Archive - 2017

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Gegen eine „alternativlose“ Groko!
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Gefühle in Deutschland – Auf dem Weg nach Jamaika
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Der Prellstein
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Gefühle in Deutschland – Anfang Oktober 2017
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Gefühle in Deutschland – Mitte September 2017
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Wertewelten und Themenschwerpunkte der Parteien in Deutschland
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CDU und SPD im sozialen Wertegefüge
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Gefühle in Deutschland – Mitte August 2017
9
Sonne, Urlaub, Kaktus
10
Gefühle in Deutschland im Juli 2017

Gegen eine „alternativlose“ Groko!

Das Verfallsdatum politischer Größe der deutschen Kanzlerin betrug nicht einmal zwei Jahre. Die unbürokratische Aufnahme von ca. einer Million Flüchtlinge in Deutschland, die über die Balkan-Route aus dem nahen Osten nach Europa drängten, nötigte auch der politischen Linken Zustimmung und Hochachtung ab. Das änderte sich jedoch, als das Wahlergebnis der Bundestagswahl vom 24. September 2017 offen legte, was die nationalistisch und rassistisch auftretende Rechte mit vielen unbelehrten alten Frauen und Männern den schon immer seit Bestehen von Nachkriegsdeutschland vorhandenen braunen Bodensatz an die Wahlurnen zu bringen verstand. Das war in der innenpolitischen Situation mit guten Zahlenwerten der Wirtschaftsstatistik jedoch schlechten Arbeitsbedingungen der Leistungsträger nicht schwer. Jene Arbeitnehmer, die von den Unternehmern zu Leistungsträgern erkoren wurden, leiden unter zunehmendem Streß, der im Zwiespalt von guter Bezahlung und hohem persönlichen Einsatz zu persönlichen Konflikten führt. Auf der anderen Seite jene ausgegrenzten Arbeitnehmer, die als Verfügungsmasse der Wirtschaft dienen und allenfalls für miese Jobs herangezogen werden.

Von dem Wahlergebnis – so schien es – ging ein politisches Signal aus, das zu der Aufkündigung der Gefolgschaft in einer erneuerten großen Koalition durch die SPD-Führung führte. Damit wurde im Moment höchster öffentlicher Aufmerksamkeit für jeden wahrnehmbar politische Verantwortung für die von der Linken und Rechten repräsentierten Reaktionen auf die Politik der großen Koalition übernommen. Für die einen war dies ein Signal für die nun beabsichtigte Korrektur der von der früheren SPD-Regierung zu verantwortenden Agenda 2010 mit Folgen für viele Arbeitnehmer, die in eine relative Armut an den Rand der Gesellschaft abgedrängt wurden. Für die politische Rechte wurde das Scheitern der großen Koalition auf die mit der Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik verbundenen Fragen reduziert, ohne den Zusammenhang mit der von vielen Arbeitnehmern befürchteten Konkurrenz durch zugewanderte Menschen und damit einer Verschärfung prekärer Verhältnisse im unteren Segment des Arbeitsmarktes zu thematisieren.

Vor dem skizzierten Hintergrund muss das in diesen Tagen nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche für eine „Jamaika-Koalition“ von der Verfassung vorgesehene Prozedere gesehen werden, in dessen Mittelpunkt der Bundespräsident steht. Die Rolle des Bundespräsidenten hat sich – entgegen dem in Teilen der Medien vermittelten Eindruck eines politischen Kontrolleurs – auf eine politische Reservefunktion zu beschränken. In seinen politischen Handlungen unterliegt er dabei der Kontrolle des Bundesverfassungsgerichts. In seinen Entscheidungen zur verfassungsrechtlichen Stellung des Bundespräsidenten hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2014 zum Ausdruck gebracht, dass er seine politischen Leitentscheidungen vor allem auf geistig-moralische Wirkung auszurichten hat. Hieraus ergibt sich das Gebot, eine gewisse Distanz zu Zielen und Aktivitäten von politischen Parteien und gesellschaftlichen Gruppen zu wahren. Diese dem Bundespräsidenten von der Verfassung zugewiesene Rolle ist Ergebnis geschichtlicher Erfahrung aus dem Präsidialsystem der Weimarer Republik, das wesentlich zur Entstehung der Diktatur des Dritten Reichs beigetragen hat.

Zwar hat Frank Walter Steinmeier seine SPD-Mitgliedschaft seit Übernahme seines Amtes als Bundespräsident ruhen lassen. Dennoch hat er sich mit seinen Äußerungen zu einer möglichen erneuten  großen Koalition eindeutig positioniert und damit eine politische Richtungsbestimmung intendiert, die als Fortsetzung der von ihm als Kanzleramtsminister einer früheren Bundesregierung maßgeblich mitgestalteten Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik mit den oben dargestellten Folgen zu verstehen ist. Nicht zuletzt mit seinen Äußerungen zum gewünschten Verhalten der SPD hat Steinmeier einen Flügelstreit in seiner Partei provoziert, der die Rolle des Bundespräsidenten in einem fadenscheinigen Licht erscheinen lässt.

Die nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen entstandene Situation, die den Bundespräsidenten auf den Plan gerufen hat, erfordert eine intensive öffentliche Diskussion, der sich alle beteiligten politischen Kräfte zu stellen haben, statt den Wählerwillen willkürlich für eine gerade opportun erscheinende Regierungskoalition wie „Jamaika“ zu interpretieren. Wähler stimmen nicht über Koalitionen ab – und schon gar nicht solch bunte, wie sie in den Farben der Jamaikanischen Flagge zu sehen sind.

Wie es nun nach dem (Alb)Traum von Jamaika weitergehen kann steht auf dieser Seite des Kampagnen-Netzwerks campact.

Gefühle in Deutschland – Auf dem Weg nach Jamaika

Beherrschende Themen der Hauptnachrichtensendungen der Tagesschau waren in den vergangenen Wochen die Folgen der Bundestagswahl und die Anbahnung der sogenannten Jamaika-Koalition sowie die Insolvenz und Zerlegung der Fluggesellschaft Air Berlin. Daneben rückten Umweltfragen durch nationale und internationale Wetterereignisse mit katastrophalen Folgen in den Fokus. Dominierendes Auslandsthema waren und sind die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.In der Grafik sind Vertrauen, Glück, Kraft und Zufriedenheit die dominierenden Gefühlszustände. Spitzenwerte werden von der Kurve für Vertrauen erreicht.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
Montag, 09. Oktober 2017  Glück, Kraft  Union schließt Kompromiss für Flüchtlingszuwanderung, Schäuble verabschiedet sich von Eurogruppe, Türkei startet Militäreinsatz in Nordsyrien, Air Berlin kündigt Ende des Flugbetriebs an, Richard Thaler erhält Wirtschafts-Nobelpreis, Polizei durchsucht Wohnung von AFD-Politiker Hampel, Autor Robert Menasse erhält deutschen Buchpreis
Dienstag, 10. Oktober 2017  Kraft, Allgemeinbefinden Puidgedemont verschiebt Erklärung zur katalanischen Unabhängigkeit, Grüne beraten über Regierungskoalition, IG-Metall-Vorstand fordert mehr Geld und reduzierbare Arbeitszeit, Streiks im öffentlichen Dienst Frankreichs, Regierungsprogramm in den Niederlanden vorgestellt, Impfkampagne in Bangladesh, Frankfurter Buchmesse eröffnet, Brände in Kalifornien
Mittwoch, 11. Oktober 2017  Mut, Glück, Hoffnung, Zufriedenheit Ministerpräsident Rajoy will Klarheit über katalanische Unabhängigkeit, Prozessbeginn gegen deutsche Journalistin und Übersetzerin, Deutschland verfehlt Klimaziele deutlich, Konjunkturprognose der Bundesregierung sieht Wirtschaft weiter wachsen, Zahlen von Asylsuchenden in Deutschland sinkt, Deutsche Studie belegt wachsende Internetnutzung, Frankfurter Buchmesse eröffnet, Bericht zu Menschenrechtsverletzungen an Rohingya, Urteil zu Vergewaltigung minderjähriger Ehefrauen in Indien, Weltmädchentag, Mindestens 17 Tote durch Brände in Kalifornien
Donnerstag, 12. Oktober 2017  Hoffnung, Glück, Aktivität, Vertrauen Lufthansa übernimmt Großteil von Air Berlin, Abschlussbericht im Fall Amri, Weitere Brexit-Verhandlungsrunde ohne Durchbruch, Österreich zieht wegen geplanter Maut vor EuGH, Deutschland verlängert Grenzkontrollen, Merkel besucht Kongress der IG Bergbau Chemie Energie, Einigung zwischen Fatah und Hamas, USA treten aus Unesco aus, Friedrichspreis für Fernsehjournalismus in Köln verliehen, Goetheturm in Frankfurt abgebrannt, Weiterhin zahlreiche Waldbrände in Kalifornien
Freitag, 13. Oktober 2017  Freude, Glück, Offenheit, Kraft  Trump kündigt neue Sanktionen gegen den Iran an, Grundschüler fallen bei Mathematik und Deutsch zurück, Wahlkampfendspurt in Niedersachsen, Ermittlungen gegen niedersächsischen AfD-Chef Hampel eingestellt, EU-Innenminister beraten über Schengen-Grenzkontrollen, Deutsch-türkischer Schriftsteller Akhanli wird nicht an die Türkei ausgeliefert, Buschbrände in Kalifornien, Dutzende Tote nach Überschwemmungen in Vietnam
Samstag, 14. Oktober 2017   Türkische Asylbewerber erheben Spitzelvorwürfe gegen BAMF-Mitarbeiter, Konservative ÖVP geht als Favorit in die Parlamentswahl in Österreich, UN-Blauhelme ziehen nach 13 Jahren aus Haiti ab, Sexskandal um Harvey Weinstein, Waldbrände in Kalifornien
Sonntag, 15. Oktober 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Aktivität, Gesamt, Glück SPD wird stärkste Kraft in Niedersachsen, Bundespolitische Reaktionen auf Niedersachsen-Wahl, Rechte Parteien gewinnen laut Hochrechnungen Wahlen in Österreich, Zahl der Todesopfer bei Anschlag in Somalia steigt auf über 200, Margaret Atwood erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Montag, 16. Oktober 2017  Zufriedenheit Beratungen über Wahlergebnis in Niedersachsen, Konservative nach Wahl in Österreich stärkste Kraft, Ultimatum für Katalonien endet Donnerstag, Irakische Armee rückt auf Kirkuk vor, Bahn erhöht Preise für den Fernverkehr, Wissenschaftler beobachten Entstehung von Gravitationswellen, Mindestens 35 Tote bei Waldbränden in Portugal
Dienstag, 17. Oktober 2017 Zufriedenheit, Allgemeinbefinden, Vertrauen, Freude, Hoffnung, Kraft, Mut, Gesamt Machtkampf zwischen Partei- und Fraktionsführung bei der Linkspartei, Fraktionsvorsitzende Nahles stimmt SPD-Abgeordnete auf Oppositionsarbeit ein, „Islamischer Staat“ offenbar vollständig aus Rakka vertrieben, Bundeswehr setzt Ausbildung von kurdischen Peschmerga-Kämpfern aus, Mindestens 85 Menschen bei Taliban-Angriffen in Afghanistan getötet, Internationales Entsetzen über Mord an maltesischer Journalistin, Türkei will deutschen Menschenrechtler Steudtner vor Gericht stellen, Spanien inhaftiert zwei katalanische Unabhängigkeitsaktivisten, Bundesamt warnt vor Sicherheitslücke bei drahtlosen Netzwerken
Mittwoch, 18. Oktober 2017 Vertrauen, Kraft, Hoffnung, Mut, Zufriedenheit, Allgemeinbefinden Ministerpräsident Tillich tritt zurück, Sondierungsgespräche zur Bildung einer Jamaika-Koalition, Wagenknecht und Bartsch bleiben Fraktionschefs der Linken, Xi Jinping eröffnet Parteikongress in China, Frankreich beschließt neues Anti-Terror-Gesetz, Gerichte in den USA blockieren Trumps Pläne zu Einreiseverboten
Donnerstag, 19. Oktober 2017 Zufriedenheit, Freude, Mut, Hoffnung, Vertrauen, Kraft FDP und Grüne treffen sich zu Jamaika-Sondierungen, Neue Studie zum Familiennachzug erwartet geringere Zahlen als bisher angenommen, Katalonien-Krise verschärft sich weiter, Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, Debatte über sexuelle Übergriffe: #MeToo, Zahl der fliegenden Insekten stark zurückgegangen
Freitag, 20. Oktober 2017 Vertrauen, Kraft, Mut, Hoffnung, Offenheit, Zufriedenheit, Allgemeinbefinden Jamaika-Sondierungen: Erste gemeinsame Sitzung der Parteien, EU-Gipfel ohne Durchbruch bei Brexit-Verhandlungen, Spaniens Ministerpräsident Rajoy plant offenbar Auflösung des katalanischen Parlaments, Mindestens 72 Tote bei Anschlägen auf afghanische Moscheen, G7-Innenminister vereinbaren entschiedeneres Vorgehen gegen terroristische Netzinhalte, Österreichs Bundespräsident erteilt Wahlsieger Kurz Regierungsbildungsauftrag, Beginn der Parlamentswahlen in Tschechien, Millionen Menschen sterben wegen Umweltverschmutzung, Rundfunkkommission berät Reform der Öffentlich-Rechtlichen, WM-Affäre: DFB muss Steuern nachzahlen
Samstag, 21. Oktober 2017  Vertrauen, Glück, Mut, Freude, Hoffnung, Zufriedenheit, Kraft, Gesamt Spanien leitet Entmachtung von Kataloniens Separatisten ein, Politiker der Jamaika-Parteien mahnen zu Kompromissen bei Sondierungen, Deutlicher Rechtsruck bei Parlamentswahl in Tschechien, Dutzende Tote bei schweren Gefechten mit Islamisten in Ägypten, IS reklamiert Anschlag auf Moschee in Kabul für sich, Messerattacke in München, 70. Jahrestags der Bremischen Verfassung
Sonntag, 22. Oktober Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Gesamt, Freude, Mut, Allgemeinbefinden Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort, Situation in den irakischen Kurdengebieten, Demonstration „Gegen Hass und Rassismus im Bundestag“, Widerstand gegen Spaniens Plan zur Entmachtung Kataloniens, Italiens Regionen Venetien und Lombardei stimmen über mehr Autonomie ab, Tausende demonstrieren in Malta nach Journalisten-Mord, Japans Regierungschef Abe triumphiert bei Parlamentswahl, Russischer Oppositioneller Nawalny wieder frei, Benefizkonzert für Hurrikan-Opfer
Montag, 23. Oktober 2017 Hoffnung, Allgemeinbefinden, Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft, Glück Vorbereitung der ersten Sitzung im neuen Bundestag, Personalquerelen bei der SPD, Transfergesellschaft für Mitarbeiter von insolventer Air Berlin, Reformentwurf gegen Lohndumping in der EU, Große Mehrheit für mehr Autonomie bei Referenden in Norditalien, Japanischer Ministerpräsident Abe gewinnt Parlamentswahlen, Millionen-Hilfe für verfolgte Rohingya-Flüchtlinge, „Reichsbürger“ zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt
Dienstag, 24. Oktober 2017 Vertrauen, Glück, Kraft, Zufriedenheit, Freude, Hoffnung  Wolfgang Schäuble ist neuer Bundestagspräsident, Auftakt zur konstituierenden Sitzung, Sondierungsgespräche werden fortgesetzt, EU-Kommission fordert Aus für Glyphosat, Reformentwurf gegen Lohndumping in der EU, BverfG prüft Volkszählung von 2011, ÖVP plant Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ, Chinas Staatschef Xi Jinping baut Machtposition weiter aus
Mittwoch, 25. Oktober 2017 Freude, Mut, Aktivität, Vertrauen, Glück Air Berlin: Tausenden Angestellten droht Arbeitslosigkeit, Jamaika-Sondierungsgespräche thematisieren Haushaltspolitik, AfD-Fraktion hält an Glaser-Kandidatur für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten fest, Bundespräsident Steinmeier trifft Putin bei Besuch in Russland, Menschenrechtler Steudtner in Istanbul vor Gericht, EuGH-Entscheidung zu Asylanträgen, China: Xi als Generalsekretär wiedergewählt
Donnerstag, 26. Oktober 2017 Zufriedenheit, Hoffnung, Kraft, Allgemeinbefinden, Freude, Mut Freiheit für Menschenrechtler Steudtner nach mehr als 100 Tagen U-Haft in der Türkei, Jamaika-Sondierungsgespräche: Beratungen zu Migration und Klimaschutz, Katalonien-Konflikt: Puigdemont schließt Neuwahlen aus, EZB will weniger Anleihen kaufen, Sacharow-Preis geht an Venezuelas Opposition, Ausschreitungen bei erneuten Wahlen in Kenia, Thailand nimmt Abschied von König Bhumibol
Freitag, 27. Oktober 2017 Mut, Allgemeinbefinden, Zufriedenheit, Kraft, Vertrauen, Hoffnung Zwangsmaßnahmen gegen Katalonien im Amtsblatt veröffentlicht, Internationale Reaktionen auf die Entscheidungen im Katalonien-Konflikt, Schwierige Jamaika-Sondierung: Parteien vertagen ihre Verhandlungen zu Kernthemen, Air Berlin stellt nach fast 40 Jahren den Betrieb ein, EU-Kommission schlägt fünfjährige Verlängerung von Glyphosat-Zulassung vor, UN-Experten sehen Verantwortung für Giftgasangriff bei syrischer Führung, Trump ruft wegen Missbrauchs von Opioiden Gesundheitsnotstand aus, USA geben tausende Geheimdokumente zur Ermordung Kennedys frei, Gutachter: Keine Vollsperrung der A20 nötig
Samstag, 28. Oktober 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Hoffnung, Kraft, Allgemeinbefinden, Freude, Mut Spanische Zentralregierung entmachtet katalanische Regionalregierung, Air Berlin stellt Flugbetrieb ein, SPD-Parteichef Schulz spricht auf Konferenz in Hamburg, Deutliches Plus im Bundeshaushalt, Drei Jahre „Pegida„, Georg-Büchner-Preis geht an Lyriker Jan Wagner, Island wählt neues Parlament
Sonntag, 29. Oktober 2017 Kraft, Aktivität, Allgemeinbefinden, Offenheit, Hoffnung, Zufriedenheit Schwere Schäden durch Sturmtief „Herwart“, Parteien suchen Kompromisse in Klima– und Flüchtlingspolitik, Hunderttausende demonstrieren in Barcelona für Einheit Spaniens, Kurdenpräsident Barsani kündigt Rückzug an, Island nach Wahl vor schwieriger Regierungsbildung, Wiederaufbau der Garnisionskirche in Potsdam, Deutscher Umweltpreis in Braunschweig verliehen
Montag, 30. Oktober 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Freude, Gesamt, Hoffnung, Aktivität, Offenheit, Kraft, Mut Anklage gegen Trumps Wahlkampfchef Manafort, Katalanischer Regionalpräsident Puigdemont verlässt Spanien nach Anklage, Sondierungsgespräche von möglicher Jamaika-Koalition, CO2-Gehalt im letzten Jahr schneller gestiegen als zuvor, Syrien-Gespräche in kasachischer Hauptstadt Astana, Kenyatta gewinnt Präsidentschaftswahl in Kenia, Mittelalterliches Marktspektakel in der Lutherstadt Wittenberg, Nach Sturmtief „Herwart“: Normaler Verkehrsbetrieb bei Deutscher Bahn läuft wieder
Dienstag, 31. Oktober 2017 Zufriedenheit, Mut, Kraft, Vertrauen, Glück, Freude Festakt zum Beginn der Reformation vor 500 Jahren, Polizei nimmt Syrer wegen Terrorverdachts fest, Abgesetzter katalanischer Regionalpräsident will kein Asyl in Belgien beantragen, Amerikanischer Kongress befragt Internet-Konzerne über Einflussnahme Russlands auf den Wahlkampf, Selbstmordattentäter tötet mindestens sechs Menschen in Kabul, Bergung des havarierten Frachters vor Langeoog wird vorbereitet, Bahnverkehr hat sich normalisiert, Olympisches Feuer an kommende Winterspiele im südkoreanischen Pyeonchang übergeben
Mittwoch, 01. November 2017   Anschlag mit Kleinlaster in New York, Trump will nach Anschlag „Green-Card-Lotterie“ abschaffen, Haftbefehl gegen 19-jährigen Terrorverdächtigen in Schwerin, Sondierungen für Jamaika-Koalition gehen in weitere Runde, Koalitionsverhandlungen in Niedersachsen, Kosten für Asylbewerber gestiegen, bpb-Chef beklagt „kulturellen Kolonialismus“ westdeutscher Eliten, Puigdemont will Vorladung von Madrider Gericht ignorieren, UNICEF kritisiert Gewalt gegen Kinder, Katholiken in Deutschland feiern Allerheiligen, Russischer Langläufer Legkow gesperrt
Donnerstag, 02. November 2017 Vertrauen, Glück, Allgemeinbefinden, Freude, Gesamt, Freude, Zufriedenheit, Kraft, Mut Haftbefehl gegen Puigdemont und weitere Ex-Minister, Jamaika-Sondierungsgespräche ohne greifbare Ergebnisse, Steigende Anzahl an Asylbewerbern in Deutschland, Zahl der Arbeitslosen sinkt auf historischen Tiefstand, US-Republikaner präsentieren Entwurf für Steuerreform, Jerome Powell wird neuer FED-Chef, Suu Kyi besucht erstmal Krisenregion Rakhine, Skandal um Großbritanniens Ex-Verteidigungsminister Fallon, 100. Jahrestag der Balfour-Deklaration, Auf Grund gelaufener Frachter vor Langeoog wurde freigeschleppt
Freitag, 03. November 2017 Mut, Aktivität, Vertrauen, Glück, Allgemeinbefinden, Freude, Kraft Parteien ziehen Zwischenbilanz der Jamaika-Gespräche, Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze, Deutsche aus türkischer Haft entlassen, Puigdemont will sich nur belgischer Justiz stellen, Machtbereich des IS in Syrien schrumpft weiter, 588 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer gerettet, Vereinte Nationen fordern Ende der Diskriminierung von Menschen ohne Staatsbürgerschaft, Beerdigung von ermordeter maltesischer Journalistin Galizia, Staatsanwaltschaft und Polizei durchsuchen Metro-Konzernzentrale in Düsseldorf, Diskussion über den Videobeweis in der Bundesliga
Samstag, 04. November 2017 Hoffnung, Mut, Freude, Vertrauen, Kraft, Gesamt, Glück, Zufriedenheit, Aktivität CSU-Chef Seehofer unter Druck, Außenminister Gabriel trifft türkischen Amtskollegen Cavusoglu, Ausschreitungen bei Demonstration von Kurden in Düsseldorf, Erneutes Flüchtlingsdrama im Mittelmeer, Demonstration für Klimaschutz vor Weltklimakonferenz in Bonn, USKlimareport widerspricht Trump, Machtbereich des IS in Syrien schrumpft weiter, Österreichischer Politiker Pilz tritt zurück
Sonntag, 05. November 2017  Vertrauen, Glück, Freude, Hoffnung, Mut Paradise Papers„: Daten-Leak enthüllt Steuertricks der Reichen, Puigdemont stellt sich belgischer Polizei, CSU-Jugendverband will Söder als Parteichef, Klimakonferenz in Bonn, Saudi-Arabiens Königshaus lässt mehrere Funktionsträger des Staates festsetzen, Tote und Verletzte bei Anschlag in Syrien, Trump droht Nordkorea auf Asienreise, Mehr als 50.000 Teilnehmer bei New-York-Marathon
Montag, 06. November 2017 Glück, Kraft, Zufriedenheit, Vertrauen, Hoffnung, Mut Weltklimakonferenz in Bonn eröffnet, Studie zum Kraftstoffverbrauch von Neuwagen, Bundesregierung fordert Herausgabe der „Paradise Papers“ Recherchen, Reaktionen aus der Politik auf „Paradise Papers“, Zweite Runde der Sondierungsgespräche beginnt, Parteichef Schulz stellt Leitantrag für Erneuerung der SPD vor, US-Präsident Trump beginnt Asien-Reise in Japan, Trauer nach Anschlag in Texas, Ex-Schiedsrichter Krug als Projektleiter für Videobeweis abgesetzt
Dienstag, 07. November 2017 Vertrauen, Zufriedenheit, Allgemeinbefinden, Gesamt, Hoffnung, Mut, Freude Bundesverfassungsgericht stärkt Kontrollrechte des Bundestags, Kompromisssignale bei Sondierungsgesprächen für Jamaika-Koalition, Deutsche Unternehmen fordern Ausstieg aus der Kohleverstromung, Verhandlungen über große Koalition beginnen in Niedersachsen, Gesetzliche Krankenkassen: Bundessozialgericht stärkt Rechte von Patienten, Paradise-Papers: Beteiligung von deutschen Banken an Zahlungsverkehr für Online-Glücksspiele, Konflikte zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, Trump auf Staatsbesuch in Südkorea, Kundgebung von katalanischem Regierungschef Puigdemont in Brüssel, 100 Jahre Oktoberrevolution, Tropensturm in Vietnam
Mittwoch, 08. November 2017 Kraft, Freude, Vertrauen, Zufriedenheit, Allgemeinbefinden, Gesamt, Hoffnung, Behördenregister sollen Geschlechtseintrag für Intersexuelle anbieten, Wirtschaftsweise heben Konjunkturprognose deutlich an, Fast jeder fünfte Einwohner Deutschlands von Armut bedroht, Berliner Innenausschuss: Verdacht auf versuchte Unterwanderung der Berliner Polizei durch kriminelle Clans, EU-Kommission beschließt strengere CO2-Grenzwerte für Autos, NATO-Minister wollen Bündnisverteidigung stärken, Louvre Abu Dhabi eröffnet

