW-Abgasaffäre, Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, Recherche zu deutsche Beteiligungen an maltesischen Firmen, Trudeau spricht vor dem Europaparlament, Mindestens 70 Tote bei Anschlag in Pakistan, Schadstoffwolke über Oberhausen
 20. Februar  Freude SPD-Kanzlerkandidat Schulz will Änderungen in Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Gesetzentwurf zu Datenauswertung von Asylbewerber-Handys, Hunderte Migranten stürmen Grenzzaun in Ceuta, Hungersnot im Südsudan, EU-Finanzminister beraten über Griechenland-Hilfe, Friedensforschungsinstitut zu Anstieg im Waffenhandel, Kämpfe in Mossul, Waffenruhe in Ostukraine, Putsch-Prozesse in der Türkei, US-Vize Pence in Brüssel: Bekenntnis zur NATO, Russischer UN-Botschafter Witali Tschurkin gestorben
 22. Februar  Vertrauen Neuer Gesetzentwurf zu Abschiebungen, Amnesty International warnt EU-Staaten vor Aushöhlung von Menschenrechts-Standards, IWF-Chefin Lagarde zu Hilfspaket für Griechenland, Feinstaubemissionen: Diskussion über Diesel-Fahrverbote, IUCN-Studie: Naturschützer warnen vor Plastikpartikeln, SPD will Managergehälter eindämmen, Milliardenverlust bei Stromanbieter RWE, A400M-Probleme drücken Gewinn bei Airbus, Gestohlenes Tor von KZ-Gedenkstätte wieder in Dachau
 25. Februar Vertrauen Konflikt zwischen US-Regierung und Medien verschärft sich, Diskussion über Agenda 2010, AKP wirbt für Präsidialsystem in der Türkei, Tote bei Anschlägen auf Sicherheitskräfte in Homs, Textilgipfel in Bangladesch, Drei Verletzte bei Amokfahrt in Heidelberg
 04. März  Vertrauen Zuspitzung der Debatte um türkische Wahlkampfauftritte, Erdogan wirft Yücel Spionage vor, Große Gewinne für Sinn Fein bei Wahl in Nordirland, Demonstration in London gegen Einschnitte in Gesundheitssystem, Polens Regierung gegen Tusks Wiederwahl als EU-Ratspräsident, Schulz fordert längeres Arbeitslosengeld I
 08. März  Vertrauen Antrittsbesuch von Bundesaußenminister Gabriel in Polen, Türkischer Außenminister Cavusoglu trifft Gabriel in Berlin, Maaßen warnt vor Austragung innertürkischer Konflikte in Deutschland, Merkel sagt vor Abgasskandal-Untersuchungsausschuss aus, Bundeskabinett macht Weg für Frauenrechte-Abkommen frei, NRW fordert Disziplinarverfahren gegen Polizeigewerkschafter Wendt, NSU-Terrorist Böhnhardt ohne Verbindung zum Fall Peggy, Hungersnot bedroht Ostafrika, IS-Anschlag auf Militärkrankenhaus in Kabul, Grimme-Preise verliehen, Felsentor „Blaues Fenster“ in Malta eingestürzt
 09. März Zufriedenheit EU-Ratspräsident Tusk wiedergewählt, Merkel warnt vor weiterer Entfremdung zwischen Deutschen und Türken, Antrittsbesuch von Bundesaußenminister Gabriel in Russland, USA schicken weitere Soldaten nach Syrien, AfD stellt Wahlprogramm vor, Gehaltsaffäre um Polizeigewerkschafter Wendt, Entsorgungspakt über Verantwortung atomarer Altlasten, Bischofskonferenz thematisiert Priestermangel, Steuerhinterziehungsvorwürfe gegen den DFB, Autobahnbrücke in Italien eingestürzt
 11. März Glück Niederlande verweigert türkischem Außenminister Einreise für Wahlkampf-Auftritt, EU-Hilfen für Türkei zurückgefahren, Einkaufszentrum in Essen nach Terrorwarnung abgeriegelt, UN warnen vor Millionen Hungertoten weltweit, Mehr als 40 Menschen bei Anschlag in Damaskus getötet, Massengrab bei Mossul gefunden, Japaner gedenken der Opfer von Fukushima, Versöhnungsgottesdienst von Protestanten und Katholiken in Hildesheim, Zentralbau der Leuphana-Universität in Lüneburg eröffnet
 16. März Kraft Niederlande stehen vor schwieriger Regierungsbildung, Europa wertet Ruttes Wahlsieg als positives Signal, Türkei warnt vor „Religionskriegen“ in Europa, US-Bundesrichter stoppen Trumps neue Einreiseverbote, Anschlag auf Pariser IWF-Büro, Verletzte bei Schießerei in Schule in Südfrankreich, CO2-Ausstoß in Deutschland steigt, Umstellung des Fernsehempfangs auf DVB-T2, Neuer 50€-Schein kommt
20. März Zufriedenheit

Vertrauen

US-Wahlkampf 2016: FBI untersucht mögliche Absprachen mit Russland, Am 29. März beginnt der Brexit, Flüchtlingsgipfel in Rom: Neue Initiative soll Migranten aus Europa fernhalten, Verbot von Familiennachzug zu Flüchtlingen bleibt umstritten, Nach Nazi-Vergleichen: Merkel droht Türkei mit Konsequenzen, Neuer Missbrauchsfall bei der Bundeswehr, Strafprozess gegen früheren Chef der Krisenbank HRE gestartet, Technologiemesse CeBIT startet in Hannover, Norwegen ist das glücklichste Land der Welt
25. März Vertrauen

Hoffnung

60 Jahre Römische Verträge, Proteste gegen Brexit in London, Politische Niederlage für US-Präsident Trump, Mehr als 130 Tote bei Angriffen auf Mossul, Arzneimittelknappheit in Venezuela, EU will Importe aus Brasilien einschränken, Konservative in der Union gründen Dachverband, Doping in der BRD
28. März Zufriedenheit Deutschland liefert Brennelemente für umstrittenes AKW Tihange, Streit über „Ehe für alle“ vor dem Spitzentreffen der Koalition, Regeln für Alterspräsident des Bundestags sollen geändert werden, Verabschiedung von Bundesagentur für Arbeit-Chef Weise, Ermittlungen nach türkischer Spionage bei der Gülen-Bewegung in Deutschland, De Maizière äußert sich im Fall Amri, UN und Amnesty International kritisieren Lage der Zivilbevölkerung in Mossul, Neues Asylgesetz von Ungarn tritt in Kraft, Schottisches Parlament stimmt für neues Unabhängigkeitsreferendum
29. März Mut Großbritannien beantragt Brexit, Erklärstück zum Brexit, Verbleibende EU-Staaten äußern Bedauern über Schritt Großbritanniens, Türkei setzt zwei deutsche Politiker auf Überwachungs-Liste, Geheimdienst-Kontrolleure prüfen mögliche Versäumnisse im Fall Amri, Koalitionsausschuss im Kanzleramt, Bundesregierung will betrügerische Firmen von öffentlichen Aufträgen ausschließen, EU verbietet Fusion von Frankfurter und Londoner Börse, BGH stärkt Mieterschutz in einem Grundsatzurteil, Trumps leitet per Dekret Kehrtwende in Klimapolitik ein
 06. April Vertrauen Streit über Verantwortung für Giftgasangriff in Syrien, Merkel kritisiert Haltung Russlands zu Syrien, Bundesweit erste Abschiebung eines Terror-Gefährders, Strukturschwache Regionen in Ostdeutschland sollen auch nach 2019 weiter gefördert werden, Einigung auf Reform der Pflegeausbildung, Opel-Betriebsversammlungen zur Übernahme durch PSA, Öffentliches Leben in Argentinien durch Generalstreik weitgehend lahmgelegt, Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche türkische Spione, Türkisches Gericht verurteilt Fußball-Profi Denis Naki, BGH-Urteil zu 0900-Nummer, Europäisches Parlament beschließt Abschaffung von Roaming-Gebühren

In der nächsten Grafik ist für den Zeitabschnitt vom Beginn des Jahres bis zum 09. April der lineare Trend dargestellt. Damit eröffnet sich eine abstrakte Betrachtungsebene, die allgemeinere Bewertungen ermöglicht.