Die vorstehende Grafik zeigt die Trends der vergangenen Wochen. Die oben erwähnten Gefühle zeichnen sich auch hier als stärkste Einflussfaktoren für das psychische Empfinden der Menschen in Deutschland aus. Dieses Ergebnis wird von der  unspezifischen Trendlinie des Allgemeinbefindens bestätigt. Es zeichnen sich zwei bemerkenswerte Korrelationen ab, die nach Erklärungen suchen: Die Trendlinien von Vertrauen und Zufriedenheit verlaufen waagerecht parallel, die im vorhergehenden Beobachtungszeitraum parallel verlaufenden Trendlinien von Mut und Glück verlaufen nun in entgegengesetzte Richtungen – Mut mit abnehmender Tendenz, Glück mit zunehmender Tendenz. Trotz heftiger Ausschläge der täglichen Werte von Vertrauen und Zufriedenheit mit einigen Korrelationen ergibt sich über den Zeitraum von einem Monat gesehen doch eine hohe Korrelation. Maßgeblich hierfür kann der durch die Jamaika-Gespräche auf Parteiebene wie auch in den Medien erzeugte politische „Schwebezustand“ sein: Solange nichts entschieden ist und noch verhandelt wird können alle Beteiligten zufrieden sein. Solange diese verhandlungen andauern sind die Wähler und ist die Öffentlichkeit suspendiert. Dieser Zustand wurde von einem Fernsehkommentator geradezu als erwägenswertes Modell für ein Interimsjahr erwähnt, bis es danach Neuwahlen gibt. (Es könnte sich allerdings hierdurch der Stellenwert der Bundesregierung gegenüber anderen Staatsorganen relativieren!) Dagegen verlaufen Kraft, Allgemeinbefinden, Freude und Offenheit mit abnehmender Tendenz. Will man auch hierfür die bundespolitischen Verhältnisse verantwortlich machen, so bietet sich folgende Interpretation an: Die Auseinandersetzung so unterschiedlicher Wahlkampfkontrahenten wie FDP, Bündnis90/Grüne und CSU in jeder denkbaren Paarung bereitet sicher ihren Parteigängern wenig Freude und verlangt große Offenheit, die jedoch mit zunehmender Verhandlungsdauer abnimmt. Das zehrt an den psychischen Ressourcen und raubt auch physisch durch langes Sitzen Kraft. Am Ende steht ein schlechtes Allgemeinbefinden. Politisch gesehen sind das keine guten Voraussetzungen für ein Regierungsprogramm, das unter den Bedingungen eines Verhandlungsmarathons im physischen und psychischen Stress ausgehandelt wurde.

Der Vergleich der Kurzzeittrends verdeutlicht die oben dargestellten Interpretationsmodelle und zeigt die gravierendsten Veränderungen in der Entwicklung von Vertrauen, Kraft, Glück, Freude und Offenheit an. Weniger augenscheinlich sind die Trendumkehrungen von Allgemeinbefinden, Hoffnung und der Gesamtheit der Gefühle. Lediglich graduelle Trendveränderungen gibt es bei Zufriedenheit, Mut und Aktivität.

Der oben stehende Vergleich des längerfristigen Trends mit dem trend des vergangenen Monats zeigt, dass bei 6 der insgesamt 11 Trends eine abweichende Tendenz  vorhanden ist. Eine Verbesserung langfristiger Trends ist dabei für Vertrauen, Zufriedenheit und Glück, eine Verschlechterung für Kraft, Freude und Mut zu sehen. Dieses Ergebnis würde in dem oben dargestellten Denkmodell „Interimsjahr“ durchaus einen Sinn ergeben: Der allgemein diagnostizierte Vertrauensschwund in die politischen Organe, das nachlassende Gefühl von Glück trotz materiellen Wohlstands von 2/3 der Menschen in Deutschland und die wachsende Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation würden aus der Machtsphäre des Staates für eine gewisse Zeit herausgelöst und gäben außerparlamentarischen Initiativen mehr Einfluss. Frei werdende Potentiale von Kraft, Freude am Gestalten und Mut zu neuen Initiativen könnten die momentane Abwärtstendenz dieser Werte überwinden. In jedem Fall gilt jedoch das Rheinische Grundgesetz: Et kütt wie et kütt. (Füge dich in das Unabwendbare; du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern.)

Der Prellstein

Der Prellstein

Es war 1978, als meine Eltern das Haus meiner Kindheit verließen und in eine Wohnung im Dorf umzogen. Etwa zur gleichen Zeit zog ich mit meiner Familie in das eigene Haus ein. Durch die zeitliche Nähe dieser Ereignisse mit der gesteigerten Aufmerksamkeit für das, was an einem Ort aufgegeben wird und an einen anderen Ort verbracht werden muss oder kann fiel mir der Prellstein ein, der an der Einfahrt zum Hof des Hauses lag, in dem ich die längste Zeit meiner Kindheit und Jugend gelebt hatte. Prellsteine oder Radabweiser haben traditionell die Aufgabe, die Räder von Fuhrwerken vor Beschädigungen durch Mauerkanten und Toreinfahrten zu schützen. Dieser Prellstein hatte die an die Moderne angepasste Aufgabe, den Betonpfahl in der Gartenecke an der Einfahrt vor Zerstörung zu schützen und Blechschäden an Fahrzeugen zu vermeiden. Es ist ein unbearbeiteter „Findling“, eigentlich ein als Geschiebe bezeichnetes Relikt der Eiszeit, in einem tragbaren Format. Auf diesem Stein hatte ich oft in der Mittagszeit nach der Rückkehr von der Schule gesessen und meine Gedanken reflektiert. Hierzu gehörten auch philosophische Fragen von der Art, wie sie in dem von Peter Handke verfassten „Lied vom Kind sein“ umrissen ist:… Als das Kind Kind war, war es die Zeit der folgenden Fragen: Warum bin ich ich und warum nicht du? Warum bin ich hier und warum nicht dort? Wann begann die Zeit und wo endet der Raum? Ist das Leben unter der Sonne nicht bloss ein Traum? Ist was ich sehe und höre und rieche nicht bloss der Schein einer Welt der Welt? Gibt es tatsächlich das Böse und Leute, die wirklich die Bösen sind? Wie kann es sein, dass ich, der ich bin, bevor ich wurde, nicht war, und dass einmal ich, der ich bin, nicht mehr der ich bin, sein werde? …

Die grundlegenden Fragen von Kindern, die manchmal die Welt aus den Angeln heben, sind für den Philosophen Karl Jaspers „ein wunderbares Zeichen dafür, dass der Mensch als solcher ursprünglich philosophiert.“ Immanuel Kant hat sie in Kategorien geordnet:

  • Was kann ich wissen? (Erkenntnistheorie)
  • Was soll ich tun? (Moral und Ethik)
  • Was darf ich hoffen? (Religion und Gesellschaftstheorie)
  • [Was ist der Mensch? (Anthropologie)]

Die Grundfragen des Menschen sind von existenzieller Bedeutung und haben ihre Bestätigung für mich in einigen prägenden Erlebnissen gefunden, auf die ich nachfolgend näher eingehe. Zu diesen Erlebnissen gehört ein häufiger Traum der davon handelt, daß ich über dem Prellstein in seiner schützenden Funktion an der Hofeinfahrt mit dem unmittelbar daneben im Garten stehenden Pflaumenbaum aus eigener Kraft ohne andere Hilfsmittel als nur den sich auf- und abbewegenden ausgebreiteten Armen in die Höhe steige. Es ist eher das Bild einer Lerche über dem Feld als das eines davon fliegenden Vogels. Diese immer wieder aufgefrischte Erinnerung an meine philosophischen Überlegungen auf dem Stein hat vor allem ein Bündel der mit ihm verbundenen Fragen wach gehalten. Hierzu gehörten Fragen wie: Gibt es mich nur einmal auf der Welt – im gesamten Universum? Wenn ja, gibt es eine Gleichzeitigkeit zwischen mir und meinem Doppel? Können wir unabhängig voneinander denken und handeln? Was und wo bin ich, wenn ich schlafe? Ist die Welt um mich herum auf mich konzentriert und gar nicht unabhängig von mir existent? Es gab ein Gefühl der Angst im Hintergrund, das diese Fragen hervorzurufen schien: Es war die Sorge, allein auf der Welt zu sein und keine Bestätigung meiner Gefühle zu erhalten – ja, nicht erhalten zu können.

Die Fragen der Kindheit wurden weitgehend verdrängt durch die im 14. Lebensjahr von mir verlangte Entscheidung, welchen Beruf ich ergreifen wollte. Die Folgen dieser Entscheidung nahmen nahezu vollständigen Besitz von mir. Es mussten Adressen von Ausbildungsstellen gesammelt werden, Bewerbungsunterlagen erstellt werden, Vorstellungstermine wahrgenommen werden in einer völlig neuen Sphäre. Eine Intensivierung dieser Besitzergreifung erfolgte jedoch erst als „der Ernst des Lebens“ mit dem Antritt der Lehrstelle begann. In diese Zeit fiel ein Ereignis, dass eine tiefe Ergriffenheit bei mir erzeugte.

Hieronymus Bosch: Aufstieg der Seligen

Im Alter von 16 Jahren musste ich mich einer Mandeloperation (Tonsillektomie) unterziehen. Zu jener Zeit wurden viele entzündliche Gesundheitsstörungen, für die keine eindeutigen Auslöser gefunden werden konnten, häufig den Mandeln zugeschrieben – auch wenn diese vollkommen in Ordnung waren. So auch in meinem Fall. Ebenfalls üblich war die vor der Operation verabreichte Narkose durch Äther. Nachdem die in  Entgiftungsphase nach der Narkose überstanden war fühlte ich mich wie ein neuer Mensch, alle Last war von mir abgefallen. Meine Gedanken kreisten um ein Erlebnis, das mir in der Narkose widerfahren war: ich befand mich plötzlich in einem Raum, in dem sich eine Anzahl gut und zivil gekleideter unbekannter Menschen befand, die großes Interesse an mir hatten und Zuneigung zu mir zum Ausdruck brachten. Für mich war dort der Ort der Glückseligkeit, den ich nicht mehr verlassen wollte. Doch man erklärte mir, ich müsse in mein irdisches Dasein zurückkehren, da meine Aufgaben noch nicht erfüllt seien. Erst einige Jahre später erfuhr ich durch die Lektüre eines Buches von Elisabeth Kübler-Ross, dass ich ein Nahtoderlebnis gehabt haben musste. Welche Rolle dabei die Äther-Narkose gespielt hat ist mir nicht klar. In der Literatur wird jedenfalls über eine Häufung von Nahtoderlebnissen in der Äther-Narkose berichtet – mal, dass ein kurzer Herzstillstand eingetreten ist, ein andermal ohne nähere Angaben. Der Nahtod-Forscher Schröter-Kunhardt gibt als die mit Abstand häufigsten Sensationen an:  61 Prozent erleben eine Stimmungsaufhellung mit angenehmen, leichten Gefühlen. Am zweithäufigsten tritt mit 58 Prozent – aus der ersten hervorgehend – die außerkörperliche Erfahrung auf, bei der man sich vom Körper distanziert und ihn von oben wahrnimmt. Letztere Erfahrung lag in meinem Fall nicht visuell vor, sondern war in der erlebten Situation als vom Körper abgelöstes Bewusstsein vorhanden.

An einem der wenigen Tage dieses Krankenhausaufenthalts geschah noch etwas zutiefst bewegendes: Meine erste intensive Begegnung mit einem Mädchen. Es war eine Studentin im Praktikum, die sich am frühen Abend zu mir auf die Bettkante setzte und sich sehr für meine Buchlektüre zu interessieren schien. Mir erschien dieses Interesse als großer Zufall, handelte es sich doch um die Lebensgeschichte von Temudschin, bekannter unter dem Namen Dschingis Khan. An diesem Abend spürte ich erstmals die erotisierende Wirkung weiblicher Nähe und erfuhr, dass ich nun an der Schwelle zum Erwachsenen stand.

Die Erlebnisse während meines kurzen Krankenhausaufenthalts hatten u. a. die Folge, dass ich breit gefächerte Interessen entwickelte und mich besonders  für psychologische und philosophisch-spirituelle Fragestellungen interessiere, ohne jedoch einen Berufswunsch auf diesen Gebieten zu entwickeln. Für mich gehörten  die  genannten Fragestellungen zur Entwicklung einer harmonischen Lebenspraxis dazu und veranlassten mich später neben meinem technischen Beruf dann später, eine Ausbildung zum Heilpraktiker zu absolvieren.