Lineare Trends für das I. Quartal 2017

Grundsätzlich können die 11 untersuchten Trendlinien in drei Kategorien zusammengefasst werden:

  1. Waagerecht verlaufende Trends mit weitgehend unspezifischem Bedeutungsgehalt belegen die Plausibilität der Methode. Hierzu gehören der „Allgemeinbefinden“ genannte Index aus „gut“ und „schlecht“, der „Kraft„-Index, gebildet aus den Begriffen „stark“ und „schwach“, der „Aktivität“ genannte Index, gebildet aus „wach“ und „müde“ sowie der aus der Summe aller Indizes gebildete Gesamtindex. Letzterer ist ein Hinweis darauf, dass die Auswahl der Gefühlswerte die wesentlichen Lebensempfindungen des Menschen abbildet.
  2. Im Zeitverlauf ansteigende Trends mit unterschiedlicher Steigungszahl. Hierzu gehören Vertrauen, Mut, Freude und Offenheit. Es handelt sich um Werte, die durch schwierige Verhältnisse geweckt werden, obwohl sie nicht unbedingt selbst zur Veränderung der Situation führen. In besonderem Maße gilt dieses für das Vertrauen in jene Kräfte, die für die Konfliktbewältigung und die Behebung von Notsituationen zuständig sind. Man könnte es auf die einfache Formel bringen: „Je größer das Vertrauen, desto geringer ist das Zutrauen zu den eigenen Möglichkeiten für Veränderungen“. Es handelt sich deshalb in hohem Maße um einen indirekten Gradmesser für die Gestaltungsfreiheit der Person, der sich direkt auch in der Zufriedenheit abbildet. Soweit es sich um rein persönliche Situationen handelt, die Entscheidungen erfordern, bilden sich diese als Mut ab und wenn die Lösung des Problems gelungen ist, stellt sich Freude ein. Das alles kann jedoch nur gelingen, wenn ein ausreichendes Maß an Offenheit vorhanden ist. Letztere ist für sich gesehen, ein generelles Maß für die Bereitschaft zu Veränderungen – vor allem in der Entwicklungsspirale innerhalb der Wertesysteme der Spiral Dynamics. Es bestehen also zwischen den vier aufsteigenden Trends funktionale Zusammenhänge, die auch im Zusammenhang mit den fallenden Trends betrachtet werden müssen.
  3. Der Zusammenhang zwischen Vertrauen und Zufriedenheit wurde bereits erwähnt. Zufriedenheit gehört zusammen mit Glück und Hoffnung zu den im Zeitverlauf abfallenden Trends. Es zeigt sich, dass die Zufriedenheit deutlich abnimmt. Die Ursachen hierfür können im selbstbestimmten persönlichen Bereich liegen, aber auch in einer zunehmenden Fremdbestimmung – vor allem im sozio-ökonomischen Bereich. Einen Hinweis hierauf gibt der starke Anstieg des Trends bezüglich Vertrauen. Die negativen Trends für Glück und Hoffnung sind Ausdruck einer zunehmenden Zukunftsangst und Desillusionierung. Wenn es stimmt, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, befinden wir uns an der Schwelle zu grundstürzenden Veränderungen. Dabei kann es eher hilfreich sein, dass man weniger dem Glück vertraut und den Mut zu eigenem Handeln hat.

Lineare Trends für den gesamten Beobachtungszeitraum

In einem letzten Schritt soll geprüft werden, ob die beschriebenen aktuellen Trends auch auf längere Sicht stabil sind. Der darstellbare Zeitraum erweitert sich auf einen Zeitraum, der den Sommer 2016 und den Winter 2016/2017 mit umfasst. Wie aus der nebenstehenden Grafik zu entnehmen ist, verläuft von den oben genannten vier waagerechten Trends hier nur die Trendlinie für Aktivität waagerecht, während die anderen drei Trends von mehr oder weniger negativen Trends in waagerechte Trends übergegangen sind. Die im Kurzzeittrend positiv gerichteten Trends für Vertrauen, Mut, Freude und Offenheit zeigen unterschiedliche Entwicklungen an. So zeigen Mut und Vertrauen eine auch längerfristig gleichbeibende positive Tendenz, Freude geht von einem negativen Trend in einen – zumindest kurzzeitigen – positiven Trend über und auch die Offenheit zeigt – hier von gleichbleibendem Niveau ausgehend – eine Veränderung in positiver Richtung. Die auf kurze Sicht negativ gerichteten Trends für Zufriedenheit, Glück und Hoffnung zeigen auch im Verhältnis zu ihren längerfristigen Verläufen eine negative Entwicklung an. Am deutlichsten ist dieses im Bezug auf die Zufriedenheit zu sehen, die von einem positiven Trend in der längerfristigen Betrachtung in einen negativen Trend in der kurzzeitigen Darstellung übergeht.

Insgesamt werden die im kurzzeitigen Trend ablesbaren Tendenzen auch im Vergleich mit den längerfristigen Trends bestätigt.

Köln in der Entwicklungsspirale der Evolution

Das Wappen der Stadt Köln (Quelle: Wikimedia-Commens)

Das Wappen der Stadt Köln deutet auf die lange und bewegte Geschichte der Stadt hin und drückt in seiner Symbolik die tiefen Beziehungen zur Macht aus.

In der Wikipedia wird es wie folgt beschrieben: „Das Wappen der Stadt Köln zeigt den doppelköpfigen Reichsadler, der Schwert und Zepter hält. Er erinnert daran, dass die Stadt im Mittelalter seit 1475 offiziell als Freie Reichsstadt zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Der Adler hat zwei Köpfe, weil der Kaiser zugleich der römisch-deutsche König war.

Der Schild hat die Farben Rot und Weiß, die Farben der Hanse. Köln gehörte als bedeutende Handelsmetropole nicht nur diesem Bund der Kaufleute und Städte an, sondern war – zusammen mit Lübeck – Mitbegründerin der deutschen Hanse und damit eine der ältesten Hansestädte in Deutschland.

Die drei Kronen sind seit dem 12. Jahrhundert das Hoheitszeichen der Stadt; sie erinnern an die Heiligen Drei Könige, deren Reliquien 1164 der Kölner Erzbischof Reinald von Dassel aus Mailand mitbrachte und die in einem goldenen Schrein hinter dem Hochaltar des Doms aufbewahrt werden.“

Die im Schild des Wappens zu sehenden 11 flammenartig dargestellten Hermelinschwänze weisen auf einen in der Stadt populären Kult um die heilige Ursula hin, die als bretonische Prinzessin mit ihren Gefärtinnen von einer Reise zurückkehrend durch die Hunnen vor der Stadt ermordet wurde.

Über die funktionale Bedeutung hinaus zeigt das Wappen in seinen Symbolen auch tiefere mythische und psychologische Bedeutungen an, die hier kurz umrissen werden. Bereits in den ersten Kulturen der Zivilisation hat der Adler zu Vergleichen mit der Sonne, übernatürlichen Naturgottheiten wie Blitz und Sturm sowie irdischen Herrschern und imperialen Nationen inspiriert. Der Flügelschlag des Adlers klingt wie das Wehen eines mächtigen Windes oder das klatschende Geräusch eines Donners. Er steigt höher in die Lüfte als jeder andere Vogel und scheint der Sonne zuzustreben. Die religiöse Kunst hat sich diese Erfahrungen der Menschen zunutze gemacht und die Engel, jene Boten des Himmels mit festem Blick und transzendenter Sehkraft, mit Adlerflügeln ausgestattet. In der Dichtung werden die Menschen auf Adlerschwingen durch die Wolken der Stürme getragen bis in sichere Höhe. So können Menschen mit Hilfe des Adlers überleben und die neu erwachsende Natur nach dem Sturm für ihre Erhaltung nutzen.

Als großer Raubvogel hat der Adler eine ambivalente Seite, die ihn zum heiligen Tier von Kriegergesellschaften macht und im Hinduismus als Schlangenadler die siegreichen Sonnenmächte symbolisiert. In den assyrisch-babylonischen Mythen hat er als löwenköpfiger Adler Imdugud die Macht eines Regenmachers.