Die persönliche Aufarbeitung des oft wiederholten Traumes vom Fliegen ergab – wie könnte es bei Freud auch anders sein? – den Zusammenhang mit dem Fliegen des Vogels, der auf die Symbolik erotischer Träume hinweist. Freud schreibt hierzu: „Warum träumen aber so viele Menschen vom Fliegenkönnen? Die Psychoanalyse gibt hierauf die Antwort, weil das Fliegen oder Vogel sein nur die Verhüllung eines anderen Wunsches ist, zu dessen Erkennung mehr als eine sprachliche und sachliche Brücke führt. Wenn man der wißbegierigen Jugend erzählt, ein großer Vogel, wie der Storch, bringe die kleinen Kinder, wenn die Alten den Phallus geflügelt gebildet haben, wenn die gebräuchlichste Bezeichnung der Geschlechtstätigkeit des Mannes im Deutschen »vögeln« lautet, das Glied des Mannes bei den Italienern direkt l’uccello (Vogel) heißt, so sind das nur kleine Bruchstücke aus einem großen Zusammenhange, der uns lehrt, daß der Wunsch, fliegen zu können, im Traume nichts anderes bedeutet als die Sehnsucht, geschlechtlicher Leistungen fähig zu sein. Es ist dies ein frühinfantiler Wunsch. Wenn der Erwachsene seiner Kindheit gedenkt, so erscheint sie ihm als eine glückliche Zeit, in der man sich des Augenblicks freute und wunschlos der Zukunft entgegenging, und darum beneidet er die Kinder.“ Meine Träume vom Fliegen sind in den letzten Jahrzehnten sehr selten geworden und so hat der Prellstein mit zunehmendem Alter mehr und mehr die Rolle eines „Gedenksteins“ erhalten, der an meine persönliche Vergangenheit erinnert und diese im Bewusstsein hält.

Von den philosophischen Fragen hat sich jene nach dem menschlichen Vermögen, die Wirklichkeit zu erkennen bis zu diesem Moment, wo ich darüber schreibe, erhalten. Sie hat für mich wieder größere Bedeutung gewonnen, seit ich aus den beruflichen Zwängen, die mich an mathematische und objektivistische Begründungen gebunden hatten, entlassen bin. Es mag vielleicht an der eingeübten Stringenz meines Denkens gelegen haben, dass ich sehr bald die Geisteshaltung des Solipsismus als Ausgangsgedanken nahm und damit an Fragen meines frühen Lebens anknüpfte. Von hier aus erschloss sich der von Immanuel Kant geäußerte Gedanke der Nichterkennbarkeit des „Ding an sich„, der zu einem der wesentlichen Grundsätze der Aufklärung wurde und als Einfallstor für den Solipsismus moderner Prägung dienen konnte – dieses aber nur, indem sich das allgemeine Interesse an Kant auf die Kritik der reinen Vernunft konzentrierte und die beiden folgenden Kritiken – Kritik der praktischen Vernunft und die Kritik der Urteilskraft weitgehend vernachlässigte.

Bereits in den Anfängen der griechischen Philosophie ist ein Bedürfnis festzustellen, eine allgemein verbindliche Definition für das, was wirklich ist, zu erreichen. Der zu den Vorsokratikern gehörende Philosoph Parmenides verkündete eine Definition von Wirklichkeit als Identität von Sein und Denken. Hiergegen behaupteten sophistische Kritiker wie Gorgias, es existiere nichts und wenn doch etwas existieren sollte, so könne der Mensch es nicht begreifen und schließlich, wenn es auch begreiflich wäre, so könnte es einem anderen nicht mitgeteilt oder erklärt werden. Viele der in der Gegenwart geführten Debatten erinnern an diese anfänglichen Sophistereien. Ich erinnere nur an Schlagworte wie Fake-News oder „alternative Fakten„. Hinter diesen Sprachschöpfungen verbirgt sich eine solipsistische Haltung, die auf der Grundhaltung beruht, „wirklich ist nur das, was ich für wirklich halte.“  Diese Haltung ist mit Vernunftargumenten nicht zu widerlegen, da in dem Moment, wo wir über das «Wesen» unseres Bewußtseins und seiner «Inhalte» (zu denen auch unser Wissen um die Außenwelt gehört) reflektieren, können wir dies wiederum nur mit Hilfe von Bewußtseinsinhalten tun. Es handelt sich also um eine Endlosschleife  oder wie der Volksmund sagt, um eine Situation, in der sich die Katze in den Schwanz beißt. Es ist nicht anders, als wollten wir beispielsweise versuchen, über das Wesen des Lichtes dadurch Näheres zu erfahren, daß wir einen Lichtstrahl beleuchten.

Rückblickend auf meine kindlichen Fragen interpretiere ich die solipsistischen Anklänge in dem Sinne, dass es eher die existentialistische Angst vor dem Alleinsein und damit der Versuch einer Vermeidung solipsistischer Arroganz war, die mich nach einem Ausweg suchen ließ, der in einer Verdopplung meines Ich existieren könnte. (Vielleicht ist in einer solchen Beziehung zwischen Solipsismus und Existentialismus auch das Verlangen einiger Eliten begründet, das Klonen von Menschen zu ermöglichen!)

Der Weg in den Solipsismus wird, wie ich am Beispiel meiner eigenen kindlichen Phantasie geschildert habe, bereits in der Bewusstseinsentwicklung des Kindes vorgezeichnet. Nach dem Schweizer Biologen Jean Piaget erfolgt die letzte Vervollkommnung der menschlichen Denkfähigkeiten, die er formal-operationales Denken nennt,  etwa ab dem 11. Lebensjahr. Auf dieser Ebene wird die soziale Persönlichkeit oder Rolle als bloßer Schein und im Gegensatz zum wahren inneren Ich gesehen. Das Kind erhält die Fähigkeit, seine Rolle gegenüber der Gesellschaft zu definieren. Diese Phase ist über einen erheblichen Zeitraum zeitgleich mit der konfliktreichen Zeit der Pubertät, in der auch deutlich wahrnehmbare Veränderungen des Körpers stattfinden. Das Bewusstsein vom Ich wird stabil und folgt nicht mehr den wechselnden Gefühlsregungen. An die Stelle der Folgsamkeit im sozialen Umfeld tritt die Reflexion über das eigene Verhalten.  Es können verschiedene Möglichkeiten aus der jeweiligen Situation durchdacht werden und zur persönlichen Entscheidung führen. Jedes höhere Niveau erlaubt die Lösung einer grösseren Zahl und Vielfalt von Problemen, da einige neue relevante Aspekte der Aufgabe zusätzlich einbezogen werden. Gemäss Piaget schliesst jede neue Strategie die Elemente der vorhergehenden ein, ist aber differenzierter und gleichgewichtiger als diese. Wenn dieser Abnabelungsprozess von der bewahrenden und lenkenden Gesellschaft gelingt, kann schließlich vom „reifen Ich“ gesprochen werden.

In dieser für die weitere Entwicklung des Menschen entscheidenden Phase kann die Entwicklung jedoch eine falsche Wendung nehmen und zu etwas ganz anderem als dem „reifen Ich“ führen. Wie bereits oben erwähnt, kann die Bewusstseinentwicklung reflektierend in eine Endlosschleife geraten und die körperlich wie seelisch hinzu erworbenen Fähigkeiten als bloße Instrumente zur Durchsetzung von Wünschen des noch unreifen Ich benutzen, in dem die Persönlichkeit darin gefangen bleibt und kein sozialverträgliches Verhalten entwickeln kann. Hierauf sind viele Probleme der Jugendkriminalität zurückzuführen. Für die von Ken Wilber vertretene Integrale Theorie entspricht dem individuellen Defizit einer unterbliebenen Transzendierung auf eine höhere Ebene der Persönlichkeitsentwicklung in dem auf gesellschaftlicher Ebene stattgefundenen grundlegenden Programm der Aufklärung eine Reduktion des Subjekts auf seine physikalisch und mathematisch beschreibbaren Kennzeichen – den rechten Quadranten im AQAL-System nach Wilber. Wilber weißt darauf hin, dass nur ein transzendentes Ich mit anderen transzendenten Ichs wahrhaft verbunden sein kann. Entlang dieser Defizitlinie verläuft die tiefere Spaltung von Gesellschaften.

Die persönliche Entwicklung ist mit dem Erreichen des reifen Ich nicht abgeschlossen. Die psychische Entwicklung im Erwachsenenalter ist vor die Aufgabe gestellt, die getrennten Sphären von Körper und Geist zu integrieren um das von Wilber „zentaurisches Bewusstsein“ genannte Stadium zuerreichen um dann, wenn alles gut geht, am Ende des Lebens zu der Erkenntnis zu kommen, dass das menschliche Leben nur „ein kurzes Aufblitzen in der kosmischen Leere“ ist. Dieses letzte Stadium, in dem alle dem inneren Auge gegebenen Möglichkeiten zusammengefasst sind, nennt er Schau-Logik. In diesem Stadium angekommen bekannte Tolstoi: „Meine Frage, die Frage, die mich im fünfzigsten Lebensjahr zu Selbstmordgedanken brachte, war die allereinfachste Frage, die in der Seele eines jeden Menschen ruht »Was wird das Ergebnis sein von dem, was ich heute tue, was ich morgen tun werde – was wird das Ergebnis meines ganzen Lebens sein?« Anders ausgedrückt wird die Frage so lauten: »Wozu lebe ich? Wozu begehre ich? Wozu handle ich?« Etwas abstrakter kann man die Frage so ausdrücken: »ist in meinem Leben ein Sinn, der nicht zunichte würde durch den unvermeidlichen, meiner harrenden Tod?«“ [Meine Beichte, Düsseldorf, Köln: Diederichs, 1978, S. 44., zitiert nach Wilber]

Es scheint, als wäre mein Nahtoderlebnis ein Korrektiv innerhalb der oben dargestellten Abfolge von Entwicklungsphasen, indem es mir eine Ahnung von dem vermittelte, was auf der anderen Seite des Lebens möglich ist und gleichzeitig zu verstehen gab, dass  die Zeit für mich noch nicht reif war, um den Entwicklungsprozess zu beenden. Diese Interpretation ist allerdings nicht verallgemeinerbar und erklärt nicht die vielen Tode von Menschen, die am Beginn ihres Lebens sterben. Das persönliche Schicksal bleibt trotz allem ein metaphysisches Rätsel.

 

 

Gefühle in Deutschland – Anfang Oktober 2017

Beherrschende Themen der Hauptnachrichtensendungen der Tagesschau waren in den vergangenen Wochen der Bundestagswahlkampf und die Ergebnisse der Bundestagswahl vom 24. September. Die hohen Stimmenverluste der traditionellen Volksparteien führten zu einem sprunghaften Wahlsieg der AfD. Die hierdurch entstandenen Veränderungen im Parteiensystem Deutschlands und die Folgen für eine Regierungsbildung rückten in das Zentrum des Medieninteresses. Weitere Schwerpunkte der Nachrichten waren die Insolvenz des Billigfluganbieters Air-Berlin, der Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens, der Nordkorea-Konflikt, die außen- und innenpolitische Situation der Türkei mit ihren Weiterungen und die Verleihung der Nobelpreise. Daneben spielten auch die latent gegebenen Ereignisfelder Terrorismus, Wirtschafts– und Gewaltkriminalität und wirtschaftlicher Strukturwandel hervorgehobene Rollen.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.In der Grafik sind Vertrauen, Glück, Kraft und Zufriedenheit die dominierenden Gefühlszustände. Spitzenwerte werden von der Kurve für Vertrauen erreicht.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
Dienstag, 12. September  

Freude

 

 NSU-Prozess: Bundesanwaltschaft fordert Höchststrafe für Zschäpe, Air Berlin streicht Flüge wegen Krankmeldungen der Piloten, CDU-Politiker Heiner Geißler gestorben, OECD-Studie zu internationalem Bildungsstand, Bundespräsident Steinmeier besucht tschechischen Amtskollegen Zeman, Türkei irritiert NATO-Partner mit Kauf von russischem Raketenabwehrsystem, UN-Sicherheitsrat verhängt neue Sanktionen gegen Nordkorea, Franzosen demonstrieren gegen geplante Arbeitsmarktreform, Rohingya werden offenbar weiterhin aus Myanmar vertrieben, Hurrikan „Irma“ hinterlässt Zerstörungen
Freitag, 15. September Glück  Verletzte nach Bombenexplosion in Londoner U-Bahn, Nordkorea testet erneut Rakete, Finanzminister treffen sich in Tallinn, Angebotsfrist für insolvente Fluggesellschaft Air Berlin endet, Armutsrisiko für Kinder ist gestiegen, Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht Studie zu Computern im Unterricht, Zahl der Hungernden weltweit gestiegen, Trump unterschreibt Erklärung gegen rechter Gewalt, Nach 20 Jahren beendet Raumsonde „Cassini“ Mission, Mögliche Spielorte für EM 2024
Samstag, 16. September Vertrauen  Verdächtiger nach Anschlag in Londoner U-Bahn festgenommen, EU-Finanzminister beraten sich in Tallinn über Besteuerung von Internet-Konzernen, UN-Sicherheitsrat berät weiter zu Nordkorea, Massenflucht muslimischer Rohingya nach Bangladesch bringt Spannungen mit Myanmar, Polizei bei Frankfurt stoppt Flüchtlinge in Schleuser-Lkw, Ökumenisches Fest startet in Bochum, Oktoberfest in München ist eröffnet
Sonntag, 17. September  Zufriedenheit, Offenheit, Mut  Grüne läuten Wahlendspurt ein, Lindner greift auf Parteitag AfD scharf an, Türkei verärgert über Kurdendemonstration in Köln, Zweiter Verdächtiger nach Anschlag auf Londoner U-Bahn festgenommen, Palästinenser-Gruppen Hamas und Fatah auf Versöhnungskurs, Abschluss der documenta 14, Architekt Albert Speer junior mit 83 Jahren gestorben
Montag, 18. September Freude, Glück, Vertrauen  Trump fordert Reform der UN, Einsparpläne der USA gefährden UN-Flüchtlingshilfe, Gewerkschafts-Institut fordert höhere Steuern für Reiche, Türkei bestellt deutschen Botschafter ein, Oberstes Gericht im Irak setzt Kurdenreferendum aus, Kritik an Ryanair nach Flug-Streichungen, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Kritik, Geldstrafen wegen unterlassener Hilfeleistung in Essener Bank
Mittwoch, 20. September Vertrauen, Mut, Glück  Mindestens 220 Menschen sterben nach schweren Erdbeben in Mexiko, Thyssenkrupp und Tata fusionieren zu neuem Stahlkonzern, Insolvenz bei Air Berlin: Auffanggesellschaft für Personal gefordert, Grundsatzurteil zur Berechnung für Zulagen zum Mindestlohn, Razzia gegen Regionalregierung vor Referendum in Katalonien, Türkei droht Kurden im Irak mit Sanktionen, UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, Rouhani vor UN-Vollversammlung, Hurrikan „Maria“ erreicht Puerto Rico
Freitag, 22. September Kraft  Schlussspurt im Bundestagswahlkampf, Letzte Sitzung des Bundesrats vor der Wahl, Nordkoreakrise eskaliert erneut verbal, Iran will Raketenprogramm stärken, May schlägt zweijährigen Übergang nach Brexit vor, Macron unterschreibt Arbeitsmarktreform, Asli Erdogan erhält Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis, Widerstand gegen Stahlfusion, Zahl der Opfer nach Erdbeben in Mexiko steigt
Sonntag, 24. September Offenheit, Freude  Hochrechnungen zur Bundestagswahl, Reaktionen der Spitzenpoplitiker auf die Hochrechnungen, Volksbefragung zur Zukunft des Flughafens Tegel in Berlin
Montag, 25. September Aktivität  CDU und SPD müssen nach der Bundestagswahl starke Verluste hinnehmen, FDP, B’90/ Die Grüne und die Linke gehen gestärkt aus Wahl hervor, AfD vor Zerreißprobe, Reaktionen auf die Bundestagswahl 2017, Berliner votieren für Weiterbetrieb des Flughafen Tegel, Kurden im Irak stimmen über Unabhängigkeit ab
Dienstag, 26. September Vertrauen, Glück  Diskussion über Jamaika-Koalition, Kurs der neuen Opposition, Macron stellt Reformpläne für Europa vor, Trumps Gesundheitsreform vor dem Aus, Prozessbeginn gegen Abu Walaa in Celle, Verleihung des alternativen Nobelpreis in Stockholm
Mittwoch, 27. September Vertrauen, Hoffnung  CSU vertagt Führungsstreit, Schäuble soll neuer Bundestagspräsident werden, Andrea Nahles ist neue SPD-Fraktionsführerin, Politische Geschäfte bis zur Regierungsbildung, ICE-Hersteller Siemens und TGV-Produzent Alstom fusionieren Zugsparten, Britische Labour-Partei beendet Parteitag, Mehrheit der Kurden im Nordirak stimmt für Unabhängigkeit, Brand und Explosion in ukrainischem Munitionslager, Saudi-Arabien erlaubt Frauen am Steuer von Autos
Freitag, 29. September Vertrauen  Altkanzler Schröder neuer Aufsichtsratschef bei russischem Ölkonzern Rosneft, EU-Gipfel: Staats- und Regierungschefs beraten über digitale Zukunft, Katalanische Regionalregierung will trotz Verbot Unabhängigkeitsreferendum abhalten, Irak verhängt nach Unabhängigkeitsvotum Flugverbot in Kurdenregion, Arbeitslosenzahlen sinken im September, Dieselskandal kostet VW weitere Milliarden, Prozess gegen ehemaligen Hypo-Real-Estate-Vorstandschef Funke eingestellt, Rundfunkkommission prüft Vorschlag für Strukturreform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Polizei fahndet weiter nach Lebensmittelerpresser, Schauspieler Andreas Schmidt gestorben
Samstag, 30. September Zufriedenheit, Kraft  Kleiner Parteitag der Grünen stimmt für Jamaika-Sondierungsgespräche, Richtungsdebatte in der Union nach Wahlschlappe, Katalanische Regionalregierung will Referendum weiterhin durchführen, Iran stoppt Ölexporte in Kurdenregion, USA wollen mit Nordkorea verhandeln, Dramatische Lage auf Puerto Rico zwei Wochen nach Hurrikan „Maria“, Polizei fasst mutmaßlichen Supermarkt-Erpresser
Montag, 2. Oktober Offenheit, Hoffnung  Viele Tote bei Angriff in Las Vegas, Nach Referendum in Katalonien wünscht Regionalregierung Vermittlung durch EU, AfD-Kandidatur für das Bundestagspräsidium stößt auf Widerstand, Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit, CSU-Generalsekretär Scheuer fordert Burka-Verbot, Wahlkampf in Österreich: Sozialdemokraten unter Druck, Insolvenz bei Billig-Airline Monarch, Rheintalbahn fährt wieder, Prozessauftakt nach Giftmord an Halbbruder von Kim Jong Un, Nobelpreis für Medizin geht an drei US-Forscher
Dienstag, 3. Oktober Vertrauen, Kraft, Hoffnung,