„In der Alchemie wird der Adler als Aufstieg des Geistes aus der prima materia dargestellt, ein Versuch, zu beschreiben, dass der Erkenntnis, wenn sie sich aus dem Chaos der Gefühle löst, Flügel wachsen und sie auf diese Weise leicht in den Äther verschwinden kann. Die Alchemisten glaubten, dass der Aufstieg durch sein Gegenteil beantwortet werden muss, was bedeutet, dass unsere erhabensten Illuminationen in eine ganzheitliche Verkörperung hinabsteigen und angewandt werden müssen. Inspiriert vom Seeadler, der sich aus dem sonnendurchtränkten Himmel in den Ozean oder einen Fluss stürzt und wieder auftaucht, stellte man sich vor, dass der mythische Adler des Geistes in das Feuer der Sonne hineinfliegt, sich dabei fast selbst verbrennt, dann aber wieder in die tiefen Wasser aufkeimenden Lebens stürzt und ihnen selbsterneuert wie ein Phönix entsteigt.“ (Zitat: „Das Buch der Symbole“, Verlag Taschen, Köln 2011)

Die Farben Rot und Weiß im Schild stehen für Leben und Anfang. Rot bezieht sich auf die Erfahrungen des Menschen mit Blut und Feuer. Verlässt das Blut den Körper, gerät er bei Blutverlusten über einen Liter in akute Lebensgefahr. Die Glut des Feuers signalisierte in den frühen Kulturen Annehmlichkeit und Schutz, geriet sie außer Kontrolle, bedeutete – und bedeutet sie bis heute – Gefahr und Vernichtung. Nicht ohne Grund ist Rot auch für moderne Menschen eine Warnfarbe. Andererseits stellt sie Lebenskraft und Libido, sexuelle Leidenschaft oder Aggression und Wut dar. Vor allem sexuelle Anklänge sind in der Sprache reichlich zu finden – vom Rotlichtviertel bis zum scharlachroten Buchstaben. Bei den antiken Römern und seit dem 17. Jahrhundert ist Rot die Farbe des Krieges und der Revolution.

In der Alchemie war das Röten (rubedo) das letzte Stadium des langen Prozesses der Goldgewinnung. Psychologisch entspricht dieses der Integration der Persönlichkeit. „Damit war nicht weniger gemeint, als die geistige Erkenntnis in heißblütige Realität zu verwandeln, die im Alltagsleben voll und ganz ausgelebt wurde.“ (Zitat: „Das Handbuch der Symbole“)

Weiß spielt zwischen Gegensätzen wie weißglühender Hitze und eisiger Kälte. Der Psychologe Rudolf Arnheim stellte fest, dass Weiß „ein Symbol der Integration ist, ohne jedoch dem Auge die Vielfalt der vitalen Kräfte darzubieten, die es einbezieht, entsprechend ist es vollkommen und leer wie ein Kreis.“ Im Hinduismus ist es der milchige, mütterliche Ozean des Mythos, aus dem die Fundamente des Kosmos entspringen.

Für die Alchemie hatte Weiß eine Bedeutung als grundlegender Aspekt des Opus Magnum. Für die Alchemisten hatte Weiß einen polaren Charakter.  Einerseits bedeutete es kindhafte Naivität, Unwissenheit, Unreife und Mangel an Erfahrung, andererseits repräsentierte es die Asche oder das Salz bitteren Leids und hart gewonnener Weisheit, die sich auch im weißen Haar des alten Menschen zeigte. Dieser Entwicklungsprozess von der unerfahrenen Jugend zum weisen Greisentum kam in der zweiten Weiße oder albedo zum Ausdruck, die als Zustand der Erhellung oder als Erwachen der unbekannten Persönlichkeit im Bewusstsein begriffen wurde. Für manche Alchemisten war mit der albedo das Ziel erreicht, für andere war das Opus Magnum nur dann vollendet, wenn sich die Morgendämmerung in das rubinrote Leuchten des Sonnenaufgangs verwandelte.

Die Symbolik der Krone verweist hier im Unterschied zu vielen anderen Kronenverwendungen in Wappen  auf eine religiöse Symbolik und dem Ursprung der Krone als Symbol schlechthin. Die Gestaltung der Krone aus Gold und wertvollen Edelsteinen erzeugt einen sanften Schimmer und Glanz, die dem Träger die seiner Funktion entsprechende Wirkung auf seine Umgebung verleiht. Die Krönung ist eine solificatio, d. h. eine Erhebung materieller Dinge auf die Stufe des höheren Geistes. Hierin kommt die tiefe Absicht zum Ausdruck, etwas nicht durch rationales Denken und bewusstes Handeln zu verändern, sondern Erleuchtung zu erlangen, die Gedanken in Licht verwandelt und so eine Vision von dem erzeugt, was möglich ist. Das gekrönte Haupt wird so mit der Sonne und ihrer Lebenskraft und Fruchtbarkeit identifiziert, die mit der Krönung des Souveräns auf das gesamte Königreich übertragen wird.