Aktivität

 Feiern zum Tag der Deutschen Einheit, Entwicklung in Ost und West, Tag der offenen Moscheen in Deutschland, Generalstreik in Katalonien, Motiv des Täters von Las Vegas weiterhin unklar, Trump besucht Puerto Rico, Dschalal Talabani gestorben, Neue Erkenntnisse zu Amoklauf in München, Nobelpreis für Physik geht in die USA, Berliner Staatsoper wiedereröffnet, Tom Petty gestorben
Mittwoch, 4. Oktober Freude  Katalonien-Krise spitzt sich weiter zu, Parteitag der Konservativen in Großbritannien, Anklage gegen Frauke Petry erhoben, Nationale Armutskonferenz tagt in Berlin, Polizei sucht nach Angriff in Las Vegas weiter nach Motiv des Täters, EU-Kommission verpflichtet Amazon zu Steuernachzahlung, Wettbewerbswidrige Steuerdeals zwischen Apple und Irland sollen vor Gericht, Bundesverfassungsgericht prüft Medizin-NC, Nobelpreis in Chemie geht an drei Forscher
Donnerstag, 5. Oktober Zufriedenheit, Mut, Offenheit, Kraft  Sturmtief „Xavier“ fordert weitere Todesopfer, Machtkampf zwischen Spanien und Katalonien spitzt sich zu, Generalbundesanwalt beendet NSA-Ermittlungen, Erste öffentliche Anhörung der Geheimdienstchefs im Bundestag, Ex-Geheimdienstagent Mauss wegen Steuerhinterziehung verurteilt, Amnesty kritisiert Abschiebepraxis nach Afghanistan, Saudi-Arabien und Russland vertiefen Rüstungs- und Energiegeschäfte, EU-Parlament stimmt für neue europäische Staatsanwaltschaft, Bund kürzt Zuschüsse für Islamverband Ditib, Literaturnobelpreis geht an Kazuo Ishiguro
Freitag, 6. Oktober Kraft, Zufriedenheit  Friedensnobelpreis für Anti-Atomwaffen Kampagne ICAN, Behinderungen im Bahnverkehr nach „Xavier“, Neue Vorschläge zu schärferen US-Waffengesetzen, UN-Bericht zu Kindern als Opfer von Kriegen, Spanische Regierung entschuldigt sich für Polizeigewalt, Tote und Verwüstungen in Mittelamerika durch Tropensturm „Nate“
Samstag, 7. Oktober Zufriedenheit, Hoffnung, Aktivität  Merkel beim „Deutschlandtag“ der Jungen Union, Zehntausende demonstrieren für den Dialog zwischen Madrid und Barcelona, Tausende protestieren in Russland gegen Präsident Putin, Airbus stimmt Belegschaft auf harte Zeiten ein, Drei Deutsche bei Busunglück in der Türkei gestorben, Auto fährt in Fußgängergruppe in London, Sturmfolgen nach „Xavier“ halten an, Künstlerin Isa Genzken erhält Kaiserring der Stadt Goslar, Weltgrößte Ernährungsmesse Anuga in Köln eröffnet
Sonntag, 8. Oktober Freude, Vertrauen, Glück,

Offenheit,Kraft, Hoffnung

  CDU und CSU beraten über ihren künftigen Kurs, SPD-Chef Schulz schließt Neuauflage der Großen Koalition erneut aus, SPD erinnert zum 25. Todestag an Willy Brandt, Gewerkschaftskongress der IGBCE, Türkei erhebt Anklage gegen Menschenrechtler, Türkische Armee rückt in syrische Rebellenprovinz ein, Proteste gegen Unabhängikeit Kataloniens in Barcelona, Aufräumarbeiten bei der Bahn gehen weiter, Hurrikan „Nate“ an US-Golfküste

Die vorstehende Grafik zeigt die Trends der vergangenen Wochen. Die oben erwähnten Gefühle zeichnen sich auch hier als stärkste Einflussfaktoren für das psychische Empfinden der Menschen in Deutschland aus. Dieses Ergebnis wird von der  unspezifischen Trendlinie des Allgemeinbefindens bestätigt. Es zeichnen sich zwei bemerkenswerte Korrelationen ab, die nach Erklärungen suchen: Es verlaufen die Trendlinien von Vertrauen und Kraft sowie von Mut und Glück parallel, wobei das erst genannte Linienpaar auf gleichem Niveau verläuft. Dieser Zusammenhang kann daraus erklärt werden, dass Vertrauen eine Übertragung von Handlungslegitimationen auf gewählte Vertreter beinhaltet, die hieraus einen Zuwachs an Kraft generieren können. Die Umsetzung von Vertrauen in Kraft kann in politischen Wahlen ohne physische Hinterlegung erfolgen. Entsprechende emotionale Ausbrüche konnten z. B. am Abend der Bundestagswahl bei Alexander Gauland von der AfD festgestellt werden.  Die rückläufigen Trends von Glück und Mut stehen ebenfalls in einem gleich gerichteten Austauschverhältnis: anhaltend glückloses Handeln führt zur Entmutigung. Diese Erkenntnis entspricht weit verbreiteter Lebenserfahrung.

In der längerfristigen Betrachtung der Trends ist festzustellen, dass drei der vier dominierenden Gefühlswerte eine abnehmende Tendenz zeigen. Eine Umkehr dieser seit längerem bestehenden Tendenz konnte auch nicht durch den zuvor dargestellten Kurzzeittrend herbeigeführt werden.

Im direkten Vergleich von Kurzzeit- und Langzeittrends wird eine Trendumkehr für Vertrauen und Zufriedenheit, Glück, Hoffnung, Mut und Offenheit zu sehen.

Der Vergleich der Kurzzeittrends von September und Oktober zeigt, dass der Bundestagswahlkampf, das Wahlergebnis und seine Folgen wahrscheinlich tiefgreifende Veränderungen im Empfinden der Menschen in Deutschland bewirkt hat. Die veränderte politische Landschaft enthält offensichtlich Elemente, die zu einer Aktivierung der Menschen führen. Dafür sprechen neben dem Anstieg des Trends der Aktivität auch Berichte der Parteien über sprunghaft angestiegene Mitgliederzuwächse. Hier lässt sich die Dramatik erahnen, die innerhalb eines Monats nahezu bei allen dargestellten Gefühlswerten zu Richtungsänderungen und Trendverstärkungen geführt haben. Es stellt sich nun die Frage, wie sich diese Veränderungen unter dem Einfluss der anstehenden Landtagswahl in Niedersachsen und den anstehenden Koalitionsverhandlungen auswirken.

 

Gefühle in Deutschland – Mitte September 2017

In den letzten Wochen setzten sich die Meldungen über Naturkatastrophen in Form von Überschwemmungen, Erdrutschen und Erdbeben und Hurrikans fort. Insbesondere der Hurrikan Irma genoss neben dem politischen Hauptthema „Bundestagswahl“ die größte Aufmerksamkeit. Der näher rückende Wahltermin vernlasst die Medien zunehmend, Spekulationen über mögliche Regierungskoalitionen anzustellen, die dafür Sorgen, dass die mangels durchgreifender Alternativen der beiden Volksparteien ohnehin stiefmütterlich behandelten Sachthemen noch weiter in den Hintergrund rücken.

Weitere innenpolitische Themen waren verschiedene Meldungen zum Thema Flüchtlinge, der Konkurs der Fluggesellschaft Airberlin und die Endphase im NSU-Prozeß.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Die im jeweiligen Gefühlswert aufgetretenen Spitzen sind zusätzlich zur farbigen Hinterlegung in blauer Schriftfarbe gekennzeichnet. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.In der Grafik sind weitehin Vertrauen, Glück und Zufriedenheit die dominierenden Gefühlszustände. Ein außergewöhnliches Ereignis, das für einen heftigen Anstieg der Mutkurve gesorgt hat, ist am 5. September geschehen. Der Grund hierfür könnte eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sein, wonach Arbeitgeber in der Überwachung des Datenverkehrs ihrer Mitarbeiter eingeschränkt sind.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
18. August  

Freude

 

Spanien gedenkt der Opfer der Terroranschläge, Internationale Reaktionen auf die Anschläge in Spanien, Zwei Tote nach Messerangriff in Finnland, Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus, Erdogan äußert sich zur Bundestagswahl, Verhandlungen über Zukunft von Air-Berlin, Drogen- und Suchtbericht 2017
 19. August Vertrauen, Zufriedenheit, Kraft Nach Anschlägen in Spanien: Neuer Hauptverdächtiger weiter auf der Flucht, Polizei vermutet terroristisches Motiv für Attacke in Turku, IS bekennt sich zu Messerattacke in Sibirien, Türkei lässt Kölner Schriftsteller Akhanli festnehmen, Falsche BKA-Dateien führten zu G20-Verbot für Journalisten, Bannon wieder bei „Breitbart News“, Venezuelas frühere Generalstaatsanwältin nach Kolumbien geflohen, Schwerer Sturm reißt Festzelt in Österreich nieder
 20. August Glück, Mut, allegemein Akhanli unter Auflagen aus spanischer Haft entlassen, Trauerfeiern und weitere Ermittlungen nach Terroranschlägen in Spanien, Irakische Sicherheitskräfte starten Offensive gegen IS im, CSU-Chef Seehofer im Sommerinterview, Venezolanisches Parlament wehrt sich gegen Entmachtung, Jerry Lewis gestorben
 22. August  Vertrauen US-Präsident Trump präsentiert neue Afghanistan-Strategie, Reaktionen aus Berlin auf Präsident Trumps Forderungen, Terrorzelle in Spanien plante Anschläge auf Sehenswürdigkeiten, Gedenken an rassistische Ausschreitungen in Rostock-, Reparatur der Rheintalbahn verzögert sich, Bundeskanzlerin Merkel eröffnet Computerspielmesse Gamescon in Köln, Tote und Verletzte nach Erdbeben in Ischia, Schauspielerin Margot Hielscher
 23. August Zufriedenheit, allgemein Nach Dieselskandal: Laut Umweltbundesamt reichen beschlossene Maßnahmen nicht aus, Diskussion über Autobahn-Privatisierung, Gläubiger-Ausschuss will Air Berlin vorerst als Ganzes weiterführen, Nach Anschlägen von Barcelona verdichten sich Hinweise auf enge Beziehungen der Terrorzelle ins Ausland, Russische Justiz verhängt Hausarrest für Theater-Regisseur Serebrennikow, Deutsche Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu bleibt in türkischer Untersuchungshaft, Teile des deutschen Goldes zurück im Bundesbank-Tresor, Kritik an Wahlausschluss von Behinderten, UN-Ausschuss fordert US-Politiker zur Verurteilung von Rassismus auf, Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Angola
 24. August Vertrauen, Kraft Schwere Schäden und vermisste Wanderer nach Lawine in der Schweiz, Italien gedenkt der Erdbebenopfer von Amatrice, Ukraine feiert Unabhängigkeitstag, Anzeichen für Terrorgefahr in Rotterdam verdichten sich nach Festnahme, Ermittlungen nach terroristischem Anschlag in Barcelona dauern an, Bundesinnenminister de Maizière verteidigt Pilotprojekt zur Gesichtserkennung, Studie belegt Fortschritte zur Integration von Muslimen in Deutschland, Foodwatch kritisiert Informationspraxis der Behörden, Landgericht Dresden verurteilt zwei Neonazis wegen rassistischen Angriffen, Verwüstungen und Tote nach Taifun „Hato“ im Süden Chinas
25. August Zufriedenheit, Glück, Kraft Millarden-Überschuss für Bundeshaushalt, Lehrermangel im neuen Schuljahr, SPD-Kanzlerkandidat Schulz bezieht Position im Diesel-Skandal, VW-Ingenieur in den USA verurteilt, Bundesinnenministerium verbietet linksextreme Internet-Plattform, BAMF entscheidet über begrenzte Abschiebungen nach Afghanistan, Mindestens 25 Tote nach Angriff auf Moschee in Kabul, Bundesaußenminister Gabriel äußert Bedenken gegen Urlaubsreisen in Türkei, Verwüstungen nach weiterer Schlammlawine in der Schweiz, Teuerster Transfer in Bundesliga-Geschichte
 26. August Vertrauen, Glück, Freude, Hoffnung, Mut, Offenheit, gesamt Merkel für Verlängerung von Grenzkontrollen, Attacke in Brüssel: Ermittler gehen von Terror aus, Barcelona trotzt dem Terror mit Massen-Demo, Türkische Opposition eröffnet „Gerechtigkeitskongress„, Merkel will mit Kommunen am 4. September Diesel-Thema diskutieren, Protest gegen Abbau von Braunkohle, Verkehrsminister Dobrindt wegen Pleite von Autobahnbetreiber A1 Mobil unter Druck, Tag der offenen Tür bei der Bundesregierung, Texas: Schwere Hurrikan-Schäden, Suche nach Vermissten in Schweizer Alpen eingestellt
 27. August Glück SPD-Kanzlerkandidat Schulz im ARD-Sommerinterview, Deutsche stirbt nach Anschlag in Spanien, IS reklamiert Messerattacke auf Soldaten in Brüssel für sich, Irakisches Militär meldet Erfolg im Kampf gegen IS, Deutschland will im Anti-Terror-Kampf weiter mit der Türkei zusammenarbeiten, Gewaltsame Auseinandersetzungen in Myanmar, Tropensturm „Harvey“ sorgt für heftige Regenfälle und Überschwemmungen, Wirtschaft fordert flexiblere Arbeitszeiten, Fünf Bergsteiger in Österreich tödlich verunglückt, Peter Kohlgraf neuer Bischof in Mainz, Mehrere Betonpfeiler der früheren Lahntal-Brücke gesprengt
28. August Hoffnung Flüchtlingsgipfel in Paris, SPD-Kanzlerkandidat Schulz stellt Konzept für Bildungsreform vor, Klausurtagung von Bündnis90/Die Grünen in Berlin, AfD-Spitzenkandidat Gauland wegen Äußerung über Integrationsbeauftragte Özoguz in der Kritik, G20-Prozess: Niederländer zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, Ermittlungen gegen Rechtsextremisten in Mecklenburg-Vorpommern, Niels H. soll 84 weitere Patienten getötet haben, Dritte Verhandlungsrunde über Austritt Großbritanniens aus der EU, Tropensturm „Harvey“: Voraussichtlich weiterer Starkregen in Texas
 30. August Glück, Freude Sturm „Harvey“ erreicht Louisiana, 1500 Menschen sterben infolge von Überschwemmungen in Südasien, BKA gerät wegen möglicher rechtswidriger Datenspeicherung unter Druck, UN-Generalsekretär Guterres besucht den Gazastreifen, UN-Sicherheitsrat verurteilt Nordkoreas jüngsten Raketentest, Beginn der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Mekka, BKA hält islamistische Anschläge auf Bahnverkehr für möglich, Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl online, Ryanair will kein Angebot für Air Berlin abgeben, Prozessauftakt gegen kriminelle Pflegedienste, Eröffnung der Filmfestspiele in Venedig
31. August Zufriedenheit, Kraft Nach Sturm „Harvey“: Explosionen in überfluteter Chemiefabrik in Texas, Macron will französischen Arbeitsmarkt umfassend reformieren, Arbeitslosenzahl im August leicht gestiegen, Kritik an Haltung von de Maizière zum Familiennachzug, Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Fraktionsvize Arppe tritt zurück, Erstmals Gentherapie gegen Krebs in den USA zugelassen, Brexit-Gespräche in der Sackgasse, 20. Todestag von Prinzessin Diana, Elektronikmesse IFA öffnet fürs Publikum
1. September Freude Forderung nach Konsequenzen wegen erneuter Festnahmen von Deutschen in Türkei, BKA bedauert Ausschluss von Journalisten vom G20-Gipfel, Bundeswehr räumt in vorläufigem Unterrsuchungsbericht Fehler bei Übungsmarsch ein, Großraum Aachen trifft Vorsorge für nuklearen Ernstfall, EU-Kommission lehnt Ungarns Forderung nach Kostenbeteiligung an Grenzzaun ab, Polen gedenkt Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs, Präsidentenwahl in Kenia annulliert, Über zweitausend Tote nach Monsun in Südasien, Einweihung des Röntgenlasers „European XFEL“, UEFA leitet Ermittlungen gegen Paris Saint-Germain ein
2. September Hoffnung Kommunen fordern mehr Geld vor neuem Dieselgipfel, Neuer US-Botschafter in Berlin, Flutschäden in Houston werden deutlich, Schwere Schäden nach Monsun in Südasien, Rohingyas flüchten aus Myanmar, Bombenentschärfung in Koblenz, Größte Evakuierung der Nachkriegsgeschichte nach Bombenfund in Frankfurt beginnt, Fußballländerspiel überschattet von Parolen rechter Fans
3. September Freude, Mut Atom-Konflikt mit Nordkorea erreicht neue Eskalationsstufe, Internationale Reaktionen auf Nuklearwaffentest Nordkoreas, Vor Fernsehduell zwischen Merkel und Schulz, Türkischer Außenminister Cavusoglu kritisiert deutsche Reaktionen auf Festnahmen, Evakuierung wegen Bombenentschärfung in Frankfurt, Gedenken an die Verfolgung von Homosexuellen im Nationalsozialismus, Notstand wegen starken Bränden bei LA, Raumfahrer landen per Sojus-Kapsel auf der Erde
4. September Zufriedenheit, Offenheit TV-Debatte zwischen Merkel und Schulz, Diesel-Gespräche im Kanzleramt, UN-Sicherheitsrat berät über Sanktionen gegen Nordkorea, Deutsche in der Türkei wieder frei, Air Berlin bekommt Millionenkredit, Erinnerungsort des Olympia-Attentats in München vorgestellt, John Ashbery ist tot
5. September Zufriedenheit, HoffnungMut, gesamt Bundestag hält letzte Debatte vor Wahl, Kleinparteien positionieren sich in TV-Debatte, Schulz stellt sich Fragen beim YouTube-Interview, Gericht stärkt Rechte von Arbeitnehmern, EU-Agrarminister treffen sich nach Fipronil-Skandal in Estland, Trump beendet Schutzprogramm „Dreamers“, Putin fordert UN-Friedensmission im Ukraine-Konflikt, Prozessauftakt im Mordfall Maria L. in Freiburg
6. September Freude EuGH erklärt Umverteilung von Flüchtlingen für rechtens, Reaktionen auf EuGH-Urteil, Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit, Denkmal zur Erinnerung an das Olympia-Attentat von 1972 eingeweiht, Bundespräsident Steinmeier und der israelische Präsident Rivlin besuchen KZ-Gedenkstätte Dachau, UN macht syrische Regierung für Giftgasangriff verantwortlich, EuGH-Urteil: Milliarden-Bußgeld gegen Chip-Hersteller Intel muss überprüft werden, Atommüll-Transport zum Zwischenlager Neckarwestheim, Maler Arno Rink gestorben
7. September Vertrauen Hurrikan „Irma“ hinterlässt schwere Schäden in der Karibik, EU-Minister beraten in Tallinn über Umgang mit der Türkei, Deutscher unter Auflagen aus türkischer Haft entlassen, Britisches Unterhaus debattiert über Brexit-Gesetz, Katalanisches Regionalparlament stimmt für Referendum, Papst Franziskus besucht Kolumbien, Chaos Computer Club verweist auf Sicherheitslücken in Wahl-Software, Physiker Danzmann erhält Körberpreis für Nachweis von Gravitationswellen
8.September  Glück  Bundestagsabgeordnete besuchen deutsche Soldaten im türkischen Konya, EU-Außenminister beraten über Beitrittsgespräche mit der Türkei, Mexiko von schwerem Erdbeben erschüttert, Hurrikan Irma nähert sich Kuba und Florida, Volksbefragung zur Unabhängigkeitserklärung Kataloniens abgewiesen, 270.000 Rohingya aus Myanmar geflohen, Papst begleitet Friedensprozess in Kolumbien, Polen fordert Reparationszahlungen für Schäden des Zweiten Weltkriegs, Bürgerfest im Schloss Bellevue
9. September  Freude  Hurrikan „Irma“ sorgt für Massenevakuierungen in Florida, Zahl der Toten steigt nach Erdbeben in Mexiko, Türkei mahnt Bürger auf Deutschland-Reisen zur Vorsicht, De Maizière plant Vereinheitlichung der EU-Asylsysteme, Tausende protestieren in London gegen Brexit, Papst feiert Messe in Kolumbien, Nordsee erwärmt sich schneller als die Ozeane, Filmfest in Venedig geht zu Ende
10. September  Vertrauen  Hurrikan „Irma“ trifft auf Florida, Schwere Schäden nach „Irma“ in Kuba, Nachbeben behindern Aufräumarbeiten in Mexiko, Türkei spricht Reisewarnung für Deutschland aus, Merkel eröffnet Weltfriedenstreffen in Münster, Ermittlungen gegen AfD-Spitzenkandidat Gauland, IS erbeutet Blankopässe in Syrien, Rebellen der Rohingyas verkünden Waffenstillstand in Myanmar, Tote nach Unwetter in Italien, Goldener Löwe in Venedig verliehen
11. September  Mut, Offenheit  Wahlkampf: Kernforderungen der SPD, Linkspartei stellt Armutsbekämpfung in den Mittelpunkt, Abrechnungspanne bei Lkw-Maut, Erneut Deutsche in der Türkei festgenommen, Polen fordert Reparationen von Deutschland, Hunderttausende demonstrieren für Unabhängigkeits-Referendum in Barcelona, Mindestens 18 Tote bei IS-Terroranschlag im Sinai, UN verurteilen Vorgehen Myanmars gegen Rohingya scharf, Hurrikan „Irma“ richtet zum Teil schwere Schäden in Florida an, USA erinnern an Terroropfer vom 11. September 2001

Die Grafik zeigt die Trends des vergangenen Monats. Eine starke Zunahme ist für den Mut zu sehen. Diese Zunahme ist auf ein Einzelereignis zurückzuführen und kann deshalb leicht überbewertet werden. Weitere positive Entwicklungen sind für die Offenheit als Grundbedingung für Veränderungen zu sehen sowie für Glücks- und Freudengefühle. Einen starken Abwärtstrend gibt es beim Vertrauen und dem diffusen Allgemeinbefinden. Hinsichtlich des abnehmenden Vertrauens ist zu bemerken, dass dieses mit zunehmender Selbstermächtigung korrespondiert, wie sie im wachsenden Mut und zunehmender Offenheit zum Ausdruck kommt. Alle weiteren Trends verlaufen mit geringen Veränderungstendenzen.