„In der alchemistischen Fantasie entsprachen irdische Metalle und Edelsteine bestimmten Eigenschaften, die auf planetarische oder siderische Gestirne projeziert wurden. Die Krone symbolisiert das Ziel des Opus Magnum, diese Elemente mit der Sonne zu synthetisieren oder, auf psychologischer Ebene, die vielfältigen Eigenschaften der Ganzheit des Selbst in einem sonnengleichen Bewusstsein zu integrieren. Die Krone erhöht den Niedrigen, so auch die Jungfrau Maria, die demütige „Magd des herrn“, die von Engeln gekrönt, zur majestätischen und barmherzigen Königin des Himmels wird. Oder die anima mundi, in der Alchemie die Seele der Welt, die das Diadem trägt, das die erhabene Wiedervereinigung von Materie und Geist verkündet.“ (Zitat: „Das Handbuch der Symbole“)

Die Krone kann jedoch auch zur Last werden, wie in Shakespeares Heinrich IV gesagt oder als Dornenkrone bei der Kreuzigung Christi. Dennoch ist die Krönung bis heute ein erstrebenswertes Ziel – nicht nur in den Phantasien der Kinder und bei den Anwäterinnen auf einen Titel als Schönheitskönigin.

Für die erläuterten Symbole finden sich wahrscheinlich in Köln vielfache Bezüge, die sich intuitiv erschließen und hier – auch aus mangelndem Einblick in die kölnische Kultur  – nicht aufgeführt werden können.

Köln zählt mehr als eine Million Einwohner und ist die größte Stadt in Nordrhein-Westfalen. wesentliche Bestandteile der spezifischen Kölner Kultur sind der sprichwörtliche „Kölsche Klüngel„, der Kölner Karneval und das Kölsch als Dialekt. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Kölner Dom, der gleichzeitig für die Rolle des Katholizismus in der Stadt steht, die in den Kölner Wirren weit über die Bedeutung für die Stadt hinausging und nachhaltige Wirkungen erzeugt hat.

Nachfolgend möchte ich dieses Bild der Stadt für die Ansprüche an Köln als Sehnsuchtsort weiter vervollständigen und hierzu die Methoden der Spiral Dynamics und der Integralen Theorie verwenden.

In einem ersten Schritt werde ich kurz auf die in der nebenstehenden Grafik abgebildeten Wertesysteme im Bezug auf Köln beschreiben. Es ergibt sich ein sehr ausgeglichenes Bild zwischen einem im Vergleich zu anderen Großstädten mittelmäßig ausgeprägten Orange und den flankierenden Wertesystemen Blau und Grün, die im Verhältnis zueinander gleich stark sind. Der Rückstand bei Orange zu der etwa gleich großen Stadt München beträgt etwa 10%-Punkte. Dieser Unterschied ist vor allem auf das in Köln wesentlich stärker ausgeprägte Blau und Gelb zurückzuführen.

Köln hat sich in den letzten 10 Jahren zu einer Hochburg in der Schwulen- und Lesbenszene entwickelt und vermarktet dieses Image, das für lebensbejahende Offenheit stehen soll, zur Förderung des Tourismus. Eine Folge hiervon ist möglicherweise, dass seit 2014 der Anteil des blauen Wertemems als Kontrollfunktion gegenüber Grün um ca. 5%-Punkte gewachsen ist. Das relativ starke Gelb zeigt an, dass es offensichtlich eine spirituelle Weiterentwicklung aus dem relativ starken Grün in der Entwicklungsspirale gegeben hat, die der Harmonie im Gesamtsystem zu Gute kommt. Dennoch muss der Anteil von Orange immer noch als hoch angesehen werden, so dass eine Weiterentwicklung grüner Potentiale von Orange aus wünschenswert wäre.