In der längerfristigen Betrachtung der Trends ist festzustellen, dass die stabilen Trends hier ihre Bestätigung finden. Die starken Schwankungen unterworfenen Trends sind die Gefühle des Vertrauens, der Zufriedenheit, des Glücks und der Offenheit. In der nachfolgenden Grafik sind diese Trends für einen direkten Vergleich nebeneinander gestellt.

Im direkten Vergleich von Kurzzeit- und Langzeittrends wird eine Trendumkehr für Offenheit sichtbar, die eine zunehmende Bereitschaft für Veränderungen signalisiert. Richtungsänderungen sind auch für Zufriedenheit und Freude zu sehen.

Der in der folgenden Grafik zu sehende Vergleich der beiden letzten Kurzzeittrends ermöglicht eine Abschätzung des Zeitfaktors, der die „Dramatik“ der Veränderungen sichtbarer macht als die vorangehende Grafik. Hier bestätigt sich vor allem die zunehmende Offenheit, die wachsende Freude und ein abnehmendes Allgemeingefühl.

Wertewelten und Themenschwerpunkte der Parteien in Deutschland

Veranlassung

Nachdem die sogenannte „heiße Phase“ des Bundestagswahlkampfs begonnen hat und die Urlaubszeit ihrem Ende zugeht erscheinen nun die Zeichen politischer Meinungsbildung unübersehbar in den Medien und im öffentlichen Raum. Damit kündigt sich auch für die Wähler der Tag der Abrechnung mit der Regierung und den Parteien an. Gleichzeitig – und darin besteht der eigentliche Sinn der Wahl – gibt der Wähler im System der repräsentativen Demokratie seine verfassungsmäßige Macht an die gewählten Abgeordneten ab, die stellvertretend die Staatsorgane als die verfassungsmässig zu ihrer Ausübung bestimmten Institutionen bilden. Durch dieses Verfahren sind die Wähler Herren und Knechte zugleich – Herren in der Gesamtheit des Volkes über seine gewählten Abgeordneten und Knechte des Staates, der die reale Macht über das Volk ausübt. Die politische Legitimität des Staates hängt somit von der Beteiligung des Volkes an den Wahlen ab. Anders jedoch die juristische Meinung, nach der für die Wahl der Volksrepräsentanten die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen reichen. Im Extremfall könnte ein Kandidat mit nur einer einzigen gültigen Stimme in den Bundestag gewählt werden, da die nicht abgegebenen und ungültigen Stimmen nicht als positiver Willensakt der Wähler angesehen werden. Es wird argumentiert, die Beweggründe zur Wahlenthaltung könnten sehr verschieden sein und in persönlichen Umständen (Krankheit, Immobilität, Unentschlossenheit u.a.) oder illegitimen Gründen (z. B. Ablehnung demokratischer Prinzipien) bestehen. Diese juristisch begründete Handhabung des Wahlrechts kommt dem Entstehen von „Protestparteien“ wie der AfD, die damit werben, dass sie ihre Mandate nicht in staatliche Macht ummünzen wollen, sondern lediglich die Ablehnung der Politik der Regierung und der anderen Parteien sichtbar machen wollen, sehr entgegen.

Die Mitwirkung bei der positiven Willensbildung der Wähler, die auch eine Voraussetzung für die Zulassung der Parteien zur Wahl ist, wird von diesen oft nur zur Wahrung des Scheins in programmatische Form gebracht. Für die Wähler entsteht hierdurch die Schwierigkeit, ernstgemeinte Politikangebote von Scheinangeboten zu unterscheiden, wobei es bereits generell eine Frage des Vertrauens ist, wie realistisch und solide die Programmaussagen der Parteien sind. Den wesentlichen Anteil am Gestaltungsprozess der Politik haben demgegenüber die bürokratischen Apparate und insbesondere zahlreich vertretene Lobbyisten. Die für das Wahlvolk daraus zu ziehende Erkenntnis kann daher nur lauten: Durch Wahlen sind keine Sachentscheidungen herbeizuführen, wie sich auch am Beispiel des zur Bundestagswahl 2005 von Professor Paul Kirchhof vorgelegten Steuerkonzepts nachvollziehen lässt. Vielmehr Bedeutung haben dagegen die mit Nachdruck auf die politische Tagesordnung gesetzten Themen der Parteien, insbesondere solche Themen, die dem Minderheitenschutz dienen, aus übergeordneten ethischen Gesichtspunkten zur Regelung anstehen und oft als Gewissensfragen bezeichnet werden. Beispiele hierfür sind alle ökologischen Fragen, Eigentumsfragen, Genderfragen, Zukunftstechnologien um einige der wichtigsten zu nennen. Dem wird oft ein Zitat von Max Weber entgegen gehalten: „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ Hierbei wird leider allzu oft dem langsamen Bohren der Vorzug gegeben. Wer dafür noch einen Beleg benötigt, sei auf den Abgasskandal verwiesen.

Auf den nachfolgenden Seiten werde ich die Wertewelten der wichtigsten Parteien darstellen und in dem dargelegten Sinn die Themenbereiche nach 17 Kriterien in tabellarischer Form darstellen. Die darin enthaltenen Grafiken werden durch kurze Kommentare ergänzt.

CDU und SPD im sozialen Wertegefüge

Die Fixierung der öffentlichen Aufmerksamkeit auf die Spitzenkandidaten für das Amt des Bundeskanzlers ist ein neues Phänomen, das erst in der Konstellation Merkel – Schulz zur unübersehbaren Realität geworden ist. Ursache dafür ist eine CDU-Amtsinhaberin, von der oft behauptet wird, sie könne statt eines CDU-Parteibuchs ebenso gut ein SPD-Parteibuch besitzen, und die hieraus erwachsene Notlage der SPD, einen sozialdemokratisch absetzungsfähigen Gegenkandidaten zu präsentieren. Nach anfänglicher Euphorie der SPD ist über ihre Kandidatenwahl jedoch inzwischen Ernüchterung eingetreten, da die Kanzlerin offensichtlich nicht auf die öffentliche Abarbeitung des von der SPD vorgelegten Wahlprogramms eingehen will. Ohne die Überzeugungskraft eines Programms, das auch vom politischen Gegenüber reflektiert wird, steht Martin Schulz jedoch der Kanzlerin ziemlich hilflos gegenüber. Umso mehr wird er auf die Überzeugungskraft und das Engagement der Partei und ihrer Unterstützer-Milieus angewiesen sein.

In der folgenden Grafik wird dargestellt, unter welchen Wertekonstellationen CDU und SPD mit den sozialen Statusgruppen in Deutschland interagieren. Diese Übersicht gibt die Möglichkeit, Rückschlüsse auf die Ansprechbarkeit dieser Gruppen zu ziehen und eine statusgerechte Ansprache zu konzipieren.

Als deutlichstes Ergebnis ist aus der Grafik abzulesen, dass die Beziehungen der SPD zu ihrem traditionellen Milieu der Arbeiter trotz vielfältiger Veränderungen in der gesellschaftlichen Stellung der Arbeiter, die an Zahl und Ansehen geschrumpft sind und trotz aktiver Beteiligung der SPD an diesem Prozess, noch immer von der oft beschworenen Solidarität getragen wird. Das kennzeichnende und die Beziehung der Arbeiter dominierende WMem ist Grün. Es überflügelt sogar das für die Industriegesellschaften charakteristische Orange und deutet damit auf eine Verbindung zwischen SPD und Arbeiterschaft hin, die in einem geschichtlichen Mythos verwurzelt ist. In Ergänzung hierzu stellt sich auch das egomanische Rot relativ schwach dar, obwohl es viele Gründe gäbe, der Partei gegenüber eine kritische bis feindliche Haltung einzunehmen. Es zeigt sich aber hier, dass zwischen Grün und Rot eine Unvereinbarkeit besteht, die nur durch starke gelbe und türkise Einflüsse oder verstelltes Rot überwunden werden kann. Gerade diese Unterstützung ist im Vergleich zu den anderen Statusgruppen sehr gering. Ziel der SPD muss es sein, die in Grün bestehenden Potentiale für einen Übergang in die zweite Ordnung der Entwicklungsspirale zu entwickeln und hierfür speziell auf die Arbeiterschaft abgestimmte Angebote zu entwickeln.

Die traditionellen Werte der SPD, wie sie von Grün repräsentiert werden, spielen im Verhältnis der CDU zur Arbeiterschaft nur eine untergeordnete Rolle. Hier ist Orange als Leitsystem der westlichen Welt an die Stelle von Grün getreten. Dabei spielt es dennoch eine relativ große Rolle, die das mit Grün konkurierende Blau überflügelt. Jedoch kann nicht übersehen werden, dass ein erhebliches Ablehnungspotential in dem starken Rot besteht.

Das stärkste Gewicht im WMem-Spektrum hat für beide Parteien Orange im Bezug auf die Gruppe der Angestellten. Hier besteht der größte Abstand zwischen Orange und allen anderen Wertesystemen. Unter den nachrangigen WMemen spielt Blau die größte Rolle, dicht gefolgt von Rot. Grün ist hier von allen Statusgruppen das schwächste Glied innerhalb der ersten Ordnung der Entwicklungsspirale. Andererseits besteht in dieser Gruppe das stärkste Gelb und damit ein Potential für die situative Anpassung im Gesamtsystem. Ein Vergleich mit der Gruppe der Selbständigen zeigt, dass Orange die Gruppe der Angestellten als tragende Säule des Gesamtsystems ausweist. Dieses erklärt sich aus der Struktur des Industriesystems, das auch in den Führungspositionen von Angestellten geleitet wird.

Bei den Selbständigen handelt es sich überwiegend um Familienbetriebe, die von Familienangehörigen mit Unterstützung meist langjährig beschäftigter Angestellter als mittelständische oder kleine Unternehmen geführt werden. Eine Besonderheit im Verhältnis dieser Betriebe zu den beiden größten Parteien ist das starke Rot, das noch vor Blau und Grün rangiert. Als Ursachen hierfür können sowohl die als Belastungen empfundenen Regelungen der Politik gelten wie auch die aus der Not geborenen exzentrischen Problemlösungen, die von Betrieben in Unkenntnis oder in bewußter Verletzung gesetzlicher Bestimmungen angewandt werden.

Ein starkes Rot ist auch bei der Gruppe der Beamten zu sehen. Daneben ist hier das stärkste Blau zu sehen. Diese Merkmale ergeben das Bild des konservativen „Staatsdieners“, der seine Pflicht mit Groll auf Politiker erfüllt, die ihn in den letzten Jahrzehnten immer wieder mit Verweis auf leere Staatskassen gebeutelt haben und sich selbst ungeniert gut versorgt haben. Hinzu kommt die Rolle des Prügelknaben, der für viele missratene öffentliche Projekte gerade stehen muss, die Politiker zu verantworten haben.

Im Vergleich von CDU und SPD fällt auf, dass Orange bei der CDU im Bezug auf die Angestellten, die Arbeiter und die Selbständigen etwas stärker ausgeprägt ist, als bei der SPD. Im Bezug auf die Beamten ist dieser Unterschied umgekehrt, jedoch in geringerem Maße. Ein weiterer Unterschied zwischen CDU und SPD betrifft das Gelb der Selbständigen. Dieses ist bei der SPD deutlich stärker ausgeprägt, als bei der CDU. Es scheint demnach eine größere Zahl innovativer Unternehmer zu geben, die stärker auf die SPD reflektieren als auf die CDU.

 

 

Gefühle in Deutschland – Mitte August 2017

In den Schlagzeilen der vergangenen drei Wochen erweckten Naturkatastrophen in Form von Überschwemmungen, Waldbränden, Erdrutschen und Erdbeben große Aufmerksamkeit. In Deutschland waren es Unwetter mit Gewitterstürmen und ergiebigen Regenfällen, die vielerorts Flüsse und Bäche über die Ufer treten ließen. In Südeuropa waren und sind es großflächige Waldbrände, die ganze Ortschaften zu vernichten drohen.

Einen weiteren Nachrichtenschwerpunkt bildeten und bilden die skandalösen Vorgänge in der deutschen Autoindustrie, die zum weitgehenden Verlust des Vertrauens in das Management so renomierter Hersteller wie Mercedes, VW und BMW geführt haben und die Umweltpolitik der großen Koalition als Popanz entlarft hat.

Weitere innenpolitische Themen waren verschiedene Meldungen zum Thema Flüchtlinge, die beginnende Endphase im NSU-Prozeß, der Verlust der Mehrheit für die rot-grüne Regierungskoalition im Niedersächsischen Landtag, der Lebensmittelskandal um mit Gift belastete Eier und der Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers in Mali.

Darüber hinaus gab es ein Bündel von Nachrichten, die es alle verdient hätten, hier in die Zusammenhänge mit anderen Nachrichten gebracht zu werden, weil sie erst so die hinter den Einzelmeldungen stehenden treibenden Kräfte sichtbar werden lassen. Da dieses jedoch den Rahmen dieses Projekts sprengen und auch mich überfordern würde, wird hier lediglich Material angeboten, das individuell interpretiert werden kann. Einen solchen Versuch auf globaler Ebene hat der britisch-indische Intellektuelle Pankaj Mishra gerade mit seinem BuchDas Zeitalter des Zorns: Eine Geschichte der Gegenwart“ vorgelegt.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Die im jeweiligen Gefühlswert aufgetretenen Spitzen sind zusätzlich zur farbigen Hinterlegung in blauer Schriftfarbe gekennzeichnet. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz weiter unten zukommt.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
 25. Juli Vertrauen, Kraft, Gesamt,
NSU-Prozess: Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe als Mittäterin überführt, In den USA inhaftierter VW-Manager will sich im Abgasskandal schuldig bekennen, Türkische Minister in Brüssel, Rettungseinsätze von EU und privaten Helfern im Mittelmeer, Israel entfernt umstrittene Metalldetektoren am Tempelberg, BGH erklärt pauschale SMS-TAN-Gebühren bei Überweisungen für unzulässig, Griechenland kehrt an Kapitalmarkt zurück, Waldbrände in mehreren Regionen Südeuropas, Hochwasser in Niedersachsen und Thüringen
 26. Juli Kraft, Vertrauen, Mut, Gesamt
EuGH bestätigt Asylregeln in der EU, EuGH stoppt Fluggastdaten-Abkommen mit Kanada, EU-Kommission droht Polen bei möglicher Justizreform rechtliche Schritte an, Bundesregierung kritisiert verschärfte US-Sanktionen gegen Russland, VW-Aufsichtsrat berät über Kartellvorwürfe, Bundeswehrpiloten nach Hubschrauberabsturz in Mali vermisst, Statistisches Bundesamt: Trend zur Kinderlosigkeit gestoppt, Salafisten-Prediger Sven Lau zu fünfeinhalbjähriger Haft verurteilt, Schwere Überschwemmungen in Mitteldeutschland
 27. Juli Mut, Allgemein, Glück
Zulassungsverbot für Porsche Cayenne wegen Abgas-Manipulation, Manipulierte Software bei Audi, Bundesarbeitsgericht fällt Urteil zur Überwachung von Computern am Arbeitsplatz, Ermittlungen nach Hubschrauberabsturz in Mali, Ost-Beauftragte distanziert sich von Rechtsextremismus-Studie, BVerfG-Entscheidung: Abschiebung von Gefährdern verfassungskonform, Schulz zu Besuch in Rom, Hochwasser in Niedersachsen
 28. Juli  Glück, Gesamt Verwaltungsgericht Stuttgart empfiehlt Fahrverbot für Dieselfahrzeuge, Ein Toter und Verletzte bei Messerattacke in Hamburg, USA für Verschärfung der Russland-Sanktionen, Nordkorea testet erneut Rakete, Keine weiteren Unruhen nach Freitagsgebete am Tempelberg, Pakistans Premier Sharif tritt zurück, Vier Journalisten bleiben nach ersten „Cumhuriyet“ Prozess in Untersuchungshaft, Bewährungsstrafe für Telekom-Hacker, Verletzte bei Zugunglück in Barcelona, Hochwasserlage in Niedersachsen entspannt sich weiter
 29. Juli Aktivität, Freude
Neue Erkenntnisse nach Messer-Angriff in Hamburg, Neues Gesetz zur Ausreisepflicht in Kraft getreten, Nach Diesel-Problemen Diskussion um Zukunft der Autoindustrie, Präsident Trump wechselt Stabschef aus, Internationale Kritik nach nordkoreanischen Raketentest, EU-Verfahren gegen Polen, Ausschreitungen in London nach Demonstration gegen Polizeigewalt, Hochwasserlage in Niedersachsen bleibt stabil
 30. Juli Hoffnung, Vertrauen, Glück, Mut, Kraft, Gesamt
Proteste bei Wahlen in Venezuela, Bundesverteidigungsministerin zu Gedenkgottesdienst in Mali, Trump erhöht Druck auf China, Australische Behörden vereiteln möglichen Anschlag, Tote bei Autobombe in Mogadischu, Militärparade in St. Petersburg, Militärparade in China, Tote bei Schießerei vor Diskothek in Konstanz, Museumsschiff ‚Peking‘ in Deutschland eingetroffen, Seilbahndefekt in Köln, DFB-Aus bei Frauen-Fußball-EM, Vettel gewinnt GP von Ungarn, Weitere Entspannung in Hochwassergebieten, Zahlreiche Verletzte bei Taifun in Taiwan
31. Juli Vertrauen, Zufriedenheit, Glück, Mut, Aktivität, Allgemein, Gesamt, Hoffnung
Kraftfahrtbundesamt soll Abgas-Berichte geschönt haben, Immer mehr Deutsche pendeln zur Arbeit, Bundesanwaltschaft ermittelt nach Messerattacke in Hamburg, Strafmaßnahmen der russischen Regierung gegen US-Diplomaten, Wahl in Venezuela von Gewalt überschattet, Abzug von Tornados aus Incirlik, Abreise der Fußball-Frauen nach Niederlage im EM-Viertelfinale, Gedenkfeier für Weltkriegsopfer in Flandern
 1. August Freude, Kraft, Hoffnung, Zufriedenheit, Mut,
Neuer Massenprozess in der Türkei gegen mutmaßliche Putschisten, Nach Scaramuccis Abgang soll Kelly im Weißen Haus für Ordnung sorgen, USA verhängen Sanktionen gegen Venezuelas Präsident Maduro, Frankreich verbessert Lebensbedingungen für Calais-Flüchtlinge, Test zu Gesichtserkennung per Videokamera in Berlin gestartet, Plädoyer im NSU-Prozess, Juli-Arbeitslosigkeit trotz Sommerflaute auf Rekordtief, SPD stellt ihre Wahlkampagne vor, Opel-Übernahme durch französischen PSA-Konzern perfekt, Millionen belastete Eier zurückgerufen, Deutschland baut neues Krankenhaus nach Erdbeben im italienischen Amatrice, Los Angeles wird voraussichtlich Olympische Spiele 2028 ausrichten
 2. August Zufriedenheit, Offenheit, Glück, Hoffnung
Berliner Diesel-Gipfel berät Konsequenzen aus der Abgasaffäre, Scharfe Kritik am Gipfel-Ergebnis von Opposition und Umweltschützern, Verbraucherzentrale Bundesverband enttäuscht vom Diesel-Treffen, Erdüberlastungstag 2017, Deutsche Sozialausgaben steigen erneut, Italien beschließt Anti-Schlepper-Einsatz in libyschen Gewässern, NGO-Schiff in Italien beschlagnahmt, Anschlag auf NATO-Konvoi in Afghanistan, Insektizid-belastete Eier in weiteren Bundesländern aufgetaucht, Prinz Philip absolviert letzten offiziellen Auftritt
3. August Glück, Kraft, Hoffnung, Freude
Opposition und Umweltverbände kritisieren Ergebnis des Dieselgipfels, Besitzer von älteren Dieselautos sollen Prämien bei Neukauf erhalten, Skandal um belastete Eier weitet sich aus, Trauerfeier für in Mali abgestürzte Hubschrauberpiloten, Wahlbetrugsvorwürfe gegen Venezuelas Präsidenten Maduro, Brasiliens Präsident Temer bleibt trotz Korruptionsvorwürfen im Amt, Leichtathletik-WM: Doping-Verdacht gegen Läufer aus afrikanischen Ländern, Rekordtransfer von Fußballstar Neymar steht kurz vor Abschluss
 4. August Vertrauen, Offenheit, Allgemein, Niedersächsischer Ministerpräsident Weil spricht sich für Neuwahlen aus, Die Grünen fordern neue Klagerechte nach Dieselaffäre, Audi-Chef Stadler soll Aufklärung der Dieselaffäre behindert haben, Eierskandal betrifft nunmehr fast alle Bundesländer, EU verhängt neue Sanktionen gegen Russland, Grand Jury ermittelt nach möglichen Russland-Kontakten während der US-Wahl, Verfassungsgebende Versammlung in Venezuela nimmt ihre Arbeit auf, Wiederwahl von Ruandas Präsident Kagame bei Präsidentschaftswahl nahezu sicher, Fußballer Neymar bei Paris Saint-Germain offiziell vorgestellt
5. August Vertrauen, Freude, Kraft, Hoffnung, Allgemein
Belgiens Behörden im Fipronil-Skandal schon seit Juni informiert, Bundespolitische Reaktionen auf niedersächsische Regierungskrise, Rückführung Asylsuchender nach Griechenland, Ruandas Präsident Kagame wiedergewählt, Krise in Venezuela, Zweite Amtszeit für Irans Präsidenten Rouhani, USA treten aus Klimaabkommen aus, CSD in Hamburg
6. August Allgemein, Kraft, Hoffnung, Gesamt
Vorwürfe gegen niedersächsischen Ministerpräsidenten Weil, UN-Sicherheitsrat verschärft Sanktionen gegen Nordkorea, Gipfel der südost-asiatischen Staatengruppe ASEAN, Gedenken der Opfer des Atomwaffenabwurfs in Hiroshima, Putschversuch in Venezuela, Prozess gegen deutsche Journalistin und Übersetzerin, Waldbrände in Italien, Niederländerinnen holen den EM-Titel im Frauenfußball
7.  August Glück, Hoffnung, Gesamt Neuwahlen in Niedersachsen im Oktober, Zunahme bei Minijobbern im Rentenalter, Ermittlungsverfahren im Fipronil-Skandal auch gegen deutsche Landwirte, UN-Chefanklägerin Del Ponte tritt als Sonderermittlerin zurück, Lybische Küstenwache bringt Tausende Flüchtlinge zurück in Krisenregion, Hunderte Migranten überwinden Grenzposten in spanischer Exclave Ceuta, Venezolanischer Staatschef Maduro kündigt hartes Vorgehen gegen Rebellen an, ASEAN-Gipfel bringt keine Entspannung zwischen Nord- und Südkorea, Schwere Schäden nach Unwettern in Österreich
8. August  Freude, Vertrauen, Zufriedenheit, Hoffnung, Gesamt
Konya-Besuch mit NATO-Unterstützung, Regierungskrise in Niedersachsen, Kaufanreize der Autobauer für alte Dieselfahrzeuge, Anstieg bei Leiharbeit, Enges Rennen bei Präsidentenwahl in Kenia, UN warnen vor Völkermord in Zentralafrikanischer Republik, Italien leidet unter Wetterextremen
9. August Vertrauen, Glück, Hoffnung, Allgemein, Zufriedenheit, Mut, Freude
Spannungen zwischen USA und Nordkorea, Nagasaki gedenkt Atombombenangriff vor 72 Jahren, Abgestürzter Hubschrauber in Mali verlor offenbar Rotorblätter, Festnahme nach Angriff auf Soldaten in Paris, Belgien wirft Niederlanden im Fipronil-Skandal Verzögerung vor, Durchsuchungen beim früheren Wahlkampfmanager Trumps wegen US-Russland-Affäre, Wahlergebnis in Kenia wird von Opposition angezweifelt, Tote bei Erdbeben in China, Duden erscheint mit vielen aktuellen Begriffen in Neuauflage
10. August Zufriedenheit, Offenheit, Aktivität Niedersachsens Landtag stellt Weichen für Neuwahl, Konflikt zwischen den USA und Nordkorea, Erneut zahlreiche Journalisten wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgenommen, Bericht zur Sicherheitslage in Afghanistan, Außenminister Gabriel zu Besuch im Südsudan, Festnahmen im Skandal um belastete Eier
13. August Vertrauen, Zufriedenheit, Hoffnung, Gesamt
FBI ermittelt nach Neonazi-Marsch in Charlottesville, US-Präsident Trump will Untersuchung chinesischer Handelspraktiken, Sommerinterview mit Kanzlerkandidat Schulz, Immer mehr Seenotretter stoppen Hilfseinsätze im Mittelmeer, EU-Flüchtlingskommissar sieht Bearbeitung von Asylanträgen bereits in Libyen kritisch, Zahlreiche Gedenkveranstaltungen zum Mauerbau vor 56 Jahren, Sperrung der Rheintalbrücke zwischen Rastatt und Karlsruhe, Proteste gegen Urwaldabholzung in Polen
14. August Zufriedenheit, Offenheit, Gesamt Trump kritisiert Ausschreitungen Rechtsextremer in Charlottesville, Peking kündigt Ausweitung der Importverbote aus Korea an, Heiße Phase des Bundestagswahlkampfs beginnt, Verbraucherorganisation „Foodwatch“ fordert Konsequenzen aus Fipronil-Skandal, Diskussion über Seenotrettung im Mittelmeer, Pakistan feiert 70. Jahrestag seiner Unabhängigkeit, 18 Tote bei Anschlag in Burkina Faso, Hunderte Tote nach Erdrutsch in Sierra Leone, Waldbrand nahe Athen außer Kontrolle, Nach Havarie eines Containerschiffs ist die Hafenzufahrt von Antwerpen blockiert, Rheintalbahn: Strecke bei Rastatt mindestens zwei Wochen gesperrt

Die oben stehende Grafik zeigt die tagesaktuellen Verläufe der Gefühlswerte, die als Basis für die in der Tabelle vorgenommenen Kennzeichnungen dienen. Die gewichtigsten Gefühle bilden das Vertrauen, die Zufriedenheit und das Glück. In diesen Kurvenverläufen sind auch die größten Ausschläge zu sehen. Am unteren Rand der Grafik verlaufen die Kurven für Offenheit und Aktivität. Offenheit kann als Maßstab für die Bereitschaft gesehen werden, etwas Neues auszuprobieren. Hinter dem Wert „Aktivität“ verbirgt sich der Quotient aus Wachheit und Müdigkeit. Er verläuft etwa auf gleichem Niveau wie die Offenheit und beide Werte zusammen lassen nicht viel Initiative aus der Mitte der Gesellschaft erwarten.

Nachfolgend werde ich versuchen, die oben dargestellten Trendergebnisse in modellhafte Vorstellungen umzusetzen. Dabei handelt es sich um meine ganz persönliche Sicht, die weniger nach Zustimmung heischt als vielmehr anregen soll, eigene Erklärungen zu finden.

In dem oben dargestellten Trendverlauf von Ende Juli bis Mitte August (rechte Hälfte der Grafik) fallen zunächst zwei Linien auf, die stark abwärts gerichtet sind. Es handelt sich um die Entwicklungslinien von Vertrauen und Mut, die etwa parallel verlaufen. Mit deutlich steigender Tendenz verlaufen die Trends von Freude und Glück. In schwächerem Maße ist diese Tendenz auch bei der Linie für Offenheit zu sehen. Alle anderen Linien verlaufen nahezu waagerecht und zeigen geringe Veränderungstendenz. Diese relative Ruhe im Gefühlshaushalt der Menschen in Deutschland hat vermutlich mit der Urlaubszeit zu tun. Hieraus kann der stark negative Trend für Vertrauen erklärt werden: Im Urlaub besteht nur eine geringe Abhängigkeit von anderen Menschen, vom zwangsläufigen Vertrauen in die Kollegen befreit, kann ich endlich für einige Wochen der Steuermann meines Lebens sein. In dieser Situation wird mir auch kein Mut zu riskanten Entscheidungen abverlangt, um im Beruf erfolgreich zu sein. Wenn mir die Freizeitgestaltung im Urlaub nicht mehr gefällt, braucht es keinen Mut, neue Entschlüsse zu fassen und etwas anderes zu unternehmen oder etwas Neues auszuprobieren. Hierzu ist allerdings ein gewisses Maß an Offenheit erforderlich. Dass es sich beim Urlaub um eine freudige Abwechslung vom Berufsalltag handelt und die Werte für Glück und Freude ansteigen läßt ist naheliegend.

Soweit das scheinbar unpolitische Szenario. Nur scheinbar, weil der Urlaub kein Geschenk des Himmels ist, sondern gegen den Widerstand der Unternehmer erkämpft wurde und auch heute immer wieder verteidigt werden muss. Der erholsame Urlaub kann ein Mittel sein, neue Perspektiven für das berufliche und private Leben zu gewinnen, seinen geistigen Horizont zu erweitern. Das kann sehr politisch sein.

Die Wahrscheinlichkeit des Szenarios wird auch durch den Vergleich des vorangegangenen Beobachtungszeitraums mit dem aktuellen Ergebnis gestützt. Die im Abwärtstrend befindliche Freude wurde in einen Aufwärtstrend verwandelt, der Abwärtstrend der Kraft wurde abgeschwächt und der Abwärtstrend der Hoffnung ging in ein Gleichmaß über. Insgesamt blieben trotz dieser Entwicklungen der Gesamttrend und der Trend für das Allgemeinbefinden nahezu unverändert. 

Auf die langfristigen Trendverläufe haben die aktuellen Trends nur eine geringe Wirkung, die mit Ausnahme der Trends für Vertrauen und Zufriedenheit zum Gleichmaß strebt.

Sonne, Urlaub, Kaktus

Eine der verbreitetsten Wirkungen der Sonne, ob im Winter oder im Sommer, ist die Verlockung, die Wohnung zu verlassen und sich den Einflüssen des Wetters unmittelbar auszusetzen. Der Mensch scheint eine besonders enge Beziehung zum Zentralgestirn zu haben, die sich auch in der Sprache zur Geltung bringt, wenn wir etwa vom Sonnenanbeter sprechen. Anthropologen werden als rationale Gründe dafür anführen, dass der Mensch zur Bildung des lebenswichtigen Vitamins D viel Licht auf der Haut benötige und das in der Sonnenstrahlung enthaltene UV-Licht die Keime an der Oberfläche des Körpers reduziere. Weit verbreitet ist auch das Motiv der frischen Luft, in die der Mensch hinaus gelockt werde, doch davon kann wohl nur noch in selteneren Fällen die Rede sein. Da zieht wohl eher das Argument, dass Sonnenschein allgemein gutes Wetter signalisiert, geringe Neigung zu lästigem Regen, milde Temperatur und die Chance, eine kosmetisch erwünschte Hautbräune zu erhalten.

Das alles schließt sich in dem einen Gedanken zusammen: Eigentlich sollte ich mal wieder Urlaub machen. So ähnlich geht es mir in diesem Moment, wo ich mich schreibend in die Vergangenheit schöner, abwechslungsreicher und interessanter Urlaube zurückversetze. Dabei habe ich mir immerhin den Vorzug verschafft, dass ich dabei auf der Terrasse sitze und vom Lärm der Stadt gut abgeschirmt bin und mich meinen Tagträumen hingeben kann.

Meine Einstellung zu Urlaub hat sich erst sehr spät ergeben, denn meine Eltern – fernab von den Ferienangeboten der KdF (Kraft durch Freude) durch das Dritte Reich gekommen – kannten keinen Urlaub, und so geht es auch heute noch vielen Menschen auf dem Lande. Erst mit meiner Freundin, die im Urlaub zu meiner Verlobten wurde, verbrachten wir gemeinsam mit einem Studienfreund und seiner Freundin den ersten Urlaub. Die beiden hatten sich eine Reiterpension im Allgäu, nahe Oberstaufen, ausgesucht, da sie geübte Reiterin war und er das Reiten lernen wollte. Für uns bestand immerhin die Möglichkeit, auch einen diesbezüglichen Versuch zu starten.

Die Reiterpension war in einer Wassermühle und lag sehr idyllisch, genau nach unserem Geschmack. Das gesamte Ambiente entsprach den Erwartungen an einen ländlichen Wohn- und Lebensstil. Auf dem Hof trottete der Esel zwischen den Hühnern und die Pferde wieherten im Stall.

Mein Studienfreund begann schon in den ersten Tagen mit seinem Reitunterricht an der Longe. Die Übungen begannen ohne Sattel und Zaumzeug und er hielt sich wirklich gut, er fiel nur selten vom Pferd herab. Schon in der ersten Woche konnte er den ersten Ausritt mit seiner Freundin unternehmen. Das machte mir Mut und ich startete ebenfalls den Versuch, das Reiten zu lernen. Leider musste ich schnell feststellen, dass die anatomischen Voraussetzungen bei meinem Freund günstiger waren, denn meine Beine waren weit davon entfernt, dem Pferd auf diesem Weg irgend eine Art Gewalt anzutun. Meine Füße reichten gerade mal bis zum Scheitel der Bauchwölbung und gaben weder mir Halt, noch dem Pferd das Gefühl, gelenkt zu werden. Der Unterricht begann mit dem Trab und heftigen Stößen auf mein Gesäß, die ich durch „Ehestandsbewegungen„, wie mein Reitlehrer es nannte, abfangen sollte. Doch ich war voll darauf konzentriert, mich überhaupt auf dem Pferd zu halten. Dennoch fiel ich einige mal hinunter, verletzte mich jedoch nicht ernstlich. Es wurden noch Versuche mit Zaumzeug und Galopp unternommen, jedoch half alles nichts, ich bin nicht zum Reiter geboren. Fotoaufnahmen, die es von diesem Reitabenteuer gibt, zeigen mich mit nach hinten überstrecktem Kopf und geschlossenen Augen. Diese Seite im Album wird – wenn ich dabei bin – regelmäßig Gästen unterschlagen.

Auch ohne Reiten hatten wir einen schönen Urlaub im Allgäu, mit Wanderungen, Ausflügen ins Kleinwalsertal, zum Nebelhorn, zur Breitachklamm, zur Olympiabaustelle in München und Gesellschaftsspielen bei denen der Esel zuschaute.

Und dann war da noch dieser Urlaub in Kärnten, am Keutschacher See. Es war mein erster Urlaub in Österreich und ich war neugierig, ob und wie sich denn die Gepflogenheiten der einstmals von den Nazis „heim ins Reich“ geholten Alpenrepublik von denen der alten Bundesrepublik unterscheiden.

Wir waren mit unserem VW-Käfer zwischen 16 und 17 Uhr über die Grenze gefahren, als wir in eine Polizeikontrolle gerieten. Zwei wie Dorfsheriffs wirkende Polizisten winkten uns auf der Landstraße mit ihrer Kelle an den Straßenrand und kontrollierten die Papiere. Während diese durch einen der Beamten betrachtet wurden, ging der andere um das Auto herum und kam dann ebenfalls an das geöffnete Autofenster und erklärte, er könne uns nicht weiter fahren lassen, da die Reifen nicht mehr das notwendige Reifenprofil hätten. Das traf mich unvorbereitet, denn nach deutscher Ordnung reichte ein mm Profiltiefe aus, und die hatten unsere Reifen noch. Nun klärte man uns darüber auf, dass in Österreich zwei mm Profiltiefe als Mindestmaß gelte und deshalb müssten wir unverzüglich neue Reifen aufziehen lassen. Mitlerweile war es kurz vor 17 Uhr und wir waren ziemlich ratlos, was jetzt zu tun sei. Doch nun erwiesen sich die beiden Polizisten als das, was ihr Image in Werbekampagnen aufpoliert: Sie gaben uns den Tip, im nächsten Dorf gebe es eine Werkstatt, die sicher noch auf hätte und wir brauchten nur hinter ihnen herfahren. So erreichten wir dann auch die Werkstatt unter „Polizeischutz“ und rissen ein beträchtliches Loch in unsere Urlaubskasse.