Ein Vergleich mit dem Bild der WMeme von Deutschland zeigt für Köln ein geringfügiges Zurückbleiben von Orange, ein relativ starkes Zurückbleiben von Blau und Türkis und starkes Rot und Gelb. Dagegen ist Grün nur relativ gering erhöht. Bei der Bewertung dieses Vergleichs ist zu berücksichtigen, dass in den Werten für Deutschland alle ländlichen und kleinstädtischen Räume enthalten sind, die tendenziell höhere Werte bei den in der Evolution früher anzusetzenden WMemen ergeben. Daran gemessen ist der Anteil von Rot als sehr hoch zu bewerten. Er liegt etwa dreimal so hoch wie noch 2014. Vermutlich haben die Ereignisse von Silvester 2015 und vorausgegangene rechtsextreme Ausschreitungen (Pro Köln,  Attentat auf die jetzige Oberbürgermeisterin Henriette Reker)  bedeutenden Anteil hieran. Das schwache Blau bestätigt die zuvor erwähnte Tendenz der in Großstädten schwächeren Ausprägung traditionsgebundener und straff organisierter Strukturen, die in Köln jedoch gemessen an anderen Großstädten trotzdem sehr hoch ist.

Problemfelder in Köln mit Legende

1 = Kriminalität; 2 = Anerkennung; 3 = Angst; 4 = arbeitslos; 5 = Armut; 6 = teuer; 7 = Scheidung; 8 = Miete; 9 = langweilig; 10 = krank; 11 = Gewalt; 12 = Mobilität; 13 = Offenheit; 14 = Nachhilfe; 15 = Verschmutzung; 16 = Rassismus; 17 = Drogen

In einem weiteren Schritt werden die Gewichte von 17 Problemfeldern und Einzelwerten dargestellt, die eine genauere Struktur des Lebens in Köln darstellen. Die Begriffe wurden so gewählt, dass sie eine möglichst eindeutige Konnotation bzw. auf komplexere Problemfelder hinweisen, z. B. „teuer“ für Preisentwicklung, Nachhilfe für Schulprobleme, Mobilität für Arbeitspendler, Erreichbarkeit von Versorgungsstrukturen für Alte und Behinderte usw.. Mit Abstand das bedeutendste Problemfeld ist die Angst. Es folgen Gewalt, Miete, Preisentwicklung und Drogen. Am Ende der Skala befinden sich Verschmutzung (gedacht als Umweltfaktor) und arbeitslos. Hierzu ist anzumerken, dass es sich bei den Zahlenwerten um „gefühlte“ Problemintensitäten handelt, die nicht an offiziellen Statistiken gemessen werden können. Ihre Bedeutung erhalten sie in Gegenüberstellungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zu Vergleichsräumen. In der folgenden Grafik erfolgt ein Vergleich mit den Werten für Gesamtdeutschland.

Problemfelder in Köln im Vergleich zu Deutschland

1 = Kriminalität; 2 = Anerkennung; 3 = Angst; 4 = arbeitslos; 5 = Armut; 6 = teuer; 7 = Scheidung; 8 = Miete; 9 = langweilig; 10 = krank; 11 = Gewalt; 12 = Mobilität; 13 = Offenheit; 14 = Nachhilfe; 15 = Verschmutzung; 16 = Rassismus; 17 = Drogen

In der Grafik sind die Differenzen zu den entsprechenden Werten für Deutschland in Prozentpunkten dargestellt. Dadurch ergibt sich ein köln-spezifisches Bild, das durch eine erhöhte Angst vor Kriminalität, besonders hohe Mieten und erhöhte Präsenz von Drogen im öffentlichen Bewusstsein, andererseits durch geringere allgemeine Angst, geringeren Preisdruck und besonders durch geringeres Krankheitsbewusstsein gekennzeichnet ist.

Die für soziale Belange wichtigen Problemfelder Arbeitslosigkeit, Armut und Preisentwicklung machen zusammen ca. 14,5% und die für das Sicherheitsgefühl bedeutsamen Problemfelder Kriminalität, Angst und Gewalt machen ca. 25,5% aller untersuchten Problemfelder aus. Daraus lässt sich ableiten, dass unmittelbare Bedrohungen durch die persönliche Umwelt einen großen Anteil am Lebensgefühl haben. Im Vergleich zu Gesamtdeutschland sind dieses noch niedrige Werte. Für Deutschland machen die Bedrohungen der sozialen Belange etwa 20,5% und die der Sicherheit etwa 31%, zusammen also etwa 51% aller untersuchten Problemfelder aus.

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