Es war Ende September und die Stimmung war vom einsetzenden Herbstwetter mit Nebel am Morgen und kühlen Temperaturen am Tag und etwas später auch Nachtfrösten geprägt. In der Privatpension, die unser Urlaubsquartier war, genossen wir die volle Aufmerksamkeit der hier wohnenden Vermieter, die uns abends in ihre Wohnstube einluden. Tagsüber unternahmen wir Ausflüge in die Umgebung, erkundeten Villach, Velden und Klagenfurt. In einer dieser Städte probierten wir unsere ersten gerösteten Maronen, jedoch ohne damit in Begeisterung zu fallen. Auf diesen Ausflugstouren fiel uns bald auf, dass die Ortsschilder in vielen Orten zweisprachig, nämlich deutsch und slowenisch, sind. Auf Nachfrage bei unseren Wirtsleuten erfuhren wir schließlich, dass es eine slowenische Minderheit in Kärnten gibt, die diese Beschilderung durchgesetzt hat. Warum hatten wir von diesem Streit noch nie etwas gehört? Diese Erfahrung förderte die Überzeugung, dass an dem Spruch „Reisen bildet“ doch ein Funken Wahrheit haftet.

Wir machten von Kärnten aus zwei Tagestouren nach Slowenien, durch die imposanten Karawanken zur slowenischen Hauptstadt Ljubljana – zu deutsch Laibach – und zum italienischen Tarvisio. Tarvisio war in jener Zeit wegen seines Marktes auch für viele Kärntner ein beliebtes Ziel.

Die Rückreise über den Großglockener verlief entgegen unseren Befürchtungen, hier einen verschneiten Pass bewältigen zu müssen, ohne Probleme.

Als jung verheiratetes Paar fanden die ersten Urlaube auf Gran Canaria und in Bulgarien am Goldstrand statt. Von Gran Canaria hat sich mir der heiße Sand, der uns auf dem Weg zum Strand durch den starken Wind auf die Haut geblasen wurde, besonders eingeprägt. Davon abgesehen haben wir hier jedoch eine entspannte Zeit verbracht. Das gleiche kann ich auch vom Urlaub am Schwarzen Meer sagen, der noch zu Ostblockzeiten stattfand. Die An- und Abreise fand mit einem ziemlich alten Flugzeugmodell statt, das wenig Vertrauen erweckte. Doch bekanntlich muss der äußere Eindruck nichts über die Gesamtqualität aussagen (Wer würde sonst noch im Bioladen einkaufen?) und diese alte Weisheit bewies sich hier aufs neue. Jedoch will ich nicht verschweigen, dass jedes Durchsacken des Flugzeugs in der Luft mit gemischten Gefühlen wahrgenommen wurde. Eine bleibende Erinnerung an die heiße Sonne am Goldstrand hat nebenbei auch der heftige Sonnenbrand hinterlassen, den ich mir hier eingefangen hatte. Wir hatten irgendwo gelesen, dass man in Bulgarien den dort hergestellten Joghurt sehr wirkungsvoll zur Behandlung des Sonnenbrands anwende. Da Sonnenbaden am Strand für die nächsten Tage ausschied, nutzten wir die Gelegenheit, mit dem Bus nach Varna zu fahren und dort den bulgarischen Joghurt zu kaufen und eventuell einige Souvenirs zu kaufen. Anders als in Deutschland war der Bus bis auf den letzten Platz besetzt. Die Fahrgäste setzten sich überwiegend aus Urlaubern zusammen, die deutsch mit ostdeutschen Akzenten und russisch sprachen. Die Taktfrequenz der Buslinie war entsprechend benutzerfreundlich und der Preis gering. Bei dieser Gelegenheit stellte sich die Frage, ob wir den im real existierenden Sozialismus jener Zeit verbreiteten Mangel an Westdevisen für den Währungsumtausch in bulgarische Lewa auf dem Schwarzmarkt nutzen sollten. Die Schwarzmarkthändler standen zahlreich bereit, für einen um ein Mehrfaches günstigeren Kurs DM in Lewa zu wechseln. Die Angst vor Betrug und Polizei siegte und nicht zu leugnen war eine Regung unserer Gewissen, so dass wir zum offiziellen Kurs wechselten.

Der Service im Hotel und am Strand war gut, jedoch gab es einige kurzzeitige Stromausfälle, die wir von zu Hause nicht gewohnt waren und so zu einem besonderen Erlebnis wurden. In kultureller Hinsicht wurde viel Folklore geboten, die einen großen Anteil an den Urlaubsdias aus Bulgarien in unserer Bildersammlung ausmacht.

Mit der Geburt unserer Tochter kam die Zeit der urlaubslosen Jahre. Die Freude über den Nachwuchs und die Anteilnahme an seiner Entwicklung entschädigte für den Verzicht auf die Reise in die Ferne. Stattdessen wurde die nähere Umgebung neu entdeckt. Erst als das zweite Kind seine Notdurft kontrollieren konnte zog es uns wieder in die Ferne.

Die nun folgenden Urlaube fanden wieder mit dem Auto statt, die Unterbringungsart am Urlaubsort war nicht mehr das Hotel, sondern zunächst die Ferienwohnung und später auch das Zelt auf dem Campingplatz. Reiseziele waren die Niederlande, Dänemark, Spanien und Frankreich. Für die jeweiligen Autos bedeutete die Fahrt oft eine Belastungsprobe, da sie sonst kaum gefordert wurden und so kam es einige Male vor, dass wir am Urlaubsort eine Werkstatt aufsuchen mussten. Mit einer besonders tückischen Betriebsstörung hatten wir im holländischen Petten, wo wir ein Sommerhaus bewohnten, zu kämpfen. Wenn wir mit dem Auto losfahren wollten, sprang es oftmals nicht an. Es reichte dann aus, wenn das Auto von Hand geschüttelt und gerüttelt wurde, bis es sich wieder normal starten ließ. Eine Ursache hierfür konnte zunächst nicht gefunden werden, bis sich schließlich durch einen Kabelbrand die Ursache bemerkbar machte, die dann recht schnell in einer nahe gelegenen Werkstatt behoben wurde.

Die schönsten Strandurlaube haben wir in Dänemark verbracht. Unser Strand lag auf einem schmalen Landstreifen (Nehrung Holmsland Klit) in Årgab (Hvide Sande) zwischen Ringkøbing Fjord und der Nordsee. Hier fühlten sich die Kinder wegen der hohen Dünen, in denen sie herumlaufen konnten und aufgrund der offenen Grundstücke, die viel Bewegungsfreiheit um die Ferienhäuser herum gewährten, besonders wohl. Der letzte Urlaub in Dänemark fand allerdings an der Ostsee auf der Insel Sjælland statt. Der Sommer war verregnet, unsere Tochter fetzte sich ständig mit ihrer Schulfreundin und der etwa vier Jahre alte Sohn meiner Schwester testete ständig seine Grenzen aus. Hier wurde deshalb der sprechende Bauch erfunden, der zu einer Autoritätseinrichtung für Anes – so heißt er – wurde und Erfolg hatte. Der sprechende Bauch entstand aus meinen stümperhaften Anstrengungen als Bauchredner. Diese Rolle hat mein Neffe nicht vergessen und er erinnert mich scherzend nach 20 Jahren noch daran. Ein Trauma hat er offensichtlich davon nicht erlitten.

Die schwerste Autopanne erwischte uns auf dem Weg zur Costa Brava. Wir hatten die deutsch-französische Grenze in Mulhouse passiert und befanden uns auf der Autobahn kurz vor Besançon als Helga – meine Frau -, die gerade Dienst am Lenkrad hatte, mich fragte, was denn der Qualm zu bedeuten hätte, der aus dem Auspuff unseres Passat-Diesel quoll. Mir schwante schlimmes. Ich hatte vor der Fahrt die Werkstatt unseres Vertrauens gebeten, den schon hoch betagten Wagen auf seine Tauglichkeit für eine längere Fahrt zu prüfen. Vor einiger Zeit waren die Zylinderkopfdichtungen erneuert worden und die Werkstatt konnte nichts feststellen, was Grund zur Besorgnis gegeben hätte und nun das! Meine kurze knappe Antwort an meine Frau lautete: „Rechts heranfahren, Motor ausschalten.“ Nachdem ich ihr meinen Verdacht erläutert hatte, machte ich mich auf den Weg zur nächsten Notrufsäule. Mit einem Sprachgemisch aus wenigen Brocken Französisch und Englisch gelang es mir, meinem Gesprächspartner die Lage zu schildern. Nach einer kurzen Wartezeit erschien ein Abschleppwagen, der unseren Passat an den Haken seiner Seilwinde nahm und ihn auf die Ladefläche zog, wo er mit den Vorderrädern in der Luft himmelwärts zeigte – meine Frau und die Kinder im Innern des Autos blickten zwangsläufig in die selbe Richtung und waren ihrer Handlungsfähigkeit weitestgehend beraubt. Im Fahrerhaus war nur für zwei Personen Platz. Für den im Schlepptau mitfahrenden Kern der Familie war es wie Achterbahnfahren. Über schmale kurvenreiche Straßen mit vielen Steigungen und Abfahrten fuhren wir zu einer kleinen Ansammlung von Häusern, von denen eines die Werkstatt war. Der Werkstattinhaber bestätigte meinen Verdacht eines „Kolbenfressers“ und bedeutete mir, er könne in seiner Werkstatt nichts an dem Motor reparieren. Am nächsten Morgen werde er uns samt Auto weiter nach Besançon zu der dortigen VW-Werkstatt bringen. Einstweilen könnten wir im Dorf übernachten. Nun lernten wir auch das kleine Dorf selbst kennen und zogen in den Dorfgasthof ein, wo wir gemeinsam in einem Zimmer mit einem riesigen Bett, in dem mühelos drei Personen schlafen konnten, und einem Einzelbett übernachteten. Morgens ging es dann in der beschriebenen Weise weiter nach Besançon. Dort wurde der Motor in der VW-Werkstatt auseinander genommen, währenddessen wir uns nach einem Zimmer umsahen. Nachmittags fragten wir in der Werkstatt nach dem Ergebnis der Inspektion des Motors. Man erklärte uns, an dem sei nichts mehr zu retten und es empfehle sich, einen Austauschmotor einzubauen, den man uns für 18 Tsd. Franc einschließlich Arbeitslohn für den Einbau anbot. Der Preis entsprach etwa 6.000 DM und überschritt die Grenze dessen, was man vernünftiger Weise noch in das Auto investieren sollte. Wir beschlossen deshalb nach einer Lösung zu suchen, die kostengünstiger war. Dafür mussten wir einige Telefongespräche führen. Handys existierten noch nicht und deshalb suchten wir einen Ort, wo wir uns einerseits mit Franzosen einigermaßen gut verständlich machen konnten und evtl. Unterstützung erhalten konnten, andererseits auch ungestört telefonieren konnten. Hierzu bot sich das Tourismusbüro an, wo man uns denn auch sehr freundlich und hilfsbereit aufnahm. Zuvor hatten wir in der Mittagszeit noch versucht, uns an einem Bankautomaten mit Franc zu versorgen. Die Bedienung des Automaten führte ins finanztechnische Nirwana, indem ich meine Scheckkarte an den Automaten verlor. Da die Bank Mittagspause hatte, war die Karte erst einmal außer Reichweite. Nach der Mittagspause erhielt ich sie allerdings auf sehr unbürokratische Weise zurück.

Die nun zu führenden Telefonate betrafen zunächst die Anmeldung eines Schadensfalls bei der Versicherung, bei der wir einen Auslandsschutzbrief erworben hatten. Eine verständnisvolle Hilfestellung gab es hier nicht, die Dame am anderen Ende der Leitung versuchte, mich davon zu überzeugen, dass es doch für beide Seiten das Günstigste sei, das Auto in Frankreich zu verschrotten und baldigst in die deutsche Heimat zurückzukehren. Nach einigem Hin und Her gelang es, eine Kostenübernahme für den Aufenthalt in Besançon und den Rücktransport des Autos in eine deutsche Werkstatt zu erhalten. Unser Rettungsplan sah nun so aus, dass wir den Motor wieder notdürftig einbauen lassen und am nächsten Tag von Freiburg aus abholen lassen und dort in einer VW-Werkstatt einen Austauschmotor einbauen lassen wollten. Während ich mit dem kaputten Auto nach Freiburg und von dort mit dem wieder fahrtüchtigen Auto nach Besançon zurück fahren würde, könnte meine Frau mit den Kindern in Besançon zurückbleiben und mit den Kindern die Stadt erkunden. Es war schnell eine Werkstatt in Freiburg mit günstigen Konditionen gefunden, die sich bereit erklärte, einen Abschleppdienst zu organisieren und den Motor innerhalb eines Tages einzubauen, so dass der Wagen am nächsten Morgen abgeholt werden konnte und ich gegen Abend damit zurückfahren konnte. Die französische Werkstatt spielte mit und baute die Einzelteile notdürftig zusammen und um 7 Uhr am nächsten Tag erschien vor dem Werkstatttor tatsächlich ein Abschleppwagen der Fa. Hertz mit dem das Auto und ich nach Freiburg starteten. Auch der weitere Ablauf entsprach unserem Plan und wie ich bei meiner Rückkehr erfuhr, hatten sich Frau und Kinder gut die Zeit vertrieben, Hauptattraktion war der Tierpark auf der Zitadelle gewesen.

Nun stand die Frage im Raum, wann wir unsere Fahrt nach Spanien fortsetzen sollten. Da meine Frau und ich sich beim Fahren abwechseln entschieden wir uns, die Nacht über zu fahren und so kamen wir dann im Morgengrauen nach einer anstrengenden Überquerung der Pyrenäen an unserem Urlaubsort an. Der Werkstatt unseres Vertrauens haben wir übrigens das Vertrauen entzogen, indem wir dort weder getankt noch Werkstattdienste in Anspruch genommen haben. Ob diese „Sanktion“ wirklich gerechtfertigt war, weiß ich nicht, aber es half dabei, das „Urlaubstrauma“ zu bewältigen.

Auf dem Rückweg von einem der Spanien-Urlaube wollten wir Bekannte in Frankreich besuchen. Sie hatten einen aufgegebenen Bauernhof in der Nähe von Cahors gekauft und hatten damit begonnen, die Gemäuer wieder bewohnbar zu machen. Für den Anfang hatten sie in einem der Nachbardörfer eine Wohnung gemietet. Wir kannten nur den Namen des Dorfes und nahmen an, „den Deutschen“ würde man sicher in dem Dorf kennen und uns den Weg zu ihm hin beschreiben. Es zeigte sich jedoch, dass der Ort sehr ausgedehnt war und sich über mehrere Ortsteile erstreckte, und es gab auch mehr Deutsche in der Gegend als wir dachten. Auf der Suche nach einem Menschen, den wir ansprechen konnten, trafen wir auf eine Frau, die ihr Fahrrad schob. Es stellte sich bald heraus, dass sie gut Deutsch verstand und auch sprach. Untere Verwunderung darüber löste sich schnell auf als wir erfuhren, dass sie Elsässerin war. Sie beschrieb uns den Weg zu einer Familie aus Berlin, die hier ein Ferienhaus besaß und uns freundlich bewirtete. Es war sehr heiß an diesem Tag und wir kamen in dem Haus mit seinen schätzungsweise 60 bis 70 cm starken Natursteinwänden in eine angenehme Kühle, die wir erst einmal samt dem kühlen Wasser, mit dem wir bewirtet wurden, genossen. Unsere Bekannten kannte man hier allerdings nicht. Auch der Besuch bei einem in der Nachbarschaft wohnenden alten Bauern, der erst nach heftigem Klopfen an die Tür öffnete ergab keine weiteren Erkenntnisse. Enttäuscht von unserer vergeblichen Suche traten wir die Weiterfahrt in Richtung Heimat an.

Unseren im Jahr darauf stattfindenden Urlaub mit dem Zelt in Südfrankreich verknüpften wir dann nach gründlicherer Vorbereitung mit dem Besuch bei den Bekannten, die inzwischen einige provisorisch hergerichtete Räume bewohnten. Eine Spülmöglichkeit und eine Toilette gab es noch nicht, so dass der erste Eindruck von den Geschirrbergen vor der Haustür bestimmt war, die auf die Reinigung warteten. Das mehrere Hektar große Naturgrundstück bot zunächst Platz für die Erledigung der Nordurft.

Unsere folgenden Frankreichurlaube, zu denen wir mit Anhänger und Zelt ausschwärmten wurden in der Regel mit einem Abstecher zu unseren Bekannten verbunden. So erhielten wir ein gutes Bild von der Entwicklung des Wiederaufbauprojekts. Nach einigen Jahren konnten wir auch innerhalb des Hauses übernachten und hatten einen Komfort, wie er traditionell der bäuerlichen Kultur entspricht. Inzwischen hat sich das Projekt unseres Freundes soweit entwickelt, dass wir dort Urlaub machen. Es gibt dort einen Pool, Gemüse und Fleisch aus dem eigenen Garten und aus dem eigenen Stall und man lernt interessante Menschen kennen, die hier als WWoofer an der Erhaltung und dem Ausbau des Projekts mitarbeiten.

Die Urlaube mit Zelt brachten neben der gesteigerten Bedeutung des Wetters auch die Erfahrung mit sich, dass kleine Räder einem höheren Pannenrisiko unterliegen als große Räder. Unser Zeltanhänger war ziemlich klein und hatte auch kleine Räder, die nur etwas größer als Schubkarren-Räder waren. Es verging kaum eine Urlaubsfahrt, auf der nicht ein Radwechsel an dem Anhänger erforderlich war. Um den ausführen zu können, musste der Anhänger vollkommen geleert werden, damit der Anhänger mit Muskelkraft angehoben und auf die Seite gelegt werden konnte, da der Wagenheber nicht einsetzbar war.

Sehr abwechslungsreiche Urlaube erlebten wir als Familie in Portugal an der Algarve. Unsere Tochter war mit ihrem Mann, einem alten Wohnmobil und Surfbrettern dorthin aufgebrochen, um sich eine Existenz im Surfparadies aufzubauen. Sie wollte ihre Dienste als mobile Physiotherapeutin an den Surfstränden anbieten. Trotz guter Publicity mit Promotion-Artikeln in Zeitschriften und guten Kontakten zu Surfschulen und Hotels ließ sich in drei Jahren kein tragfähiges Einkommen erzielen. In dieser Zeit verbrachten wir einen gemeinsamen Urlaub an den Surfstränden, den unsere Tochter organisiert hatte. Nicht nur das, sie zeigte uns auch die schönsten Orte, die schönsten Strände und führte uns in ihren Bekanntenkreis ein. Wie in Südfrankreich bestand auch hier eine relativ große Community, die sich ein entspannteres Leben als es in Deutschland möglich ist, aufbauen wollte. Durch den unkomplizierten Umgang im Surfermilieu und die Vermittlung unserer Tochter entstand ein sorgloserer Aufenthalt als es sonst im Urlaub der Fall war und der Erholungseffekt war entsprechend lang anhaltend.

Rückblickend wird mir deutlich, dass der Urlaub in unserer Lebensgestaltung einen Platz eingenommen hat, der weit über den reinen Erholungswert im Sinne eines „Tapetenwechsels“ hinausgeht. Im Urlaub lassen sich Anregungen für einen anderen Lebensentwurf und Freundschaften für gemeinsame Projekte finden. Bereits die Abwechslung der Urlaubsmodelle von der Pauschalreise mit Flug zur Anreise mit eigenem Fahrzeug, der Wechsel von der Unterbringung im Hotel zur Ferienwohnung und zum Zelt bringt Erfahrungen in verschiedenen Milieus mit sich, die bis zur vorübergehenden Integration in die Lebenswelt anderer Menschen gesteigert werden kann. Diese Möglichkeiten spielen vermutlich eine Rolle für die wachsende Beliebtheit des Haustausches. Der vom Urlaub ausgehende innovative Impuls hat auch dazu geführt, dass der Urlaub heute als unverzichtbarer Bestandteil des Berufslebens angesehen wird und die Einrede der Arbeitgeber in die individuelle Urlaubsplanung als unzulässige Einmischung in die persönlichen Rechte angesehen wird. Urlaub ist damit nicht nur eine Flucht vor dem tristen Alltag sondern wird für viele auch ein vorübergehender Ausstieg aus dem getakteten Industriesystem, in dem der Mensch immer mehr zur anonymen Masse wird, obwohl ihm suggeriert wird, dass sein Konsum ganz individuell gestaltet wird oder doch zumindest die Möglichkeit bietet.

Gefühle in Deutschland im Juli 2017

Der Juli stand im Zeichen des G20-Gipfels in Hamburg, der einerseits keine politischen Durchbrüche zu ökologischen, sozialen und friedenstiftenden Absprachen gebracht hat und deshalb in der Öffentlichkeit allgemein heftig kritisiert wurde und andererseits zu heftigen und umfangreichen Protestbekundungen geführt hat, bei denen es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten kam. Diese Begleiterscheinungen nahmen in der von den Medien betriebenen Nachbereitung breiten Raum ein, ohne jedoch bis zu den Grundfragen demokratisch legitimer Gewalt und dem Gewaltmonopol des Staates vorzudringen. Ein weiterer Schwerpunkt der von den Medien veröffentlichten Berichte und Meinungen war die gegen den anhaltenden Widerstand konservativ-christlicher Politiker in den Reihen von CDU/CSU durchgesetzte „Ehe für alle„, die den Abschied von der großen Koalition mit einem Schlussakkord begleitete.  Außen- und gleichzeitig innenpolitisch spielte die politische Entwicklung in der Türkei weiterhin eine große Rolle. Die Bundesregierung verwehrte dem türkischen Staatspräsidenten, auf dem G20-Gipfel zu den in Deutschland lebenden Türken auf einer Kundgebung zu sprechen, die Türkei verwehrte es erneut deutschen Bundestagsabgeordneten, in der Türkei stationierte Bundeswehrsoldaten zu besuchen und schließlich inhaftierte sie sechs Menschenrechtsaktivisten – darunter auch ein Deutscher -, die sich zu einer Tagung in der Türkei aufhielten unter der Beschuldigung, eine terroristische Vereinigung unterstützt zu haben. Daraufhin bestellte die Bundesregierung den türkischen Botschafter ein. Darüber hinaus gab es ein Bündel von Nachrichten, die es alle verdient hätten, hier in die Zusammenhänge mit anderen Nachrichten gebracht zu werden, weil sie erst so die hinter den Einzelmeldungen stehenden treibenden Kräfte sichtbar werden lassen. Da dieses jedoch den Rahmen dieses Projekts sprengen und auch mich überfordern würde, werden hier mögliche Auswirkungen dieser Nachrichten auf den Gefühlshaushalt der Menschen dargestellt.

In der nachfolgenden tabellarischen Übersicht sind die Gefühlsregungen in Deutschland im Spiegel der Tagesschau-Schlagzeilen nachgezeichnet.  Die an den genannten Tagen auffallend in Wallung geratenen Gefühle sind jeweils benannt und nach Zunahme und Abnahme farbig mit grün oder rot hinterlegt. Auf die Zuordnung zu bestimmten Ereignismeldungen der Tagesschau wird verzichtet, da die subjektiven Momente in der Interpretation der sehr komplexen Nachrichten überwiegen und ein allgemeingültiger Aussagewert lediglich der farbig ausgedrückten Tendenz zukommt.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
 27. Juni Vertrauen, Zufriedenheit, Glück Merkel für Gewissensentscheidung bei Abgeordneten zum Thema „Ehe für alle„, Schulz zieht Bilanz nach vier Jahren SPD-Regierungsarbeit in Großer Koalition, NSU-Untersuchungsausschuss legt Abschlussbericht vor, Armin Laschet ist neuer Ministerpräsident von NRW, Niederlande mitschuldig an Srebrenica-Massaker, Milliardenstrafe für Google, Neue Welle von Cyberattacken in Europa, Hochhaus in Wupptertal wegen Sicherheitsmängel geräumt
 30. Juni Vertrauen, Zufriedenheit
Bundestag beschließt „Ehe für alle„, Bundestag billigt Gesetz gegen Hasskommentare, Arbeitslosenzahl auf dem niedrigsten Stand seit 1991, Wende der US-Energiepolitik, Erster Strafprozess gegen Fukushima-Manager, Neue Erkenntnisse zum Anschlag auf deutsche Botschaft in Kabul, Unwetter über Deutschland
 01. Juli Zufriedenheit, Kraft, Offenheit, Glück, Mut
Europäischer Staatsakt für Helmut Kohl in Straßburg, Beisetzung Kohls im Dom zu Speyer, Asylentscheidungen für Afghanen ausgesetzt, Außenminister Kurz zum Parteichef der ÖVP gewählt, Proteste und Feiern in Hongkong, Bund hat Anteile an belgische Atomkraftwerken, Auftakt der Tour de France, Mieterbund kritisiert Wohnungspolitik der Bundesregierung
 05. Juli Zufriedenheit, Glück
Merkel trifft chinesischen Präsidenten Xi in Berlin, G20-Alternativgipfel übt Kritik an G20-Politik, Anti-Terror-Einheiten stehen für G20-Sicherheit bereit, SPD will Plattformen für internationale Zusammenarbeit reformieren, Erdogan kritisiert Auftrittsverbot während G20-Gipfel, USA kündigen neue Sanktionen im Nordkorea-Konflikt an, Regierungsanhänger stürmen Parlament von Venezuela, Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich laut Regierungsbericht weiter
 07. Juli Glück, Aktivität, Zufriedenheit
G20-Gespräche mit Schwerpunkt Klima und Handel, Zahlreiche Verletzte nach G20-Demos, Positionspapier zur Nachrüstung von Dieselfahrzeugen verabschiedet, Gesetz zur Öffnung der Ehe passiert Bundesrat, Schlag gegen internationale Kinderpornografie-Plattform, Altstadt von Hebron wird Weltkulturerbe
 09. Juli Vertrauen, Zufriedenheit, Aktivität
Konsequenzen nach Gewalt beim G-20-Gipfel, Politische Bilanz des G20-Gipfels, Hunderttausende bei Oppositionskundgebung in der Türkei, Waffenruhe im Südwesten Syriens, Irakische Stadt Mossul zurückerobert, Marsch der Muslime gegen Terrorismus, Unesco-Weltkulturerbe-Titel für Ausgrabungsstätte in der Schwäbischen Alb, Christopher-Street-Day in Köln
10. Juli Glück Erinnerung an Putschversuch in der Türkei, Streit um Besuchsrecht deutscher Abgeordneter in der Türkei, Beschwerden von Soldaten bei der Bundeswehr haben zugenommen, De Maizière fordert Fußfesseln für mögliche Gewalttäter, Deutsche Opfer nach Messerattentat in Ägypten, Kardinal Meisner im Kölner Dom beigesetzt, Schwere Waldbrände in Süditalien
 11. Juli Glück, Zufriedenheit
BVerfG erklärt Tarifeinheitsgesetz weitgehend für rechtens, Gabriel attackiert Merkel wegen G20-Gipfel, Diskussion über entzogene Journalisten-Akkreditierungen beim G20-Gipfel, Hamburger Polizei richtet Sonderkommission zu G20-Krawallen ein, Gericht lehnt Zschäpe-Gutachter als befangen ab, Sohn Trumps in Affäre um Russland-Kontakte weiter unter Druck, Waldbrände in Italien
 12. Juli Zufriedenheit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz entschuldigt sich für G20-Krawalle, China errichtet Militärstützpunkt im ostafrikanischen Dschibuti, Westbalkan-Gipfel, Deutsches Schulsystem steht offenbar vor erheblichen Engpässen, Bundesregierung will Übernahmen sicherheitsrelevanter Unternehmen strenger prüfen, Polizei nimmt Tatverdächtige im Berliner Goldmünzen-Fall fest, Gigantischer Eisberg löst sich aus antarktischem Schelfeis
13. Juli Aktivität, Mut; Zufriedenheit
Deutsch-französischer Ministerrat tagt in Paris, Britische Regierung stellt Gesetzentwurf für Brexit vor, Gipfelteilnehmer beschließen engere Partnerschaft von Ukraine und EU, EU-Kommission leitet Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn ein, Bundespräsident Steinmeier besucht Afghanistan, Bundesregierung genehmigt weitere Rüstungsexporte in arabische Staaten, Daimler gerät im Dieselskandal unter Druck, Hauptangeklagter im Nemzow-Prozess zu 20 Jahren Haft verurteilt, Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo verstorben
 14. Juli  Vertrauen, Zufriedenheit Franzosen feiern Nationalfeiertag, Ein Jahr nach dem Anschlag von Nizza, Türkei verweigert Bundestagsabgeordneten Besuch auf NATO-Basis Konya, U-Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses prüft mögliche Behördenfehler im Fall Amri, Tote nach Schüssen auf Polizei in Jerusalem, Messerangriff auf Urlauber in Ägypten, Hunderte Flüchtlinge erreichen Italien, Steinmeier trifft Österreichs Bundespräsidenten Van der Bellen in Wien, Sorge um Witwe von Liu Xiaobo
16. Juli Glück, Offenheit
Ein Jahr nach Putschversuch in der Türkei, Merkel im ARD-Sommerinterview, Schulz stellt Ziele seiner Politik vor, Protest gegen Justizreform in Polen, Gedenken an Massenfestnahmen von Juden in Frankreich 1942, Nach Sperrung Zugang zum Tempelberg wieder geöffnet, Massenpanik im Senegal nach Fußballspiel
18. Juli Kraft, Zufriedenheit
Sechs Menschenrechtsaktivisten in türkischer Untersuchungshaft, Merkel hält Inhaftierung von Aktivisten für ungerechtfertigt, Beginn der Plädoyers im NSU-Prozess, Abschlussbericht im Missbrauchsskandal um Domspatzen veröffentlicht, Daimler weitet Rückruf von Dieselfahrzeugen aus, „Trumpcare“ scheitert bereits vor Abstimmung im US-Senat, Neue US-Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Verheerende Waldbrände auf dem Balkan
19.  Juli Zufriedenheit Auswärtiges Amt bestellt türkischen Botschafter ein, EU-Kommission fordert Stopp der polnischen Justizreform, Plädoyers im NSU-Prozess vertagt, Soldaten der Kaserne in Pfullendorf scheitern mit Klage gegen Entlassung, Generalstabschef tritt nach Auseinandersetzung mit Macron zurück, Bundesverkehrsministerium begrüßt Rückrufaktion von Daimler, Mindestlohn in der Pflegebranche vor deutlicher Erhöhung, Prinz William und Kate besuchen Deutschland
20. Juli Vertrauen, Aktivität, Mut
Gabriel kündigt Neuausrichtung der Türkei-Politik an, Reaktionen aus der Türkei, Keine weiteren Beitragsentlastungen für Familien, Polnisches Parlament verabschiedet umstrittene Justizreform, Kaum Fortschritte bei Brexit-Verhandlungen, Britisches Prinzenpaar zu Besuch in Heidelberg, US-Präsident Trump stoppt Waffenlieferungen an syrische Rebellen, Cholera im Jemen breitet sich weiter aus, Polizei präzisiert Angaben zu Krawallen auf Schorndorfer Volksfest, Hamburger Zoll stellt Rekordmenge an Kokain sicher
22. Juli Zufriedenheit Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis, Nahost-Konflikt spitzt sich zu, Sarah Huckabee Sanders wird neue Sprecherin der US-Regierung, US-Präsident Trump weiht neues Kriegsschiff ein, Polens Senat billigt umstrittene Justizreform, Warschau erinnert an die Deportation polnischer Juden, Neue Waffenruhe im Osten Syriens, 16-Jährige mutmaßliche IS-Kämpferin aus Sachsen im Irak identifiziert, Norwegen erinnert an die Opfer von Oslo und Utöya, München gedenkt der Opfer des Amoklaufs, Berlin feiert den Christopher Street Day

Nachfolgend werde ich versuchen, die Trendergebnisse in modellhafte Vorstellungen umzusetzen. Dabei handelt es sich um meine ganz persönliche Sicht, die weniger nach Zustimmung heischt als vielmehr anregen soll, eigene Erklärungen zu finden.

Wie bereits in den vorausgegangenen Zyklen zu sehen war, finden die stärksten Bewegungen in den Gefühlsbereichen Vertrauen, Glück, Zufriedenheit und Kraft statt, wobei Vertrauen sich als sensibelster Gefühlswert zeigt. Vertrauen ist die Währung der Politik und so verwundert es nicht, dass sensible Politiker wie der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert in einem Interview kürzlich feststellte, dass das Vertrauen in allen Bereichen immer mehr verloren gehe. Wie man diese Feststellung bewerten soll, hängt entscheidend von der Situation ab, auf die sich das Vertrauen jeweils bezieht. Soweit es sich um politische Sachverhalte handelt, kann eine grobe Unterscheidung in außenpolitische und innenpolitische Sachverhalte weiterhelfen. Tendenziell ist das Interesse der Öffentlichkeit an innenpolitischen Fragen und insbesondere solchen, die wirtschaftliche Auswirkungen auf die Menschen im Lande haben größer, als solche, die nicht unmittelbar das eigene Leben betreffen. Hieraus erklärt sich unter anderem die teilweise sehr heftige Reaktion in den Gemeinden auf die Aufnahme von Flüchtlingen, die zu einer Wende in der Haltung der Bundesregierung zur Aufnahme von Flüchtlingen geführt hat. In diesem Problemfeld ist es neben dem der Rückkehr potentieller Terroristen aus den islamistischen Kriegsgebieten zu einem Heranrücken außenpolitischer Probleme an den Privatbereich der Einwohner gekommen. Damit wurde eine unsichtbare Grenze überschritten, die zwischen dem Legitimitätsbereich von Vertrauen in die gewählten Politiker und dem engeren Lebensbereich der Bewohner besteht und der nicht durch Vertrauen reguliert ist, sondern der intensiven Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen unterliegt. Die politische Ignoranz des Staates gegenüber diesen Empfindlichkeiten legt ein erhebliches Maß an demokratischen Defiziten bloß, die selbst zu einem Konfliktfeld zwischen Staat und Bürger geworden sind und das Vertrauensverhältnis zwischen den gesellschaftlichen Kräften der Demokratie grundlegend instabil werden lassen.  Besonderes Augenmerk verdienen deshalb auch die häufiger werdenden Ausschläge der Offenheits- und Aktivitätslinie, die handlungsorientierte Bedeutung und Aussagekraft für Veränderungsbereitschaft haben. Diese Ausschläge stehen mit großer Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit den Überraschungen, die in den letzten Landtagswahlen zutage getreten sind.

Die Situation wird übersichtlicher, wenn die Entwicklungslinien als Trendverläufe dargestellt werden:In den oben dargestellten Trendverläufen für Juni und Juli sind deutliche Unterschiede zu sehen. Etwa gleichbleibende Tendenzen gibt es hinsichtlich Aktivität, Hoffnung und Zufriedenheit. Bei allen anderen Gefühlswerten ist eine Veränderung der Trendrichtung zu sehen. Das unspezifische Allgemeinbefinden ist von einer Stagnation in einen leichten positiven Trend übergeangen. Der leicht negative Trend für Mut ist in einen schwach positiven Trend übergegangen und der insgesamt im Defizit verlaufende leicht negative Trend der Offenheit ist in einen schwach positiven Trend übergegangen. Für alle anderen Trends gibt es eine deutliche Trendumkehr von positiver Richtung in negative Richtung (Vertrauen, Kraft, Glück, Freude). Die Relationen untereinander haben sich dabei jedoch nur leicht verschoben. Nach wie vor ist das Vertrauen mit Abstand das stärkste Gefühl. Hierin kommt einerseits die für die Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft unverzichtbare Grundhaltung zum Ausdruck, andererseits aber auch die Arbeitsteiligkeit und Ohnmacht des Einzelnen, die in dem Wertesystem Orange gebündelt sind und hier einen enormen Anteil der vorhandenen psychischen Energie in Anspruch nehmen. Die Gefühle von Kraft und Glück verhalten sich gleichsinnig zum Vertrauen und zeigen an, dass sie der Gegenpol zu Vertrauen auf individueller Ebene sind. In einem Satz ausgedrückt kann man sagen: „Meine Kraft und mein Glück geben mir Vertrauen in den Sinn des Lebens, der über mein Selbst hinausreicht und dem ich zustrebe„. Umgekehrt kann man sagen: „Mein Vertrauen in den Sinn des Lebens, der über mein Selbst hinausreicht, gibt mir Kraft und Glück„. Hierin zeigt sich die allgemein vertretene Grundauffassung, die einen Solipsismus, der nur das eigene Ich als Realität anerkennt, ablehnt. Als stabiler Trend zeigt sich die abnehmende Zufriedenheit, die gleichsinnig mit der Hoffnung abnimmt. Diese Gefühle können als Ausdruck einer Besorgtheit gesehen werden, die den Realitäten und den damit verbundenen Problemen entspricht und die dunkle Seite des persönlichen Glücks zum Ausdruck bringt. Es kann davon ausgegangen werden, dass große Teile der deutschen Gesellschaft ihren Wohlstand in dem Bewusstsein genießen, dass es dem Rest der Welt überwiegend schlechter bis zu lebensbedrohlich schlecht geht. Die große Hilfsbereitschaft der Deutschen zur Versorgung der Flüchtlinge während der Zeit offener Grenzen auf der „Balkanroute“ diente neben der tätigen Barmherzigkeit auch der Beruhigung der schlechten Gewissen und dem Eingeständnis einer unausgesprochenen Mitschuld des reichen Westens an den Krisen der armen Welt.Im längerfristigen Trend zeigt sich das Vertrauen mit zunehmender Tendenz als dominierender Gefühlswert und die Zufriedenheit als abwärts gerichteter Gegentrend, der zur Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts der Gefühle erforderlich ist und Glück, Freude und Hoffnung als Dauerzustand möglich macht. Grundbedingung hierfür ist eine konservative Beharrungstendenz, die Veränderungen nur sehr zögerlich zuläßt und das Aktivitätsniveau niedrig hält. Das gesamte Szenario ergibt einen stabilen Gefühlshaushalt auf mittlerem Niveau, der öffentliche Freudenfeste oder Protestveranstaltungen und Trauerkundgebungen unwahrscheinlich macht. Hieraus ist erklärbar, dass die schweigende Mehrheit erst – wie im Fall der Demonstration gegen rechte Gewalt im November 1992 in Berlin – unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten mit 350000 Menschen auf die Straße ging und schließlich ist auch so erklärbar, warum eine Minderheit von Jugendlichen aus Nordafrika an Silvester 2015 auf der Kölner Domplatte sexistische Straftaten verüben konnte. Wären die „anständigen“ Bürger auf den Straßen gewesen und hätten sich mit den Jugendlichen gemischt, hätten sich wohl kaum solche Szenen wie in dieser Nacht abgespielt. 

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